Curitiba, eine Stadt Brasiliens im Bundestaat Paraná. Mit heutigen 1,8 Millionen Einwohnern (EW) zählt sie, wenn auch vergleichsweise klein (Mexico City 19,8 Millionen EW) zu den Megastädten der Welt.
Wie auch andere Städte dieser Größe hat Curitiba mit einigen Problemen zu kämpfen. Die städtische Urbanisierung schreitet auch hier weiter fort. Immer mehr Menschen strömen vom Land in die Stadt in der Hoffnung Arbeit und damit verbunden ein besseres Leben zu finden. Täglich gibt es neue Ansiedlungen in den sogenannten Favelas. Doch nur selten finden die Menschen hier das von dem sie geträumt haben. Was sie erwartet ist meist weitere Arbeitslosigkeit und Armut, Kriminalität, Drogen und Hoffnungslosigkeit. „Statt in hoch zum Himmel strebenden Lichterstädten zu leben, wird ein Großteil der urbanen Welt des 21. Jahrhunderts inmitten von Umweltverschmutzung, Exkrementen und Abfall im Elend versinken“ (DAVIS 2007, S. 23)
Doch hat Curitiba es geschafft sich von anderen Megacities abzuheben. Ausgezeichnet mit dem Umweltpreis der Vereinten Nationen 1990 und dem World Habitat Award 1996, vielzähligen Abhandlungen und Berichterstattungen in internationalen Medien (Curitiba: towards sustainable urban development(Environment and Urbanization 1992)), Stadtplanung in Curitiba (Spektrum der Wissenschaft 5/1996), Auf dem Weg zur nachhaltigen Stadt (Trialog 2/1999) u.v.a.m.) hat sich Curitiba einen Namen als Ökostadt gemacht.
Wie jedoch konnte Curitiba dies gelingen? Mit welchen Mitteln schaffte es diese Stadt anders zu werden als die anderen, die doch mit denselben Problemen zu kämpfen haben.
Die Wege, die die Väter und Planer Curitiba‘s gegangen sind, sollen in dieser Arbeit aufgezeigt und erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorgeschichte und Stadtentwicklung
2.1 Geographische Situation
2.2 Stadtentwicklung und Stadtplanung
3. Besonderheiten der Stadtplanung
3.1 Strukturachsen und das angeschlossene Verkehrsnetz
3.2 Hochwasser und öffentliche Grünflächen
3.3 Die Industriestadt und andere Besonderheiten
4. Entstehung und Entwicklung der Favelas
4.1 Situation in Paraná und erste informelle Ansiedlungen in Curitiba
4.2 Favelapolitik: von Umsiedlungsversuchen und Gründung der “Associacoes de Moradores“
4.3 Carta da Favela- die Bemühungen der Stadtregierung
4.4 Hilfe für die Favelabewohner
5. Fragen und Widersprüche
6. Ausblick und Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht, wie es Curitiba trotz der typischen Herausforderungen einer wachsenden brasilianischen Megastadt gelang, sich durch innovative Stadtplanung als nachhaltige Ökostadt zu profilieren und soziale Ansätze in die urbane Entwicklung zu integrieren.
- Analyse der historischen Entwicklung und städtebaulichen Meilensteine
- Untersuchung der Strukturachsen und des integrierten Verkehrsnetzes
- Bewertung der Konzepte zu Hochwasserschutz und Grünflächenmanagement
- Darstellung der Entwicklung und urbanen Integration der Favelas
- Kritische Betrachtung aktueller stadtplanerischer Widersprüche
Auszug aus dem Buch
3.1 Strukturachsen und das angeschlossene Verkehrsnetz
Im Gegensatz zu den meisten Städten, die im Laufe der Zeit konzentrisch gewachsen sind, hat sich Curitiba entlang von fünf sternförmig angelegten Achsen entwickelt.
