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Die Wirtschaftspolitik der 14. und 15. Legislaturperiode

Heterogene Finanzpolitik im Kontext des wirtschaftspolitischen Theorienstreits innerhalb der SPD

Title: Die Wirtschaftspolitik der 14. und 15. Legislaturperiode

Diploma Thesis , 2006 , 109 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Sebastian Schmidt (Author)

Economics - Monetary theory and policy

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Summary Excerpt Details

Die Rot-Grüne Regierung der Jahre 1998 bis 2005 stellt in vielerlei Hinsicht eine Besonderheit auf bundespolitischer Ebene dar. Zum einen handelte es sich um den ersten tatsächlichen Regierungswechsel in der Geschichte der Bundesrepublik [... ] zum anderen waren mit diesem Regierungswechsel große Hoffnungen und Befürchtungen auf einen Politikwechsel und die Überwindung des jahrelangen Reformstaus verbunden. [...]

Insbesondere diese programmatische Inkonsistenz und das weitgehende Fehlen eines geschlossenen wirtschaftspolitischen Konzepts, kennzeichnen die 14. und die 15. Legislaturperiode. [...]

Dadurch wurde außerdem der seit Jahrzehnten schwelende Streit zwischen Traditionalisten und Modernisierern, als deren Protagonisten jeweils Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder an erster Stelle zu nennen sind, innerhalb Sozialdemokratie nach außen hin verborgen gehalten. Dies führte jedoch dazu, dass innerhalb des SPD „[…] widersprüchliche und teilweise unvereinbare wirtschaftspolitische Konzepte […]“ nebeneinander standen. Eine Klärung des wirtschaftspolitischen Kurses blieb bis zum Ende der 15. Legislaturperiode weitgehend aus. [... ]

So überrascht es auch nicht, dass gerade im Bereich der Wirtschaftspolitik eine erstaunliche Heterogenität der Maßnahmen im Zeitablauf zu beobachten ist. Die Regierung bediente sich mehr oder weniger wahllos in den Instrumentenbaukästen der Wirtschaftstheorie, ohne auch nur den Versuch einer langfristig orientierten Einflussnahme auf die Wirtschaft zu unternehmen. Die Folgen wiegen schwer: Neben massiven Steuersenkungen steht der - freilich fehlgeschlagene - Versuch von Ausgabenkürzungen und Konsolidierung des Haushaltes. Rückgängig gemachte Kürzungen der Vorgängerregierung wurden später durch neue Kürzungen ersetzt. Keynesianische Ansätze wurden flugs durch neoklassische Politiken ausgetauscht, die Konsumenten durch zahlreiche Regelungen be- und entlastet, unter dem Strich aber auf jeden Fall verunsichert und die Nachfrageseite ohne Notwendigkeit zumindest in Teilen abgewürgt oder schlichtweg ausgeblendet. Will man nun nicht einzig auf die Nutzenmaximierung der handelnden Akteure abstellen (Wählerstimmenmaximierung), so bietet es sich an, die hervorstechenden Reformprojekte im wirtschaftspolitischen Bereich zu untersuchen und an den programmatischen sowie wirtschaftstheoretischen Rahmengerüsten zu spiegeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Analyserahmen

