1. Hinführung
Friedrich Dürrenmatts tragische Komödie „Der Besuch der alten Dame“ erfreut sich noch heute, gut 50Jahre nach ihrer Veröffentlichung, großer Beliebtheit.
Nach wie vor wird das bekannte Theaterstück des Schweizers auf zahlreichen, internationalen Bühnen adaptiert und ist gleichsam mit den „Physikern“ in den Lehrplänen deutscher Schulen zu finden.
Weitaus weniger bekannt ist jedoch, dass Dürrenmatt die Thematik dieses Werkes bereits einige Jahre zuvor in seiner Novelle „Mondfinsternis“ formuliert hatte, die später die Grundlage, des berühmt gewordenen Stückes werden sollte.
Nach einer kurzen Abhandlung über die beiden Werke, wird sich eine Untersuchung der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Schriften anschließen.
Abschließend wird sich der Aufsatz noch mit Dürrenmatts Verständnis von Gerechtigkeit befassen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung
2. Friedrich Dürrenmatt
3. Der Besuch der alten Dame
3.1 Entstehung/ Allgemein
3.2 Inhalt
3.3 Interpretation (Auszug)
4. Mondfinsternis
4.1 Entstehung/ Allgemein
4.2 Inhalt
4.3 Interpretation
5. Vergleich der Werke
5.1 Claire Zachanassian – Walt Lotscher
5.2 Alfred Ill – Adolph Mani
5.3 Güllen – Flötenbach
6. Definition des Begriffs Gerechtigkeit nach Friedrich Dürrenmatt
7. Quellen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, einen detaillierten Werkvergleich zwischen Friedrich Dürrenmatts berühmtem Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ und seiner Novelle „Mondfinsternis“ durchzuführen, um Gemeinsamkeiten und strukturelle Unterschiede in der Ausarbeitung des Rachemotivs sowie der gesellschaftskritischen Darstellung zu analysieren.
- Biografischer Kontext und literarisches Schaffen Friedrich Dürrenmatts.
- Strukturelle Gegenüberstellung von Entstehung, Handlung und zentralen Interpretationsansätzen beider Werke.
- Vergleichende Analyse der Protagonisten, der Opferrollen sowie der Schauplätze Güllen und Flötenbach.
- Untersuchung von Dürrenmatts philosophischem Verständnis von Gerechtigkeit und Recht.
Auszug aus dem Buch
3.3 Interpretation (Auszug)
Im Zuge der Interpretation tritt insbesondere die Namensgebung in den Vordergrund. Das Stilmittel der sprechenden Namen, wählt der Dramatiker mit Bedacht, und erschafft so allein durch die Bezeichnung einzelner Personen oder auch Örtlichkeiten bereits ein gewisses Bildnis des zu Beschreibenden, das sich im Laufe der Handlung noch erhärtet. Beispielhaft hierfür sind unter anderem die Ortsnamen, der erwähnten Gemeinden (Vgl. Kaffingen ~ Kaff = kleine Ortschaft; I, S.14, Z.10; Kalberstadt ~ Landwirtschaft, Ländlichkeit, aber auch „Kuhhandel“, I, S.14, Z.11). Güllen selbst weist eindeutige Parallelen zum landwirtschaftlichen Abfallerzeugnis Gülle (= Urin und Kot der Nutztiere) auf, und wird hierdurch, zusätzlich zu genaueren Beschreibungen des Dorfes mittels der Regieanweisungen, als ein, sowohl wirtschaftlich als auch sozial heruntergekommenes, unattraktives Städtchen charakterisiert (I, S.13, Z.8ff) Der Name spielt ebenfalls auf die moralische Verkommenheit der Einwohner an, die sich zwar wiederholt auf alte, humanistische Werte berufen, deren Handlungen jedoch all diesen gepriesenen Tugenden zuwiderlaufen.
