Die deutsche Berufsstatistik kann wegen methodischer Mängel und fehlenden Auswertungen bei den Berufszählungen 1882 und 1895 nicht als verlässliche Grundlage zur Einschätzung der Entwicklung des Arbeitskräftebedarfs der deutschen Landwirtschaft gelten. Trotz dieser statistischen Unsicherheiten kann aber festgehalten werden, dass die hoffmannsche Zahlenreihe zur landwirtschaftlichen Beschäftigung mindestens für den Zeitraum von 1907 bis 1913 fehlerhaft ist und den Arbeitskräftebedarf der deutschen Landwirtschaft deutlich überschätzt. Es erscheint vielmehr als plausibel, einen auch absoluten Rückgang der Beschäftigten etwa ab der Jahrhundertwende zu konstatieren. Darüber hinaus lassen es die vielfältigen Unterschiede in der statistischen Methodik der verschiedenen Staaten nicht als ratsam erscheinen internationale Arbeitsproduktivitätsvergleiche anzustellen.
Inhalt
1 Summary
2 Einleitung / Forschungsstand
3 Daten zur Beschäftigung in der Landwirtschaft 1871 – 1913
4 Einflussfaktoren des Arbeitskräftebedarfs der Landwirtschaft
5 Resultat
6 Literatur
1 Summary
Die deutsche Berufsstatistik kann wegen methodischer Mängel und fehlenden Auswertungen bei den Berufszählungen 1882 und 1895 nicht als verlässliche Grundlage zur Einschätzung der Entwicklung des Arbeitskräftebedarfs der deutschen Landwirtschaft gelten. Trotz dieser statistischen Unsicherheiten kann aber festgehalten werden, dass die hoffmannsche Zahlenreihe zur landwirtschaftlichen Beschäftigung mindestens für den Zeitraum von 1907 bis 1913 fehlerhaft ist und den Arbeitskräftebedarf der deutschen Landwirtschaft deutlich überschätzt. Es erscheint vielmehr als plausibel, einen auch absoluten Rückgang der Beschäftigten etwa ab der Jahrhundertwende zu konstatieren. Darüber hinaus lassen es die vielfältigen Unterschiede in der statistischen Methodik der verschiedenen Staaten nicht als ratsam erscheinen internationale Arbeitsproduktivitätsvergleiche anzustellen.
2 Einleitung / Forschungsstand
Im Deutschen Reich gab es um die Jahrhundertwende eine sicher verspätete Debatte um die Frage, ob sich das Land zu einem Agrar- oder Industriestaat entwickeln sollte. Ein entscheidendes Kriterium, ob sich die Entwicklung zum Industriestaat schon endgültig abzeichnet ist sicherlich die Frage, ab welchem Zeitpunkt die Zahl der in der Landwirtschaft beschäftigten Menschen nicht nur relativ, sondern auch absolut abnahm.
Darüber hinaus ist die sichere Feststellung der Anzahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft die natürliche Voraussetzung von internationalen Arbeitsproduktivitätsvergleichen der Landwirtschaften verschiedener Länder, wie sie auch in der jüngeren Zeit häufig in der wissenschaftlichen Diskussion angestellt wurden.
Erstaunlicherweise existieren aber seit der Veröffentlichung von Hoffmann im Jahr 1965, wenn man von den, den Zeitraum nicht komplett abdeckenden Arbeiten von Dillwitz, Helling, Buchsteiner und Ballwanz aus der DDR absieht, keine systematischen, an den Quellen orientierten Untersuchungen zu dieser Frage.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die Zahlenreihe Hoffmanns ist diejenige, die in der Literatur vielfach noch Verwendung findet. Demnach stieg die Anzahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft von 1871 bis 1875 um ca. 700.000, der Anschluss Elsass-Lothringens mag dafür ursächlich gewesen sein, um dann im Zeitraum von 1875 bis Mitte der 80ger Jahre nur noch moderat zu steigen. In den nächsten Jahren sieht Hoffmann schon eine Senkung der absoluten Zahl der Beschäftigten, die dann Mitte der 90ger Jahre wieder in einen diskontinuierlichen Zuwachs umschlägt. Ab 1907, also unmittelbar nach der Berufszählung, stieg nach Hoffmann die Zahl der Beschäftigten dann bis 1913 um ca. 800.000 Personen, also fast 10 %.
Hoffmann orientiert sich bei den grundsächlichen Berechnungen an den Berufs- und Gewerbezählungen und bei den Interpolationen zwischen den Stichtagen an den angegebenen Berufen von Eltern laut Geburtsregistern, den Eheschließungen und den Sterbefällen. Die problematische Entwicklung bei den mithelfenden Familienangehörigen in landwirtschaftlichen Betrieben besonders zwischen 1895 und 1907 löst er auf, indem er die Zahlen für 1882 und 1895 erhöht.
Eine (selbst)-kritische Überprüfung der Daten anhand der Entwicklung von Produktion, Produktionsstruktur, Arbeitsmenge, Grad der Mechanisierung oder ähnlichem entfiel, mutmaßlich aus arbeitsökonomischen Gründen.
Dem gegenüber dokumentieren die verschiedenen Zahlenreihen von Helling die Unsicherheiten in der Interpretation der offiziellen Zahlen, die hier auch nicht durch scheinbar unkontroverse, einheitliche Darstellungen verdeckt werden.
In der Folge werden im Kapitel 3 die Bedingungen der Berufszählungen, ggf. veränderte Vorgehensweisen im Laufe der Zeit und die inneren Widersprüche der Daten thematisiert, im Kapitel 4 die Entwicklungen in der Landwirtschaft im Hinblick auf die Anzahl der in ihr benötigten Arbeitskräfte reflektiert, um im Kapitel 5 die Ergebnisse, auch im Hinblick auf die Möglichkeiten internationaler Vergleiche, zusammenzufassen.
