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Poetische Gerechtigkeit bei E.T.A. Hoffmann

Psychoanalytische Antworten auf den "Meister Floh"

Titel: Poetische Gerechtigkeit bei E.T.A. Hoffmann

Hausarbeit , 2026 , 20 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Untertitel der vorliegenden Arbeit unterstellt dem spätesten der Hoffmann’schen Texte, dem "Meister Floh. Ein Märchen in sieben Abentheuern zweier Freunde" (1822), eine gewisse Fragwürdigkeit. Denn wo keine Fragen, da keine Antworten; auch keine psychoanalytischen. Schon zeitgenössische Leser hatten ihre Schwierigkeiten mit der Vielseitigkeit des Märchenromans, wobei insbesondere ein bestimmter Textteil, der später als Knarrpanti-Episode in die Literaturgeschichte eingegangen ist, zu Problemen führte. Am Leitfaden der verschiedenen Fragen, die der Text im Laufe der Zeit an seine Rezipienten stellte, lässt sich heute schon eine kleine Deutungsgeschichte schreiben. Von einem Ende kann aktuell noch nicht gesprochen werden, was die Arbeit beispielhaft demonstrieren möchte.

Kapitel 1 legt den Grundstock für dieses Unternehmen, indem Umfang und Grenzen des Begriffs der poetischen Gerechtigkeit diskutiert werden. Eine wichtige Einsicht betrifft die ihr zugeschriebenen Funktionen. Unklar bleibt nämlich, wie sich die befriedigende Wirkung, die dem Walten poetischer Gerechtigkeit oft attestiert wird, verstehen lässt.
Das Herzstück der Arbeit besteht in der Auseinandersetzung mit bereits verfügbaren Deutungsangeboten. Kapitel 2 beginnt also mit den ersten Reaktionen auf eine bestimmte Entdeckung Georg Ellingers ab dem Jahr 1906. Die hier als historisch-biographisch ausgewiesenen Versuche verorten den Text inmitten der politischen Wirklichkeit der Restaurationszeit und hinterfragen die besondere Rolle, die Hoffmann als Dichterjurist in ihr einnahm. Die Präsentation solcher Ergebnisse erlaubt praktischerweise auch die Einführung einiger Rahmeninformationen zum Text. Seit den 1980er-Jahren zeichnet sich ein Perspektivwechsel ab. Formale und funktionale Aspekte treten in den Vordergrund, die zur Begründung einer Hoffmann-spezifischen Poetik genutzt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei einem Dokument, was im Zuge der Akteneinsicht ebenfalls zutage gefördert wurde. Es handelt sich um eine Erklärung, die Hoffmann in seinen letzten Lebenstagen abfassen ließ und dem amtlichen Verhörprotokoll der preußischen Justiz beigab.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Poetische Gerechtigkeit

2.. Deutungsfelder der Knarrpanti-Episode
2.1. Historisch-biographischer Deutungsrahmen: Die Zensuraffäre
2.2. FunktionalerDeutungsrahmen: Kontrastästhetik
2.3. Psychoanalytische Erweiterung

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Der Untertitel der vorliegenden Arbeit unterstellt dem spätesten der Hoffmann’schen Texte, dem Meister Floh. Ein Märchen in sieben Ahentheuern zweier Freunde (1822)1, eine gewisse Fragwürdigkeit. Denn wo keine Fragen, da keine Antworten; auch keine psychoanalytischen. Schon zeitgenössische Leser hatten ihre Schwierigkeiten mit der Vielseitigkeit des Märchenromans.2 3, wobei insbesondere ein bestimmter Textteil, der später als Knarrpanti-Episode in die Literaturgeschichte eingegangen ist, zu Problemen führte. Am Leitfaden der verschiedenen Fragen, die der Text im Laufe der Zeit an seine Rezipienten stellte, lässt sich heute schon eine kleine Deutungsgeschichte schreiben. Von einem Ende kann aktuell noch nicht gesprochen werden, was die Arbeit beispielhaft demonstrieren möchte.

Kapitel 1 legt den Grundstock für dieses Unternehmen, indem Umfang und Grenzen des Begriffs der poetischen Gerechtigkeit diskutiert werden. Eine wichtige Einsicht betrifft die ihr zugeschriebenen Funktionen. Unklar bleibt nämlich, wie sich die befriedigende Wirkung, die dem Walten poetischer Gerechtigkeit oft attestiert wird, verstehen lässt.

Das Herzstück der Arbeit besteht in der Auseinandersetzung mit bereits verfügbaren Deutungsangeboten. Kapitel 2 beginnt also mit den ersten Reaktionen auf eine bestimmte Entdeckung Georg Ellingers ab dem Jahr 1906. Die hier als historisch-biographisch ausgewiesenen Versuche verorten den Text inmitten der politischen Wirklichkeit der Restaurationszeit und hinterfragen die besondere Rolle, die Hoffmann als Dichterjurist in ihr einnahm. Die Präsentation solcher Ergebnisse erlaubt praktischerweise auch die Einführung einiger Rahmeninformationen zum Text. Seit den 1980er-Jahren zeichnet sich ein Perspektivwechsel ab. Formale und funktionale Aspekte treten in den Vordergrund, die zur Begründung einer Hoffmann-spezifischen Poetik genutzt werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei einem Dokument, was im Zuge der Akteneinsicht ebenfalls zutage gefördert wurde. Es handelt sich um eine Erklärung, die Hoffmann in seinen letzten Lebenstagen abfassen ließ und dem amtlichen Verhörprotokoll der preußischen Justiz beigab.

Beschlossen wird die Arbeit mit einem eigenen Vorstoß: Möglicherweise handelt es sich beim Phänomen ,poetische Gerechtigkeit4 um die Repräsentation eines universalen Gerechtigkeitsbedürfnisses, das sich immer dann Bahn bricht, wenn Menschen dichtend Welt verarbeiten. Neben produktionsästhetischen Hinweisen (Literarisierung der Demagogenprozesse vonseiten Hoffmanns) sollen vor allem

Figurenkonstellationen Indizien liefern. Insgesamt wird ein von der klassischen Psychoanalyse entwickeltes Modell zur Erklärung genutzt.

1. Poetische Gerechtigkeit

„Tugend wird belohnt, Bosheit bestraft“5. Wird Figuren eines literarischen Textes solch ein Schicksal beschieden, dann liegt klassischerweise ,poetische Gerechtigkeit vor. Die Formel lässt bereits erahnen, dass es sich hierbei um ein Ordnungsprinzip handelt, das Figurendarstellung und Handlungsverlauf miteinander verbindet. Indem ein bestimmtes Verhalten kausal oder ironisch mit dem Ausgang von Belohnung oder Strafe verknüpft wird, fällt der Text ein moralisches Urteil. So finden in der klassischen Tragödie nicht selten ausgerechnet diejenigen den Tod, die im Vorhinein Schuld - und sei sie noch so gering - auf sich geladen haben.6

Die Frage nach der Angemessenheit eines solchen moralischen Urteils lässt sich auf mindestens drei verschiedene Weisen beantworten. Schon die Aufklärungspoetiken des 17. und 18. Jahrhunderts sehen das didaktische Potenzial einer nach festgelegten Gerechtigkeitsprinzipien geordneten fiktiven Welt. Neben diese belehrende Funktion treten dann zweitens auch religiös-weltanschauliche und drittens ästhetische Begründungsversuche.7 Während die Verwirklichung einerVorsehung Gottes ähnlich wie die Vermittlung einer vorgeschriebenen Moral noch recht verständlich erscheinen (beide Funktionen stützen sich auf eine Doktrin), bereitet die befriedigende Wirkung eines gerechten Handlungsausgangs, wie sie eine ästhetische Begründung postuliert, bei genauerem Hinsehen allerdings einige Probleme. Welche Bedürfnisse werden überhaupt befriedigt? Müssen sie nicht als allzu subjektiv und situativ gelten? Und wenn ja, womit korrespondiert die Befriedigung dann schlussendlich? Solche Fragen konnten bislang noch nicht ausreichend geklärt werden.

