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Arbeit und Lebensstil der digitalen Bohème

Ein Mikrokosmos pokert hoch

Title: Arbeit und Lebensstil der digitalen Bohème

Master's Thesis , 2009 , 110 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Pamela Hackel (Author)

Social Studies (General)

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Summary Excerpt Details

„Shift happens/Did you know?“ – so lautet der Titel einer
PowerPoint-Präsentation, die Fisch und McLeod im August 2006
für die US-amerikanische Arapahoe High School in Centennial/Colorado vorstellten. Im Februar 2007 wurde die Präsentation auf YouTube.com online gestellt und dort bis zum Juni 2007 über fünf Millionen Mal angesehen. Ursprünglich sollte „Shift happens“ provokante Ideen für den Einstieg in ein neues Studienjahr an der High School darbieten und die Aufmerksamkeit auf innovative Bereiche im 21. Jahrhundert lenken. Den Entstehungsweg dieser „berühmten“ PowerPoint-Präsentation
beschreibt der Autor auf seinem Blog folgendermaßen:
„I remixed content from David Warlick, Thomas Friedman, Ian
Jukes, Ray Kurzweil and others, added some music, and came up
with the following presentation.”
Die Aufmerksamkeitsströme und viralen Effekte im Internet verhalfen der einst als kleinen Input gedachten Präsentation zu weltweiter Bekanntheit. Die virale Weitergabe der Informationen, hier durch reale Mundpropaganda, wird von folgendem Cartoon bildhaft veranschaulicht:

In diesem Jahr fand in Berlin die dritte re:publica’09 statt, in deren Rahmen die Besucher und Teilnehmer dieser Social-Media-Konferenz auf die erfolgreiche Verbreitung der PowerPoint-Präsentation „Did you know 2.0“ aufmerksam gemacht wurden. Blogger, Netzbenutzer und weitere Interessierte fanden sich in Berlin zusammen, um sich auf der re:publica’09 über die unterschiedlichen Einflussbereiche und Entwicklungen des Internets auszutauschen und zu informieren.
Kultur, Medien und Politik gehören zu den lebensweltlichen Bereichen, die vom Internet und dessen technischen Möglichkeiten in ihren Entwicklungen beeinflusst werden. Diese wiederum nutzen sie für sich selbst und beeinflussen durch ihre Anwendung und Weiterentwicklung ebenfalls das „System Internet mit seinen Möglichkeiten.“ Die Konferenz fand unter dem Motto “Shift happens” -
„Veränderung passiert” statt und stand, wie selbst auch in der
Präsentation von Fisch und McLeod, für den rasanten Wandel des
Mediensystems: Das Internet und seine vielfältigen und immer
wieder neu entstehenden Kommunikationsformen werden immer
mehr in das Leben der Menschen integriert und kreieren dadurch
einen neuen Lebensstil. Die Gesellschaft und ihr Wissen, welches sich vermehrt auf digitalen Plattformen wie Wikipedia6 oder Knol7
wiederfindet, wird durch Entwicklungen, die zusammenfassend
unter dem Oberbegriff Web 2.0 diskutiert werden, verändert und
bestimmt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bohème – Von analog bis digital

3. Die Bohème in deutschen Metropolen

4. Die Digitale Bohème als Mikrokosmos – außen vor, unter sich und mittendrin?

5. Das „normale“ Arbeitsverhältnis

6. Entgrenzung von Arbeit und Leben

7. Lebensstil als Entgrenzungsfaktor von Arbeit

8. Digitale Bohème = Arbeit + Lebensstil?

9. Ökonomie und Kapital(ismus) der digitalen Bohème

10. Abschluss oder Don’t cry – Work

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen der digitalen Bohème als einen neuartigen, durch digitale Technologien geprägten Lebens- und Arbeitsstil. Ziel ist es, das Verhältnis von Arbeit und Lebensstil im Kontext der Entgrenzung zu analysieren und zu hinterfragen, ob es sich dabei um eine avantgardistische Bewegung oder eine prekäre Notlösung handelt.