3 Daten zur Beschäftigung in der Landwirtschaft 1871 – 1913
Wesentliche Quelle zur Beschäftigung in der Landwirtschaft sind die Berufs- und Betriebszählungen, die in den Jahren 1871, 1882, 1895 und 1907 unternommen wurden.
Die Ergebnisse der Berufszählung im Zusammenhang mit der Volkszählung von 1871 wurden wegen festgestellter methodischer Mängel nur in kleinen Teilen veröffentlicht, sodass valide Daten nur für die Jahre 1882, 1895 und 1907 vorliegen, was allerdings kein Problem darstellen sollte, da eine absolute Abnahme der landwirtschaftlichen Erwerbsbevölkerung vor 1882 kaum wahrscheinlich ist. Die Daten der Berufszählung des Jahres 1925 sollten wegen der ökonomischen Umbrüche durch Krieg und Inflation nicht für die Fortschreibung der Ergebnisse der Berufszählung von 1907 bis 1913 verwendet werden.
Die landwirtschaftlichen Berufszählungen waren immer Selbstauskünfte. In der Regel aus den jeweiligen Gemeinden stammende, häufig unbezahlte Zähler (untere und mittlere Beamte, Lehrer, Studierende … ) suchten die einzelnen Haushalte Mitte des Jahres auf (1882: 4./5 Juni, 1895: 14./15 Juni, 1907: 11./12. Juni) und befragten die an diesen Tagen angetroffenen Menschen an Hand der vorgegebenen Erhebungsbögen, zu denen in Bezug auf die Erhebungsmethoden im Vorfeld der Befragungen „ sachkundige Vorträge“ gehalten wurden, zu ihren Haupt- und Nebenberufen.
Die Landwirtschaftskarte, also die Kategorisierung eines Haushaltes als landwirtschaftlichen Haushalt, war immer dann auszuhändigen und auszufüllen wenn land- oder forstwirtschaftliches Areal auch kleinsten Umfangs vorhanden war. So führte auch das Vorhandensein von Nutzgärten oder Obstgärten oder das Vorhandensein einer Milchkuh immer zu einer solchen Kategorisierung. Erst mit der Zählung des Jahres 1925 wurden Parzellen unter 5 Ar unter bestimmten Bedingungen von der Zählung ausgeschlossen um die Erfassung von Laubenkolonien, Kleingärten und Schrebergärten als landwirtschaftliche Betriebe zu vermeiden. Im Ergebnis lag dann auch die Durchschnittsgröße eines landwirtschaftlichen Betriebes unter 2 ha reichsweit 1882 bei 0,6 ha, 1895 bei 0,56 ha und 1907 bei 0,51 ha, jeweils mit deutlichen regionalen Abweichungen nach oben und unten.
Die Haushaltskarten, in denen auch die Berufe der im Haushalt lebenden Personen festgehalten wurden, blieben bei den 3 Zählungen im Wesentlichen gleich, das galt aber nicht für die Landwirtschaftskarte. Nur im Jahr 1907 wurden die im betreffenden landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigten Familienmitglieder, wie auch die ständigen und nicht-ständigen fremden Arbeitskräfte, in diesem Formular zusätzlich separat erfasst. Sofern in der Haushaltskarte zuvor keine landwirtschaftliche Tätigkeit von Familienmitgliedern erfasst worden war, in der Landwirtschaftskarte aber sehr wohl, wurde die Haushaltkarte korrigiert und die Familienangehörigen als haupt- oder nebenberuflich in der Landwirtschaft tätig gezählt.
Ob die Daten der Haushaltskarte oder die Daten der Landwirtschaftskarte für die landwirtschaftliche Berufsstatistik im Jahr 1907 verwendet wurden, ist den Veröffentlichungen des Statistischen Reichsamts nicht eindeutig zu entnehmen.
Generell ist naturgemäß die Selbsteinschätzung der befragten Personen immer dann, wenn Tätigkeiten unterschiedlichen Prestiges vorlagen, problematisch, darüber hinaus erwies es sich als schwierig, die in den Formularen in den Zählungen von 1882 bis 1907 gleichbleibenden Kategorien von Tätigkeiten in der Landwirtschaft, insbesondere bei den Familienangehörigen des Betriebsleiters (mithelfende Familienangehörige), in immer gleicher Weise zu erfragen.