Obwohl bereits in der Antike von der Dichtung erwartet wurde, dass sie moralische Sachverhalte der außerliterarischen Wirklichkeit verarbeite, kommt es erst im Zuge der Aufklärung zu einer Terminolo- gisierung. Mit der von Thomas Rymer 1678 eingeführten Bezeichnung poetical justice für die ,Betra- fung des Schuldigen in der Tragödie‘ wurde der Grundstein für eine ausführliche Diskussion des Begriffs gelegt. Auch in Deutschland, wo der übersetzte Ausdruck Poetische Gerechtigkeit dann erstmals 1742 in einer Ausgabe von Der Zuschauer erwähnt wird, bleibt die kritische Kommentierung nicht aus. Während Befürworter einer am Prinzip der Belehrung orientierten Literatur sie zum Dogma erheben, erkennen kritische Köpfe zugleich die ihr innewohnende Tendenz zur Vereinseitigung. Zu beobachten ist schließlich Folgendes: Spätestens die Romantiker verabschieden die ,poetische Gerechtigkeit als eine Doktrin, die seither zunehmender Trivialisierung unterlag.8 Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass ausgerechnet Hoffmann an ihr als einem gestalterischen Prinzip festhält. Ferner wird deshalb zu erörtern sein, welche Gestalt ihr im Meister Floh gegeben wird.

Heute gibt es immer noch poetisch-gerecht strukturierte Geschichten. Es sind dies allerdings nicht mehr die Dramen oder überwiegend Romane, wie dies noch im 19. Jahrhundert der Fall war, sondern die Telenovelas und Daily Soaps im Fernsehprogramm. Auch im unterhaltenden Kriminalroman tritt die ,poetische Gerechtigkeit ihr zeitgenössisches Erbe an.9

Besondere Aufmerksamkeit wird dem Konzept neuerdings in bestimmten interdisziplinären Forschungsrichtungen zuteil, die man oft mit dem Etikett ,Ethik der Literatur‘ oder ,Literatur und Recht versieht. Aus der Einsicht, dass die Verarbeitung moralischer und juristischer Sachverhalte in der literarischen Praxis eigentlich nicht wirklich vermieden werden könne, stellt sich für Vertreter manchmal die Frage, ob nicht Literatur, „die bessere Moralphilosophie“10 sei. Prominente Befürworter dieser Position legen überzeugende Argumente vor. So behauptet Martha Nussbaum beispielsweise, dass Kunst das praktische Urteilsvermögen der Menschen allein schon deshalb schult, weil es im Leben wie in der Kunst um die Auseinandersetzung mit dem Besonderen will sagen konkreten Problemen gehe.11 Richard Rorty geht sogar so weit zu behaupten, dass die Fragen der Ethik mit denen der Ästhetik deshalb zusammengehören, weil es bei ihrer Beantwortung immer um „imaginative[] Neubeschreibungen“12 gehe, wobei die Mehrdeutigkeit vieler Texte regelrecht horizonterweiternd wirke. Am Phänomen der Polyvalenz scheiden sich die Geister allerdings. Pippins hält nämlich überzeugend dagegen, dass Mehrdeutigkeit die Rechtfertigungsmöglichkeiten verschiedener moralischer Positionen enorm erhöhe. Wenn es einer Moralphilosophie eigentlich aber um Überzeugung und klare Positionierung geht, dann könne moderne Literatur lediglich problematisieren. Ein Urteilsspruch könne nicht erwartet werden.13 Ausgehend von Charles Taylors Charakterisierung des Menschen als >animal interpretans<14, eines Geschichten erzählenden und über Geschichten sich selbst auslegenden Lebewesens, kommt Eva Schürmann zu folgendem Schluss: Erst der interpretierende Zugriff des Lesers stelle überhaupt Relevanzen her. Bestimmte Lektüreakte erlauben es demnach, entweder eine bestimmte Moral aus einem Text zu extrahieren, sie infrage zu stellen oder aufzuzeigen, dass der Text sich einer solchen Zuordnung eben sperre. Ihr

Fazit wird auch den Gang der hiesigen Untersuchung leiten: „Damit aber nähern sich beide Diskursformen einander an, denn Philosophie, die Literatur interpretiert, ist nicht mehr rein argumentativ, und Literatur wird qua philosophischer Interpretation ein Modus des Philosophierens“.15

2. Deutungsfelder der Knarrpanti-Episode

Die Handlung des Meister Floh ist schnell referiert: Ein etwas weltfremder Kaufmannssohn wird scheinbar zufällig in mehrere sogenannte Abenteuer verstrickt, an deren Ende der glückliche Ausgang einer Hochzeit steht. Sowohl eine turbulente Liebesaffäre als auch eine groteske Kriminalgeschichte führen Peregrinus Tyß aus seiner eigenbrötlerischen Existenz in die Arme seiner wahren Liebe und damit auch in die Mitte der gutbürgerlichen Gesellschaft, als deren Mittelpunkt die im 19. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewinnende Familie steht. Es sind die oft als Episode gekennzeichneten Abenteuer vier und fünf, die die besagte Prozessgeschichte erzählen: Peregrinus wird auf Geheiß des Frankfurter Stadtrats in Untersuchungshaft genommen. Kläger ist der geheime Hofrat Knarrpanti - ein so bezeichnetes „Faktotum an dem Hofe eines kleinen Fürsten“16 -, der behauptet, dass der ledige Tyß für den Raub einer Frau verantwortlich zu machen sei, die Gerüchten zufolge von einer Gesellschaft am Weihnachtsabend entwendet worden wäre. Kern der Groteske ist Knarrpantis Beharrlichkeit entgegen aller Indizien. Schnell stellt sich nämlich heraus, dass weder ein Mensch vermisst werde noch die vorgebrachten Beweise eine klare Sprache sprechen. Überraschenderweise glaubt selbst Knarrpanti nicht ernsthaft an die Schuld seines Opfers, dessen Fall er lediglich dazu nutzt, seinen beschädigten Ruf im heimatlichen Fürstentum durch besondere Herrschaftsdienste zu sanieren. Der Hofrat scheitert nicht zuletzt an der Treue des Stadtrats zu rechtstaatlichen Prinzipien und zieht in der Folge mit Schimpf und Schande von dannen. Laster wird bestraft und Tugend belohnt; das Schicksal der jeweiligen Figuren zeigt, weshalb hier ein Fall von poetischer Gerechtigkeit vorliegt. Freilich wird noch nachzuweisen sein, worin die Tugend des Peregrinus besteht.

2.1. Historisch-biographischer Deutungsrahmen: Die Zensuraffäre

Es liegt ein gewisser Reiz in der Arbeit, Texte durch Querverbindungen zum Leben oder den Lebensumständen von Autoren zu deuten. Versuche, im Meister Floh also dem Einfluss von Hoffmanns Brotberuf nachzuspüren17 oder ihn gänzlich in die Wirren der Demagogenverfolgung um 1820 verstrickt zu sehen, überwiegen den Forschungsdiskurs sogar.

