Ziel der Hausarbeit war es, die zwei Enden der modernen Literaturkritik zu betrachten und zu vergleichen, zum einen die Entstehung der Literaturkritik im 18. Jahrhundert im Kontext der Aufklärung und zum anderen die Situation der Literaturkritik von heute und die Formen, die die Literaturkritik heute angenommen hat. Die Motivation hinter dieser Betrachtung war zu vergleichen, welche Merkmale der Literaturkritik gleich geblieben sind und welche sich im Laufe der Zeit verändert haben. Die Arbeit stellt hierbei nicht den Anspruch in literaturwissenschaftliche Fragestellungen einzudringen, sondern betrachtet die Literaturkritik als publizistische Gattung und gesellschaftliches Phänomen. Wenn von den Anfängen der Literaturkritik gesprochen wird sowie von der Zeit der Aufklärung, bezieht sich dies auf den Zeitraum des 18. Jahrhunderts. Der Begriff der aktuellen Literaturkritik beschreibt den Zeitraum zwischen den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart. Auch wenn die Arbeit einen Vergleich zwischen damals und heute anstrebt, ist die Struktur der Hausarbeit nicht spiegelbildlich aufgebaut. Im ersten Teil wird die Funktion und Form der Literaturkritik anhand der Theorien dreier Literaturkritiker der Aufklärung verdeutlicht. Im zweiten Teil ist dies nicht der Fall, hier wird versucht die Form und Funktion anhand der Medien der Literaturkritik zu verdeutlichen. Dies geschieht aus dem Grund, dass die Medienkonkurrenz die Literaturkritik so stark verändert und definiert hat und noch fortlaufend beeinflusst, wie es einzelne Kritikerpersönlichkeiten heute nicht mehr vermögen.
Inhaltsverzeichnis
1. Ziel der Hausarbeit
2. Literaturkritik und Aufklärung
2.1 Funktion und Form der Literaturkritik im 18. Jh.
2. Literaturkritiker des 18. Jahrhunderts
3. Die Literaturkritik der Gegenwart
3.1 Form und Funktion der Literaturkritik heute
3.2 Die Zeitung
3.3 Das Fernsehen
3.4 Das Internet
4. Parallelen und Unterschiede
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Entstehung der Literaturkritik im 18. Jahrhundert im Kontext der Aufklärung mit der aktuellen Situation der Literaturkritik in der Gegenwart. Ziel ist es, Merkmale zu identifizieren, die im Zeitverlauf konstant geblieben sind, sowie Veränderungen aufzuzeigen, die maßgeblich durch mediale Entwicklungen und gesellschaftliche Umbrüche beeinflusst wurden.
- Historische Entwicklung der Literaturkritik im 18. Jahrhundert
- Einfluss der Aufklärung auf die Konstituierung einer bürgerlichen Öffentlichkeit
- Mediale Transformation der Literaturkritik (Printmedien, Fernsehen, Internet)
- Die Rolle der Literaturkritik als Instrument der Vermittlung zwischen Autor, Werk und Leser
- Professionalisierung des Kritikerberufs und Laienkritik im digitalen Zeitalter
Auszug aus dem Buch
Die Literaturkritik der Gegenwart
Seit Lessings und Gottscheds Zeiten haben sich der Buchmarkt und der Literaturbetrieb stark verändert. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Literaturkritik wieder. Früher waren die Kritiker oft selbst Schriftsteller, was Lessing als beste Voraussetzung für eine erfolgreiche Kritikertätigkeit betrachtete. Heute ist dies seltener der Fall, weil sich die Literaturkritik professionalisiert hat. Dies bedeutet nicht, dass der Literaturkritiker in der Lage ist allein von seinen Kritiken zu leben, die Literaturkritik stellt vielmehr einen Tätigkeitsbereich seiner journalistischen Arbeit dar.
Die Professionalisierung der Literaturkritik hängt stark mit der Entwicklung der Zeitungen und Zeitschriften zusammen. Die Titel, die in den großen Zeitungen und Zeitschriften rezensiert werden, fallen zum Großteil in die Kategorie Belletristik. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatten die belletristischen Bücher einen Marktanteil von weniger als drei Prozent, Mitte des Jahrhunderts wuchs dieser Anteil auf circa sieben Prozent. Seitdem hat der Anteil an belletristischen Titeln und deren Kritiken stark zugenommen. 2009 lag der Marktanteil bei etwa dreiunddreißig Prozent.
