Musik und Film, beziehungsweise Video, sind seit jeher eng miteinander verwoben. Diese homogene Einheit lässt sich effektiv bei rhythmischen Bildern, besonders Musikvideos, herauskristallisieren. Musikvideos sind vor allem seit den 1980ern ein etablierter und populärer Teil der Videoindustrie. Mit der wachsenden Popularität des Musiksenders MTV kam das Medium nach einer langwierigen Genese zu seinem Kulminationspunkt. Seit der Etablierung von neuen medialen Formen, wie beispielsweise Youtube, ist das Musikvideo einem weiteren, fundamentalen Wandel ausgesetzt. Man kann die Gattung des Musikvideos nur schwer verallgemeinern und auf einfache Strukturen herunterbrechen. Ton-begleitende visuelle Darstellungen sind so konträr wie sie ähnlich sein können. Eine Komponente, die zum Beispiel stark variieren kann, ist die Art der Montage. Häufig werden Musikvideos im Schnitt an das akustische Werk angepasst, das Visuelle dient dabei teilweise nur dazu, die klanglichen Elemente zu verstärken. Doch es lässt sich auch ein weiteres, konträres Phänomen in dem immensen Spektrum der rhythmischen Bilder finden; Musikvideos, die (scheinbar) ungeschnitten sind. Sogenannte Plansequenzen sind vorerst im klassischen Film zu finden. Größen wie David W. Griffith, Sergej Eisenstein oder André Bazin sind im Zusammenhang mit Montage zu nennen. Sie beschäftigten sich unter anderem mit der Frage nach dem Gebrauch, und damit zusammenhängend auch dem Nichtgebrauch, von Schnitten und der damit verbundenen Wirkung. Das ist auch das Ziel dieser Hausarbeit.
Angewendet auf den Kontext der visuellen Gestaltung des Auditiven soll die Frage gestellt werden, welche Substanz und welchen Effekt ein ungeschnittenes Musikvideo hat. Um diese Leitfrage zu beantworten, wird im ersten Kapitel eine thematische Einführung geboten, die sowohl versucht das Wesen eines Musikvideos zu entschlüsseln als auch eine definitorische Annäherung an die ungeschnittene Einstellung konstruiert. Im Hauptteil werden dann drei verschiedene, visuelle Beispiele auf ihren Typus, ihre Funktion und die Wirkung analysiert. Einmal das Musikvideo zu Wannabe (1996) von den Spice Girls, als zweites What was i made for? (2023) von Billie Eilish und zuletzt Sugar Water (1997) von Cibo Matto. [...]
- Quote paper
- Svenja Cremers (Author), 2024, Musikvideos als Plansequenz. Eine Analyse der Wirkung und Funktion einer ungeschnittenen Einstellung im auditiv-visuellen Kontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1710579