Der überwiegende Teil aller Elternschaften gibt seinen Kinder das, was sie in den ersten Lebensjahren besonders benötigen: Zuneigung, Geborgenheit, Liebe, Sicherheit und Förderung. Manche Eltern sind mit diesen Aufgaben jedoch überfordert. Dies kann verschiedene und vielfältige Ursachen haben. Oftmals sind es Resultate aus belastenden Familienumständen. Gesundheitliche, psychische oder soziale Probleme der Eltern, auch Unsicherheit und Unerfahrenheit im Umgang mit den Kindern können ein möglicher Grund hierfür sein. In dieser Situation kann es für die Kinder zu immensen Risiken für die gesundheitliche Entwicklung kommen, in schlimmsten Fällen zu Vernachlässigung, Misshandlung oder Kindeswohlgefährdung. Das Gesundheitswesen oder die Kinder- und Jugendhilfe bilden ein großes Hilfesystem zur Unterstützung junger Eltern, allein erziehender Mütter und Väter.
Um Vernachlässigung und Misshandlung von Kindern jedoch wirksam präventiv vorzubeugen ist es schwierig zu sagen, wie man frühzeitig erkennen kann welche Familien Hilfe benötigen und welche nicht.
Somit werde ich in meiner Hausarbeit zunächst anhand dem Modelprojekt: „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ auf Frühwarnsysteme eingehen und im zweiten Punkt das Modellprojekt PRO KIND Sachsen auskoppeln und vorstellen. Des Weiteren möchte ich hier ein paar kurze Erläuterungen einer gut befreundeten Hebamme meiner Heimatstadt Zwickau einbringen. Aus diesen Frühwarnsystemen resultiert, unter anderem, der familienstützende Dienst, den ich am Beispiel der Lebenshilfe Delmenhorst veranschaulichen werde. Zum Anfang meiner Recherche zu dieser Ausarbeitung stellte sich zunehmend die Frage, wo der Unterschied zwischen Sozialpädagogischer Familienhilfe nach §31 SGB VIII, im weiteren Verlauf SPFH genannt, und FSD liegt und wo sich diese beiden voneinander abgrenzen, beziehungsweise Gemeinsamkeiten besitzen. Um diese Fragestellung beantworten zu können muss ich vorerst SPFH am Beispiel der Einrichtung „Profil-flexible Familienhilfen“ erklären um anschließend FSD und SPFH vergleichen zu können. Familienstützende Dienste sind in der Bundesrepublik Deutschland noch sehr wenig ausgereift, von daher gibt es auch keine einheitliche Definition, Konzeption oder Verankerung im Gesetz. Aufgrund dessen konnte ich keine Fachliteratur diesbezüglich finden und von daher basiert meine Ausarbeitung nur von Quellen aus dem Internet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frühwarnsysteme und Frühe Hilfen
2.1 Kurze Einleitung
2.2 Frühe Hilfen- Modellprojekte in den Ländern
2.3 Modellprojekt: PRO KIND Sachsen
2.4 Hebamme J. Horn im Kreis Zwickauer Land
3. Familienstützender Dienst Delmenhorst
3.1 Familienstützender Dienst am Beispiel der Lebenshilfe Delmenhorst
4. Sozialpädagogische Familienhilfe nach §31 SGB VIII
5. Vergleich FSD und SPFH nach §31 SGB VIII
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle familienstützender Dienste (FSD) im Kontext sozialer Frühwarnsysteme in Deutschland. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Abgrenzung und die Unterschiede zwischen dem FSD und der gesetzlich verankerten Sozialpädagogischen Familienhilfe (SPFH) nach §31 SGB VIII.
- Grundlagen sozialer Frühwarnsysteme und Frühe Hilfen
- Analyse des Modellprojekts PRO KIND Sachsen
- Praxisbeispiel: Familienstützender Dienst der Lebenshilfe Delmenhorst
- Rechtliche Einordnung und Funktionsweise der SPFH
- Vergleichende Gegenüberstellung von FSD und SPFH
Auszug aus dem Buch
3.1 Familienstützender Dienst am Beispiel der Lebenshilfe Delmenhorst
Im Jahr 2007 wurde im Auftrag der Stadt Delmenhorst und in Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Delmenhorst ein Familienstützender Dienst aufgebaut. Eltern sollen hierbei in die Lage versetzt werden, die Entwicklung ihrer Kinder auf fördernde Art und Weise zu unterstützen.