Die bis heute gut erhaltenen Briefe derjenigen, die in den Jahren 1819 bis zur Veröffentlichung des ersten Textzeugen (1822) mit dem Meister Floh in Berührung getreten sind, erlauben eine recht zuverlässige Rekonstruktion des Entstehungszusammenhangs.18 Am Ol.Oktober 1819 nimmt Hoffmann die Arbeit in einer besonderen Untersuchungskommission19 auf, deren Mitglieder sowohl aus Juristen als auch aus Polizeibeamten des preußischen Staates bestehen. Ihr Zweck bestand darin, politische Gefahren von der Regierung des absolutistischen Preußens abzuwenden und somit zur Stabilisierung der res- taurativen Politik im Fahrwasser der Karlsbader Beschlüsse beizutragen. Konkret bedeutet das: Die Kommission konnte Verdächtigte inhaftieren lassen, aber eben auch bedeutende Entlassungen vornehmen. Das Unternehmen scheiterte schnell an inneren Spannungen. Vor allem die Repräsentanten zweier sich abzeichnender Lager - der Kammergerichtsrat Hoffmann auf der einen Seite gegen den Direktor des Polizeiministeriums Karl Albert von Kamptz - agierten von inkommensurablen Standpunkten aus. Während Hoffmanns Rechtsverständnis auf Prinzipientreue20 basierte, die ihn ein Urteil aufgrund bewiesener Taten fällen ließ, plädierte der Polizeidirektor für einen umfassenderen Straftaten-Begriff. Wenn es stimmt, dass Hoffmann den Meister Floh dafür nutzen wollte, die Ermittlungsmethoden der Polizei durch Persiflage und Satire zu kritisieren21, dann liefert die folgende Passage aus dem vierten Abenteuer ein gutes Verständnis für den Grund der Kontroverse:

So hatte sich auch in der Stadt das Gerücht verbreitet, dass am Weihnachtsabende aus einer großen Gesellschaft [...] eine vornehme Dame auf unbegreifliche Weise entführt worden [...]. Der Rat konnte nicht umhin, Nachforschungen amzmstellen; alle Gäste [...] wurden vernommen [...]. Keiner wusste indessen den Namen der entführten Dame anzugeben, und als der Bankier die Liste seiner Gäste einreichte, fand es sich, dass keine einzige von den Damen [...] vermisst wurde [...], so sah der Rat, wie es nicht anders geschehen konnte, das entstandene Gerücht für völlig grundlos und die ganze Sache für erledigt an. Da erschien aber vor dem Rat ein seltsamer Mensch [...]. Knarrpanti versicherte, daß es seiner ungemeinen Sagazität bereits gelungen, den Täter zu erforschen. - Auf die Erinnerung, daß doch eine Tat begangen sein müsse, wenn es einen Täter geben solle, meinte Knarrpanti, dass, sei erst der Verbrecher ausgemittelt, sich das begangene Verbrechen von selbst finde o Nur ein oberflächlicher leichtsinniger Richter sei [...] nicht imstande, dies und das hineinzuinquirieren, welches dem Angeklagten doch irgendeinen kleinen Makel anhänge [...] o Er müsse schonjetzt dringend auf die schleunige Verhaftung des Entführers [...] antragen, und dieser Entführer sei niemand anders als Herr Peregrinus Tyß, der ihm schon längst als höchst verdächtig bekannt und dessen Papiere er sofort in Beschlag zu nehmen bitte. Der Rat erstaunte über die kecke Anklage [...] und wies Knarrpantis Antrag mit vielem Geräusch zurück.22

Was tun und taten Knarrpanti/Kamptz also? Sie hegen unbegründeten Verdacht auf eine Straftat und fallen dazu noch politischem Fanatismus23 anheim, wie insbesondere die nächste Äußerung des zwielichtigen Hofrats im Text zeigt: „Das Denken, meine Knarrpanti, sei an und vor sich selbst schon eine gefährliche Operation und würde bei gefährlichen Menschen eben desto gefährlicher.“24

Neuere Untersuchungen zeigen, dass die ,Angst vor Gedankenfreiheit^ die sowohl Knarrpanti als auch die Polizeiminister Kamptz umtreibt, gar nicht zwingend so irrational ist, wie Hoffmanns prorepublikanisch-freiheitlicher Blick suggeriert. Auch in der heutigen politischen Wirklichkeit sind Geheimdienste in erster Linie an den Gedanken und dem Gefahren potenzial bestimmter Menschen interessiert, man denke nicht zuletzt an gewisse Terrororganisationen wie den IS.25 Konkrete Angst um Leib und Leben brachte die Offiziellen des Staates dazu, beträchtlichen (auch theoretischen) Aufwand zu betreiben26, Bücherverbrennungen (z.B. auf dem Wartburgfest von 1817) oder die Ermordung von Staatsdienern durch Studenten (u.a. der Fall Kotzebue) mit dem Etikett Terrorismus zu versehen. Unter diesem Label können polizeiliche Maßnahmen ergriffen werden, die esja eigentlich gerade zu fürchten gilt; namentlich die Beschlagnahmung und Deutung privater Notizen, unsicher begründete Inhaftierung oder gar Gewalt. ,Der Zweck heiligt die Mittel‘ aufbeiden Seiten.

Es ist Georg Ellinger zu verdanken, der die einstmals von der Zensur konfiszierten und im Aktenlabyrinth des Geheimen Staatsarchivs vergrabenen Knarrpanti-Teile einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte, dass überhaupt am Meister Floh geforscht wird.27 Von der Faszination für die Zensuraffäre geleitet, konnte diese erste Deuter-Generation nicht umhin, den Text weniger als poetische Einheit denn als juristisch-politisches Instrument der Gegenwehr des verzweifelten Richters Hoffmann anzusehen.[26] Poetische Gerechtigkeit kann in einer solchen Interpretation nur als moralische Rüge auftreten, die der traditionellen Funktionalisierung seit der Aufklärung nichts Neues hinzuzufügen weiß.

2.2. Funktionaler Deutungsrahmen: Kontrastästhetik

Natürlich wußte ieder, daß die inkriminierten Passagen Satire, sogar Personalsatire auf hochgestellte Beamte sind. Doch die ganze Verteidigung, die solches in Abrede stellt, ist so einfallsreich ausgedacht und erregt so unverhohlene Bewunderung selbst in der Staatskanzlei [...], daß die Energie der strafenden Instanzen darüber erlahmt und das Verfahren zunächst einmal auf Eis gelegt wird. Ein wirklich entwaffnender Einfallsreichtum.[27]

Neben den unzensierten Manuskripten befand sich in der Akte Hoffmann auch ein Dokument, was literaturgeschichtlich von unschätzbarem Wert ist. Zu sehen bekam Ellinger nämlich ein mit Erklärung zu >Meister Floh< überschriebenes Schriftstück, das entweder von Hoffmann selbst oder in seinem Namen abgefasst wurde.

Irgendwann zwischen 1820 und Neujahr 1822 muss Hoffmann in der Öffentlichkeit über sein Vorhaben gesprochen haben, da eine Tagebuchnotiz Varnhagens von Ense vom 10. Januar 1822 existiert, in der berichtet wird, dass ,,Hr. Kammergerichtsrath Hoffmann [...] an einem humoristischen Buche [schreibe], worin die ganze demagogische Geschichte, fast wörtlich aus den Protokollen, höchst lächerlich gemacht wird.“[28] Als Hoffmann vom Justizminister zur Rede gestellt wird, setzt er alle Hebel in Bewegung, um die inkriminierten Passagen beim Verleger Wilmans noch zu elidieren, aber da ist es schon zu spät. Auf Anordnung Polizeiministers von Kamptz übergibt Wilmans einem Gesandten Manuskripte, Druckbögen und obendrein auch noch die Briefe aus der Korrespondenz mit dem Autor. Am 07. Februar ergeht die königliche Ordre an Justizminister Kircheisen zur Vernehmung des unter Verdacht der Majestätsbeleidigung stehenden Hoffmann. Glücklicherweise wird ihnen gestattet, dem Protokoll noch eine eigens angefertigte Selbstauslegung zum besagten Text beizugeben, für die Hoffmann krnak- heitsbedingt eine Konzeptionszeit von ganzen zwei Wochen eingeräumt bekommt.