Die Literatur als Informationsmedium und Unterhaltung steht heute in starker Konkurrenz mit anderen Medien. Dies trifft ebenfalls auf die Kritik als Organ der Literaturvermittlung zu. Radio, Internet und vor allem das Fernsehen stellen die stärksten Konkurrenten zur Literatur und der Literaturkritik dar. Auch heute beschäftigt sich nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Bevölkerung mit Literatur, auch wenn dieser Anteil sich im Vergleich zum 18. Jahrhundert vergrößert hat. In einer Studie des Börsenvereins des deutschen Buchhandels rangiert das Lesen als Freizeitaktivität auf Platz acht, nach Musikhören an erster und Fernsehen an zweiter Stelle. Als Reaktion auf diese Konkurrenz entwickelt die Literaturkritik sich heute weg von der Idee den Leser zu bilden und hin zur reinen Bewertung eines Titels, gemäß den Kategorien „gut“, sprich unterhaltsam und lesenswert, und „schlecht“, im Sinne von nicht unterhaltsam und somit Zeitverschwendung. Und nicht nur die Literatur selbst soll unterhalten, sondern auch die Kritik.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ziel der Hausarbeit: Diese Einleitung definiert das Vorhaben, die Literaturkritik der Aufklärung mit der modernen Form zu vergleichen, wobei der Fokus auf publizistischen und gesellschaftlichen Aspekten liegt.
2. Literaturkritik und Aufklärung: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung der Literaturkritik als Institution während der Aufklärung und ihre Rolle bei der Konstituierung einer bürgerlichen Öffentlichkeit.
2.1 Funktion und Form der Literaturkritik im 18. Jh.: Hier wird der Einfluss wachsender Leserzahlen und des boomenden Buchmarktes auf die Entstehung von Zeitschriften als Instrumente der Kritik beschrieben.
2. Literaturkritiker des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel stellt die Positionen und Methoden bedeutender Kritiker wie Gottsched, Nicolai und Lessing gegenüber, die maßgeblich die frühen Standards der Kritik prägten.
3. Die Literaturkritik der Gegenwart: Hier wird der Wandel des Literaturbetriebs und die Professionalisierung der Kritik vor dem Hintergrund zunehmender Medienkonkurrenz analysiert.
3.1 Form und Funktion der Literaturkritik heute: Es wird untersucht, wie sich die Vermittlerposition des Kritikers unter dem Einfluss moderner Kommunikationsmittel und ökonomischer Zwänge verändert hat.
3.2 Die Zeitung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Rolle der Printmedien, der Vereinheitlichung der Titelwahl und dem Rückgang längerer essayistischer Formen.
3.3 Das Fernsehen: Die Analyse zeigt auf, wie das Fernsehen Literatur vor allem durch Unterhaltung und Personalisierung inszeniert, oft zu Lasten einer tiefgehenden Textreflexion.
3.4 Das Internet: Hier wird die Demokratisierung der Kritik durch das Web diskutiert, inklusive der neuen Rolle des Hobbyrezensenten und der damit verbundenen Risiken für die professionelle Kritik.
4. Parallelen und Unterschiede: Dieses Fazit fasst die Kontinuitäten und Brüche zwischen der Aufklärungsepoche und der heutigen medialen Realität zusammen.
Schlüsselwörter
Literaturkritik, Aufklärung, Buchmarkt, Belletristik, Öffentlichkeit, Rezension, Medienkonkurrenz, Feuilleton, Digitalisierung, Laienkritik, Literaturvermittlung, Bildungsbürgertum, Professionalisierung, Johann Christoph Gottsched, Gotthold Ephraim Lessing.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Transformation der Literaturkritik, indem sie die Anfänge im 18. Jahrhundert mit den heutigen Ausprägungsformen vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Rolle der Kritik als gesellschaftliches Phänomen, der Einfluss der Medienkonkurrenz sowie der Wandel vom Bildungsanspruch zur Unterhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, welche Merkmale der Literaturkritik über die Zeit hinweg stabil geblieben sind und wo sich durch neue Medien und veränderte gesellschaftliche Strukturen grundlegende Brüche ergeben haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit betrachtet Literaturkritik primär als publizistische Gattung und gesellschaftliches Phänomen, wobei Theorien und historische Quellen herangezogen werden, um die Praxis der Kritik in verschiedenen Epochen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Literaturkritik im 18. Jahrhundert, fokussiert auf bedeutende Kritiker, und die Analyse der gegenwärtigen Literaturkritik in Zeitungen, Fernsehen und Internet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Literaturkritik, Aufklärung, Medienkonkurrenz, Demokratisierung der Kritik, Feuilleton sowie die Veränderung der Vermittlerrolle des Kritikers.
Inwiefern hat sich die Rolle des Kritikers seit dem 18. Jahrhundert gewandelt?
Während Kritiker früher als Vermittler im Kontext der Aufklärung agierten und moralische oder ästhetische Maßstäbe setzten, ist die Kritik heute professionalisiert, stärker an ökonomische Rahmenbedingungen geknüpft und orientiert sich häufiger am Publikumsgeschmack.
Warum wird die Laienkritik im Internet als ambivalentes Phänomen dargestellt?
Sie wird einerseits als Ausdruck der Demokratisierung begrüßt, da sie einer breiten Schicht Teilhabe ermöglicht, andererseits aber kritisch gesehen, da sie oft subjektiv ist und von Akteuren der Buchbranche zu Marketingzwecken instrumentalisiert werden kann.
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- Lena Anne Boetius (Author), 2010, Literaturkritik zwischen Aufklärung und Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172067