„Die Deutschen in ihren Uniformen, mein Gott, waren das schöne Männer, wir haben unseren Augen nicht getraut.“ So äußerte sich die Norwegerin Lucie im Gespräch mit Ebba D. Drolshagen über den ersten flüchtigen Kontakt mit denjenigen Männern, die zwischen 1940 und 1945 als Besatzer in Norwegen stationiert waren. Die Bewunderung für die fremden Soldaten, die in dieser Aussage steckt, kann kaum geleugnet werden. Es lässt sich durchaus ein Interesse an den unbekannten Fremden herauslesen. Dieses Interesse (u.a.) an den Neuankömmlingen führte dazu, dass schätzungsweise 40 - 50.000 Norwegerinnen engeren Kontakt zu Deutschen hatten, und aus diesen Beziehungen mind. 9.000 Kinder hervorgingen .
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Bewunderung allein als Motiv gelten kann, welches erklärt, warum man sich von Seiten der einheimischen Frauen auf die fremden Männer einließ. Welche anderen Gründe spielten für die Frauen eine Rolle, sich mit dem „Feind“ abzugeben. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, welche Beweggründe es für deutsche Soldaten gab, sich den norwegischen Frauen anzunähern. Die Beantwortung dieser Frage, nämlich der Frage nach den Motiven der Frauen einerseits und denen der Männer andererseits für eine Annäherung an den jeweils anderen, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kontakte zur Zivilbevölkerung: Norwegen aus Sicht nationalsozialistischer Ideologie
3. Die Reaktionen der Anderen: Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Soldaten aus norwegischer Sicht
4. Kontaktfelder deutscher Soldaten und norwegischer Einheimischer
5. Motive für Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Soldaten
5.1 Aus Sicht deutscher Soldaten in Norwegen
5.1.1 Euphorie
5.1.2 Langeweile und Einsamkeit
5.1.3 Ideologische Einstellungen
5.1.4 Anschluss suchen
5.1.5 „Schneller Sex“
5.1.6 Liebe
5.2 Aus Sicht norwegischer Frauen
5.2.1 Neugier, Faszination und Bewunderung
5.2.2 Spaß und Unterhaltung
5.2.3 Der „liebe Fritz“
5.2.4 Anschluss zulassen
5.2.5 Opportunismus
5.2.6 Liebe
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Besatzungssoldaten während der Jahre 1940 bis 1945. Dabei liegt der Fokus primär auf den Motiven, die beide Seiten dazu bewegten, trotz gesellschaftlicher Ächtung und ideologischer Hindernisse Kontakt zueinander aufzunehmen.
- Die Auswirkungen nationalsozialistischer Ideologie auf die Partnerwahl von Besatzungssoldaten.
- Die gesellschaftliche Reaktion der norwegischen Bevölkerung gegenüber sogenannten „Deutschenmädchen“.
- Die Analyse der verschiedenen Kontaktfelder, wie Arbeit, Einquartierung und Begegnungen im öffentlichen Raum.
- Die Kategorisierung der persönlichen Beweggründe deutscher Soldaten und norwegischer Frauen mittels zweier Erklärungsmodelle.
Auszug aus dem Buch
5.1.1 Euphorie
Für viele deutsche Soldaten war der Kriegsbeginn unabhängig von ihrem Stationierungsortes zunächst eine spannende Sache, denn diese Männer waren zumeist noch sehr jung und hatten das Gefühl das endlich etwas geschieht. Dieser Eindruck sollte für die Soldaten, die an die Ostfront versetzt wurden, nicht lange anhalten, denn dort spürte man unmittelbar, was es bedeutete, im Krieg zu sein. Norwegen hingegen bildete in dieser Hinsicht eine Ausnahme, war man als Soldat hier in einem Land stationiert worden, das mit dem Frontalltag im Osten wenig gemein hatte. Im Grunde genommen lebte das Gros der in Norwegen stationierten Soldaten in einer friedensähnlichen Umgebung, von den Aktionen des militärischen Widerstands Norwegens einmal abgesehen. Es scheint in diesem Zusammenhang nicht verwunderlich, dass die jungen Männer, die zumeist zum ersten Mal von zu Hause fort waren, ins Schwärmen gerieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der deutsch-norwegischen Beziehungen während der Besatzungszeit und Darlegung der Forschungsfragen.
2. Kontakte zur Zivilbevölkerung: Norwegen aus Sicht nationalsozialistischer Ideologie: Untersuchung der NS-Rassenideologie in Bezug auf die norwegische Bevölkerung und die Rolle des Lebensborn e.V.
3. Die Reaktionen der Anderen: Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Soldaten aus norwegischer Sicht: Darstellung der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Anfeindungen, denen norwegische Frauen ausgesetzt waren.
4. Kontaktfelder deutscher Soldaten und norwegischer Einheimischer: Analyse der Rahmenbedingungen und Alltagssituationen, in denen Begegnungen zwischen Besatzern und Zivilbevölkerung stattfanden.
5. Motive für Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Soldaten: Detaillierte Untersuchung der persönlichen Beweggründe beider Gruppen anhand von Modellen zu Euphorie, Einsamkeit, Sex und Liebe.
6. Fazit: Zusammenfassende Gegenüberstellung der Ergebnisse und der zugrundeliegenden Modelle beider Seiten.
Schlüsselwörter
Norwegen, Besatzungszeit, Wehrmacht, Kollaboration, Lebensborn, NS-Ideologie, Kriegskinder, zwischenmenschliche Beziehungen, soziale Ausgrenzung, Soldatenalltag, Widerstand, deutsche Besatzung, Motivforschung, Tyskertøs, Besatzungssoldaten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen norwegischen Frauen und deutschen Besatzungssoldaten in Norwegen im Zeitraum von 1940 bis 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die ideologischen Vorhaben des NS-Regimes, die gesellschaftliche Reaktion der norwegischen Bevölkerung auf diese Kontakte sowie die individuellen Motive für die Annäherung beider Seiten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist es, die Beweggründe sowohl der norwegischen Frauen als auch der deutschen Soldaten zu identifizieren und mittels zweier Modelle zu systematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literatur- und quellenbasierte Analyse durchgeführt, die durch die Entwicklung von Motivmodellen strukturiert wird, um die Beweggründe greifbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der ideologischen Rahmenbedingungen, der gesellschaftlichen Folgen für die Frauen („horizontale Kollaboration“) sowie der konkreten Kontaktfelder und Motivationslagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Norwegen, Besatzung, Lebensborn, Kollaboration, Soldatenalltag und soziale Ausgrenzung.
Wie reagierte die norwegische Exilregierung auf diese Beziehungen?
Die Regierung rief zur „kalten Schulter“ auf und stufte Frauen, die Kontakt zu deutschen Soldaten pflegten, pauschal als Prostituierte („Deutschenflittchen“) ein.
Welche Rolle spielte die NS-Ideologie bei der Wahl der Partnerin?
Die Ideologie war zwar vorhanden, spielte jedoch bei der tatsächlichen Partnerwahl der Soldaten eine untergeordnete Rolle, da persönliche Motive wie Einsamkeit oder der Wunsch nach Normalität oft schwerer wogen.
- Quote paper
- Mario Kulbach (Author), 2011, Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und deutschen Soldaten im besetzten Norwegen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170619