I. Einleitung
Die deutsche Frage, die seit dem 19. Jahrhundert auf die politische Gestalt Deutschlands vor allem im Rahmen der anderen europäischen Staaten abzielt, wird von Historikern häufig in eingeengter Bedeutung auf die Entwicklung der beiden Staaten auf deutschem Boden nach Ende des zweiten Weltkriegs bezogen. Sie umfasst sowohl die kontroversen politischen Systeme der Bundesrepublik Deutschland auf der einen und der Deutschen Demokratischen Republik auf der anderen Seite, als auch die Hintergründe und Maßnahmen, die zur Teilung Deutschlands und schließlich zur Wiedervereinigung 1989/90 führten.
Nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg 1945 erfuhr Deutschland eine Aufteilung. Wurden zunächst vier Besatzungszonen der Siegermächte eingerichtet, so entstanden 1949 daraus die beiden getrennten Staaten Bundesrepublik und DDR. Beide Staaten entwickel-ten sich immer weiter auseinander, sodass sie über 40 Jahre lang unvereinbar nebeneinander existierten. Hinzu kam, dass sich beide Staaten an der Frontlinie der von den beiden Supermächten USA und UdSSR angeführten feindlichen Blöcke gegenüberstanden. Erst durch die Lockerung der Blockstrukturen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und einer Annäherungen der beiden deutschen Staaten, aber auch durch innere Probleme der Ostblockstaaten und speziell der DDR wurde schließlich eine Wiedervereinigung 1989/90 möglich.
Die Errichtung der Berliner Mauer 1961 schuf im Rahmen dieser Entwicklung neue Verhältnisse , die in verschiedene Dimensionen einzuordnen sind. So bedeutet der Mauerbau das Eingeständnis des Versagens des SED-Systems , aber auch die Herstellung einer gewissen Normalität in der Mitte Europas. Andere Autoren betonen in diesem Zusammen-hang die symbolische Bedeutung der Mauer für die Zementierung der deutschen Teilung und die Zerstrittenheit der beiden Blöcke in Europa nach 1945. Wenn man jedoch eher im Rahmen der Gesamtentwicklung von 1961 bis 1989 nach der Rolle des Mauerbaus sucht, so stellt sich die Frage, ob sie lediglich als ein kurzfristig geschickt genutztes Werkzeug der Ulbricht-Regierung zu sehen ist, um die politische Führung der DDR und den Staat selber zu stabilisieren, oder doch längerfristig als Anfang vom Ende der sozialistischen SED-Herrschaft.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Ursachen des Mauerbaus
1. Die kontroverse Deutschlandpolitik der beiden deutschen Staaten vor 1961
2. Die Entwicklung der DDR in den 50er Jahren
III. Der Mauerbau vom 13. August 1961 und seine unmittelbaren Folgen
IV. Vom Mauerbau zur Wiedervereinigung Deutschlands
1. Entwicklung des Verhältnisses zwischen BRD und DDR bis 1989
2. Von der Stabilisierung der DDR nach 1961 bis zur Krise und dem Zerfall des SED-Regimes Ende der 80er Jahre
V. Schluss
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, den Verlauf und die Folgen des Mauerbaus vom 13. August 1961, eingebettet in die deutsch-deutsche Geschichte sowie die Entwicklung der DDR bis zum Zusammenbruch des SED-Regimes Ende der 1980er Jahre.
- Ursachen und Hintergründe des Mauerbaus vor dem Hintergrund des Kalten Krieges
- Entwicklung der innerdeutschen Beziehungen zwischen 1961 und 1989
- Politische und wirtschaftliche Stabilisierungsversuche und Krisen innerhalb der DDR
- Interpretationen des Mauerbaus als Zementierung der Teilung versus Instrument der Herrschaftssicherung
- Parallelen zu historischen Umbruchsituationen und Reformunwilligkeit politischer Systeme
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung der DDR in den 50er Jahren
Die nicht demokratisch gewählte, sondern von der sowjetischen Besatzungsmacht eingesetzte SED-Regierung sah sich großen nationalen sowie internationalen Schwierigkeiten ausgesetzt. Hierbei ist nicht nur an die fehlende Anerkennung der DDR durch die Bundesrepublik Deutschland und die übrigen Westmächten zu denken, von der im vergangenen Kapitel die Rede war, sondern die DDR und ihre Regierung standen auch wirtschaftlich noch längere Zeit nach ihrer Staatsgründung 1949 nicht auf eigenen Beinen.
