In Isers Fiktionalitätstheorie ist eine, wenn nicht die, zentrale Aussage, dass Fiktionalität
Grenzüberschreitung sei. Genau dies ist die zentrale Thematik in Haruki Murakamis Sputnik
Sweetheart. Wiederholt wird von einem fiktionalen Rahmen und der Überschreitung von
Grenzen der Fiktion gesprochen, die Protagonistin des Romans vollzieht diesen Grenzübertritt
sogar selbst. Aufgrund dieser Gemeinsamkeiten zwischen Isers Theorie zur Fiktionalität und
dem Roman Sputnik Sweetheart möchte ich untersuchen, ob eine poetologische Lesart für
Sputnik Sweetheart anwendbar ist, wenn man Isers Fiktionalitätstheorie als Poetologie versteht.
Dazu werde ich zuerst die relevanten Thesen bzw. die Hauptthese von Isers Fiktionalitätstheorie
herausarbeiten, um dann im Vergleich mit Definitionen von Poetologie zu diskutieren, ob
Isers Fiktionalitätstheorie auch als Poetologie verstanden werden kann. Danach werde ich mit
den bis dahin gewonnenen Erkenntnissen Sputnik Sweetheart1 analysieren, indem ich den
Versuch unternehme, den Roman fiktionalitäts-poetologisch zu lesen. Zu guter Letzt werde
ich die Interpretationsmöglichkeiten diskutieren, die sich daraus ergeben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Isers Fiktionalitätstheorie
2. Isers Fiktionalitätstheorie als Poetologie
3. Sputnik Sweetheart (fiktionalitäts-)poetologisch gelesen
4. Interpretationsmöglichkeiten
Fazit
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob Haruki Murakamis Roman „Sputnik Sweetheart“ unter Anwendung der Fiktionalitätstheorie von Wolfgang Iser poetologisch gelesen werden kann. Dabei wird analysiert, wie der Roman seine eigene Fiktionalität reflektiert und ob die Handlungsebenen des Werks eine solche theoretische Rahmung bestätigen.
- Wolfgang Isers Theorie des Fiktiven und des Imaginären
- Die Definition und Anwendung des Begriffs Poetologie
- Selbstreflexivität in der modernen Literatur
- Die Analyse von Grenzüberschreitungen in „Sputnik Sweetheart“
- Das Verhältnis von Realität, Fiktion und dem Imaginären in Murakamis Werk
Auszug aus dem Buch
3. Sputnik Sweetheart (fiktionalitäts-)poetologisch gelesen
Zum Begriff Poetologie gibt es das entsprechende Adjektiv poetologisch, welches meint, dass sich etwas auf die Lehre der Dichtung bzw. die Dichtung selbst und ihre eigene Funktionsweise bezieht – kurz gesagt meint der Begriff poetologisch also Selbstreflexivität des Textes in Bezug auf das eigene textuelle Sein und Funktionieren. Dies entspricht teilweise dem Kriterium der Selbstreflexivität, das oben genannt wurde. Poetologisch unterscheidet sich insofern von selbstreflexiv, als sich der Text auf sich selber nur in Bezug auf sein dichterisches Gemachtsein bezieht, und nicht im allgemeinen Sinne auf sich selbst bezieht. Wenn im Folgenden also Sputnik Sweetheart poetologisch gelesen wird, dann heisst das vor dem Hintergrund der Poetologie Isers, dass der Text auf seinen Umgang mit der eigenen Fiktionalität hin und deren Spiegelung in der Erzählung hin untersucht wird.