  • Historische Entwicklung der Bohème von analog zu digital.
  • Die Auflösung des Normalarbeitsverhältnisses durch Globalisierung und Digitalisierung.
  • Die Rolle von Netzwerken und sozialem Kapital (Respektökonomie) in der digitalen Bohème.
  • Der Einfluss von Web 2.0-Technologien auf Arbeitsstrukturen und Selbstvermarktung.
  • Die Ambivalenz zwischen selbstbestimmter Arbeit und der Gefahr des „Urbanen Pennertums“.

Auszug aus dem Buch

Die Digitale Bohème als Mikrokosmos – außen vor, unter sich und mittendrin?

Der Autor Bab beschreibt hier die analoge Bohème als ein Kulturphänomen, welches im 19. Jahrhundert innerhalb der damals bestehenden gesellschaftlichen Reihen keinen entsprechenden Raum für sich fand. In ihren heutigen digitalen Kreisen begegneten und begegnen sich Angehörige unterschiedlichster Schichten und Berufsgattungen. Die in ihnen Agierenden wählen laut Friebe und Lobo dieses Lebensmodell nicht als Notstand, sondern auch aus den oben beschriebenen Motiven der Freiheit und Selbstbestimmtheit (Bab 1994). Sie bilden ein Netzwerk aus freien Produzenten, mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Geisteskräften innerhalb eines eigenen Mikrokosmos (vgl. Friebe und Lobo 2007, S. 30). So fanden sich nicht nur Literaten und Maler in diesen Kreisen, sondern auch Geisteswissenschaftler, Musiker und Schauspieler, die kulturelles – meist gesellschaftskritisches – Gut erschufen.

Die digitale Bohème als Avantgarde und neues Kollektiv (vgl. Friebe und Lobo 2007, S. 15ff.), die in und mit virtuellen Netzwerken sich auf Social Media Plattformen wie Facebook oder Xing bündelt und auf ihnen ihr Geld verdient, kann als eine Subkultur gesehen werden. Sie bekommen Aufträge für neue Projekte oder pflegen ihre Kontaktnetzwerke in den Chats wie Skype oder MSN, ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Sie äußert sich durch ihre non-konforme Lebenseinstellung und Lebensart im Vergleich zu der eines Festangestellten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der digitalen Bohème ein, basierend auf dem rasanten Wandel durch das Web 2.0 und der Verbreitung von Konzepten wie „Shift happens“.

2. Bohème – Von analog bis digital: Dieses Kapitel betrachtet die historischen Ursprünge der analogen Bohème als soziale Randgruppe und deren Transformation in ein digitales Phänomen.

3. Die Bohème in deutschen Metropolen: Hier werden die Voraussetzungen für die Bohème in deutschen Großstädten wie Berlin und München sowie die Bedeutung von sozialen Treffpunkten analysiert.

4. Die Digitale Bohème als Mikrokosmos – außen vor, unter sich und mittendrin?: Das Kapitel untersucht die Struktur der digitalen Bohème als Netzwerk freier Produzenten, die sich in Web 2.0-Strukturen bewegen.

5. Das „normale“ Arbeitsverhältnis: Es wird das traditionelle Normalarbeitsverhältnis unter dem Druck von Globalisierung, Technologisierung und Erosion der bisherigen Rahmenbedingungen beleuchtet.

6. Entgrenzung von Arbeit und Leben: Dieses Kapitel thematisiert die zunehmende Verschmelzung von beruflichen und privaten Lebensbereichen durch moderne Kommunikationstechnologien.

7. Lebensstil als Entgrenzungsfaktor von Arbeit: Hier wird die Lebensstildebatte aufgegriffen und analysiert, wie Lebensstile zunehmend zur Abgrenzung und Identitätsbildung dienen.

