Virtuelle Welten haben unser Leben in den letzten Jahren gravierend verändert.
Gegenwärtig befinden wir uns in einem „digitalen Medienzeitalter“ (Bühl 2000: S.13),
was dazu geführt hat, dass mittels der Digitalisierung viele Gebiete unseres Lebens
einem grundlegenden Wandel unterzogen wurden, sodass zunehmende Lebens-,
Alltags- und Freizeitbereiche digitalisiert werden. Dies führt dazu, dass sich Arbeitsund
Lebensformen fundamental verändern und wir uns zunehmend in eine
informatisierte, wissensbasierte und virtualisierte Gesellschaft verwandeln (vgl. Bühl
2000: S.13f). Dementsprechend wird der virtuelle Raum des Internets zu einer
zunehmend relevanten Kategorie unseres Daseins, was zur vermehrten Auflösung
traditioneller Bezüge, zur Ausbildung neuer Strukturen und Sichtweisen in der
Öffentlichkeit führt, wodurch die gesellschaftliche Kultur, die Ökonomie und die Politik
fundamental umgeformt werden. Damit gehen die Aktualisierung vieler
Bezeichnungen und die Veränderung von Metaphern für die neuen Bereiche einher.
Folglich ergibt sich die Zielsetzung der vorgelegten Arbeit aus der Aktualität und
Relevanz der Thematik des virtuellen Raums für das postmoderne Leben und der
damit einhergehenden Metaphern, sodass es Ziel dieser Arbeit ist, die für das
Internet gebräuchlichen Raummetaphern auf Entstehung, Berechtigung und
Auswirkungen zu hinterfragen. Demzufolge sucht diese Arbeit die konnotativen
Beschreibungen des virtuellen Raumes, welche sich eben hauptsächlich auf
räumliche und nautische Metaphern beziehen, aus unterschiedlichen Disziplinen zu
betrachten, was dazu führen soll, dass mittels der in der jeweiligen Disziplin
verwendeten Raumanschauungen ein Zugang zur jeweiligen Metonymie geschaffen
werden soll. Des Weiteren sucht diese Arbeit den gegenwärtigen Forschungsstand
zur Thematik des virtuellen Raums aufzuzeigen und ausgewählte Aspekte des
virtuellen Raumes (und dessen Integration bzw. Exklusion in den Realraum) zu
hinterfragen, woraus die Tendenzen dieser Entwicklungen aufgezeigt werden sollen,
was zur Darstellung der Informationsgesellschaft (und ihrer Auswirkungen) führen
soll. Folglich sucht diese Arbeit die gesellschaftskulturellen Konsequenzen der
Digitalisierung und Virtualisierung der Gesellschaft aufzuzeigen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition grundlegender Begriffe
2.1. Raum
2.2. Virtualität
2.3. Virtueller Raum
2.4. Cyberspace
2.5. Metapher
3. Der Raum
3.1. Geschichte des Raumes
3.2. Virtuelle Räume
4. Aktueller Forschungsstand
4.1. Raum als interdisziplinäres Forschungsfeld
4.1.1. Raumkonzepte
5. Ausgewählte Aspekte des virtuellen Raums
5.1. Virtualität & Wirklichkeit
5.2. Grenzenloser Raum
5.2.1. Virtualität vs. Realität
5.2.2. Virtualität & Simulation
5.3. Raum & Körper(lichkeit)
5.3.1. Technik, Fiktionalität & das Ich in der virtuellen Welt
6. Auswirkungen auf die Gesellschaft
6.1. Virtuelle Gesellschaft
6.1.1. Virtuelle Räume als soziale Interaktionsräume
6.2. Die Informationsgesellschaft
7. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des virtuellen Raums im postmodernen Zeitalter, mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung, Berechtigung und Auswirkung der gebräuchlichen Raummetaphern im Internet, um die gesellschaftskulturellen Konsequenzen der zunehmenden Digitalisierung aufzuzeigen.
