Das Fach der politischen Bildung hat Zeit seines Lebens diverse Umbrüche und Veränderungen erfahren. Sei es, dass sich lediglich die Bezeichnung des Faches geändert hat oder aber die zu behandelnden Themen und ideellen Werte einer Modifikation unterzogen wurden: kaum ein anderes Schulfach wandelte sich im Laufe seiner Existenz so sehr.
Auch heute noch ist die Entwicklung der politischen Bildung nicht zur Ruhe gekommen. Zahlreiche Pädagogen und Fachdidaktiker streiten über die vermeintlich richtigen Ziele des Faches, über Inhalte, Methoden und Konzepte politischer Bildung. [...]
Im Folgenden soll auf diese Multiperspektivität der politischen Bildung und das daraus entspringende Potential näher eingegangen werden. Dies erfolgt anhand drei voneinander unabhängiger Kapitel.
Zunächst werden die didaktischen Prinzipien der politischen Bildung und deren Bedeutung für den Unterricht erläutert, wobei auf das Prinzip der Handlungsorientierung näher eingegangen wird. Abgerundet wird dieses Kapitel durch ein konzipiertes Unterrichtsbeispiel, das die Prinzipien des handlungsorientierten Unterrichts berücksichtigt.
Im darauffolgenden Kapitel wird der Blick auf drei unterschiedliche Methoden zur Gestaltung von Lernsituationen gelenkt und deren besonderes Potential für den politischen Unterricht herausgearbeitet.
Ergänzt werden diese Ausführungen durch die Betrachtung dreier verschiedener Medien, welche im abschließenden Kapitel vorgestellt werden. Auch hierbei wird vor allem auf die Bedeutung und das Potential der Medien für die politische Bildung eingegangen.
Abgerundet wird die vorliegende Arbeit durch eine zusammenfassende Betrachtung der diskutierten Aspekte der politischen Bildung.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die didaktischen Prinzipien der politischen Bildung
– Gütekriterien für den Politikunterricht
1. Die didaktischen Prinzipien im Überblick
2. Das didaktische Prinzip der Handlungsorientierung
3. Ein Unterrichtsbeispiel
III. Methoden – Vielfalt für den Unterricht
1. Das Rollenspiel
2. Die Projektmethode
3. Die Schülerfirma
IV. Medien – Motivation im Unterricht
1. Das Lehrbuch
2. Das Tafelbild / der Tafelanschrieb
3. Der Spielfilm
V. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial didaktischer Prinzipien sowie verschiedener Methoden und Medien, um den Politikunterricht abwechslungsreicher, anschaulicher und schülerorientierter zu gestalten und somit die Motivation der Lernenden zu steigern.
- Didaktische Prinzipien als Gütekriterien politischer Bildung
- Handlungsorientierter Unterricht und seine Konkretisierung
- Methodenvielfalt zur Gestaltung von Lernsituationen
- Medienkompetenz und der Einsatz von Lehrbüchern, Tafelbildern und Spielfilmen
Auszug aus dem Buch
1. Das Rollenspiel
Das Rollenspiel lässt sich den Methoden des handlungsorientierten Unterrichts zuordnen (vgl. Deichmann 2004: 120) und gibt seine Begrifflichkeit bereits durch den Namen preis. Die Mitspieler legen zeitweise ihre angestammte soziale Identität ab und übernehmen stattdessen eine andere, fiktive oder reale Rolle, die sie in einer nachempfundenen wirklichkeitsnahen Situation oder einem Konflikt darstellen. Man differenziert dabei in gelenkte (gebundene) und freie Rollenspiele. Während erstere auf ein gewünschtes Verhalten der Rollen abzielen und dadurch geringe Gestaltungsspielräume ermöglichen, besitzen letztere den Charakter eines freien Probehandelns, indem die Schüler unterschiedliche Rollen übernehmen und diese je nach Belieben ausfüllen, ohne dabei den Bezug zur Rolle zu verlieren (vgl. Arnold/Sandfuchs/Wiechmann 2006: 322f.).
Anfang der 70er Jahre war der Ausgangspunkt der Rollenspielpädagogik, dass jeder Mensch in seinem Leben gesellschaftliche Rollen ausfüllen muss und die Vorbereitung auf diese Rollenübernahme Aufgabe der Erziehung sei (vgl. Wiechmann 2006: 84f.).
