In den letzten Jahren hat im Bankensektor eine stille Revolution stattgefunden, die bis in die Gegenwart reicht und zunehmend die Zukunft beeinflussen wird. Etablierte neue Anbieter, neue Technologien und Vertriebswege, das sich verändernde Kundenverhalten und die ab-nehmende Loyalität der Konsumenten gegenüber den Banken führten neben der anwachsenden Substituierbarkeit der Finanzprodukte zu einer Sättigung der Verbraucher und Investoren. Vor allem im Privatkundensektor ist die Suche nach neuen Möglichkeiten für die Kundengewinnung und Kundenbindung zu einer zentralen Aufgabe geworden, da es für die Kreditinstitute immer schwieriger wird rentable Kunden zu halten. Diese Entwicklungen er-fordern ein strategisches Überdenken der Positionierung am Markt um konkurrenzfähig zu bleiben. Seit Ende der achtziger Jahre werden in diesem Zusammenhang vermehrt erlebnis-orientierte Konzepte diskutiert, die auf eine emotionale Bindung des Kunden an das Unternehmen abzielen und durch die Erzeugung eines psychologischen Zusatznutzen Diffe-renzierungspotenziale schaffen sollen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Unternehmen die Instrumente des Eventmarketings derzeit eher willkürlich einsetzen, anstatt damit die Umset-zung der Unternehmensziele zu unterstützen. Es stellt sich also die Frage, inwiefern erlebnisorientierte Konzepte im Kreditgewerbe umgesetzt werden können. Ziel der vorliegen-den Arbeit ist es, die aktuellen Rahmenbedingungen und Entwicklungen von Finanzdienstleistungen näher zu beleuchten und den Einsatz erlebnisorientierter Marketing-konzepte im Kreditgewerbe kritisch zu hinterfragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Eventmarketing zur erlebnisorientierten Finanzdienstleistung
2.1 Erlebnisorientierte Marketingkonzepte
2.2 Finanzdienstleistungen als erlebbare Ereignisse
3. Das Kreditgewerbe und seine speziellen Anforderungen an das Eventmarketing
3.1 Aktuelle Rahmenbedingungen
3.1.1 Kundenspezifische Entwicklungen im Kreditgewerbe
3.1.2 Besonderheiten von Finanzdienstleistungen und deren Auswirkungen auf das Marketing
3.2 Kritische Betrachtung erlebnisorientierter Marketingkonzepte
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Eventmarketing-Konzepte gezielt im Bankensektor eingesetzt werden können, um trotz zunehmender Digitalisierung und Produkt-Substituierbarkeit eine emotionale Kundenbindung aufzubauen und Differenzierungspotenziale zu erschließen. Dabei steht die Forschungsfrage im Vordergrund, inwiefern solche erlebnisorientierten Maßnahmen unter Wahrung der für Finanzdienstleister essenziellen Seriosität und Vertrauenswürdigkeit erfolgreich in Filialkonzepte integriert werden können.
- Wandel von der Arbeits- zur Erlebnisgesellschaft
- Herausforderungen der Kundenbindung im Privatkundengeschäft
- Integration von Eventelementen in die physische Filialgestaltung
- Kritische Analyse von Wirkungsweisen und Messbarkeit
- Strategische Bedeutung persönlicher Kundenkontakte
Auszug aus dem Buch
2.1 Erlebnisorientierte Marketingkonzepte
Seit einiger Zeit beobachten Verhaltensforscher einen Wandel innerhalb der Gesellschaft, der sich insbesondere in den zunehmend von freizeitorientierten Aspekten beeinflussten Lebensstilen der Menschen ausdrückt. Diese neue Freizeitorientierung ist dadurch gekennzeichnet, dass sich das Individuum am eigenen Subjekt orientiert und versucht, durch die Beeinflussung bestimmter Situationen, gewünschte subjektive Erlebnisse auszulösen.