Durch die fünf Hauptachsen verlaufen drei Straßen. Die mittlere ist zwei Schnellbus-Trassen vorbehalten, links und rechts schließt sich jeweils eine schmale Trasse für den lokalen Verkehr, welche die Anbindung zu den bebauten Flächen seitlich der Straßen sichert, an. Parallel dazu verläuft einen Block weiter jeweils eine breite Einbahnstraße, die auf der einen Seite in die Stadt hinein und auf der anderen Seite aus der Stadt heraus führt.
Aufgrund einer gesetzlichen Regelung der Flächennutzung und einer sehr hohen Geschossflächenzahl an den Achsen ist die Bebauung hier sehr dicht und mit Geschäften und Dienstleistungsbetrieben durchsetzt. Mit zunehmender Entfernung von den Hauptstraßen nimmt die Bebauungsdichte wieder ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit stellt Curitiba als brasilianische Metropole vor, die trotz Armut und Bevölkerungswachstum durch gezielte Stadtplanung ein positives internationales Image als Ökostadt erlangt hat.
2. Vorgeschichte und Stadtentwicklung: Dieses Kapitel erläutert die geografischen Bedingungen sowie die historische Entwicklung von der Gründung im 17. Jahrhundert bis zur Etablierung des IPPUC und der Ära von Jamie Lerner.
3. Besonderheiten der Stadtplanung: Hier werden die zentralen Planungselemente wie das sternförmige Verkehrsnetz, das innovative Bussystem, die strategische Grünflächennutzung und die "Cidade Industrial" als wesentliche Erfolgsfaktoren analysiert.
4. Entstehung und Entwicklung der Favelas: Das Kapitel beleuchtet die Zuwanderungsgeschichte, das Scheitern der frühen Umsiedlungspolitik sowie die Bedeutung der "Associacoes de Moradores" und die städtischen Bemühungen der Integration durch die "Carta da Favela".
5. Fragen und Widersprüche: Eine kritische Bestandsaufnahme thematisiert die Grenzen des ÖPNV, Mängel bei der Kanalisation sowie soziale Disparitäten und Umweltprobleme im Kontext der Stadtentwicklung.
6. Ausblick und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der politischen Stabilität und der Rolle von Stadtmarketing, wobei das Potenzial für zukünftige Entwicklungen im Umland hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Curitiba, Stadtplanung, Ökostadt, Verkehrsnetz, Bussystem, Nachhaltigkeit, Favelas, Stadtentwicklung, IPPUC, Jamie Lerner, Sozialprogramm, Stadtmarketing, Umweltschutz, Stadtstruktur, Brasilien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die stadtplanerischen Konzepte, die Curitiba zu einer international anerkannten nachhaltigen Modellstadt in Brasilien gemacht haben.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem integrierten Verkehrssystem, der Flächennutzungsplanung, dem Grünflächenmanagement und dem Umgang mit informellen Siedlungen (Favelas).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll aufgezeigt werden, mit welchen spezifischen Mitteln und Planungsansätzen Curitiba erfolgreich andere Wege als vergleichbare Megastädte einschlug.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Autorin stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender stadtplanerischer Studien und Dokumentationen zur Entwicklungsgeschichte Curitibas.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Verkehrsnetzes, der infrastrukturellen Besonderheiten, der Favela-Politik sowie eine kritische Reflexion bestehender stadtplanerischer Widersprüche.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Stadtplanung, Nachhaltigkeit, Verkehrsnetz, Favelas, Ökostadt und soziale Integration.
Welche Rolle spielte das IPPUC bei der Entwicklung?
Das 1965 gegründete Institut war maßgeblich für die Entwicklung des Masterplans und die Koordinierung einer integrierten Stadtplanung auf verschiedenen administrativen Ebenen verantwortlich.
Warum war die "Carta da Favela" wichtig?
Sie stellte einen Wendepunkt in der Regierungspolitik dar, da sie den Fokus von der bloßen Zerstörung illegaler Siedlungen hin zur Urbanisierung und hygienischen Verbesserung in bewohnten Gebieten verschob.
- Quote paper
- Diana Salzmann (Author), 2009, Curitiba - Stadtentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169504