- Analyse von Raummetaphern und deren kulturelle Bedeutung
- Untersuchung des virtuellen Raums als soziale Interaktionsform
- Interdisziplinäre Betrachtung von Raumkonzepten und Virtualität
- Diskussion der Auswirkungen auf Körperlichkeit und Identität im Netz
- Darstellung der Transformation zur Informationsgesellschaft
Auszug aus dem Buch
5.2. Grenzenloser Raum?
In seiner Etymologie bedeutet das Wort Raum, das vom althochdeutschen Vokabel ‚rum‘ kommt, Weite, Freiheit und freier Raum (www.uni-rostock.de)3. Demnach ist ein Raum eine Matrize, die es zu füllen gilt. In der aktuellen Diskussion muss aus diesem Verständnis heraus ein grundlegender Wandel gedacht werden, da aus geographischer Sichtweise materielle Raumkonzeptionen durch ihre Grenzen definiert und strukturiert und durch die Art und Anordnung ihrer Dinge, Fundamente und Menschen (Löw 2001: S.23) hergestellt werden. Im Netz jedoch können Räume keine ‚wirkliche‘ Materialität erreichen, weil sie lediglich aufgrund kommunikativer Handlungen und semantischer Informationen in Form von Zeichenkombinationen bestehen. Der virtuelle Raum bildet sich demzufolge durch eine Menge von Zeichen und Informationen, was ihn zu einem „Raum der Repräsentation“ (Becker 2004: S.110) macht. Die Frage, die in diesem Kontext auftaucht, ist vielmehr, ob es Abgrenzungen im sog. „grenzenlosen Raum“ gibt, wo die Grenzen der virtuellen Räume zu verorten sind, oder ob im Kontext unfassbarer Datenmengen und der gängigen Metapher des Netzes, welche einmal mehr den Anschein der Unendlichkeit proklamiert und damit die Macht des Netzes stärkt, gesprochen werden kann. Die Grenzen der virtuellen Räume sind nicht auf deren virtuelle und aus internet- und technikdeterministischer Sichtweise irreale Konzeptionen beschränkt, viel weniger noch kann von nationalstaatlichen Grenzen gesprochen werden, bedingte doch das Netz die Unterminierung nationalstaatlicher Grenzen, wodurch sich der Raum zum internationalen Territorium entwickelt(e) (vgl. Niedermaier 2004: S.126).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den grundlegenden gesellschaftlichen Wandel durch das digitale Medienzeitalter und stellt die Forschungsfrage nach der Funktion von Raummetaphern im Internet.
2. Definition grundlegender Begriffe: Es werden fundamentale Begriffe wie Raum, Virtualität, virtueller Raum, Cyberspace und Metapher definiert, um ein gemeinsames Verständnis für die weitere Untersuchung zu schaffen.
3. Der Raum: Dieses Kapitel widmet sich der Geschichte des Raumbegriffs und der Einführung virtueller Räume als neue, postmoderne Raumkonzeptionen.
4. Aktueller Forschungsstand: Der virtuelle Raum wird als junges, interdisziplinäres Forschungsfeld beleuchtet, wobei grundlegende Raumkonzepte nach Ahrens vorgestellt werden.
5. Ausgewählte Aspekte des virtuellen Raums: Dieser Hauptteil untersucht die Dichotomie zwischen Virtualität und Wirklichkeit, die Problematik der Grenzenlosigkeit sowie die Konstruktion von Körperlichkeit im Netz.
6. Auswirkungen auf die Gesellschaft: Es wird analysiert, wie sich das Zusammenleben in eine virtuelle Gesellschaft transformiert und welche Rolle dabei Informationsgesellschaft und soziale Interaktionsräume spielen.
7. Konklusion: Das Fazit fasst die Transformation durch das Netz zusammen und betont die Rolle des Menschen als kommunikatives Wesen, das sich stetig in neu geschaffenen Welten bewegt.
Schlüsselwörter
Virtueller Raum, Cyberspace, Digitalisierung, Virtualität, Raummetaphern, Informationsgesellschaft, Kommunikation, Interaktion, Körperlichkeit, Postmoderne, Medienkultur, Simulation, Internet, soziale Räume, Vernetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation unserer Lebenswelt durch das Internet und der Frage, wie wir den virtuellen Raum in unserer Gesellschaft wahrnehmen und konstruieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen Raumtheorien, die Wirkung digitaler Metaphern, die Veränderung sozialer Interaktionen sowie die Auswirkungen auf unsere Identität und Körperlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die im Internet gebräuchlichen Raummetaphern auf ihre Entstehung und Berechtigung zu prüfen und die gesellschaftlichen Konsequenzen dieser Entwicklungen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse medien- und kommunikationswissenschaftlicher Diskurse sowie auf die Einbettung in soziologische Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme aktueller Raumkonzepte sowie eine tiefgehende Untersuchung zur Virtualität, zur Simulation und zum Einfluss neuer Medien auf das gesellschaftliche Zusammenleben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind virtueller Raum, Cyberspace, Virtualität, Informationsgesellschaft und soziale Interaktionsräume.
Wie verändert das Internet laut dieser Arbeit unser Raumverständnis?
Das Internet führt laut Autor dazu, dass der Raum nicht mehr rein an physische Größen gebunden ist, sondern als Ortlosigkeit begriffen wird, was neue, flexible Formen des Handelns ermöglicht.
Was bedeutet das Konzept der „Heterotopie“ in diesem Kontext?
Der Begriff wird verwendet, um das Internet als einen Ort zu beschreiben, der zwar virtuell ist, aber als immaterieller Gegenentwurf zur materiellen Welt fungiert und somit unsere Wirklichkeit ergänzt.
- Quote paper
- MMag. Catrin Neumayer (Author), 2010, Virtualität und Räumlichkeit - Ausgewählte Aspekte des virtuellen Raums, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169636