Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Interbankenmarktes für die Stabilität des Bankensystems anhand von zentralen Faktoren des horizontalen Liquiditätstransfers zwischen den Geschäftsbanken sowie die Entwicklung dieser Faktoren in extremen Zuständen am Interbankenmarkt und die resultierende Systemstabilität. Die Analyse stellt zunächst die Bedeutung der zentralen Faktoren Liquiditätsbeschaffung, wodurch Banken das Liquiditätsrisiko im System streuen, sowie das damit einhergehende Kreditausfallrisiko heraus. Ferner wird die Erkenntnis über das systemische Risiko am Interbankenmarkt gewonnen. In Anlehnung an Heider et al. (2009) wird unter Berücksichtigung von Informationsasymmetrien die Entwicklung der Liquiditätsbeschaffung in Abhängigkeit des Kreditausfallrisikos analysiert und die Systemstabilität mithilfe der zuvor ermittelten Indikatoren festgestellt: Ein funktionierender Interbankenmarkt wirkt tendenziell systemstabilisierend, solange das Kreditausfallrisiko gering eingeschätzt wird. Demgegenüber ist der systemdestabilisierende Zusammenbruch des Interbankenmarktes auf das erhöhte Kreditausfallrisiko und auf das bei jeder Bank gestiegene Liquiditätsrisiko zurückzuführen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Systemtheoretische Betrachtung des Bankensystems
2.1 Zentralbank und Geschäftsbanken – Systemelemente
2.2 Interbankenmarkt – Systemstrukturen und -beziehungen
2.2.1 Strukturierung des Interbankenmarktes – Geldmarkt, Kapitalmarkt und ergänzende OTC-Geschäfte
2.2.2 Beziehungen im Geschäftsbankensystem – horizontaler Liquiditätstransfer
2.2.2.1 Zentrale Instrumente
2.2.2.2 Funktionen im Bankensystem
3 Analyse interbankenmarktbasierter Indikatoren für die Stabilität des Bankensystems
4 Analyse der Bedeutung des Interbankenmarktes hinsichtlich der Stabilität des Bankensystems
4.1 Bedeutung von Liquiditätsbeschaffung und Kreditausfallrisiko als zentrale Faktoren des horizontalen Liquiditätstransfers für die Stabilität des Bankensystems
4.2 Entwicklung der zentralen Faktoren für die Stabilität des Bankensystems in Extremszenarien des Interbankenmarktes
4.2.1 Liquiditätsrisiko und Kreditausfallrisiko unter dem Aspekt von Informationsasymmetrien am Interbankenmarkt
4.2.2 Niedrige Zinsaufschläge und Liquiditätsbeschaffung unter den Geschäftsbanken – geringe Risiken und funktionierender Interbankenmarkt
4.2.3 Hohe Zinsaufschläge und Horten von Liquidität – gestiegene Risiken und Zusammenbruch des Interbankenmarktes
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die stabilisierende und destabilisierende Rolle des Interbankenmarktes für das Bankensystem, wobei insbesondere die Liquiditätsbeschaffung und das Kreditausfallrisiko in verschiedenen Marktszenarien analysiert werden.
- Mechanismen des horizontalen Liquiditätstransfers
- Systemtheoretische Grundlagen des Bankensystems
- Indikatoren für Stabilität und Krisenphänomene
- Einfluss von Informationsasymmetrien auf das Kreditverhalten
- Rolle der Zentralbank als Lender of Last Resort
Auszug aus dem Buch
4.2.3 Hohe Zinsaufschläge und Horten von Liquidität – gestiegene Risiken und Zusammenbruch des Interbankenmarktes
Bei einem hohen relativen Zinsniveau im unbesicherten Geldhandel wird das Kreditausfallrisiko unter den Banken für äußerst hoch eingeschätzt und in Folge einer (drohenden) Adversen Selektion und dem Horten von Liquidität bricht der Interbankenmarkt zusammen.
Die EURIBOR-OIS-Spanne zeigt die deutlich gestiegene Anspannung in diesem Stadium, welche im Euroraum nach September 2008 zu beobachten war. Die Risikoaufschläge im unbesicherten Termingeldhandel bewegten sich zu der Zeit auf dem höchsten Niveau: Die EURIBOR-EUREPO-Abstände betragen in der Spitze ca. 1,5 bis 2,4 Prozentpunkte über die verschiedenen Laufzeiten. Ein Blick auf den Zinssatz im Tagesgeldhandel verrät zudem, dass nun auch die äußerst kurzfristige unbesicherte Kreditvergabe einen höheren und volatileren Aufschlag verzeichnet. Neben dem allgemein höher empfundenen Ausfallrisiko deutet der enorm gestiegene Unterschied in den Risikoprämien für Interbankengeld einwöchiger Laufzeit auf besonders hohe Risiken bei bestimmten Kreditnehmern hin. Das Vertrauen in die Kreditbeziehungen entgegen Informationsasymmetrien hat sich im beschriebenen Szenario in ein Misstrauen gewandelt, was für alle Banken zu einer erhöhten Unsicherheit und Vorsicht führt. Es droht der Effekt der Adversen Selektion, dass das Kreditangebot aufgrund eines zu hohen Zinsniveaus nur noch die Kreditinstitute nutzen möchten, die einen sehr hohen Liquiditätsbedarf aber auch ein sehr hohes Ausfallrisiko haben. Darin sehen Heider et al. (2009) den Grund für die abnehmende Bereitschaft der Banken, überschüssige Liquidität am Interbankenmarkt zu verleihen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Interbankenmarktstörungen während der Finanzkrise ein und formuliert die grundlegende Forschungsfrage bezüglich der stabilisierenden bzw. destabilisierenden Funktion des Marktes.
