Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Diskrepanz zwischen der grundgesetzlich verankerten Gleichheit vor dem Gesetz und der Lebensrealität von Menschen mit Behinderungen. Im Zentrum der Untersuchung steht das Spannungsfeld zwischen formeller und materieller Gleichheit sowie die pädagogische Antinomie von Hilfe und Befähigung.
Anhand des medizinischen und des sozialen Modells von Behinderung wird analysiert, wie eine selbstbestimmte Lebensführung im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes (BGG) realisiert werden kann. Die Arbeit geht der Forschungsfrage nach, wie ein Perspektivwechsel dazu beitragen kann, das Recht auf Selbstbestimmung trotz der Notwendigkeit externer Unterstützung zu wahren. Als methodische Grundlage dienen Expert*inneninputs, die vor dem Hintergrund theoretischer Konzepte reflektiert und eingeordnet werden. Ziel der Arbeit ist es, Implikationen für einen reflektierten Umgang mit Menschen mit Behinderungen aufzuzeigen, der deren Autonomie ins Zentrum stellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemhintergrund
2. Methodik
3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Gleichheit vor dem Gesetz
3.2 Formelle und materielle Gleichheit
3.3 Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen
3.4 Das Spannungsfeld von Hilfe und Befähigung
3.5 Das soziale und das medizinische Modell von Behinderung
4. Ergebnisse in Bezug auf die Forschungsfrage
4.1 Teilhabe von sehbehinderten Menschen am Arbeitsmarkt
4.2 Die Relevanz von unsichtbaren Behinderungen und chronischen Erkrankungen in Bezug auf Barrierefreiheit und Selbstbestimmung
4.3 Gemeinschaftsgefühl und Perspektivwechsel durch Selbstbewusstsein und Aktivismus
4.4 Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein durch inklusive Modeangebote
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie ein Perspektivwechsel auf Menschen mit Behinderungen dazu beitragen kann, ihr Recht auf Selbstbestimmung im Spannungsfeld von Hilfe und Befähigung zu realisieren, wobei theoretische Grundlagen mit Erkenntnissen aus fünf Expert*innenworkshops verknüpft werden.
- Das Spannungsfeld zwischen Unterstützung und Autonomie
- Bedeutung der Barrierefreiheit für die soziale Teilhabe
- Herausforderungen und Potenziale bei unsichtbaren Behinderungen
- Rolle von Selbstbewusstsein und Aktivismus für Inklusion
- Inklusive Ansätze in der Design- und Modewelt
Auszug aus dem Buch
3.4 Das Spannungsfeld von Hilfe und Befähigung
Röh zufolge sollte eine Assistenzperson dem behinderten Menschen Selbstbestimmung durch – möglicherweise als Fremdbestimmung bewertbare – Unterstützung ermöglichen, also konkrete Hilfestellungen bei der Bewältigung von Aufgaben bieten, und ihn gleichzeitig dazu befähigen, eigenverantwortlich und selbstbestimmt handeln zu können (vgl. Röh 2018, 49). Die Auseinandersetzung mit der Frage, ob und in welchem Umfang Unterstützung angemessen ist, um der behinderten Person die Aneignung und Wahrnehmung von Selbstbestimmung und Selbsthilfe zu gewähren (vgl. Demmer et al. 2021, 29), ist schließlich zentraler Gegenstand bei der Aushandlung gelungener Inklusion. Die beschriebene Diskrepanz wird auch als Antinomie von Autonomie und Heteronomie (vgl. ebd.) bezeichnet und wird in späteren Abschnitten dieser Hausarbeit in Bezug zu den Expert*innenworkshops und der Forschungsfrage gesetzt.
Im letzten dem theoretischen Hintergrund zugeordneten Unterkapitel werden nun die relevanten Modelle bzw. Verständnisse von Behinderung dargestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemhintergrund: Einführung in die Problematik der Gleichbehandlung und des Spannungsfeldes von Hilfe und Befähigung als Grundlage der Forschungsfrage.
2. Methodik: Beschreibung der Literaturarbeit, die Erkenntnisse aus fünf Expert*inneninputs theoretisch einordnet und reflektiert.
3. Theoretischer Hintergrund: Darstellung der rechtlichen und sozialen Konzepte von Gleichheit, Selbstbestimmung und den Modellen von Behinderung.
4. Ergebnisse in Bezug auf die Forschungsfrage: Analyse der Expert*innenbeiträge hinsichtlich Teilhabe am Arbeitsmarkt, unsichtbarer Behinderungen, Selbstbewusstsein und inklusiven Designs.
5. Fazit: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage mit der Betonung auf respektvolle Unterstützung und der Notwendigkeit systemischer statt nur individueller Anpassungen.
Schlüsselwörter
Selbstbestimmung, Behinderung, Inklusion, Hilfe und Befähigung, Barrierefreiheit, Perspektivwechsel, Teilhabe, Arbeitsassistenz, soziale Teilhabe, Empowerment, Allyship, unsichtbare Behinderungen, medizinisches Modell, soziales Modell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Realisierung des Rechts auf Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen im Kontext des Spannungsfeldes von unterstützender Hilfe und der Befähigung zum eigenständigen Handeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Gleichheitskonzepten, praktischen Herausforderungen der Teilhabe am Arbeitsmarkt, der Bedeutung von Barrierefreiheit und der Rolle von Selbstbewusstsein und Aktivismus.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, wie ein Perspektivwechsel innerhalb der Mehrheitsgesellschaft dazu beitragen kann, das Recht auf Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen besser zu verwirklichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die fachwissenschaftliche Quellen mit Kernaussagen aus fünf spezifischen Expert*innenworkshops verknüpft und diese in einen theoretischen Kontext setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Gleichheit und Inklusion sowie einen Ergebnisteil, der Themen wie Arbeitsmarktteilhabe, unsichtbare Behinderungen und inklusive Modeangebote diskutiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Selbstbestimmung, Empowerment, Inklusion, das soziale Modell von Behinderung sowie das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Heteronomie.
Warum ist der Perspektivwechsel für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen so wichtig?
Weil diese Personengruppe oft Vorurteilen ausgesetzt ist, nicht als behindert wahrgenommen wird und sich daher für ihre Bedarfe an Barrierefreiheit rechtfertigen muss, was zusätzliche mentale Ressourcen kostet.
Welche Rolle spielt das Konzept des "Allyship" in der Untersuchung?
Allyship beschreibt die Rolle von Menschen ohne Behinderungen, die ihre privilegierte Position nutzen, um als „Sprachrohr“ zu agieren und die Aufklärungsarbeit marginalisierter Gruppen zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Nadja Wittig (Autor:in), 2024, Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen im Spannungsfeld von Hilfe und Befähigung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1718190