Hartmut Steinecke konnte zeigen, dass es sich bei diesem besonderen Dokument nicht allein um einen Sachtext handelt, wie lange angenommen, sondern dass Interpreten es mit einem literarischen Text sui generis zu tun haben. Konstitutiv sei vor allem seine Polyvalenz; Hoffmann verteidigt sich natürlich und spielt den Naiven, indem er seine apolitischen Absichten betont. Gleichzeitig bettet er seine Punkte in kleine Geschichten ein, von denen niemand weiß, ob sie sich wirklich so zugetragen haben. Er argumentiert nicht, sondern erzählt zu seinen Gunsten. Er unterwandert die Anklagepunkte ironisch und entwirft sogar eine kleine Poetik des Humors. Was er zuletzt aber nicht ist, ist Jurist.28 Die im Anschluss an einen ersten Vorstoß von Segebrecht (198O)29 entwickelten funktionalistischen Ansätze berücksichtigen die in der Erklärung bereits angelegte Tendenz, die Literarizität des Werks gegenüber seiner histo- rio-biographischen Kontextualisierung zu betonen.30 Zweckmäßig scheint es demnach, zuerst Hoffmanns eigene Gedanken zu präsentieren, bevor einige diesbezügliche Thesen aus der Forschung diskutiert werden. Am Ende des Kapitels wird aufgezeigt, warum auch textnahe Ansätze das Deutungspotenzial des Meister Floh nicht erschöpfen.

Um adäquat Stellung zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen zu nehmen, schickt sich Hoffmann an, die Knarrpanti-Abenteuer hinsichtlich ihrer poetischen Funktion für den Gesamttext zu erklären:

Um diesen Argwohn zu widerlegen sei es mir vergönnt schriftstellerisch darzutun, wie das ganze sogenannte Abenteuer, welches jenen Prozeß enthält, sich aus dem ganzen Cannevas der Geschichte und aus der Charakteristik der darin auftretenden Personen als ein integrierender Teil des Ganzen von selbst erzeugt, und daß kein einziges Wort darin enthalten ist, was nicht dazu beitrüge, jene Charakteristik [...] in ein helleres Licht zu stellen.31

„Schriftstellerisch“ erklärt er den Text folglich, indem er einen Gattungsbezug zur Form des Märchens herstellt und sich in einem zweiten Schritt zu Fragen positioniert, die der Literaturtheorie auch heute noch wichtig sind: Was sind Fiktionen?; Wie viel Bedeutung kann ein Text tragen?; Sind Wirklichkeitsbezüge möglich?

Nach dieser ganzen Ausführung ist es meines Erachtens wohl sehr klar, daß ich mit der ganzen in Rede stehenden Stelle nichts beabsichtigen konnte, als die ganze Tendenz des Märchens lebendiger ins Licht zu stellen, u<nd> zugleich den lachlustigen Leser zu ergötzen.32

Das Märchen gehöre zu den komischen Gattungen. So definiert Hoffmann die besagte „Tendenz“. In Anlehnung an zeitgenössische Theorien des Komischen, solle der „lachlustige[] Leser“ durch Kontraste „ergötz[t]“ werden.33 Kontraste gibt es im Meister Floh zuhauf, bemerkenswert erscheint unter ihnen jedoch die Figurenkonstellation Peregrinus - Knarrpanti. Dass Knarrpanti lediglich für diesen Zweck in die Geschichte eingeführt wird, wird dann auch zum hauptsächlichen Verteidigungsargument gegen den Satirevorwurf der Behörden.34

Allein der Protagonist Peregrinus ist ein Kontrast in sich.35 „Herr Peregrinus Tyß hatte sechs und dreißig Jahre erreicht und daher beinahe die besten.“36 Dennoch beschert er sich am Weihnachtsabend selbst ein Fest, wie es oft als typisch für die Kinder der gut-bürgerlichen Schichten des 19. Jahrhunderts dargestellt wird: Ahnungsvolles Warten vor der großen Stube - Flüchtige Impressionen vom zu erwartenden Lichterglanz - Duftspuren von Tannengrün, Gewürz und Marzipan - Eintritt und Freudenfest der Sinne. Dass dem Menschen im Kindesalter bereits eine zukunftsweisend-gefährliche Verständigkeit nachgesagt wird37, hindert nicht daran, ihn im Erwachsenenalter auch für ein wenig seltsam und gar wahnsinnig zu befinden:

Denn außerdem, daß er überhaupt im Allgemeinen menschenscheu war, so bewies er insbesondere eine seltsame Idiosynkrasie gegen das weibliche Geschlecht [...]. Schlimm war es also, daß viele bei dem Worte »Gemütsart« ein sehr geheimnisvolles Gesicht machten und auf näheres Befragen nicht undeutlich zu verstehen gaben, dass Hr. Peregrinus Tyß leider zuweilen was weniges überschnappe, ein Fehler, der ihm schon von früher Jugend her anklebe [...]. Wahr ist es freilich, daß Herr Peregrinus manches seltsame in und an sich trug, in das sich die Leute nicht finden konnten.

Das zurückgezogene Leben als Erbe eines ansehnlichen Vermögens, das der Vater als Kaufmann verdient hat, bringt ihm den Ruf eines Taugenichts ein. Es handelt sich, entgegen dem bereits bekannten Muster, allerdings nicht um eine typische Hofmann’sche Künstlerfigur, da Peregrinus zwar reift, aber kein Künstler wird. Am Ende steht der in die Gesellschaft wohlintegrierte liebende Ehemann.38 Phantasie besitzt der Kaufmannssohn aber allemal, denn „[d]as, was sein Gemüt ansprach, war nun aber alles Wunderbare, alles, was seine Fantasie erregte, in dem er dann lebte und webte.“39 Mangold sieht in dieser Anlage die Voraussetzung für die poetische Bewältigung des Konflikts durch Hoffmann, denn nur vor dem Auge des Phantasten können phantastische Dinge geschehen.40

„[Dem] Zerrbild, welches ich mit dem Namen Knapanti [sic] bezeichnet habe“41, wurden im vorangegangenen Kapitel bereits einige Konturen verliehen. Von da aus ist es sich nicht schwer vorzustellen, dass der Text auch an anderen Stellen nicht davon ablässt, einen Stereotypen aus ihm zu machen. Hierin unterscheidet sich Knarrpanti wesentlich von Peregrinus. Ferner teilt Tyß auch nicht dieselben Charakterschwächen mit seinem Widersacher, unter denen ein starkes Bedürfnis nach Macht und Selbstprofilierung hervorstechen. Schließlich muss Knarrpanti als Witzfigur das Feld räumen:

Man fand diese Angaben [des Peregrinus, Verf] richtig, und der merkwürdige Entführungsprozess war beendigt. Knarrpanti drang zwar noch auf fernere Vernehmung und las im Rat sein scharfsinniges Verhörsprotokoll vor, dies Meisterstück erregte aber ein allgemeines schallendes Gelächter [...]. Der seltsame Entführungs-Prozeß wurde zum Stadtgespräch, und der würdige Knarrpanti musste zu seinem nicht geringen Verdruß bemerken, daß die Leute sich mit allen Zeichen des Ekels und Abscheus die Nasen zuhielten, wenn er vorüberging, und ihre Plätze verließen, wenn er sich an die Wirtstafel setzen wollte. Bald machte er sich fort aus der Stadt. So mußte aber Knarrpanti das Feld mit Schimpf und Schande räumen, auf dem er Lorbeeren zu sammeln gehofft hatte.42