Heute ist die Funktion des Rollenspiels als unterrichtliche Methode eine andere. So dient es vor allem dem Entscheidungstraining, indem die Schüler Konflikte und deren Lösungsmöglichkeiten erfahren und Verhaltensweisen wie Kompromissbereitschaft und Toleranz einüben (vgl. Mickel 1980: 202). Bereits daraus ergibt sich das Potential dieser Methode für den politischen Unterricht. Gerade weil im gesellschaftlichen Leben Konflikt und Problembewältigung eine zentrale Rolle spielen und diese sowohl auf der Ebene von Familien- und Freundesbeziehungen, als auch auf der politischen und öffentlichen Ebene stattfindet, ergeben sich daraus zahlreiche Möglichkeiten für Rollenspielsituationen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung und die aktuelle Kontroversität der politischen Bildung sowie das Ziel der Arbeit, die Multiperspektivität und das Potenzial des Fachs aufzuzeigen.
II. Die didaktischen Prinzipien der politischen Bildung: Dieses Kapitel erläutert zentrale Gütekriterien wie Adressatenorientierung und Kontroversität, legt den Fokus auf die Handlungsorientierung und veranschaulicht diese durch ein konkretes Unterrichtsbeispiel.
III. Methoden – Vielfalt für den Unterricht: Hier werden drei ausgewählte Methoden – Rollenspiel, Projektmethode und Schülerfirma – hinsichtlich ihres Potenzials zur Motivationssteigerung und Kompetenzförderung analysiert.
IV. Medien – Motivation im Unterricht: Dieses Kapitel untersucht die Funktionen von Lehrbüchern, Tafelbildern und Spielfilmen als Vermittler im Politikunterricht und deren Bedeutung für die Förderung der Medienkompetenz.
V. Schlussfolgerungen: Die Schlussfolgerungen fassen zusammen, dass die Lehrkraft entscheidet, wie die Methoden- und Medienvielfalt moderat und zielgerichtet eingesetzt wird, um modernen und abwechslungsreichen Unterricht zu gewährleisten.
Schlüsselwörter
Politische Bildung, Politikunterricht, didaktische Prinzipien, Handlungsorientierung, Projektmethode, Rollenspiel, Schülerfirma, Medienkompetenz, Politikdidaktik, Unterrichtsmethoden, Motivation, Beutelsbacher Konsens, Multiperspektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie didaktische Prinzipien, Methoden und Medien dazu beitragen können, politischen Unterricht moderner, anschaulicher und schülerorientierter zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die didaktischen Grundlagen politischer Bildung, verschiedene handlungsorientierte Lehrmethoden sowie die Rolle und der Einsatz von Medien im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Potenzial der Multiperspektivität politischer Bildung aufzuzeigen und Strategien zu benennen, wie man Klischees von einem theoretischen und langweiligen Politikunterricht abbauen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit politikdidaktischer Literatur und der Analyse erprobter Unterrichtskonzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt theoretische Gütekriterien, konkrete Unterrichtsmethoden wie die Schülerfirma oder das Rollenspiel sowie verschiedene Unterrichtsmedien wie Lehrbücher und Spielfilme.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Handlungsorientierung, Methodenvielfalt, Medienkompetenz, Schülerorientierung und politische Bildung.
Wie definiert die Arbeit das Prinzip der Handlungsorientierung?
Sie beschreibt es als Praxis, in der Lernende aktiv werden, den Klassenraum verlassen und Theorie durch eigenes Handeln und Erfahrungsgewinn in realen Situationen ergänzen.
Warum wird die Methode der "Streitlinie" als Beispiel aufgeführt?
Sie dient als konkretes Beispiel für eine handlungsorientierte Pro-und-Kontra-Debatte, die Empathiefähigkeit und Argumentationsfähigkeit in einem politischen Konfliktszenario fördert.
Welche Herausforderungen bestehen beim Einsatz von Spielfilmen im Unterricht?
Die Hauptprobleme sind die stundensprengende Länge der Filme und die Gefahr, dass sie nur zur Unterhaltung konsumiert werden, weshalb eine gute Vorbereitung und filmbegleitende Analysefragen essenziell sind.
Welche Rolle kommt dem Lehrbuch heute noch zu?
Trotz digitaler Konkurrenz bleibt das Lehrbuch als strukturiertes Lernmedium, Informatorium und Pädagogicum ein wichtiger Begleiter, sofern es als ergänzendes Medium genutzt wird.
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- Franziska Letzel (Author), 2010, Gemeinschaftskundeunterricht - Didaktische Prinzipien, Methoden und Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/171335