In dieser Arbeit werde ich versuchen, die Auslegungsmöglichkeiten der Bibelstelle Mt 28,16-20 aufzuzeigen und diese bewerten. Dabei ist in der Hauptseminarsitzung zur Thematik am 14.01.2010 klar geworden, dass es schwierig ist, eine eindeutige Lösung zu finden, die gegen jedes Argument gewappnet ist. Dennoch sollte ein Theologiestudent sich eine eigene Meinung in dieser Missionsfrage herausarbeiten, um nicht leichtfertig der Übersetzung in der Einheitsübersetzung zu verfallen.
Zu Beginn beschreibe ich die Rahmendaten des Matthäusevangeliums, um einen Überblick darzustellen, in dem die Bibelstelle zu verstehen ist. Danach analysiere ich die Bibelstelle Mt 28,16-20, um sie im Folgenden zu bewerten und verschiedene Lösungsansätze zu skizzieren. Abschließend gehe ich auf einige historische Entscheidungen der römisch-katholischen Kirche ein, um die Brisanz dieses Evangeliumsabschlusses in der Geschichte auch als mahnendes Wort zu verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einleitende Hintergrundinformationen
2.1 Das Matthäusevangelium
2.2 Umwelt des Matthäus
2.3 Einordnung von Mt 28,16-20 in den Kontext des Evangeliums
3. Analyse der Bibelstelle
3.1 Erzählerische Einleitung (Mt 28,16-18a)
3.2 Manifest des Auferweckten (Mt 28,18b-20)
3.2.1 Das Vollmachtswort (Mt 28,18b)
3.2.2 Der Sendungsauftrag (Mt 28,19.20a)
3.2.3 Die Verheißung (Mt 28,20b)
4. Bedeutung
4.1 Hinweise im Matthäusevangelium auf die Weltvölkermission
4.2 Auslegungsmöglichkeiten
4.2.1 Die inklusive Deutung
4.2.2 Die exklusive Deutung
4.3 Wirkungsgeschichte
5. Überblick Judenmission
5.1 Von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg
5.2 Das Zweite Vatikanische Konzil
5.3 Aktuelle Diskussionsfelder
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theologische Interpretation des sogenannten Missionsbefehls (Mt 28,16-20) im Matthäusevangelium, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis zum Judentum. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob der Missionsbefehl eine Ablösung Israels impliziert oder ob andere Auslegungsmöglichkeiten bestehen, die die Exklusivität oder Inklusivität der Weltvölkermission klären.
- Exegetische Analyse der Schlussperikope des Matthäusevangeliums.
- Untersuchung der biblischen Hinweise auf eine Weltvölkermission.
- Gegenüberstellung inklusiver und exklusiver Deutungsmodelle.
- Kritische Aufarbeitung der Wirkungsgeschichte der Judenmission.
- Reflexion über das Verhältnis von Kirche und Judentum nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Auszug aus dem Buch
3.1 Erzählerische Einleitung (Mt 28,16-18a)
Nach dem Tod des Judas in Mt 27,3-10 sind nur noch elf Jünger verblieben, die aufgrund der Aussagen der Frauen dem Auftrag des Auferweckten folgen (vgl. Mt 28,7) und zurück in ihr Heimatgebiet nach Galiläa gehen, wo ihre Gemeinschaft mit Jesus ihren Anfang nahm. Galiläa ist somit sowohl ein Zufluchtsort für die Jünger, der ihnen Schutz bietet, als auch „Ausgangs- und Höhepunkt der Christusoffenbarung“.
Auch wenn der Berg nicht eindeutig identifiziert werden kann, so werden beim Leser direkt verschiedene Assoziationen geweckt. Zunächst erinnert man sich an die dritte Versuchung Jesu durch den Teufel, bei der dieser dem Sohn Gottes „alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht [zeigte] und sagte […]: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst“ (Mt 4,8f). Jesus widerstand der Versuchung und nun hat er, wie Vers 18b zeigt, dennoch alle Macht erhalten – allerdings von Gott. Darüber hinaus könnte es sich auch um den Berg der Bergpredigt (vgl. Mt 5-7) handeln, also um den Ort, an dem Jesus seine Lehre verbreitet hat, oder um den Berg der Verklärung (vgl. Mt 17,1-9), auf dem Jesu himmlische Herrlichkeit offenbart wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema des Missionsbefehls und die Problematik der Interpretation von „ta. e;qnh“ im Kontext der christlichen Missionsgeschichte.
2. Einleitende Hintergrundinformationen: Darstellung der Rahmendaten des Matthäusevangeliums, der Gemeindeumwelt und des Verhältnisses zum zeitgenössischen Judentum.
3. Analyse der Bibelstelle: Detaillierte exegetische Untersuchung der Verse Mt 28,16-20 hinsichtlich ihrer Erzählstruktur, Vollmacht und Verheißung.
4. Bedeutung: Analyse der theologischen Implikationen des Missionsbefehls, unterschieden in inklusive und exklusive Deutungsansätze sowie deren Wirkungsgeschichte.
5. Überblick Judenmission: Historischer Rückblick auf die kirchliche Judenmission von den Anfängen bis zu den aktuellen Entwicklungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse unter Berücksichtigung des bleibenden Erwählungsvorrangs Israels und der Kritik an einer falsch verstandenen Heidenmission.
Schlüsselwörter
Matthäusevangelium, Missionsbefehl, Judenmission, Weltvölkermission, Exegese, Inklusive Deutung, Exklusive Deutung, Nostra Aetate, Zweites Vatikanisches Konzil, Israel, Gottesvolk, Christentum, Judentum, Bibelauslegung, Heidenmission.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie der Missionsbefehl am Ende des Matthäusevangeliums exegetisch zu verstehen ist und welche Rolle das jüdische Volk in diesem Kontext spielt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Auslegung von Mt 28,16-20, das Verhältnis zwischen der matthäischen Gemeinde und dem Judentum sowie die kirchliche Praxis der Judenmission.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob der Missionsbefehl eine exklusive Hinwendung zu den Heiden darstellt oder ob er eine inklusive Botschaft beinhaltet, die Israel nicht ausschließt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine exegetische Analyse der biblischen Textstelle unter Einbeziehung theologischer Fachliteratur und historischer Kontexte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine exakte Textanalyse des Missionsbefehls, eine Diskussion verschiedener Interpretationsmöglichkeiten und eine Aufarbeitung der historischen Wirkungsgeschichte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Matthäusevangelium, Missionsbefehl, Judenmission, Weltvölkermission sowie die Auseinandersetzung mit dem jüdisch-christlichen Verhältnis.
Wie bewertet der Autor die exklusive Deutungstheorie?
Der Autor ordnet die exklusive Deutung als eine Ausweitung des Heils auf die Heiden ein, betont jedoch, dass der Erwählungsvorrang Israels theologisch gewahrt bleiben muss.
Welche Rolle spielt Nostra Aetate für die Arbeit?
Das Dokument dient als zentraler Bezugspunkt, um die theologische Kehrtwende der katholischen Kirche im Umgang mit dem Judentum und die damit verbundenen aktuellen Spannungsfelder aufzuzeigen.
- Quote paper
- Arne Loewenich (Author), 2011, Der Auftrag der Judenmission im Matthäusevangelium?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170394