2 Systemtheoretische Betrachtung des Bankensystems: Das Kapitel strukturiert das Bankensystem in Zentralbank- und Geschäftsbankenbereich und erläutert die Funktionsweise des Liquiditätstransfers sowie die zentrale Rolle des Interbankenmarktes.
3 Analyse interbankenmarktbasierter Indikatoren für die Stabilität des Bankensystems: Hier werden geeignete Indikatoren wie Zinsspannen und Transaktionsvolumina vorgestellt, die notwendig sind, um die Stabilität des Finanzsystems aus dem Blickwinkel des Interbankenhandels zu beurteilen.
4 Analyse der Bedeutung des Interbankenmarktes hinsichtlich der Stabilität des Bankensystems: In diesem Hauptteil wird der Zusammenhang zwischen Liquiditätsbeschaffung, Kreditausfallrisiko und Informationsasymmetrien anhand verschiedener Marktszenarien, von stabil bis hin zum Zusammenbruch, analysiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass ein funktionierender Interbankenmarkt systemstabilisierend wirkt, während ein Vertrauensverlust und das Horten von Liquidität den Markt destabilisieren.
Schlüsselwörter
Interbankenmarkt, Bankensystem, Liquiditätstransfer, Kreditausfallrisiko, Finanzkrise, Informationsasymmetrie, Zentralbank, Lender of Last Resort, EURIBOR, EONIA, Marktstabilität, Liquiditätsrisiko, Geldmarkt, Risikotransformation, Interbankenbeziehungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung des Interbankenmarktes für die Stabilität des Bankensystems und wie dessen Funktionsweise oder Zusammenbruch die finanzielle Sicherheit beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind der horizontale Liquiditätstransfer zwischen Geschäftsbanken, das Kreditausfallrisiko, die Rolle der Zentralbank und der Einfluss von Marktstörungen in Krisenzeiten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, unter welchen Umständen der Interbankenmarkt zur Stabilität des Bankensystems beiträgt bzw. ihr schadet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine systemtheoretische Betrachtungsweise und analysiert Indikatoren wie Zinsspannen sowie Transaktionsvolumina, um das Marktverhalten in extremen Szenarien zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Liquiditätsbeschaffung und Kreditausfallrisiko als Faktoren wirken und wie Informationsasymmetrien in Krisenzeiten zu einem Zusammenbruch des Interbankenmarktes führen können.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Liquiditätstransfer, Interbankenmarkt, Systemstabilität, Kreditausfallrisiko und Informationsasymmetrien geprägt.
Warum spielt die Zentralbank eine wichtige Rolle?
Die Zentralbank fungiert als Lender of Last Resort, um bei systemischen Liquiditätsengpässen einzugreifen, wenn der Interbankenmarkt aufgrund von Misstrauen nicht mehr effizient funktioniert.
Was bedeutet das "Horten von Liquidität" im Kontext der Arbeit?
Es beschreibt das Verhalten von Banken, in unsicheren Zeiten Liquidität bei der Zentralbank anzulegen, anstatt diese anderen Banken am Interbankenmarkt zur Verfügung zu stellen.
Was sind Adverse Selektion und Informationsasymmetrien?
Informationsasymmetrien entstehen, wenn Banken das Ausfallrisiko anderer Institute nicht genau einschätzen können; dies führt zur Adversen Selektion, bei der nur noch riskante Banken Kreditbedarf am Markt anmelden.
Wie korrelieren Liquiditätsrisiko und Kreditausfallrisiko?
In Stresssituationen stehen beide Risiken in einem engen Zusammenhang: Ein erhöhtes wahrgenommenes Kreditausfallrisiko führt zu einem allgemeinen Liquiditätsrisiko, da Banken vorsichtiger agieren und den Markt austrocknen lassen.
- Quote paper
- Atilla Yücel (Author), 2011, Die Bedeutung eines Interbankenmarktes für die Stabilität eines Bankensystems, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171549