Sputnik Sweetheart erzählt aus der Perspektive eines jungen Lehrers (K.) von einer jungen Frau (Sumire), die Schriftstellerin sein möchte, die ständig schreibt, aber nie wirklich zu einem Ergebnis kommt. Literatur und das Schreiben selbst spielen also eine grosse Rolle in diesem Roman. Dies ist an sich schon eine Reflexion des Textes über sein eigenes Gemachtsein, also ein poetologischer Hinweis. Zwischen dem Erzähler und Sumire kommt es denn auch zu vielen Gesprächen über Literatur, das Schreiben, Fiktionalität, Sprache und deren Zeichen an sich. Sumire scheitert in ihrem Schreiben, weil sie nie wirklich zu einem Ende kommt, aber auch, weil sie sich noch nie verliebt hat – wie soll sie also über Gefühle schreiben können? Nach der Begegnung mit Miu, einer Geschäftsfrau, ändert sich aber alles: Sumire verliebt sich Hals über Kopf aufs Heftigste. Sie fängt an, für Miu zu arbeiten, und geht mit ihr auf Geschäftsreise nach Europa. Die Konsequenz ihrer Liebe ist aber, dass Sumire keine Zeile mehr schreibt. Sie verändert sich völlig. Diese Veränderung erreicht ihren Höhepunkt, als Sumire nach ihrem ersten Annäherungsversuch an Miu, der scheitert, ganz aus der erzählten Welt verschwindet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Grenzüberschreitung in Isers Theorie und deren Übertragung auf den Roman von Murakami.
1. Isers Fiktionalitätstheorie: Detaillierte Darlegung des Akts des Fingierens (Selektion, Kombination, Entblössung) als zentrales Element der Fiktionalität.
2. Isers Fiktionalitätstheorie als Poetologie: Untersuchung, inwieweit Isers theoretisches Modell als deskriptive Lehre der Dichtung verstanden werden kann.
3. Sputnik Sweetheart (fiktionalitäts-)poetologisch gelesen: Analyse der selbstreflexiven Stellen im Roman unter Einbeziehung des theoretischen Rahmens.
4. Interpretationsmöglichkeiten: Vertiefte Deutung der Grenzüberschreitungen der Romanfiguren und deren Scheitern im Umgang mit Fiktion.
Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass der Roman als „Fiktion über Fiktion“ poetologisch gelesen werden kann.
Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Wolfgang Iser, Fiktionalitätstheorie, Poetologie, Sputnik Sweetheart, Haruki Murakami, Fiktion, Imaginäres, Akt des Fingierens, Grenzüberschreitung, Selbstreflexivität, Literaturwissenschaft, Erzähler, Texttheorie, Erzählstruktur, Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob Wolfgang Isers Fiktionalitätstheorie als poetologischer Rahmen geeignet ist, um Haruki Murakamis Roman „Sputnik Sweetheart“ zu analysieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Fiktion und Wirklichkeit, der Begriff der Poetologie sowie die Untersuchung von selbstreflexiven Elementen in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob der Roman durch eine „fiktionalitäts-poetologische“ Lektüre erschlossen werden kann, basierend auf Isers Konzepten des Fiktiven und des Imaginären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die zentrale Thesen aus Isers Werk „Das Fiktive und das Imaginäre“ auf den Primärtext anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der Theoretisierung von Isers Modell, der Begründung der Poetologie und der praktischen Anwendung dieser Konzepte auf konkrete Textstellen in „Sputnik Sweetheart“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fiktionalität, Poetologie, Akt des Fingierens, Grenzüberschreitung, Selbstreflexivität und das Imaginäre.
Welche besondere Rolle spielt der „fiktionale Rahmen“ für die Protagonistin Sumire?
Sumire reflektiert ihren eigenen fiktionalen Rahmen und überschreitet dessen Grenzen, was laut Analyse letztlich zu ihrem Verschwinden aus der erzählten Welt führt.
Wie unterscheidet sich der Umgang des Erzählers K. mit der Fiktion von dem der Figur Sumire?
Während Sumire in der Fiktion aufgeht und ihre Realität verliert, behält der Erzähler K. eine Distanz und reflektiert seine Rolle, was laut Autorin den „Idealfall“ des Umgangs mit Fiktion darstellt.
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- Allegra Schiesser (Author), 2009, Kann Haruki Murakamis "Sputnik Sweetheart" aufgrund Isers Fiktionalitätstheorie poetologisch gelesen werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171891