Die Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft wurde mittels folgender Kategorien erhoben:
a1 Eigentümer und Miteigentümer
a2 Pächter und Erbpächter
a3 leitende Beamte und Betriebsleiter
b1 Wirtschaftsbeamte, auch Volontäre und Lehrlinge
b2 Aufsichtspersonal
b3 Rechnungs- und Bureaupersonal
c1 Familienangehörige, die in der Wirtschaft tätig sind
c2 landwirtschaftliche Knechte und Mägde
c3 landwirtschaftliche Arbeiter mit eigenem Land
c4 landwirtschaftliche Arbeiter, die überlassenes Land bebauen
c5 landwirtschaftliche Arbeiter ohne bebautes Land
Neben diesen allgemeinen Kategorien, die die Rolle der Arbeitskräfte im Betrieb beschrieben bzw. bei den abhängig Beschäftigten die soziale Stellung genauer bezeichneten, wurden noch weitere Merkmale erhoben. So wurden Daten zum Alter der landwirtschaftlichen Beschäftigten, zur Verteilung auf die Geschlechter und auf die verschiedenen Betriebsgrößenklassen (hier nur für das Jahr 1907 und mit großen Einschränkungen für das Jahr 1895) erfasst. Auch der Charakter des landwirtschaftlichen Betriebes (Haupt- oder Nebenerwerb) wurde registriert. In diesem Zusammenhang waren Doppelzählungen möglich, weil hauptberuflich landwirtschaftlich Tätige auch im Nebenberuf ggf. als in der Landwirtschaft Tätige gezählt wurden. Bei der Zählung des Jahres 1895 waren das immerhin ca. 406.000 Personen. Darüber hinaus war es möglich auch mehrere Nebentätigkeiten anzugeben, was wiederum zum einen zu weiteren Doppelzählungen führen konnte, zum anderen aber auch das Arbeitsvolumen in den jeweiligen Nebentätigkeiten reduzieren musste. Ganz bewusst verzichteten die Behörden darauf, das jeweilige, exakte Arbeitsvolumen in den entsprechenden Erwerbszweigen zu erfragen, etwa in % der Gesamttätigkeit oder Erwerbstätigkeit, da man davon ausging, dass eine solche Befragung nicht zu validen Ergebnissen geführt hätte. Sowohl für die haupt- als auch für die nebenberuflich Tätigen galt also, dass durch die Befragung lediglich der Lebenszusammenhang mit der Landwirtschaft, nicht aber das konkrete Ausmaß der Tätigkeit erfragt wurde. So mussten z. B. Betriebsinhaber, insbesondere bei kleinen oder ganz großen landwirtschaftlichen Betrieben, keinesfalls zu 100 % oder auch nur zu wesentlichen Teilen in diesen Betrieben tätig sein.
Da darüber hinaus die Ergebnisse auch für einzelne Regionen bzw. Bundesstaaten veröffentlicht wurden, sind auch dadurch Rückschlüsse auf die Plausibilität der Daten möglich.
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
Die offiziellen Ergebnisse der Betriebszählungen sehen so aus, dass die Zahl der abhängig Beschäftigten von 3,8 über 3,5 auf 3,1 Millionen Arbeitskräfte zurückging, die Zahl der Selbständigen von 2,2 über 2,5 auf 2,4 Millionen leicht anstieg, aber die Zahl der mithelfenden Familienangehörigen, in weit überwiegendem Maße handelt es sich um weibliche Arbeitskräfte, von 1,9 über 1,9 auf 3,9 Millionen förmlich explodierte. Insgesamt ergibt sich daraus eine Steigerung der landwirtschaftlich Beschäftigten von 8,1 über 8,1 auf 9,6 Mill Beschäftigte.
Gleichzeitig konstatiert die offizielle Statistik, dass sich die Zahl der Berufszugehörigen von 18,7 über 17,8 auf 16,9 Mill Menschen verringert habe. In einer gut begründeten Berechnung aus dem Jahr 1932, die sich im Wesentlichen in der Argumentation auf die unplausible Verteilung der Berufszugehörigen auf die Geschlechter konzentriert, geht Quante darüber hinaus davon aus, das die Zahl der Berufszugehörigen für das Jahr 1907 um ca. 1 Million niedriger war als offiziell festgestellt wurde, also bei 15,997 Mill. Personen lag.
Diese Entwicklung war nicht nur Gegenstand zeitgenössischer kontroverser Diskussionen sondern wurde auch in neuerer Zeit verschieden beurteilt. Einigkeit besteht wohl darin, dass das Ausmaß des Anstieges der Beschäftigtenzahl von 1895 bis 1907 kaum realistisch ist. Zwar wird die Intensivierung in der Landwirtschaft, insbesondere im Bereich der Viehwirtschaft und des Hackfruchtanbaues ins Feld geführt, von marxistischen Autoren wird die vorgeblich bedrängte wirtschaftliche Lage von Klein- und Mittelbetrieben und damit die Unerschwinglichkeit von externem Personal betont, aber gleichwohl ist man sich darin einig, dass auch Unterschiede in der Art der Befragung im Jahr 1907 zu diesem Ergebnis geführt haben müssen.
Die Arbeit in landwirtschaftlichen Betrieben, vor allem aber in kleinen bzw. mittleren Familienbetrieben, lässt sich im Hinblick darauf, ob es sich um häusliche oder dem Betrieb zuzurechnende Arbeit handelt, kaum abgrenzen. Ob die Arbeit im heimischen Garten, auch zur Ernährung des Hofgesindes, als betrieblich veranlasst gezählt wird ist genauso wenig wie die Zubereitung von Mahlzeiten für den gemeinsamen Küchentisch und viele andere Tätigkeiten sauber voneinander abgrenzbar. Ähnliches kann von der Mitarbeit von Kindern und über die nur anteilig zu berechnende Arbeitskraft von Tagelöhnern gesagt werden.
Es ist also notwendig mittels der in den Berufszählungen erhobenen Daten die innere Plausibilität der Ergebnisse zu untersuchen. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang die zusätzlich erhobenen Daten wie die Beziehung von Betriebsgröße und Arbeitskräften, das Alter und das Geschlecht der Arbeitskräfte und die Stellung in den Betrieben:
Betriebsgröße und Arbeitskräfte
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Wenn man die Quote der Arbeitskräfte der jeweiligen Betriebsgrößen, die laut Berufszählung 1907 in der Landwirtschaft beschäftigt wurden, mit der Quote der bearbeiteten Nutzfläche miteinander in Beziehung setzt, so ergibt sich zunächst eine Abweichung vom Durchschnitt bei den kleinsten Betrieben von 0,1 – 2 Ar um den Faktor 44,8, die Betriebe hatten also einen um 4480 % größeren Personalbedarf pro ha als der Durchschnitt aller Betriebe, bei Betrieben über 10 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche lag der Faktor stets unter 1, ab 50 ha immer zwischen 0,3 und 0,4. Der Unterschied zwischen den kleinsten Parzellenbetrieben und den Betrieben über 50 ha war gemäß der Berufszählung also stets größer als Faktor 100, also 10000 %. Berücksichtigt man bei den gezählten Beschäftigten im Falle der Tagelöhner noch einen mindernden Faktor von 0,8, was ziemlich genau der maximalen Beschäftigungsdauer von ausländischen Tagelöhnern, wie auch „Sachsengängern“ in der Landwirtschaft entsprach, und bei den temporär mithelfenden Familienangehörigen einen Faktor von 0,5, was in Abgrenzung zu den dauernd im Betrieb Beschäftigten auch als Höchstgrenze gelten kann, so ergibt sich die alternative „Kurve“. Bei den kleinen Parzellenbetrieben betrüge die Abweichung immer noch 42,57, während die Betriebe ab 50 ha Faktoren von 0,39, 0,37, 0,26, 0,31, 0,33 aufwiesen. Auch in diesem Fall läge der Unterschied zwischen der kleinsten und größten gezählten Betriebsgröße stets über dem Faktor 100. Bei beiden Berechnungsmethoden liegt der letzte über dem Durchschnitt liegende Wert bei den Betrieben von 5 - 10 ha.