Das komische Potenzial einer solchen Figur wird im funktionalistischen Paradigma nicht bestritten. Im Gegenteil wird der Kontrasteffekt, den Hoffmann im Sinne hatte, sogar als besonders konstitutiv angesehen. Im Fokus der meisten textnahen Lektüren steht allerdings die Frage nach der immanenten Entwicklung der Figuren. Damit so eine Evolution für den Helden der Geschichte stattfinden kann, muss Knarrpantis Profil starr bleiben; er selbst lediglich zum „Katalysator“43 und Negativbeispiel für Peregrinus werden. Poetische Gerechtigkeit geriert sich diesen Ansätzen zufolge also nicht als Wirklichkeitskorrektiv, wie zuvor herausgearbeitet, sondern als strukturelle Ordnungsregel. Sie ermöglicht den positivenAusgang eines Konflikts im Rahmen des Musters ,Bildungsroman‘. Klassischerweise versteht man unter einem solchen eine ,längere Prosaerzählung von der Entwicklung eines zumeist jungen Menschen‘. Die teleologische Struktur gibt den Lauf der Dinge vor: Krisen und Irrtümer werden zugunsten von Selbstfindung und Integration in die Gesellschaft überwunden. Varianten dieses Prototyps sind auch bekannt. Der harmonische Ausgleich könnte auch mit ironischem Vorbehalt versehen oder - wie im Desillusionsroman - komplett gebrochen werden.44 Ist es angesichts der bislang besprochenen Befunde nicht erstaunlich, dass sich ausgerechnet ein Autor wie Hoffmann, dessen Stil sich normalerweise durch anspielungsreiches und ironisches Erzählen auszeichnet; dessen Dualismen von Phantasie und Realität45 bis dato nicht erprobte Erzählmöglichkeiten verwirklichen; dessen Verarbeitung von verschiedenen Figurenperspektiven ihm früh den Ruf eines psychologischen Realisten einbrachte46 ; dass ein durch und durch moderner Autor zu einem literarischen Gestaltungsprinzip greift, das bereits Zeitgenossen als banal empfanden.47 Es muss legitim sein, nach dem Warum zu fragen. Zwei Antworten konnten bereits angeführt werden: Entweder war Hoffmanns politisches Anliegen (Kritik an der preußischen Justiz) wichtiger als der Text selbst, oder, genau umgekehrt, die bemerkenswerte Handlungsarmut bestärke den Verdacht, dass es in Hoffmanns letztem Text lediglich um die Erprobung innovativer Erzählformen geht. Im Anschluss an eine These, die von Klaus Günther im Rahmen einer Analyse von Frischs Homofaber zur Disposition gestellt wurde48, soll abschließend eine vorläufige Antwort auf die Frage der Motivation präsentiert werden.

2.3. Psychoanalytische Erweiterung

Wie weit trägt eine Untersuchung, die das Prädikat literaturpsychologisch trägt? In Der Dichter und das Phantasieren49 - ein Text, der „die psychoanalytische Uiteraturwissenschaft in Keimform“50 enthält - beantwortet Sigmund Freud die Frage nach der Dichtung auf der Grundlage seiner um die Jahrhundertwende entwickelten Triebtheorie. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass Uiteratur als Produkt der Phantasie des Autors grundsätzlich der Wunscherfüllung diene, die eine „unbefriedigende]] Wirklichkeit“51 nötig mache. Nicht nur der Autor, sondern ebenfalls seine Ueser kommen im Uektüreakt auf ihre Kosten: Da alle Menschen basale Wünsche miteinander teilen (unter ihnen vornehmlich erotische oder solche, die der „Erhöhung der Persönlichkeit“52 dienen), könne der Text auch auf seine Ueser kathartisch wirken. Poetischer Sprachgebrauch steigere die Uusterfahrung sogar noch, indem die Wunschphantasie zunehmend verhüllt werde (Vorlust). Freuds Theorie vereint also produktions- mit rezeptionsästhetischen Gesichtspunkten. Plausibilität erheischen die Behauptungen durch ein genealogisches Verfahren, das die Psychoanalyse seit ihren Anfängen prägt. Dichtung erscheint als ,Spiel für Erwachsene^ „Jedes spielende Kind benimmt sich wie ein Dichter, indem es sich eine eigene Welt erschafft oder, richtiger gesagt, die Dinge seiner Welt in eine neue, ihm gefällige Ordnung versetzt.“53 Die Ernsthaftigkeit, mit der das Kind beim Aufwachsen zwangsläufig konfrontiert wird, zwinge denjungen Menschen zur Entwicklung seines Verhaltens:

Der Heranwachsende hört also auf zu spielen, er verzichtet scheinbar auf den Lustgewinn, den er aus dem Spiele bezog. Aber wer das Seelenleben des Menschen kennt, der weiß, daß ihm kaum etwas anderes so schwer wird wie der Verzicht auf einmal gekannte Lust. Eigentlich können wir auf nichts verzichten, wir vertauschen nur eines mit dem anderen [...].54

Erwachsenes Phantasieren gleiche strukturell nicht nur dem kindlichen Phantasieren, sondern außerdem dem Träumen. Vielleicht steht die Dichtung dem Traumleben aufgrund der Tendenz zur Verstellung sogar noch näher. Die Reihenbildung zwischen den Konzepten ,Spiel - Dichtung - Traum‘ gewährleistet die Integration der Dichtungstheorie in das Gesamtsystem der Psychoanalyse.55 Ein bedeutendes Theorem in diesem System ist die Annahme eines Unbewussten. Menschliches Verhalten kann demgemäß nur teilweise rational erklärt werden; gerade ein Autor muss mit seinen Handlungsmotiven nicht zwangsläufig vertraut sein.56

Methodisch empfiehlt Freud:

Von der an den Phantasien gewonnenen Einsicht her müßten wir folgenden Sachverhalt erwarten: Ein starkes aktuelles Erlebnis weckt im Dichter die Erinnerung an ein früheres, meist der Kindheit angehöriges Erlebnis auf, von welchem nun der Wunsch ausgeht, der sich in der Dichtung seine Erfüllung schafft; die Dichtung selbst läßt sowohl Elemente des frischen Anlasses als auch der alten Erinnerung erkennen.

Fiktives Figurenverhalten soll bewusst psychodynamisch erklärt werden, was vermuten lässt, dass die kategoriale Trennung zwischen Fiktivem und Faktualem in diesem Ansatz weniger wichtig ist.57 Für die hiesige Analyse wird es in Anbetracht der Freud’schen Empfehlung darum gehen, Auffälligkeiten des Textes (Unstimmigkeiten, Symbole, Motive oder Metaphern) auf ihr Potenzial hin zu befragen, inwieweit sie einen latenten Wunschgehalt des Autors oder der Menschheit überhaupt repräsentieren. Gegenstand ist der „Subtext“58, der eine Tiefenstruktur erahnen lässt, deren Beschreibung dann hoffentlich zur Erweiterung des klassischen Deutungsangebots des Meister Floh führt.