Während in der Bundesrepublik die Regierung Adenauer die weiter oben geschilderte stabile Außenpolitik durch eine entsprechende erfolgreiche Innen- und Wirtschaftspolitik zusätzlich absichern konnte, hinkte die SBZ und spätere DDR, z.B. durch die hohen Reparationsforderungen der Sowjetischen Besatzungsmacht und deren Demobilisierungsvorhaben, dem direkten Konkurrenten im Westen noch lange hinterher.
Auch die bereits Ende der 40er Jahre eingeführte Planwirtschaft in der DDR erwies sich als nicht effizient. Missernten und Fehlkalkulationen in der Planung gerade im ersten 5-Jahres-Plan, der 1951 in die Tat umgesetzt wurde, führten zu Nahrungsmittelknappheit und Missmut sowie Frustration unter der Bevölkerung, was wiederum in nicht endende Flüchtlingsströme in den kapitalistischen Westen mündete. Besonders hart traf die DDR-Wirtschaft die Abwanderung der bürgerlichen Intelligenz in den ersten Jahren ihres Bestehens. In der Bundesrepublik war nämlich in den 50er Jahren ein Prozess in Gang gekommen, der allgemein als „Wirtschaftswunder“ bezeichnet wird und der hohes Wachstum, verbunden mit Vollbeschäftigung, Preisstabilität bei Massenkonsum und geringe Staatsverschuldung bedeutete.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die deutsche Frage und die historische Kontextualisierung der Teilung Deutschlands nach 1945 ein, wobei der Fokus auf der Rolle der Berliner Mauer zwischen 1961 und 1989 liegt.
II. Ursachen des Mauerbaus: Dieses Kapitel analysiert das Auseinanderdriften der Machtinteressen der Siegermächte und die daraus resultierende wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Instabilität der DDR in den 1950er Jahren.
III. Der Mauerbau vom 13. August 1961 und seine unmittelbaren Folgen: Hier wird der Prozess der Sektorenteilung Berlins sowie die politische Zuspitzung beschrieben, die schließlich in den Mauerbau als vermeintliche „existenzielle Notwendigkeit“ für die DDR-Führung mündete.
IV. Vom Mauerbau zur Wiedervereinigung Deutschlands: Dieses Kapitel beleuchtet die Entwicklung der deutsch-deutschen Beziehungen von der Phase der Stagnation nach 1961 bis zur Annäherungspolitik und dem letztendlichen Zerfall des SED-Regimes Ende der 1980er Jahre.
V. Schluss: Die Schlussbetrachtung fasst den Mauerbau als machtpolitisches Instrument zusammen, das das SED-Regime kurzfristig stabilisierte, langfristig jedoch in die politische Erstarrung und den Zusammenbruch führte.
Schlüsselwörter
Berliner Mauer, 13. August 1961, DDR, SED, Wiedervereinigung, Kalter Krieg, innerdeutsche Beziehungen, Walter Ulbricht, Erich Honecker, deutsch-deutsche Grenze, Wirtschaftswunder, Staatsgründung, Planwirtschaft, Flüchtlingsbewegung, Teilung Deutschlands.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Zusammenhänge, die zum Bau der Berliner Mauer 1961 führten, und untersucht, wie sich die innerdeutsche Lage sowie die DDR-Politik in den Jahrzehnten bis zur Wiedervereinigung entwickelten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die deutschlandpolitischen Konzepte von BRD und DDR, die ökonomische Entwicklung des Ostblocks und die politische Herrschaftssicherung der SED.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage klärt, ob der Mauerbau lediglich ein kurzfristiges Werkzeug der Ulbricht-Regierung zur Stabilisierung war oder den Anfang vom Ende der SED-Herrschaft markierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine geschichtswissenschaftliche Analyse, die sich auf Standardwerke, zeitgenössische Dokumente und historische Quellen stützt, um eine integrierte Nachkriegsgeschichte darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ursachen des Mauerbaus, die Ereignisse des 13. August 1961, die politische Entwicklung zwischen den deutschen Staaten bis 1989 sowie der Zerfall des SED-Regimes detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Berliner Mauer, SED-Herrschaft, deutsch-deutsche Teilung, Kalter Krieg, Ulbricht, Honecker und Wiedervereinigung sind prägend für den Inhalt.
Welche Rolle spielte die ökonomische Lage der DDR für den Mauerbau?
Die wirtschaftliche Misere, Fehlplanungen und die Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte („Intelligenz“) waren maßgebliche Faktoren, die die DDR-Führung unter Zugzwang setzten.
Warum war der 17. Juni 1953 ein Wendepunkt?
Der Aufstand markierte den Widerstand der Bevölkerung gegen den politischen Druck und führte dazu, dass die SED-Führung den Kurs der Abgrenzung und stärkeren Bindung an die UdSSR festigte.
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- Sebastian Clauß (Author), 2006, Der Bau der Berliner Mauer im August 1961, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169584