Betriebsgrößenstruktur der Landwirtschaft
Laut Reichsstatistik veränderte sich die Struktur der deutschen Landwirtschaft von 1882 bis 1907 zwar nicht grundlegend, aber immerhin stieg die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 5.276.344 (1882) über 5.558.317 (1895) auf 5.736.082 (1907), also um über 450.000 Betriebe. Der Schwerpunkt dieser Zunahme lag im Anwachsen der Zahl von kleinen und kleinsten Betrieben unter 1 ha Nutzfläche. Deren Zahl erhöhte sich von 2.323.316 über 2.529.132 auf 2.731.055, also über 400.000.
Reflektiert man den oben festgestellten Zusammenhang von Betriebsgröße und Überschätzung von Arbeitskräftebesatz kleiner landwirtschaftliche Betriebe, so ergibt sich schon aus dieser Entwicklung ein scheinbarer Anstieg der Zahl der Beschäftigten, den es so realiter nicht gegeben hat.
Altersstruktur der in der Landwirtschaft Beschäftigten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Für den gesamten Zeitraum gilt, dass der Anteil der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, die ausweislich ihres Alters als besonders leistungsfähig gelten können, immer unterdurchschnittlich war. In den Alterskohorten über 60 Jahren galten zu jedem Zeitpunkt nahezu 50 % der insgesamt gezählten Arbeitskräfte als im landwirtschaftlichen Sektor beschäftigt, während insgesamt der Anteil an der Gesamterwerbsbevölkerung zum Beispiel 1907 nur noch ca. 30 % betrug. Ginge man nun man davon aus, dass diese Daten korrekt sind, müsste man festzuhalten, dass die landwirtschaftlichen Arbeitskräfte stets unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen sind. Allerdings ist es wahrscheinlich, dass im Rahmen der Berufszählungen in der Landwirtschaft auch vielfach z. B. Altenteiler, die nur eine sehr geringe Arbeitsleistung erbracht haben, als Arbeitskräfte gezählt wurden. Ein weiterer Erklärungsansatz mag die Rückwanderung von ehemals in der Industrie beschäftigten Arbeitskräften in die Landwirtschaft, ob mit oder ohne Wechsel des Wohnortes sei einmal dahingestellt, gewesen sein.
Die Abgrenzung von Erwerbstätigkeit und Ruhestand ist jedenfalls in der Landwirtschaft deutlich unschärfer als zum Beispiel in der Industrie und sollte zu einer relativen Überschätzung der Zahl der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft mindestens ab dem 60. Lebensjahr geführt haben.
Landwirtschaft im Nebenberuf
1907 waren lauf offizieller Statistik 48,2 % aller landwirtschaftlichen Betriebsinhaber in ihrem Hauptberuf nicht in der Landwirtschaft tätig, in den Kleinstbetrieben unter 0,5 ha waren es 78,2 % in den Betrieben von 0,5 – 2 ha 59,4 % und in den Betrieben von 2 – 5 ha immer noch 27 % . In absoluten Zahlen sind das 2,672 Millionen der Landwirtschaft zugerechneten Erwerbspersonen, die nur zu unterschiedlich großen Teilen wirklich der Landwirtschaft zugerechnet werden können. Der weitaus größte Teil (ca. 1,7 Mill.) arbeitete in seinem Hauptberuf in der Industrie, davon in den Betriebsgrößenklassen bis 2 ha ca. 1,05 Mill unselbstständig. Daher ist wohl davon auszugehen, dass es sich im Wesentlichen um Industriearbeiter handelte, die nur nebenher ein kleines Stück Land bewirtschafteten.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Unterstützt wird diese These auch durch die Entwicklung des Anteils selbständiger Landwirte an der Gesamtzahl der Betriebsinhaber in Klein- und Kleinstbetrieben. Reichsweit geht die Zahl der Selbständigen deutlich von 17,4 auf 13,3 % zurück, aber als noch wichtiger erscheinen die regionalen Unterschiede. Während die Entwicklung durchschnittlicher Betriebsgrößen in den ostelbischen Provinzen mit dem zurückgehenden Anteil von Tagelöhnern mit eigenem Land korrespondiert, sind die Daten für die westdeutschen, vor allem aber süddeutschen Provinzen kaum glaubhaft. Bei durchschnittlichen Betriebsgrößen von ca. 0,8 ha (1895) bzw. 0,7 ha (1907) können unmöglich eine so große Zahl an Betriebsinhabern selbständig, also auch im Hauptberuf, in der Landwirtschaft tätig gewesen sein.