Das vorige Kapitel schließt mit einer hier anschlussfähigen Frage. Warum bedient sich Hoffmann eines seinerzeit bereits veralteten literarischen Gestaltungsprinzips? Hypothese: Menschen besitzen ein Verlangen nach absoluter Gerechtigkeit. Nachdem die Institutionen Religion - Moral - Recht diesem Bedürfnis im Zuge der Modernisierung nicht mehr umfassend nachkommen, obliegt diese Aufgabe allein der Kunst. „Das positive Recht mit allen seinen Unzulänglichkeiten befriedigt dieses Verlangen nur halbwegs.“59

Vielleicht sind wir gar nicht in jeder Hinsicht so aufgeklärt, wie wir uns einbilden, wenn wir das Leben nach naturwissenschaftlichen Kriterien auf Ursache-Wirkungs-Beziehungen [...] untersuchen [...]. Möglicherweise gibt es gleichwohl eine tief sitzende Intuition, die Welt sei letztlich so geordnet und eingerichtet, daß Verfehlungen bestraft werden, daß dem, der sich mehr genommen hat als ihm zusteht, wieder etwas weggenommen wird, daß Verdienste belohnt werden, auch wenn wir gleichzeitig wissen, daß es eine solche absolute Gerechtigkeit nicht gibt [.] Kaumjemand, der von einer Lebenskatastrophe selbst betroffen wird oder sie bei anderen erlebt, kann sich des Gedankens erwehren, daß sie eine Strafe für eine frühere Verfehlung sei oder ein Ausgleich füreinvorheriges Übermaß an Glück [,..].60

Diesem Hinweis folgend, könnte es sein, dass Hoffmann seinem letzten Romanprojekt, wenngleich unbewusst, eine Nachricht an die Nachwelt einschreiben wollte, die er als Jurist für ungleich wichtiger befunden haben muss als andere Menschen. Schon an anderer Stelle wurde die Frage gestellt, an wen die Erklärung des Dichters eigentlich gerichtet sein soll. Unmöglich ist es nicht, dass die Erklärung und der Haupttext weniger eine Verteidigungsschrift für den König und die Justiz als eine Programmschrift für Künstlerkollegen und zukünftige Leser darstellen. „Hoffmann kannte das System der preußischen Verwaltung [...]: Eine Erklärungsschrift, die er in seiner Schublade eingeschlossen hätte, wäre wohl kaum auf die Nachwelt gekommen; aber auf das Funktionieren der preußischen Bürokratie war Verlass.“61 Warum sollte dies nicht in gleichem Maße für einen Zensurskandal gelten, den Hoffmann sicher kommen sah?

Auch der Meister Floh allein suggeriert das unbewusste Walten einer absoluten Gerechtigkeitsphantasie. Nicht nur die Knarrpanti-Teile, sondern der ganze Text ist von Harmonieschilderungen durchdrungen. Einige Beispiele sollen mit der Figurendarstellung des Peregrinus gegeben werden.

Früh wird das Leben dieses Unikats unter einen günstigen Stern gestellt. Man lese, wie die Taufe des Säuglings vonstatten gegangen sein soll:

Man kann denken, wie gränzenlos die Freude der Eltern war, und noch jetzt sprechen alle Leute in Frankfurt von dem herrlichen Tauffeste, das der alte Tyß gegeben und an welchem der edelste urälteste Rheinwein kredenzt worden, als gelt’ es ein Krönungsmahl. Was aber dem alten Herrn Tyß noch mehr nachgerühmt wird, ist, dass er zu jenem Tauffeste ein paar Leute geladen, die in feindseliger Gesinnung ihm gar öfters wehe getan hatten, dann aber andere, denen er weh getan zu haben glaubte, so dass der Schmaus ein wirkliches Friedensund Versöhnungsfest wurde.62

Die Taufe kann ein einschneidendes frühes Erlebnis von der Art sein, wie Freud es beschreibt und für wichtig erachtet. Die Erinnerung an das „Friedens[]fest“ seines Vaters steht den Erfahrungen des Erwachsenen Peregrinus diametral entgegen und erweckt den Wunsch, den väterlichen Akt der Gerechtigkeit ständig zu erneuern. Zu einer solchen Gelegenheit kommt es, als er an anderer Stelle für die Integrität eines Freundes bürgen soll. Diesen Freund hat man, genau wie ihn zuvor, zu Unrecht verhaftet. Als besondere Tugend muss diese Geste der Loyalität gelten, wenn man bedenkt, dass beide Freunde um die Liebe derselben Frau werben:

Der erste Gebrauch, den Peregrinus von seiner wiedererlangten Freiheit machte, war, daß er sich als Gewährsmann für den verhafteten George Pepusch stellte, dem er bezeugte, dass er wirklich der [...] sei, mit dem er, in innigster Freundschaft verbunden [...]. Von der Distel Zehent [fast alle Figuren haben in der Geschichte einen mystischen Doppelgänger, Verf.], der schönsten aller Fackeldisteln, schwieg Peregrinus wohlweislich, da er einsah, daß unter den vorwaltenden Umständen dies dem Freunde hätte mehr schädlich als nützlich sein können.63

Schlussendlich verzichtet Peregrinus auf das Objekt seiner Begierde und wird mit einer anderen Frau belohnt, die ihn zu wahrhafter Glückseligkeit führt. Weit gefehlt ist es aber, anzunehmen, dass es dem Peregrinus dabei leicht ergangen sei:

Er bedachte aufs Neue sein wunderbares Verhängnis, anmutiger, holder, im hohem Liebreiz als jemals ging ihm das Bild der Kleinen auf, sein Blut wallte stärker in den Adern, heftiger schlugen die Pulse, die Brust wollte ihm zerspringen vor brünstiger Sehnsucht. Nur zu schmerzlich fühlte er die Größe des Opfers, das er gebracht und mit dem er alles Glück des Lebens verloren zu haben glaubte.64

Weitere Beispiele sind nicht vonnöten, um zu demonstrieren, dass „Literatur [...] selbst eine Form und Praxis der Gerechtigkeit“ sein kann, „und zwar eine solche, die sich im ästhetischen Medium selbst ereignet.“65 Für Günther zeigt sich dies besonders gut an der Tragödie des Walter Faber in Max Frischs fast gleichnamigen Roman. Die Hybris der Figuren (Walter hält an seinem rationalistischen Weltbild fest und Hannah behält sich das Recht vor, Fabers Vaterschaft geheim zu halten) muss sie in den Abgrund will sagen den Tod führen. Erst das Erkennen des durchgängig mythologischen Subtextes ermöglicht die Interpretation des Verlaufs als Schicksal, als Fügung. „[E]in Schicksal, das Vereinseitigungen rückgängig macht, Verabsolutierungen relativiert, Verfehlungen ausgleicht.“66 „Aus dem Romangeschehen ist damit ein Akt der Gerechtigkeit geworden.“67 Hinzuzufügen bleibt: Ein Akt, der Gerechtigkeit durch literarische Praktiken aktiv herstellt. Das gilt es auch im Meister Floh zu sehen. Assoziative Verknüpfung von Textelementen mit dem Leben des Autors, Komik und Satire, aber letztlich auch die Personifizierung irrationaler Wünsche tragen dazu bei, poetische Gerechtigkeit in dem wohl chaotischsten aller Märchen Hoffmanns zu realisieren.

Fazit

Die vorliegende Studie macht sich die Deutung der Knarrpanti-Episode im Meister Floh am Leitfaden des Konzepts poetischer Gerechtigkeit zur Aufgabe. Verschiedene historisch-gewachsene Forschungsparadigmen kommen diesbezüglich zu unterschiedlichen Ergebnissen. Historisch-biographische Ansätze sehen in dem Einsatz ein Mittel, das Hoffmann zur juristisch-politischen Gegenwehr gegen Verhältnisse einsetzt, die mit seinem Rechtsverständnis empfindlich kollidieren. Aus funktionaler Perspektive benötigt der Roman die poetische Gerechtigkeit für die Entwicklung seiner Figuren. Zu guter Letzt konnte plausibilisiert werden, inwiefern Gerechtigkeitsbedürfnisse von Menschen, dieja, sobald wir es mit Literatur zu tun bekommen, immer entweder Autoren oder Leser sind, eine nicht unwesentliche Rolle bei der Interpretation eines literarischen Textes spielen. Zukünftige Forschung sei die Überprüfung dieser letzteren Hypothese empfohlen, was über einen Weg geschehen muss, der den Rahmen einer studentischen Qualifikationsarbeit weit übersteigt. Unbegrenzte Zeit und unbegrenzter Raum könnten entsprechend für einen Vergleich mehrerer Texte aus Hoffmanns Gesamtwerk genutzt werden. Ergiebig scheint es außerdem, die neuere Forschung zur literaturwissenschaftlichen Aneignung der Psychoanalyse zur Kenntnis zu nehmen, um zu prüfen, welche literarischen Formen es noch gibt, die imstande sind, poetische Gerechtigkeit sinnvoll zu realisieren.