3 Zur programmatischen Entwicklung der SPD

3.1 Das Godesberger Programm von 1959

3.2 Der Orientierungsrahmen `85 – Präzisierung wirtschaftspolitischer Inhalte

3.3 Berliner Programm – Von der Geschichte überholt?

3.4 Grundsatzprogramme: Zwischenfazit

3.5 Das Wahlprogramm von 1998

3.6 Das Schröder-Blair-Papier im Kontext der Programmdiskussion

3.7 Die aktuelle Programmdiskussion: Status Quo Vadis

3.8 Programmatischer Wandel – Fazit

4 Wirtschaftspolitische Hauptelemente der 14. und 15. Legislaturperiode

4.1 Ausgangslage zum Zeitpunkt der Regierungsübernahme

4.2 136 Tage expansive Finanzpolitik: Eskalation des Theorienstreits

4.3 Angebotspolitik „von links“

4.4 Reform der Unternehmensbesteuerung

4.5 Die ökologische Steuerreform

4.6 Konsolidierung als einzige Alternative?

5 Auswirkungen der umgesetzten Reformen: Abkehr vom Postulat der Ergebnisgerechtigkeit

5.1 Methodische Vorbemerkungen

5.2 Zur Bedeutung von Paradigmen bei der Untersuchung der Einkommensverteilung

5.2.1 Die orthodoxe neoklassische Sichtweise

5.2.2 Die keynesianische Sichtweise

5.3 Ein Modell zum Zusammenhang von personeller Einkommensverteilung und Wachstum

5.4 Ein Modell zum Zusammenhang von funktionaler Einkommensverteilung und Wachstum

5.5 Empirische Würdigung I: Verteilungswirkungen der ökologischen Steuerreform

5.6 Empirische Würdigung II: Auswirkungen der Reformen auf die personelle Einkommensverteilung

5.7 Empirische Würdigung III: Veränderung in der funktionalen Einkommensverteilung unter Berücksichtigung der Auswirkungen der Körperschaftsteuerreform

6 Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Wirtschaftspolitik der SPD während der 14. und 15. Legislaturperiode, um zu klären, inwiefern die parteiinterne programmatische Inkonsistenz und der Theorienstreit zwischen neoklassisch-liberalen und keynesianischen Ansätzen zu einer heterogenen und letztlich wirkungslosen Wirtschaftspolitik geführt haben.

  • Programmatische Entwicklung der SPD seit Bad Godesberg
  • Analyse der wirtschaftspolitischen Maßnahmen während der Ära Schröder
  • Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Einkommensverteilung und Wirtschaftswachstum
  • Kritische Evaluation der Finanz- und Fiskalpolitik (Steuerreformen, Konsolidierung)
  • Bewertung der ökonomischen Konsequenzen unter Berücksichtigung verschiedener theoretischer Paradigmen

Auszug aus dem Buch

3.1 Das Godesberger Programm von 1959

Das Godesberger Programm markiert einen programmatischen Meilenstein in der Geschichte der SPD und des Demokratischen Sozialismus, kodifiziert es doch erstmalig, auf der Basis der weitgehenden Zustimmung der Partei und infolgedessen mit entsprechender Breitenwirkung das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft. Im Ergebnis enthält das Godesberger Programm damit eine deutliche Distanzierung von marxistischen und deutlicher noch von kommunistischen Inhalten, die in vielen Formulierungen des Programms deutlich wird. Gleichwohl liegt eine Akzentuierung auf dem „Sozialen“ im Sinne einer „[…]gerechten Beteiligung aller am Ertrag der Volkswirtschaft […]“.

Das Godesberger Programm sollte – wie die anderen Grundsatzprogramme auch – in erster Linie der langfristigen Orientierung dienen. Eine solche Langfristigkeit geht hinsichtlich der verwendeten Formulierungen immer zu Lasten der inhaltlichen Präzision, um das Programm nicht allzu schnell von der Entwicklung des Zeitgeistes überholen zu lassen. Vielleicht noch wichtiger ist die Feststellung, dass auch das Godesberger Programm weniger eine politische Wende als vielmehr ein Symbol derselben war.

Nach Fischer spielen die Langzeitprogramme und insbesondere das Godesberger Programm in der Regierungspolitik der SPD keine Rolle. Dieser Auffassung kann jedoch insofern nur begrenzt zugestimmt werden, als dass die Inhalte des Godesberger Programms auf eine Art und Weise formuliert sind, dass sie schon ganz automatisch in das wirtschaftspolitische Handlungsraster der SPD hineinpassen – ganz abgesehen davon, dass ein großer Teil des Programms aus Tatsachenfeststellungen besteht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Regierungswechsel zu Rot-Grün 1998 und identifiziert programmatische Inkonsistenz als zentrales Charakteristikum der 14. und 15. Legislaturperiode.

2 Analyserahmen: Es wird dargelegt, dass sich die Untersuchung auf die SPD-Wirtschaftspolitik konzentriert und die dogmenhistorische Abgrenzung zwischen keynesianischen und neoklassisch-liberalen Denkmustern fokussiert.