In zeitlicher Perspektive ist festzuhalten, dass es einen säkularen Trend zur Nebenerwerbslandwirtschaft gab. So waren 1907 insgesamt über 420.000 Betriebe mehr in den Händen von nebenberuflichen Landwirten als noch 1895, eine Entwicklung die insbesondere bei Klein- und Kleinstbetrieben ausgeprägt war (unter 0,5 ha plus ca. 360.000, 0,5 – 2 ha plus ca. 58.000).
Widersprüchliche Daten
Wohl insbesondere die doppelte Erfassung der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft in der Haushalts- und Landwirtschaftskarte, aber auch der Umstand das die sehr kleinen Zählkreise notwendigerweise zu Doppelzählungen führen mussten, führte zuweilen zu unerklärlichen Ergebnissen. So wurden 1907 zwar 16.920.671 Berufszugehörige gezählt, die Gesamtzahl der in der Landwirtschaft arbeitenden Personen wurde mit 15.169.549 Personen berechnet, aber die Höchstzahl der gleichzeitig beschäftigten Personen in der Landwirtschaft wurde für den Zeitraum vom 13.6.1906 – 12.6.1907 mit 19.732.913 angegeben, also ca. 3,8 Millionen über der Angabe zu den Berufszugehörigen.
Regionale Unstimmigkeiten
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Nach der offiziellen Statistik weisen Gebiete mit sehr ähnlicher Produktionsstruktur (z. B. Königsberg und Posen) einen höchst unterschiedlichen Personalschlüssel auf und überhaupt sind die vorgeblichen Abweichungen zwischen den Betriebsgrößenklassen unglaubwürdig.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Noch wesentlich krasser wird das Bild, wertet man die regionalen Daten des Jahres 1907 aus. Die unreflektierte Verwendung dieser Daten hat in der Vergangenheit zu zweifelhaften Ergebnissen z.B. zur regionalen Arbeitsproduktivität in der deutschen Landwirtschaft geführt.
Modellrechnungen für 1907
Es ist offensichtlich, dass in der weitestgehend noch auf Handarbeit beruhenden Landwirtschaft solche Unterschiede in der Personalstärke weder der ja tatsächlich differierenden Produktionsstruktur noch der unterschiedlichen Effizienz der Betriebe, etwa auf Grund höherem Maschineneinsatzes, geschuldet sein können. Die doch relativ konstanten Arbeitskräftebedarfe / ha bei Betrieben über 50 ha deuten darauf hin, dass dieser Wert den Wirtschaftlichkeitsstandard der deutschen Landwirtschaft darstellen könnte. Geht man nun davon aus, dass der Unterschied im Personalbedarf dieser relativ effizienten Betriebe im Vergleich zu ineffizienten Betrieben maximal den Faktor 3 rechtfertigt, so kann die vorgebliche Beschäftigung von Personen in kleinen und kleinsten „landwirtschaftlichen Betrieben“ angemessen korrigiert werden:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Sofern man die nur zeitweise in den Betrieben tätigen Arbeitskräfte zu 100 % zählt und davon ausgeht, dass die nominell in den einzelnen Betriebsgrößenklassen Beschäftigtenzahl bis zu einem Faktor von 1 korrigiert werden sollten, so ergibt sich eine Anzahl von Vollerwerbsarbeitskräften in Höhe von 9,914 Millionen, was ziemlich exakt dem von Hoffmann angenommenen Wert ( 9,897 Millionen ) entspricht. Mindert man hingegen die Anzahl der Arbeitskräfte in der oben beschriebenen Weise (Tagelöhner Faktor 0,8 und Mithelfende und nichtständige externe Arbeitskräfte 0,5) so ergibt sich ein Wert von 8,021 Millionen. Geht man in einer alternativen Berechnung davon aus, das nicht der Faktor 1, also ein Unterschied von kleinen und großen Betrieben um maximal 300 %, sondern der Faktor 0,75 die unterschiedliche Effizienz der Betrieb in den verschiedenen Betriebsgrößenklassen korrekt widerspiegelte, so ergäben sich die Werte von 8,735 bzw. 6,889 Millionen Vollerwerbskräfte für das Jahr 1907.
Da es sicher notwendig ist, bei den Saisonarbeitskräften und den nicht ständig mithelfenden Familienmitgliedern den beschrieben Abzug vorzunehmen, kann die Zahl von 8,021 Millionen als Obergrenze gemäß Berufszählung für die Anzahl der Vollerwerbskräfte in der Landwirtschaft für das Jahr 1907 angesehen werden.
Da die Berufsstatistik minderjährige Beschäftigte unter 14 Jahren häufig nur dann berücksichtigte, wenn sie gegen Lohn außerhalb des eigenen Familienbetriebes beschäftigt waren, wurde die Mitarbeit von Minderjährigen in der Landwirtschaft in der Berufszählung nicht angemessen berücksichtigt. 1907 lebten ca. 5,424 Millionen Jugendliche und Kinder unter 14 Jahren im Familienverbund der als landwirtschaftlich kategorisierter Familien. Ginge man zum Beispiel von einer durchschnittlichen Erwerbsbeteiligung von 10 % aus, also von ca. 30 vollständigen Arbeitstagen im Jahr, so müssten die oben genannten Zahlen um ca. 540.000 erhöht werden. Geht man davon aus, dass nur über 7 jährige Kinder in Betracht kommen und die Arbeitsleistung wegen der geringeren Körperkraft nur zu 50 % berechnet werden kann, so wären es nur ca. 135.000.
