„Jede Gruppe hat gewisse dynamische ‚Gesetzmäßigkeiten‘, die sich im Prinzip unabhängig vom Thema und auch unabhängig von den Vorerfahrungen der Teilnehmer einstellen.“ (Langmaack & Braune-Krickau, 2000, S. 145)
Die noch hier im weiteren Verlauf dargestellten Entwicklungsphasen können nicht immer deutlich voneinander getrennt werden, da sich hier meist ein fließender Übergang vollzieht oder sie sogar in Schleifen verlaufen können. Verfügt die Lehrkraft jedoch über Wissen, welche Phasen, Prozesse und gar kritische Ereignisse sich in einer Gruppe ereignen können, so kann sie diese Erkenntnisse für sich nutzen, um den Prozess der Gruppe erfolgreich mitzugestalten. Gestaltet sie diese Phasen und Prozesse nicht, so läuft die Gruppenarbeit an sich Gefahr, dass die Arbeitslust und Arbeitsfähigkeit verloren geht. All diese Erkenntnisse sollen dazu dienen, dass die Lehrkraft notwendiges Handlungswissen erwirbt, damit sie Synergieeffekte für die Gruppe nutzt, um eine hochproduktive Arbeitssituation zu erzeugen. (vgl. Muster-Wäbs, 2005, S. 434)
Auch sollte die Lehrkraft sich immer bewusst sein, dass das Ergebnis der (Sach-)Arbeit immer erheblich von der Beziehung zur Lehrkraft und den Beziehungen der Personen innerhalb der Gruppe abhängig ist. (vgl. Muster-Wäbs, 2005, S. 425)
„Eine Gruppe arbeitet also immer an zwei Themen: der Beziehung und der Sache.“ (Muster-Wäbs, 2005, S. 434)
Das Gruppenverständnis von dem hier ausgegangen werden soll betrifft jedoch eher Gruppen, die längere Zeit (mehrere Tage, Wochen, Monate bis hin zu Jahren) miteinander arbeiten. Gruppen, die nur bis zu einem Tag zusammenarbeiten sollen, durchlaufen die Entwicklungsphasen wenn überhaupt nur in kaum merklichen Ansätzen (vgl. Muster-Wäbs, 2003, S. 150).
Inhaltsverzeichnis
1. Einstieg in das Thema
2. Entwicklungsphasen einer Gruppe
2.1. Ankommen – Sich orientieren – Auftauen – Kontakt aufnehmen
2.2. Gährung und Klärung
2.3. Arbeitslust und Produktivität
2.4. Transfer, Abschluss und Abschied
3. Krisen in Gruppenarbeiten
3.1. Trittbrettfahren
3.2. Koordinationsverluste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, Lehrkräften das notwendige Handlungswissen über Gruppenprozesse zu vermitteln, um diese aktiv zu steuern, Synergieeffekte zu nutzen und eine produktive Arbeitsumgebung zu schaffen.
- Dynamik und Phasen von Gruppenprozessen
- Prävention und konstruktiver Umgang mit Krisen
- Methoden zur Gestaltung der Gruppenphasen
- Rolle der Lehrkraft in der Prozessbegleitung
- Förderung der Sozialkompetenz und Selbststeuerung
Auszug aus dem Buch
2.2. Gährung und Klärung (Schöttke)
Aufkommende Konflikte können durch eine offene und ehrliche Auseinandersetzung gegebenenfalls durch die Lehrkraft moderiert werden, um so zu Entwicklungshelfern für die Sach- und Beziehungsebene zu werden. Diese Konflikte bzw. Beziehungsprobleme werden häufig von beiden Seiten (Lernender und Lehrkraft) als bedrohlich wahrgenommen.
Die Erkenntnis, dass dies jedoch ein normaler Prozessablauf ist, sollte die Lehrkraft motivieren, dies als Chance für die Gruppe(n) und sich selbst wahrzunehmen. (vgl. Muster-Wäbs, 2005, S. 440)
Treten Störungen und Konflikte auf, so sind dort vorrangige Gefühle wie Sympathie und Antipathie, das Ringen um Aufmerksamkeit, aber auch Unsicherheit, Ängstlichkeit und Zweifel mit verbunden.
