Immer wieder wird gesellschaftlich, politisch, aber auch kulturell über den Sexualkundeunterricht an Schulen diskutiert. Ein fiktives Beispiel bietet die Serie Sex Education, welche oftmals tabuisierte, aber für Jugendliche zentrale Themen offen und
humoristisch behandelt. Die britische Coming-Of-Age Serie, welche am 11. Januar 2019 auf Netflix debütierte, hat sich mit bisher vier erschienenen Staffeln als äußerst erfolgreich erwiesen. Im Mittelpunkt steht der 16-jährige Otis Milburn, der – inspiriert von seiner Mutter, einer Sexualtherapeutin – gemeinsam mit seiner Mitschülerin und späteren Liebespartnerin Maeve eine zunächst inoffizielle Sexualberatungsstelle gründet. Mit jeder Episode erforscht die Serie verschiedene Aspekte der Sexualität und Identität von Jugendlichen, darunter Fragen zu Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen. Sex Education verfolgt dabei nicht nur eine narrative, sondern auch eine explizit didaktische Absicht: Die Serie “both represents sex education and educates viewers about sex. “ (Dudek, Woodley, Green 2021) Laut der Drehbuchautorin Laurie Nunn war die zentrale Frage im Schreibprozess “What did I want to know when I was 16?“ (Frost 2020) Durch die sexuelle Aufklärung der Schüler:innen wird darauf aufmerksam gemacht, dass der aktuelle Sexualkunde-Lehrplan an der fiktiven Moordale Secondary School unzureichend ist und einer Überarbeitung bedarf. Otis und Maeve bieten mit ihrem Wissen und Selbstbewusstsein eine informelle Alternative zur formellen Aufklärung, die die Bedürfnisse ihrer Altersgruppe geeigneter adressiert. In der Serie findet die Aufklärungsarbeit folglich auf konventioneller, formeller Ebene und auf informeller Ebene statt.
Im Fokus dieser Arbeit soll dabei die Frage stehen, inwiefern klassische Bildungsansätze und -hierarchien in Sex Education hinterfragt und neu interpretiert werden. Dafür werden zunächst die unterschiedlichen Bildungsebenen vorgestellt. Darauf aufbauend wird die Darstellung von formeller und informeller Bildung in der Serie analysiert, um aufzuzeigen, wie etablierte Bildungsstrukturen dekonstruiert werden. Anschließend werden die aus der fiktiven Serie gewonnen Erkenntnisse auf reale Bildungskontexte übertragen, wobei (medien)pädagogische Schlussfolgerungen gezogen werden.
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- Lilli Messer (Author), 2024, Formelle vs. Informelle Bildung. Wie Sex Education Bildungsformen und -hierarchien hinterfragt und neu interpretiert, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1703776