Diese Ausarbeitung fokussiert die Reintegration von suchtkranken Menschen in den Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung von sozialarbeiterischem Case Management. Hierbei handelt es sich um einen Ansatz, um Personen mit einer Suchterkrankung bei der Gewinnung und Nutzung von Partizipationschancen zu unterstützen. In dieser Arbeit soll der Prozess näher beleuchtet werden.
Dabei wird zunächst der Problemhintergrund geschildert und eine Analyse der aktuellen Bedarfssituation im strukturellen Kontext vorgenommen. Davon abgeleitet wird die wissenschaftliche Fragestellung präsentiert, bevor näher auf die Methodik dieser Arbeit und die Begründung ihrer Auswahl eingegangen wird. Anschließend folgt die Darlegung des theoretischen Hintergrunds. Daran anknüpfend werden Potenziale des sozialarbeiterischen Case Managements für die Unterstützung von suchtkranken Menschen bei der Reintegration in den Arbeitsmarkt erarbeitet. Im Anschluss erfolgt eine kritische Diskussion der Ergebnisse. Die Arbeit schließt mit einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemhintergrund, Situationsanalyse und Fragestellung
3. Methodik
4. Theoretischer Hintergrund
4.1 Der Capabilities Approach nach A. Sen und M. Nussbaum
4.2 Die Theorie der daseinsmächtigen Lebensführung nach D. Röh
4.3 Sozialarbeiterisches Case Management zur Ermöglichung eines „guten Lebens“
5. Potenziale des sozialarbeiterischen Case Managements für die Reintegration von suchtkranken Menschen in den Arbeitsmarkt
5.1 Einfluss des sozialarbeiterischen Case Managements auf die internen Capabilities
5.2 Einfluss des sozialarbeiterischen Case Managements auf die externen Capabilities
6. Ergebnisse
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von sozialarbeiterischem Case Management als Ansatz, um suchtkranke Menschen bei der Bewältigung ihrer Lebenssituation und der Reintegration in den Arbeitsmarkt zu unterstützen. Im Zentrum steht dabei die Frage, inwiefern dieses Instrument zur Schaffung und Nutzung von Verwirklichungschancen beitragen kann, unter besonderer Berücksichtigung der Theorie der daseinsmächtigen Lebensführung nach Dieter Röh.
- Analyse der Reintegration suchtkranker Menschen in den Arbeitsmarkt
- Verknüpfung von Case Management mit dem Capabilities Approach
- Rolle der Theorie der daseinsmächtigen Lebensführung
- Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsstrukturen
- Stärkung interner und externer Verwirklichungschancen
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Capabilities Approach nach A. Sen und M. Nussbaum
Bei dem Capabilities Approach handelt sich um einen gerechtigkeitstheoretischen Ansatz, der auf den Überlegungen von Amartya Sen und Martha Nussbaum beruht (vgl. Sen 2000 / Nussbaum 1999; zit. n. Thole 2012, 44). Ein wesentlicher Gedanke des Konzeptes besteht darin, Vorstellungen von einem gerechten und guten Leben zu ergründen (vgl. Röh 2014, 155). Die Soziale Arbeit hat gemäß des Capabilities-Ansatzes die Aufgabe, Adressat:innen darin zu unterstützen, „ihre Handlungsbefähigung und Verwirklichungschancen herauszubilden und zu nutzen, um Formen der Exklusion und Desintegration zu minimieren“ (Otto / Ziegler 2008; zit. n. Thole 2012, 43 f.). Demnach soll die Soziale Arbeit dabei helfen, das Wohlergehen und die Beteiligungschancen der Menschen zu maximieren (vgl. Thole 2012, 44). Entsprechend dem Thema dieser Ausarbeitung sollten Sozialarbeiter*innen ihren abhängigkeitserkrankten Klient*innen Möglichkeiten zur gleichberechtigten Partizipation aufzeigen und dazu beitragen, ihrer sozialen Exklusion vorzubeugen oder entgegenzuwirken.