Häufig wird im gleichen Zug auch die Lehrkraft in Frage gestellt. Einzelne können „Machtkämpfe“ mit ihr anstreben oder ausfechten, andere wiederum wünschen sich eine klarere Führung und mehr Schutz von dieser. Kurz um, einige fühlen sich eingeengt und benötigen mehr Freiraum, andere fühlen sich allein gelassen. Durchsetzung eigener Interessen, Meinungspolarisierung, Machtkämpfe, Konkurrenz und Widerstand gegen auferlegte Rollen beherrschen das Verhalten der Gruppenmitglieder in Teilen auch gegen die Lehrkraft, nicht nur gegen die Gruppenmitglieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einstieg in das Thema: Dieses Kapitel erläutert die dynamischen Gesetzmäßigkeiten von Gruppen und betont, dass Lehrkräfte durch das Wissen über Phasen und kritische Ereignisse Gruppenprozesse erfolgreich mitgestalten können.
2. Entwicklungsphasen einer Gruppe: Es werden die vier zentralen Phasen der Gruppenentwicklung von der Orientierung bis zum Abschied detailliert beschrieben, ergänzt um methodische Gestaltungsmöglichkeiten für die Lehrkraft.
3. Krisen in Gruppenarbeiten: Dieses Kapitel behandelt Herausforderungen, die nicht spezifisch einer Phase zuzuordnen sind, wie Trittbrettfahren und Koordinationsverluste, und bietet Strategien für den Umgang damit.
4. Fazit: Das Fazit unterstreicht die Wichtigkeit der prozessorientierten Begleitung durch die Lehrkraft, um Frustration zu vermeiden und einen hohen Kompetenzzuwachs bei den Lernenden zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Gruppenprozesse, Gruppenphasen, Lehrkraft, Sozialkompetenz, Konfliktlösung, Krisenmanagement, TZI, Trittbrettfahren, Koordinationsverluste, Selbststeuerung, Gruppenklima, Prozessevaluation, Moderation, Kommunikation, Arbeitslust
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den dynamischen Prozessen und Entwicklungsphasen in Gruppen sowie der Rolle der Lehrkraft bei der Gestaltung und Begleitung dieser Prozesse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die verschiedenen Phasen der Gruppenentwicklung, der Umgang mit Konflikten und Krisen, die Förderung von Sozialkompetenz sowie die methodische Unterstützung durch die Lehrkraft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lehrkräften Handlungswissen zu vermitteln, um Synergieeffekte in Gruppen zu nutzen und eine produktive Arbeitssituation zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener pädagogischer und gruppendynamischer Standardwerke, die methodisch für die Praxis aufbereitet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Phasen Ankommen, Gährung/Klärung, Arbeitslust/Produktivität sowie Transfer/Abschluss erläutert, gefolgt von einer Analyse allgemeiner Krisenpotenziale in Gruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich besonders durch Begriffe wie Gruppenphasen, Konfliktlösung, Selbststeuerung und prozessorientierte Begleitung charakterisieren.
Was unterscheidet „Trittbrettfahren“ von „sozialem Bummeln“?
Der Hauptunterschied liegt im Bewusstsein: Trittbrettfahren ist eine bewusste Entscheidung des Gruppenmitglieds, während soziales Bummeln unbewusst abläuft.
Warum sollte die Lehrkraft eine „Kommunikator“-Rolle innerhalb der Gruppe etablieren?
Die Etablierung eines Kommunikators dient der reibungslosen Kommunikation und fördert die Selbständigkeit sowie Selbstverantwortung der Lernenden, was die Autorität der Lehrkraft reduziert.
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- Bachelor Bettina Schmidt (Author), Jennifer Schöttke (Author), 2009, Gruppenphasen - Kritische Ereignisse in Gruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172571