Dabei ist der Familienstützende Dienst ein Leistungserbringer eines freien Trägers aus einem sozialen Netzwerk. Der FSD wird immer dann tätig, wenn die Entwicklung eines Kindes erkennbar ist und die Eltern hierfür keine erforderlichen Maßnahmen treffen. Ziel ist es bei dieser Arbeit, die Bereitschaft der Eltern zur Inanspruchnahme präventiver und nachhaltiger Maßnahmen zu wecken um von der Behinderung des bedrohten Kindes abzusehen. Die Eltern der betroffenen Kinder sollen dahin gehend unterstützt werden, Hilfen für das Kind in Anspruch zu nehmen, die nach fachlicher Einschätzung notwendig sind um die Ziele der Eingliederungshilfe zu erreichen. Oftmals kann die Vermittlung in andere Institutionen oder Einrichtungen sinnvoll sein, wie Frühförderung, Sozialpädagogische Familienhilfe oder Logopädie. Dabei ist das Hilfeangebot des Familienstützenden Dienstes niederschwellig und alltagspraktisch angelegt. Hiefür bedarf es keiner behördlichen oder sonstigen Genehmigung oder Zustimmung. Der Familienstützende Dienst ist eine weiterführende Hilfe, der weiterführende Maßnahmen für die Familien initiiert und somit auf einen kurz- und mittelfristigen Zeitraum von circa sechs Monaten angelegt ist. Er fungiert demnach im Hilfesystem auch als Koordinierungs- und Vernetzungsstelle, indem er die Familien an schon vorhandene, in den jeweiligen Kompetenzbereich fallende Institutionen weiterleitet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Relevanz sozialer Frühwarnsysteme und die methodische Herausforderung aufgrund mangelnder Fachliteratur zum Thema FSD.
2. Frühwarnsysteme und Frühe Hilfen: Dieses Kapitel definiert frühe Hilfen als präventives Instrument und stellt mit dem Modellprojekt PRO KIND Sachsen sowie den Erfahrungen einer Hebamme konkrete Ansätze vor.
3. Familienstützender Dienst Delmenhorst: Hier wird der FSD als niederschwelliges, vernetzendes Hilfeangebot der Lebenshilfe Delmenhorst für Familien vorgestellt.
4. Sozialpädagogische Familienhilfe nach §31 SGB VIII: Es erfolgt eine Darstellung der gesetzlichen Grundlagen und der Zielsetzung der SPFH als intensive Betreuungsform für Familien in Krisensituationen.
5. Vergleich FSD und SPFH nach §31 SGB VIII: Das Fazit der Arbeit vergleicht beide Hilfeformen hinsichtlich Zielgruppe, Dauer und gesetzlicher Anforderung und arbeitet die Rolle des FSD als Vermittler heraus.
Schlüsselwörter
Familienstützender Dienst, FSD, Sozialpädagogische Familienhilfe, SPFH, Frühe Hilfen, Kindeswohl, Frühwarnsysteme, Prävention, Lebenshilfe, Jugendhilfe, Kinderschutz, Elternberatung, Vernetzung, Modellprojekt, PRO KIND.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Funktion und Bedeutung familienstützender Dienste (FSD) als Teil der sozialen Frühwarnsysteme in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit deckt die Bereiche Frühprävention für Eltern und Kinder, die Vernetzung sozialer Hilfesysteme sowie die gesetzliche Familienhilfe nach §31 SGB VIII ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Unterschied zwischen dem niedrigschwelligen FSD und der formellen SPFH zu klären und aufzuzeigen, wie diese Hilfeformen Familien unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Aufgrund fehlender Fachliteratur basiert die Arbeit primär auf einer Internetrecherche zu den genannten Modellprojekten sowie einem Experteninterview in Form eines Telefonats mit einer Hebamme.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Frühwarnsystemen, die detaillierte Beschreibung des FSD-Modells in Delmenhorst und die Erläuterung der SPFH-Gesetzgebung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Frühe Hilfen, Kindeswohlgefährdung, Prävention, Vernetzung und Familienunterstützung geprägt.
Wie unterscheidet sich der Zugang zum FSD im Vergleich zur SPFH?
Der FSD bietet einen niederschwelligen Zugang ohne behördliche Genehmigung, während für die SPFH ein offizieller Antrag beim Jugendamt erforderlich ist.
Welche Rolle spielt das Projekt PRO KIND Sachsen für die Arbeit?
Es dient als exemplarisches Modellprojekt, um die Ziele der frühen Hilfen und die Zusammenarbeit verschiedener Akteure im Kinderschutz zu verdeutlichen.
Wie ist die zeitliche Dauer bei den beiden Hilfeformen?
Der FSD ist als kurz- bis mittelfristige Hilfe auf circa sechs Monate angelegt, während die SPFH in der Regel auf eine langfristige Unterstützung ausgerichtet ist.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Zwickauer Modells?
Die Autorin zieht ein positives Fazit und betont, dass eine gelebte Kooperation zwischen Institutionen und Hebammen ein soziales Frühwarnsystem auch ohne Modellprojekt funktionell gestalten kann.
- Quote paper
- Romy Diezel (Author), 2009, Familienstützender Dienst - FSD, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172155