Als Capabilities bezeichnet man neben den Kompetenzen und Handlungsfähigkeiten der Menschen auch ihre Verwirklichungschancen und Entfaltungsmöglichkeiten. Diese sind von Befähigungen, gesellschaftlichen Infrastrukturen und Berechtigungen abhängig (vgl. Ziegler / Schrödter / Oelkers 2012, 304). Demnach ist nicht nur zu beachten, welche Ressourcen und formalen Freiheiten ein Mensch besitzt, sondern auch inwieweit er diese tatsächlich nutzen kann, um eine gelingende Lebensführung zu realisieren (vgl. ebd.).
An dieser Stelle wird die Verknüpfung des Capabilities-Ansatzes mit Sozialer Arbeit deutlich. Dementsprechend ist das Ziel von sozialarbeiterischer Suchthilfe die Schaffung von Capabilities (Nussbaum 2011; zit. n. Schmid / Arendt 2023, 207; Herv. d. Verf.) oder Verwirklichungschancen (vgl. Schmidt / Arendt 2023, 207; Herv. d. Verf.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der beruflichen Reintegration suchtkranker Menschen mittels Case Management ein und beschreibt den Aufbau der Arbeit.
2. Problemhintergrund, Situationsanalyse und Fragestellung: Das Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten suchtkranker Menschen am Arbeitsmarkt und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Unterstützung durch Case Management.
3. Methodik: Es wird erläutert, dass die Arbeit als Literaturarbeit angelegt ist, die theoretische Ansätze kritisch auf das Forschungsthema anwendet.
4. Theoretischer Hintergrund: Hier werden der Capabilities Approach und die Theorie der daseinsmächtigen Lebensführung nach Röh als theoretisches Fundament der Arbeit eingeführt.
5. Potenziale des sozialarbeiterischen Case Managements für die Reintegration von suchtkranken Menschen in den Arbeitsmarkt: Dieses Kapitel analysiert, wie Case Management konkret die internen und externen Capabilities der Klientel stärken kann.
6. Ergebnisse: Die Ergebnisse diskutieren die theoretischen Erkenntnisse im Kontext der Praxis und beleuchten die Bedeutung ganzheitlicher, lösungsorientierter Unterstützung.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz des Case Managements zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer wertschätzenden, ressourcenorientierten Arbeitsweise.
Schlüsselwörter
Case Management, Suchterkrankung, Reintegration, Arbeitsmarkt, Capabilities Approach, Daseinsmächtige Lebensführung, Soziale Arbeit, Verwirklichungschancen, Empowerment, Stigmatisierung, Teilhabe, Ganzheitlichkeit, Bio-psycho-soziales Modell, Sozialpolitische Strukturen, Unterstützungssysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sozialarbeiterisches Case Management genutzt werden kann, um suchtkranke Menschen bei ihrer Rückkehr in den Arbeitsmarkt zu unterstützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Suchthilfe, das Case Management-Konzept, die berufliche Teilhabe sowie theoretische Gerechtigkeitsansätze wie der Capabilities Approach.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwiefern sozialarbeiterisches Case Management suchtkranke Personen bei der Schaffung und Nutzung von Verwirklichungschancen für eine berufliche Reintegration unterstützen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der bestehende Fachpublikationen gesichtet und in Bezug auf das Forschungsthema kritisch reflektiert wurden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Fundierung durch Dieter Röh, der Analyse von internen und externen Capabilities und der Bedeutung systemischer Advocacy-Funktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Case Management, Suchthilfe, Arbeitsmarktintegration, Verwirklichungschancen und Empowerment.
Inwiefern beeinflusst der Suchtzustand die Entscheidungsfindung der Klienten?
Der Zustand von Sucht kann die rationale Entscheidungsfähigkeit einschränken; Case Management hilft hier durch informierte Entscheidungsfindung, die Selbstbestimmung wiederherzustellen.
Welche Rolle spielt das bio-psycho-soziale Modell nach ICF?
Das Modell dient als Rahmenwerk, um Sucht als komplexes Syndrom ganzheitlich zu betrachten und die Wechselwirkung zwischen individuellen Fähigkeiten und Umweltfaktoren zu verstehen.
- Arbeit zitieren
- Nadja Wittig (Autor:in), 2024, Potenziale von sozialarbeiterischem Case Management für die Reintegration von suchtkranken Menschen in den Arbeitsmarkt mit Fokus auf der Theorie der daseinsmächtigen Lebensführung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1718188