8. Digitale Bohème = Arbeit + Lebensstil?: Es wird kritisch hinterfragt, ob die digitale Bohème tatsächlich eine emanzipierte Lebensweise ermöglicht oder lediglich in ein „Urbanes Pennertum“ führt.

9. Ökonomie und Kapital(ismus) der digitalen Bohème: Das Kapitel erläutert die ökonomischen Mechanismen der digitalen Bohème, insbesondere die Bedeutung der „Respektökonomie“ und des Sozialkapitals.

10. Abschluss oder Don’t cry – Work: Das Fazit fasst die Ambivalenz der digitalen Bohème zusammen, die zwischen Selbstbestimmtheit und prekären Arbeitsverhältnissen schwankt.

Schlüsselwörter

Digitale Bohème, Arbeit, Lebensstil, Mikrokosmos, Entgrenzung, Normalarbeitsverhältnis, Web 2.0, Respektökonomie, Sozialkapital, Prekariat, Selbstbestimmung, Urbanes Pennertum, Wissensgesellschaft, Netzwerk, Generation Y.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Wandel der Arbeits- und Lebenswelt im 21. Jahrhundert, fokussiert auf das spezifische Milieu der „digitalen Bohème“.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit verknüpft historische soziologische Analysen der Bohème mit aktuellen Entwicklungen der digitalen Arbeitswelt, Entgrenzungsprozessen und ökonomischen Modellen wie der Respektökonomie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die digitale Bohème als Mikrokosmos zu definieren und zu hinterfragen, ob ihr Lebensstil eine befreiende Alternative zum klassischen Arbeitsmarkt oder eine prekäre neue Form der Selbstausbeutung darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine qualitative Literaturanalyse durchgeführt, ergänzt durch die Auswertung von Blogs, Kommentaren und Online-Diskursen der Zielgruppe, um das aktuelle Selbstverständnis abzubilden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entstehung der digitalen Bohème, die Erosion klassischer Arbeitsverhältnisse, die Rolle digitaler Technologien bei der Arbeit sowie die ökonomischen Grundlagen dieser Lebensform.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen zählen digitale Bohème, Entgrenzung von Arbeit und Leben, Respektökonomie und das Konzept des Mikrokosmos.

Was genau versteht die Autorin unter einem „Urbanen Penner“?

Der „Urbane Penner“ ist ein Begriff für jene Kreativen, die zwar den Lebensstil der digitalen Bohème führen, jedoch aufgrund des Überangebots an freien Kräften und fehlender Festanstellung an der Schwelle zum materiellen Prekariat stehen.

Welche Rolle spielt das Web 2.0 bei der Bildung dieser Bohème?

Das Web 2.0 fungiert als Infrastruktur, die es ermöglicht, Kontakte zu knüpfen, Aufträge zu generieren und einen Arbeitsstil zu pflegen, der von traditionellen Bürostrukturen abgekoppelt ist.

Ist die digitale Bohème laut der Arbeit ein Erfolgskonzept?

Die Arbeit stellt dies infrage; sie bezeichnet es als ein „hoch pokern“, da die Abhängigkeit von sozialen Netzwerken und das Fehlen einer langfristigen Absicherung (Alterssicherung) die Existenzgrundlage riskant machen.

Excerpt out of 110 pages  - scroll top

Details

Title
Arbeit und Lebensstil der digitalen Bohème
Subtitle
Ein Mikrokosmos pokert hoch
College
University of Hildesheim  (Sozial- und Organisationspädagogik)
Grade
1,5
Author
Pamela Hackel (Author)
Publication Year
2009
Pages
110
Catalog Number
V172046
ISBN (Book)
9783640920709
ISBN (eBook)
9783640920792
Language
German
Tags
digital Lebensstil Bohème Arbeit viral Netzwerke
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Pamela Hackel (Author), 2009, Arbeit und Lebensstil der digitalen Bohème , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/172046
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