3 Zur programmatischen Entwicklung der SPD: Dieser Abschnitt zeichnet den Wandel der SPD von einem nachfrageorientierten Programmverständnis hin zu einer zunehmenden Liberalisierung und Orientierung an einer „Neuen Mitte“ nach.

4 Wirtschaftspolitische Hauptelemente der 14. und 15. Legislaturperiode: Die Arbeit analysiert die realpolitischen Maßnahmen wie das Steuerentlastungsgesetz, die Unternehmenssteuerreform und die ökologische Steuerreform als meist unkoordinierte Anpassungsstrategien.

5 Auswirkungen der umgesetzten Reformen: Abkehr vom Postulat der Ergebnisgerechtigkeit: Dieses Kapitel prüft empirisch die Auswirkungen der Reformen auf die personelle und funktionale Einkommensverteilung und deren Zusammenhang mit Wachstum und Nachfrage.

6 Schlussbemerkungen: Die Arbeit resümiert, dass die Abkehr von traditionellen Inhalten und das Fehlen eines geschlossenen Konzepts zu einem Profilverlust führten, der die SPD langfristig schwächt.

Schlüsselwörter

SPD, Wirtschaftspolitik, Rot-Grün, Finanzpolitik, Fiskalpolitik, Neoklassik, Keynesianismus, Einkommensverteilung, Programmdiskussion, Agenda 2010, Neue Mitte, Wirtschaftswachstum, Steuersenkung, Globalisierung, Konsolidierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Wirtschaftspolitik der SPD-geführten Regierung unter Gerhard Schröder zwischen 1998 und 2005 und deren programmatische Grundlagen.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die programmatische Entwicklung der Partei, die realpolitische Umsetzung von Finanz- und Steuerreformen sowie deren Auswirkungen auf die Einkommensverteilung und das Wirtschaftswachstum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu zeigen, dass das Fehlen eines konsistenten wirtschaftspolitischen Grundsatzprogramms zu einer heterogenen und wenig zielgerichteten Politik führte, die sich an kurzfristigen Anpassungsstrategien orientierte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine Kombination aus politologischer Programmanalyse und ökonomischer Evaluierung der Auswirkungen von Fiskalreformen unter Verwendung verschiedener theoretischer Paradigmen (neoklassisch vs. keynesianisch).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Parteiprogramme, die Untersuchung konkreter wirtschaftspolitischer Reformschritte in der Ära Schröder und eine empirische Würdigung der Verteilungswirkungen.

Welche Keywords beschreiben das Dokument am besten?

Die wichtigsten Schlagworte sind SPD, Wirtschaftspolitik, Neoklassik, Keynesianismus, Einkommensverteilung, Programmdiskussion und Neue Mitte.

Wie bewertet der Autor das „Schröder-Blair-Papier“?

Das Papier wird als Versuch gewertet, die durch den Rücktritt Lafontaines entstandene programmatische Lücke mit angebotsorientierten Inhalten im Sinne der „Neuen Mitte“ zu füllen, was jedoch nur kurzfristig wirksam war.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zur Einkommensverteilung?

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die umgesetzten Reformen entgegen sozialdemokratischer Traditionen zu einer ungleicheren Einkommensverteilung beigetragen haben, ohne die gewünschten positiven Impulse für Wachstum und Beschäftigung auszulösen.

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Details

Title
Die Wirtschaftspolitik der 14. und 15. Legislaturperiode
Subtitle
Heterogene Finanzpolitik im Kontext des wirtschaftspolitischen Theorienstreits innerhalb der SPD
College
University of Hamburg  (Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Sebastian Schmidt (Author)
Publication Year
2006
Pages
109
Catalog Number
V170265
ISBN (Book)
9783640889839
ISBN (eBook)
9783640890194
Language
German
Tags
Parteiprogramm Keynesianismus Liberalismus Nachfrage Wirtschaftstheorie Wirtschaftspolitik Finanzwissenschaft Finanzpolitik SPD
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Schmidt (Author), 2006, Die Wirtschaftspolitik der 14. und 15. Legislaturperiode, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170265
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