4 Einflussfaktoren des Arbeitskräftebedarfs der Landwirtschaft
Die Berufsstatistik des Deutschen Reiches hat den Zusammenhang von Betriebsgröße und Personalbedarf bedauerlicherweise nicht für die Jahre 1882 und 1895 ausgewertet. Die analogen, eher kursorischen Auswertungen etwa zu Betriebsleitern und der Frage ob sie noch einen anderen Hauptberuf hatten (1882) oder die Feststellung, um welchen Hauptberuf es sich handelte oder welche Rolle die Mitarbeit von Familienmitgliedern in den verschiedenen Betriebsgrößenklassen spielte (1895) kann diese fehlenden Auswertungen nicht ersetzen. Daher kann anhand der vorhandenen Daten die für das Jahr 1907 vorgenommene Modellrechnung zur Zahl der Vollerwerbsstellen nicht auch für 1882 und 1895 gemacht werden.
Daher ist es nicht möglich, die Frage der Entwicklung des Arbeitskräftebedarfs an Hand der Daten der Berufsstatistik zu klären.
Walter Achilles hat schon 1993 in seiner Arbeit zur Deutschen Agrargeschichte einen Versuch der Bestimmung der Steigerung des Arbeitskräftebedarfs für den Zeitraum von 1850 – 1913 an Hand von zeitgenössischen betriebswirtschaftlichen Untersuchungen gemacht, allerdings wesentliche Entwicklungen nicht thematisiert oder als unwichtig bei Seite geschoben. Diesem Konzept prinzipiell folgend möchte ich alternative Berechnungen für den Zeitraum von 1871 – 1913 vornehmen. Neben der Entwicklung von 1871 bis 1913 steht in diesem Zusammenhang besonders die von Hoffmann konstatierte Steigerung der Zahl der Arbeitskräfte von 1907 – 1913 um ca. 800.000 Arbeitskräfte im Fokus der Betrachtung.
Für die Getreideproduktion berechnet Achilles insgesamt einen erhöhten Arbeitskräftebedarf von 350.000 Arbeitskräfte (gestiegene Ernteerträge und geringfügige Erweiterung der Anbaufläche), für die Kartoffelproduktion, aus den gleichen Gründen, insgesamt zusätzlich 467.000 und für die Rübenproduktion 271.500 Arbeitskräfte, also insgesamt 1.137.000 Arbeitskräfte. Diese Zahl benennt er als absolute Untergrenze des Mehrbedarfs.
In Bezug auf die Viehzucht berechnet Achilles bei Milchvieh einen Personalmehrbedarf von 1,16 Millionen Arbeitskräfte, wobei er davon ausgeht das sich 1913 angesichts der erhöhten Milchleistung/Kuh eine Magd sich nur um 5,5 Kühe kümmern könne. Für die Versorgung des restlichen Rindviehs berechnet er darüber hinaus einen Arbeitsmehrbedarf von insgesamt 531.700 AKs, 331.000 für die Fütterung und 200.000 für die Ausbringung des zusätzlich entstehenden Düngers.
Für die Schweinezucht berechnet Achilles summarisch auf Grund des gestiegenen Lebendgewichtes der Tiere und der stark anschwellenden Zahl der Tiere einen Mehrbedarf von 800.000 Arbeitskräften.
In Bezug auf gegenläufige Tendenzen nennt im Wesentlichen nur den Rückgang der Schafhaltung.
Für den Zeitraum von 1850 – 1913 errechnet sich so ein Mehrbedarf an Personal in der Landwirtschaft von 3.627.000 Arbeitskräften.
Marktverflechtung der deutschen Landwirtschaft
Im Rahmen der zeitgenössischen Diskussion, wie es denn sein kann das in den 12 Jahren von 1895 bis 1907 so eine erhebliche Anzahl von weiblichen Arbeitskräften zusätzlich in der Landwirtschaft beschäftigt werden konnte, spielte die zunehmende Marktverflechtung der Landwirtschaft eine bedeutsame Rolle. Es wurde argumentiert, dass durch den Zukauf vieler Produkte für den landwirtschaftlichen Haushalt, insbesondere aber bei Textilien, die Arbeitskraft vieler weiblicher Arbeitskräfte nicht mehr ausgelastet gewesen sei und sie so für landwirtschaftlichen Arbeiten auf dem Feld, aber besonders im Stall (Milchwirtschaft), zur Verfügung gestanden hätten.
Dem gegenüber ist allerdings festzuhalten, eine ganze Reihe anderer Formen der Marktverflechtung weitaus größere Auswirkungen auf den landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt hatten:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die Landwirtschaft wurde vom ab Mitte der 80ger Jahre sich dramatisch entwickelndem Genossenschaftswesen sowohl was die Beschaffung von Produktionsmitteln (Maschinen, Saatgut, Düngemittel … ) als auch was den Absatz der Produkte anging, deutlich entlastet. Die zurückgehende Bedeutung der örtlichen Getreidemärkte (Schrannen), die durch die Statistikwerke der einzelnen Länder gut belegt ist, reduzierte darüber hinaus den bäuerlichen Aufwand für die Vermarktung der Produktion. In der Milchwirtschaft belegt zwar der zunehmende Einsatz von Milchzentrifugen auch in landwirtschaftlichen Betrieben (1895: 87.987, 1907 336.906) Aufwand für die Weiterverarbeitung der Produktion insbesondere in marktfernen Regionen, aber vielfach dominant wurde doch die Tendenz zur Externalisierung der Aufwendungen für die Vermarktung von Milchprodukten, entweder in der Form vom Molkereigenossenschaften oder aber auch in der Form des summarischen Verkaufs der Produktion an städtische Händler oder Händlerorganisationen (Bolle in Berlin, Pfund in Dresden … ) Ein Netz von über 70.000 Viehaufkäufern organisierte darüber hinaus im Deutschen Reich den Fleischmarkt, der auf Grund fehlender Kühlketten auf dem Handel mit lebendem Vieh basierte, und reduzierte so den Vermarktungsaufwand für die Landwirtschaft.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Insgesamt importierte das Deutsche Reich 1913 über 6 Millionen t Futtermittel. Die Darstellung ist sogar noch unvollständig. Die umfangreichen Importe von Ölsaaten ergaben 1913 in der Form heimischen Ölkuchens noch über 700.000 t Viehfutter, so dass man insgesamt von ca. 7 Millionen t ausgehen kann.