Literaturverzeichnis

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Ziolkowski, Theodore (1994): Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. Übers. v. Lothar Müller. München: dtv/Klett-Cotta.

[...]


1 Zitiert wird nach der aktuell maßgeblichen Gesamtausgabe: E.T.A. Hoffmann. Späte Prosa. Briefe. Tagebücher und Aufzeichnungen. Juristische Schriften. Werke 1814-1822. Hrsg, von Gerhard Allroggen/Friedhelm Auhuber/Hartmut Mangold/Jörg Petzel/Hartmut Steinecke. Frankfurt a. Main: Deutscher Klassiker Verlag 2004 (= Sämtliche Werke 6). Im Folgen mit MF abgekürzt. Auf den Kommentarteil wird mit Kommentar verwiesen. Auf die Erklärung zum Meister Floh schlicht mit Erklärung.

2 So monierte der Schriftstellerkollege Heine in seinem zweiten Berliner Brief vom 16.03.1822 den (scheinbar) fehlenden inneren Zusammenhang der Teile:

3 Jenen vielbesprochenen Roman habe ich endlich gelesen [...]. Das erste Kapitel desselben ist göttlich, die übrigen sind unerquicklich. Das Buch hat keine Haltung, keinen großen Mittelpunkt, keinen inneren Kitt. Wenn der Buchbinder die Blätter desselben willkürlich durcheinander geschossen hätte, würde man es sicher nicht bemerkt haben.

4 HeinrichHeine. Sämtliche Schriften. Bd. 3. Hrsg. vonKlaus Briegleb. München/Wien: Hanser 1976, S. 66.

5 Reinhardt, Hartmut: Poetische Gerechtigkeit. In: Jan-Dirk Müller (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd.3. Berlin/New York: de Gruyter2003, S.106-108, hier S. 106.

6 Vgl. ebd. S. 107.

7 Heinz, Andrea: Poetische Gerechtigkeit. In: Dieter Burdorf/ChristophFasbender/Burkhard Moennighoff (Hgg.): MetzlerLexikonLiteratur. Stuttgart: Metzler20073, S. 595.

8 Vgl. Reinhardt, Poetische Gerechtigkeit, S.106f. Begründet wird diese Entwicklung gerne durch zwei Faktoren: Einmal lockerte die Rezeption der Kantischen Philosophie im späten 18. Jahrhundert allmählich den selbstverständlichen Zusammenhang zwischen Literatur und Moral. Dann gewann das freiere Spiel mit überlieferten literarischen Mustern im Zuge der Etablierung einer Autonomieästhetik um 1800 aber auch zunehmend an Reiz. Nicht zuletzt wurde die Doktrin als weltfremd empfunden und als ernstzunehmender Gegenstand aus dem Kunstdiskurs verbannt. Vgl. auch Koppe, Tilmann: Ethik der Literatur. In: Dieter Burdorf/Christoph Fasbender/Burkhard Moennighoff (Hgg.): Metzler Lexikon Literatur. Stuttgart: Metzler 20073, S. 211.

9 Vgl. Heinz, Poetische Gerechtigkeit, S. 595.

10 Schürmann, Eva: Henry James’ »Die Goldene Schale« oder ist Literatur die bessere Moralphilosophie? In: Gerhard Gamm/Alfred Nordmann/Eva Schürmann (Hgg.): Philosophie im Spiegel der Literatur. Hamburg: Meiner 2007, S. 43-59 (= Sonderheft 9 der Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft).

11 Vgl. Nussbaum, Martha C. (1990): Love ’s Knowledge. Essays on Philosophy andLiterature. New York/Oxford: University Press, S. 84.

12 Rorty, Richard: Der Roman als Mittel zur Erlösung aus der Selbstbezogenheit. In: Christoph Menke/Joachim Küpper (Hgg.): Dimensionen ästhetischer Erfahrung. Frankfurt a. Main: Suhrkamp 2003, S. 62.

13 Vgl. Pippins, Robert (2004): Moral undModerne. Die Welt des HenryJames. München: Wilhelm Fink.

14 Vgl. Taylor, Charles: Self interpreting animals. In: Ders. (Hg.): HumanAgency and Language. Philosophical Papers I. Cambridge: University Press, 45-70.

15 Schürmann, HenryJames’ »Die Goldene Schale «, S. 59.

16 Hoffmann, MF, S. 374.

17 Emphatisch z.B. Ziolkowski, Theodore (1994): Das Amt der Poeten. Die deutsche Romantik und ihre Institutionen. Übers. v. Lothar Müller. München: dtv/Klett-Cotta, S. 172: „In der Märchenerzählung Meister Floh haben wir das dramatischste Beispiel für die Wechselwirkung von Recht und Literatur in der deutschen Romantik vor Augen.“

18 Vgl. Kommentar, S.1372ff.

19 Die den sperrigen Titel Immediat-Untersuchungs-Kommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe trug.

20 Hoffmann hörte während seines Studiums an der Königsberger Albertina auch Vorlesungen in ,Naturrecht‘. Zeitlebens vertrat er wohl die Auffassung, dass eine unabhängige Justiz der Garant für eine gerechte Gesellschaft schlechthin sei. Vgl. hierzu Safranski, Rüdiger (2018)7 : E.T.A. Hoffmann. Das Leben eines skeptischen Phantasten. Frankfurt a. Main: Fischer, aber auch: Ziolkowski, Amt der Poeten, S. 112ff. Offenbar stellte Hoffmann damit die Ausnahme in seiner Zunft dar, deren Vertreter sich mehr als neutrale Verwaltungsbeamte betrachteten. Gelegentlich wird dieser Heroismus durch die nie stattgefundene totale Identifikation Hoffmanns mit seinem Beruf erklärt. Siehe hierfür: Nilges, Yvonne: Phantastische Rechtskritik. Figurationen der Gesetzlichkeit bei E.T.A. Hoffmann. In: Ulrich Breuer (Hg.): Der Begriff der Kritik in der Romantik. Paderborn: Schöningh 2015 (= Schlegel-Studien 8), S. 218f.

21 Vgl. Kühn, Walter: Hoffmanns Satiren im Polizeistaat. In: E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch 20 (2022), S. 37.

22 Hoffmann, MF, S.373ff.

23 Diese zwei ,,juristische[n] Rügen“ können so klar genannt werden, weil Hoffmann sie selbst in einer Erklärung aufführt, die er anlässlich eines Verhörs abgab. Hoffmann, Erklärung, S. 519. Ausführlicher wird sie im Folgekapitel besprochen.

24 Hoffmann, MF, S. 395.

25 Williamson, George S.: “Thought Is in Itself a Dangerous Operation”: The Campaign Against “Revolutionary Machinations” in Germany, 1819-1828. In: German Studies Review 38 (2/2015), S. 287: „One important similarity between the Carlsbad system and more modern counterterrorist regimes was the effort expended by police and other officials in order to penetrate the thoughts of individuals and groups seen to be conspiring to act violently against the status quo. In this sense, Knarrpanti’s declaration [...] is more than just a parody of Kamptz’s overzealous prosecutional style. Instead it points to one of the central assumptions oft he post-Carlsbad policing regime [...].“

26 Man nehme zur Kenntnis: Von Kamptz, Karl Albert Christoph Heinrich: Wird einem Schriftsteller durch öffentliche Verbrennung seiner Druckschrift eine Injurie zugefügt? In: Jahrbücher für die Preussische Gesetzgebung, RechtswissenschaftundRechtsverwaltung 10 (19/1817), S. 84-99.