Angesichts des versprochenen Betrags (Vgl. I, S.49, Z.10), sieht man leicht darüber hinweg, beziehungsweise legt sich anderweitige Betrachtungsweisen zu, um nicht der eigenen Pseudo-Moral zu widersprechen (Vgl. I, S.121, Z.13 – S.122, Z.10).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung: Einführung in die Relevanz von Dürrenmatts Werken und Darlegung des Vorhabens, das Stück und die Novelle vergleichend zu untersuchen.
2. Friedrich Dürrenmatt: Ein kurzer biografischer Abriss über das Leben und die künstlerische Entwicklung des Autors.
3. Der Besuch der alten Dame: Analyse des Entstehungshintergrunds, des Inhalts und der dramaturgischen Stilmittel des Theaterstücks.
4. Mondfinsternis: Untersuchung der Novelle als Vorläufer und Entwurf für das spätere Theaterstück.
5. Vergleich der Werke: Systematische Gegenüberstellung der Hauptfiguren, der Opfer und der Handlungsorte beider Schriften.
6. Definition des Begriffs Gerechtigkeit nach Friedrich Dürrenmatt: Erläuterung von Dürrenmatts Verständnis subjektiver Gerechtigkeit basierend auf seinen theoretischen Äußerungen.
7. Quellen: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Friedrich Dürrenmatt, Der Besuch der alten Dame, Mondfinsternis, Werkvergleich, Gerechtigkeit, Rachemotiv, Güllen, Flötenbach, Dramaturgie, Literaturanalyse, Moralkritik, Schuldfrage, Gesellschaftskritik, Groteske, Interpretation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht Friedrich Dürrenmatts bekanntes Theaterstück „Der Besuch der alten Dame“ mit dessen novellistischem Vorläufer „Mondfinsternis“, um die Entwicklung seiner Rache-Motivik und Gesellschaftskritik aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet vor allem die Darstellung von Gier, moralischem Verfall, die Frage der individuellen versus gesellschaftlichen Gerechtigkeit sowie die künstlerische Gestaltung durch sprechende Namen und groteske Elemente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die strukturellen Gemeinsamkeiten und Divergenzen zwischen den Werken herauszuarbeiten, insbesondere wie Dürrenmatt das Motiv der Rache an einem ehemaligen Liebhaber in beiden Texten variiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen Werkvergleich, der durch Textanalyse, Motivuntersuchung und den Einbezug biografischer und theoretischer Quellen von Dürrenmatt methodisch gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Entstehung und den Inhalt beider Werke, vergleicht Claire Zachanassian mit Walt Lotscher sowie die Opferfiguren Alfred Ill und Adolph Mani und stellt die Handlungsorte Güllen und Flötenbach gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Rachemotiv, Moral, Gerechtigkeit, Groteske, Dürrenmatt und der Vergleich von Drama und Novelle.
Inwiefern beeinflusst die Namensgebung die Interpretation der Werke?
Dürrenmatt nutzt gezielt „sprechende Namen“ (z. B. Güllen als Anspielung auf Gülle), um den moralischen Verfall und die Charakterlosigkeit der Dorfbewohner bereits durch die Benennung zu spiegeln.
Welche zentrale Erkenntnis gewinnt die Autorin über Dürrenmatts Gerechtigkeitsbegriff?
Die Autorin stellt fest, dass für Dürrenmatt Gerechtigkeit eine rein subjektive Größe bleibt, da die Erfüllung des individuellen Freiheitsstrebens meist zwangsläufig im Konflikt mit einer gerechten Gesellschaftsordnung steht.
Warum unterscheidet sich die Rolle von Claire Zachanassian von der des Walt Lotscher?
Während bei Lotscher die Rache ein spontaner Akt aus gekränkter Männlichkeit ist, plant Zachanassian ihre Rache über Jahrzehnte hinweg systematisch und durch ihre immense finanzielle Macht, wobei sie ihre Umgebung instrumentalisiert.
- Arbeit zitieren
- Lena Sauer (Autor:in), 2011, Werkvergleich "Der Besuch der alten Dame" – "Mondfinsternis" (Friedrich Dürrenmatt), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/170246