Zur Aufzucht eines Schweines zu 100 kg Lebensgewicht sind nach zeitgenössischen Schätzungen ca. 5 dz Kartoffeln, sozusagen als heimisches Grundnahrungsmittel, und ca. 100 kg Kraftfutter notwendig. Bei einem Schweinebestand von 25,5 Millionen im Jahr 1913 wird klar, dass die Nahrungsgrundlage mindestens der Schweinezucht, aber zu Teilen auch der Rinderzucht, keinesfalls im Inland gelegen haben kann, denn kalkulatorisch können mit den importierten Futtermitteln 70 Millionen Schweine mit Kraftfutter versorgt werden. Damit entfielen wesentliche Teile des Aufwands für die Futterbeschaffung bei der stark zunehmenden Schweinezucht.
Technischer Fortschritt
Die Entwicklung verbesserter und vor allem arbeitssparender neuer Technik beschränkte sich keinesfalls nur auf die Industrie bzw. das Handwerk, vielmehr war auch die Landwirtschaft Gegenstand wissenschaftlichen Fortschritts.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Demnach wurden im Zeitraum von 1883 – 1910 immerhin 6527 Patente erteilt, die sich auf den landwirtschaftlichen Sektor bezogen. Verwendet wurden diese Weiterentwicklungen durchaus nicht nur im Ackerbau - zu diesem Bereich gibt es seit 1882 statistische Erhebungen bei den Berufs- und Betriebszählungen - sondern natürlich auch in der Innenwirtschaft (Häcksler, Futterzubereitungsmaschinen, Getreidereinigungsmaschinen, Melkmaschinen…), vor allem aber sind auch Verbesserungen an Werkzeugen einfacher Art zu konstatieren.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die amtlichen Erhebungen erhoben nicht Daten zum Besitz von landwirtschaftlichen Maschinen der jeweiligen Art, sondern zu ihrem Einsatz. An Hand der amtlichen Zahlen wird deutlich, dass maschinelle Bodenbearbeitung ihren Schwerpunkt in großbäuerlichen Betrieben hatte, ohne dass die Mechanisierung an den Klein- oder Mittelbetrieben vollständig vorbeiging.
Mechanisierung von Landwirtschaft hatte bis 1913 stets zwei Ziele: Ertragsteigerung und/oder Arbeitskräfteersparnis. Die zeitgenössischen betriebswirtschaftlichen Analysen gehen in diesem Zusammenhang von folgenden Daten aus:
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Beim Einsatz von Drill- und Breitsämaschinen ist ein vermehrter Personalbedarf zu konstatieren, der Einsatz „rechnet“ sich nur auf Grund der dadurch zu erzielenden Produktivitätssteigerung. Ins Auge fällt unmittelbar die Arbeitsersparnis für große Hackmaschinen, aber auch Maschinen des inneren Betriebes können Arbeitskräfte in großem Maß ersetzen. Kalkulatorisch führt der Einsatz aller 1907 im Deutschen Reich gezählten Hackmaschinen (14.412) an nur einem Tag zu einer Ersparnis von 1.686.204 Arbeitstagen, also ca. 5620 Arbeitskräften. Gerade diese Maschinen sind laut Statistik auch in Klein- und Mittelbetrieben zum Einsatz gekommen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die allermeisten landwirtschaftlichen Maschinen sind schon bei relativ kleinen Flächen rentabel. Auch wenn man davon ausgeht, das der „Brain Drain“ in Bezug auf „neuzeitliche“ Methoden der Landwirtschaft, in der Regel von den großen zu den kleinen landwirtschaftlichen Betrieben, zuweilen ein mühsamer Prozess gewesen sein mag, so ist doch davon auszugehen, dass sich die Verwendung arbeitssparender Technik, schon durch bloße Anschauung, von 1907, der letzten amtlichen Zählung, bis 1913 deutlich beschleunigte.
Um die gesamten Auswirkungen der zunehmenden Mechanisierung auf den Arbeitskräftebedarf der Landwirtschaft berechnen zu können, wären konsistente Zählungen für alle Maschinentypen, die amtliche Zählung des Jahres 1907 erfasst nur 11, hinreichende Annahmen über das Ausmaß an Arbeitsproduktivitätssteigerung der jeweiligen Maschine pro Einsatztag, in diesem Zusammenhang liegen für 14 Maschinentypen Annahmen vor, und Erfahrungen über die jährliche Dauer des Einsatzes der jeweiligen Maschinen, notwendig.
Diese Daten liegen in ihrer Gesamtheit nur punktuell vor. Immerhin kann ermittelt werden, dass unter Verwendung vernünftiger Annahmen die Arbeitskräfteersparnis wegen des Einsatzes von Dampfdreschmaschinen 1913 ca. 938.000 Arbeitskräfte betrug, die Verwendung von Mähmaschinen führte zu einem geringeren Arbeitskräftebedarf von über 290.000 Personen, während die Benutzung von Breitsämaschinen zu einem Mehrbedarf an Arbeitskräften in Höhe von ca. 93.000 führte.