27 Vgl. Ellinger, Georg: Das Disziplinarverfahren gegen E.T.A. Hoffmann. (Nach den Akten des Geheimen Staatsarchivs). In: Deutsche Rundschau 32. Bd. 128 (10/1906), S. 79-103

28 Steinecke, Hartmut : „Dem humoristischen Dichter muß es freistehen...“.Hoffmanns „.Erklärung" vom Februar 1822 alspoetologischer und literarischer Text. In: E.T.A. Hoffmann-Jahrbuch 11 (2003), S. 123ff.

29 Segebrecht, Wulf (1980): Nachwort zu E.T.A. Hoffmanns Meister Floh. Stuttgart: Reclam hat zuerst behauptet, dass das Thema der Geschichte die „Möglichkeit einer Erkenntnis“ (S. 226f.) sei und somit angedeutet, dass es sich beim Text möglicherweise um einen Bildungsroman handeln könnte.

30 Vitt-Maucher, Gisela : E.T.A. Hoffmanns »Meister Floh«: Überwindung des Inhalts durch die Sprache. In: Aurora 42 (1982), S. 195 weist sogar darauf hin, dass der Text eigentlich ziemlich handlungsarm ist und nur durch seinen Formenreichtum glänzt.

31 Hoffmann, Erklärung, S. 517.

32 Ebd. S.519.

33 Vgl. ebd. S. 517. Das ,Komische‘ und seine Vermischung mit dem „Phantastischen4 sind ein wichtiger Aspekt im Hoffmann’schen Œuvre, der hier aus Platzgründen nicht weiter vertieft werden kann. Interessierte werden aber an andere Stellen verwiesen, z.B. Vitt-Maucher, Überwindung des Inhalts durch die Sprache, S. 188-215. Besonders für das letzte Kapitel dieser Arbeit hätten Querverbindungen zu psychoanalytischen Theorien des Humors geschlagen werden können. Siehe zukünftig vielleicht Freud, Sigmund [1905]: Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten. In: Sigmund Freud: Psychologische Schriften. Hrsg. von Alexander Mitscherlich / Angela Richards / James Strachey / Ilse Grubrich-Simitis. Frankfurt a. Main: Fischer 19979 (= Studienausgabe 4),S. 13-219.

34 Vgl. Erklärung, S.523.

35 Vgl. Vitt-Maucher, Überwindung deslnhalts durch die Sprache, S. 196.

36 Hoffmann, MF, S. 306.

37 Hoffmann, MF, S. 310: „»Der ist zu klug«, sprach die Frau Pate, »den werdet ihr nicht erhalten! - Betrachtet doch nur einmal seine Augen, der denkt schon viel mehr, als er soll!«“.

38 Vgl. Vitt-Maucher, Überwindung des Inhalts durch die Sprache, S. 194: „Der Held im Meister Floh ist kein Künstler mehr, sondern ein kindischer, eigenbrödlerischer [sic] Phantast, ein anfangs untauglicher Mitmensch, mit allerdings guten Anlagen zu echtem Menschsein.“

39 Hoffmann, MF, S. 311.

40 Vgl. Mangold, Hartmut (1989 ): Gerechtigkeit durch Poesie. Rechtliche Konfliktsituationen und ihre literarische Gestaltung bei E.TA: Hoffmann. Wiesbaden: DUV (= zugl. Diss. Univ. Regensburg 1988), S. 293.

41 Erklärung, S. 518.

42 Hoffmann, MF, S. 397-398.

43 Mangold, Gerechtigkeit durch Poesie, S. 294.

44 Vgl. Jacobs, Jürgen: Bildungsroman. In: Klaus Weimar (Hg.): Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd.l. Berlin/New York: de Gruyter 1997, S. 230.

45 Vgl. hierzu Neuhaus, Stefan: E.T.A. Hoffmann (1776-1822). In: Lothar Bluhm/Stefan Neuhaus (Hgg.): HandbuchMärchen. Heidelberg/Berlin: Metzler2023, S. 241f.

46 Vgl. McClain, William H.: E.T.A. Hoffmann as PsychologicalRealist:A Study of “Meister Floh”. In: Monatshefte 47 (2/1955), S. 67.

47 Siehe Kapitel Poetische Gerechtigkeit.

48 Günther, Klaus: »Was ist denn meine Schuld?« Poetische Gerechtigkeit in Max Frischs »Homo Faber«. In: Gerhard Gamm/Alfred Nordmann/Eva Schürmann (Hgg.): Philosophie im Spiegel der Literatur. Hamburg: Meiner 2007 (= Sonderheft der Zeitschrift für Ästhetik und Allgemeine Kunstwissenschaft 9), S. 61-78.

49 Freud, Sigmund [1908]: Der Dichter und das Phantasieren. In: Sigmund Freud. Bildende Kunst und Literatur. Hrsg. von Alexander Mitscherlich/Angela Richards/James Strachey/Ilse Grubrich-Simitis. Frankfurt a. Main: Fischer 19979 (= Studienausgabe 10), S. 169-179.

50 Pietzcker, Carl: Der Dichter und das Phantasieren (1908). In: Hans-Martin Lohmann/Joachim Pfeiffer (Hgg.): FreudHandbuch. Leben-Werk-Wirkung. Sonderausgabe. Stuttgart/Weimar: Metzler2013, S. 195-197.

51 Freud, Der Dichter und das Phantasieren, S. 174.

52 Ebd.

53 Ebd. S.171.

54 Ebd. S. 172.

55 Pietzcker, Der Dichter, S. 196: „So kann Freud durch Reihenbildung dichterisches Schaffen, insbesondere literarische Stoffwahl, mit zahlreichen der Psychoanalyse zugänglichen Phänomenen verbinden und zeigen, wie sie aufeinander einwirken; er kann literarisches Schaffen von anderswo erkannten Gesetzen her verstehen und sich von der Theorie des Phantasierens aus dem phantasierenden Autor nähern.“

56 Jannidis, Fotis/Köppe, Tilmann/Winko, Simone: Theorien und Methoden der Literaturwissenschaft. In: Thomas Anz (Hg.): Handbuch Literaturwissenschaft. Gegenstände - Konzepte - Institutionen. Bd. 2. Methoden und Theorien. Stuttgart/Weimar: Metzler2013, S. 318.

57 Vgl. Jannidis etal., Theorien derLiteraturwissenschaft, S. 317.

58 Pfeiffer, Joachim: Literaturpsychologie/Psychoanalytische Literaturwissenschaft. In: Jost Schneider (Hg.). Methodengeschichte der Germanistik. Berlin/New York: de Gruyter 2009, S. 355.

59 Günther, Was ist denn meine Schuld?, S. 75.

60 Ebd. S. 74f.

61 Steinecke, Dem humoristischen Dichter, S. 133.

62 Hoffmann, MF, S. 309.

63 Ebd. S. 380.

64 Ebd. S. 434.

65 Beide Zitate stammenvon Günther, Was ist denn meine Schuld?, S. 63.

66 Ebd. S. 70.

67 Ebd. S. 71.

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Details

Titel
Poetische Gerechtigkeit bei E.T.A. Hoffmann
Untertitel
Psychoanalytische Antworten auf den "Meister Floh"
Hochschule
Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau  (Institut für Germanistik)
Note
1,3
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2026
Seiten
20
Katalognummer
V1723938
ISBN (eBook)
9783389191651
ISBN (Buch)
9783389191668
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Poetische Gerechtigkeit E.T.A. Hoffmann Meister Floh Knarrpanti-Episode Romantik 19. Jahrhundert Märchen Kunstmärchen Psychoanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2026, Poetische Gerechtigkeit bei E.T.A. Hoffmann, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1723938
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