Dabei werden Produkte und Dienstleistungen gezielt als Mittel benutzt, um einen Prozess auszulösen, der wiederum die Konstruktion eines bestimmten Ereignisses ermöglicht. Dieser Trend kann mit dem in den letzten Jahren evident angestiegenen Freizeitbudget und der damit verbundenen Wertschätzung der Freizeit, begründet werden. In der Freizeitforschung wird diese Tendenz allgemein als der Wandel von der Arbeits- zur Erlebnisgesellschaft bezeichnet. Auch in marketingspezifischer Literatur wurde mittlerweile der positive Einfluss von Emotionen auf das Kauf- und Entscheidungsverhalten von Konsumenten anerkannt. Events bilden den inhaltlichen Kern des Eventmarketings und können wie folgt charakterisiert werden: Events sind „inszenierte Ereignisse […], die durch erlebnisorientierte firmen- und produktbezogene Veranstaltungen emotionale und physische Reize darbieten und einen starken Aktivierungsprozess auslösen sollen.“ Das Ziel eines jeden Events sollte sein, inszenierte Ereignisse in Form von Veranstaltungen und Aktionen durchzuführen, die dem Adressaten die spezifischen Kommunikationsinhalte des Unternehmens erlebnisorientiert vermitteln und so der Umsetzung der Marketingziele dienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Transformationsprozess im Bankensektor und führt die zentrale Problemstellung ein, warum die Suche nach neuen Kundengewinnungsmethoden durch Eventmarketing notwendig geworden ist.
2. Vom Eventmarketing zur erlebnisorientierten Finanzdienstleistung: Das Kapitel erläutert den gesellschaftlichen Trend zur Erlebnisorientierung und diskutiert die Übertragbarkeit dieser Konzepte auf Finanzdienstleistungen als immaterielle Angebote.
3. Das Kreditgewerbe und seine speziellen Anforderungen an das Eventmarketing: Dieses Kapitel analysiert die komplexen Rahmenbedingungen des Bankenmarktes sowie die spezifischen psychologischen Anforderungen an die Kundenberatung und hinterfragt die Wirksamkeit der Marketingmaßnahmen kritisch.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Eventmarketing bei strategischer Anwendung ein effektives Instrument für Kreditinstitute bleibt, wobei der persönliche Kontakt in der Filiale weiterhin eine zentrale Rolle für die Vertrauensbildung spielt.
Schlüsselwörter
Eventmarketing, Finanzdienstleistungen, Kundenbindung, Erlebnisgesellschaft, Bankensektor, Filialkonzept, Kundenzufriedenheit, Marketingstrategie, Beratungsqualität, Vertrauen, Privatkundengeschäft, Service-Design, Konsumentenverhalten, Wettbewerbsfähigkeit, Multikanal-Vertrieb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Eventmarketing-Instrumenten im Banken- und Finanzdienstleistungssektor.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Auswirkungen der Erlebnisgesellschaft, die Gestaltung von Bankfilialen, das veränderte Konsumentenverhalten und die Herausforderung, Kundenbindung durch emotionale Erlebnisse zu stärken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern erlebnisorientierte Konzepte zur Unterstützung der Unternehmensziele im Kreditgewerbe beitragen können, ohne die Seriosität der Bank zu gefährden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Auswertung von Praxisbeispielen wie der "Bank der Zukunft" oder modernen Sparkassen-Filialkonzepten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den aktuellen Marktbedingungen, der Definition von Finanzdienstleistungen als "erlebbare Ereignisse" und einer kritischen Auseinandersetzung mit der Messbarkeit und Wirkung dieser Marketingansätze.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Eventmarketing, Kundenbindung, Erlebnisgesellschaft, Filialgestaltung, Finanzdienstleistungen und Vertrauensmanagement.
Wie unterscheidet sich die Sparkasse Leverkusen laut Text von anderen Instituten?
Sie integriert eine ausfahrbare Bühne und spezielle Raumkonzepte wie die Bar "Aperitivo", um die Kundenhalle flexibel in eine Eventhalle zu verwandeln.
Welche Rolle spielt die Filiale nach Ansicht der Autorin zukünftig?
Trotz Online-Banking und Digitalisierung bleibt die Filiale als persönlicher Kontaktpunkt essenziell für die Vertrauensbildung und Differenzierung gegenüber Direktbanken.
- Quote paper
- Heidi Schnedelbach (Author), 2010, Eventmarketing im Kreditgewerbe in kritischer Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171339