Besonders effizient waren die von der amtlichen Statistik nicht ausreichend erfassten Maschinen des Innenbetriebes. Lang errechnet für Getreidereinigungsmaschinen bzw. Futterzubereitungsmaschinen Quoten der Arbeitsersparnis von 88 bzw. 98 %
Auch wenn die Datenbasis nicht nur im Hinblick auf die Zahl der eingesetzten Maschinen, sondern auch in Bezug auf den arbeitskräftesparenden Effekt als nicht ganz zuverlässig beschrieben werden müssen, so kann doch festgehalten, dass das Ausmaß der durch Mechanisierung und Technisierung eingesparten Arbeitskräfte ganz sicher die Millionengrenze überschritt und wohl kaum die 2 Millionengrenze erreichte. Lang geht zusammenfassend in seiner Arbeit aus dem Jahr 1904 davon aus, dass die Steigerung von Produktion bzw. Produktivität der Landwirtschaft im gesamten 19. Jahrhundert schon aus Gründen des Arbeitskräftemangels ohne Mechanisierung der Landwirtschaft kaum möglich gewesen wäre.
Jahreszeitlicher Arbeitsanfall
Arbeit in der Landwirtschaft war in der Zeit von 1871 bis 1913 verschiedenen Änderungen unterworfen. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die zunehmende Ausprägung jahreszeitlicher Schwankungen des Arbeitskräftebedarfs, die auch von den Erhebungen der Reichsstatistik reflektiert wurde, nahm doch die festgestellte Zahl der das ganze Jahr beschäftigen, fremden Arbeitskräfte (Knechte und Mägde) deutlich ab, die Zahl der registrierten ausländischen Wanderarbeiter, besonders seit der Jahrhundertwende, aber sprunghaft zu.
Von zentraler Bedeutung war in diesem Zusammenhang der Wegfall des winterlichen Dreschens, das die winterlichen Verdienstmöglichkeiten insbesondere von Tagelöhnern deutlich reduzierte. Der Maschinendrusch, gleichgültig ob mit oder ohne Dampfkraft, war schon deshalb hochlukrativ, weil die letztlichen Ernteerträge deutlich erhöht werden konnten. Daher ist die Verwendung von Dreschmaschinen nicht nur in Großbetrieben zu unterstellen, sondern auch Klein- und Kleinstbetriebe gingen zum Maschinendrusch über.
In die gleiche Richtung wirkt sich auch der völlig niedergehende Flachsanbau aus. Die Anbaufläche reduzierte sich von Beginn der 70 ger Jahre von ca. 215.000 ha auf 17.000 ha 1913. Wichtig ist in diesem Zusammenhang weniger der Anbau als vielmehr der winterliche, in der Regel im landwirtschaftlichen Betrieb stattfindende Weiterverarbeitung des rohen Flaches (Röste), die eine wichtige Erwerbsquelle für unterbäuerliche Schichten darstellte und nun fast vollständig entfiel.
Dieser Tendenz wirkte die verstärkte Viehhaltung, insbesondere die Milchviehhaltung, entgegen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Gleichwohl entwickelte sich ein ausgeprägter, winterlicher Rückgang des Arbeitskräftebedarfs.
Intensivierung der Arbeit
Im Zeitraum von 1871 bis 1913 hat sich auch in der Landwirtschaft der Charakter von Arbeit wesentlich verändert. Während es für die Industrie und mit Abstrichen für das Handwerk als Konsens gelten kann, dass mit der zunehmenden fabrikmäßigen Organisation und der Mechanisierung der Arbeit Verdichtung stattfindet, gibt es für die Landwirtschaft einen solchen Konsens nicht.
Wesentliche Elemente dieser Verdichtung können mit den Begriffen der Technisierung auch der landwirtschaftlichen Arbeit, der Veränderung der landwirtschaftlichen Arbeitsmarktes und den Wandlungen der betrieblichen Arbeitsorganisation beschrieben werden – wobei die Veränderungen sich wechselseitig beeinflussen bzw. bedingen.
Die Verwendung kostspieliger landwirtschaftlicher Maschinen, die Mechanisierung auch des Innenbetriebes, die nach der Jahrhundertwende mindestens für große Betriebe beginnende Elektrifizierung auch auf dem Lande mit potentieller Verlängerung der Arbeitszeit, aber auch die vermehrte Stallhaltung insbesondere von Milchvieh führte zur Möglichkeit und auch ökonomischen Notwendigkeit Arbeitszeiten auf der einen Seite zu verlängern, auf der anderen Seite die Arbeit zu verdichten. Ausdruck dieser Verdichtung war insbesondere die vermehrte Verwendung des Akkords auch im landwirtschaftlichen Kontext. Dabei trafen sich in diesem Zusammenhang die Interessen der landwirtschaftlichen Arbeitsgeber und die der Arbeitsnehmer. Die relative geringen Stunden- bzw. Tagelöhne konnten durch Akkordarbeit – wirklich aussagekräftige Daten sind selten und nicht reichsweit verfügbar – ganz wesentlich erhöht, ja teilweise verdoppelt werden.
Diese Entwicklung korrespondiert mit Veränderungen der Arbeitskräftestruktur. Dauerhafte, an Klientelbeziehungen gemahnende Arbeitsverhältnisse wurden zunehmend ersetzt durch freiere Formen. Nicht zuletzt die seit der Jahrhundertwende dramatisch zunehmende Zuwanderung ausländischer Beschäftigten vornehmlich aus den Gebieten östlich des Deutschen Reiches führten zur teilweisen Auflösung patriarchalischer Verhältnisse auf dem Lande. Bis 1913 waren gesichert deutlich über 400.000 ausländische Saisonkräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt deren Beschäftigungsdauer nicht nur durch staatliche Regelungen (Ausreisezwang für russisch-polnische Arbeitskräfte), sondern auch durch die zunehmende jahreszeitliche Schwankung des Arbeitskräftebedarfs beschränkt wurde und die daher Akkordarbeitsverhältnisse geradezu suchten. Auch in den Arbeitsverträgen bzw. Vereinbarungen inländischer Arbeitskräfte waren Regelungen zum Akkord in den Spitzenzeiten des Arbeitskräftebedarfs nicht selten.
Angesichts der unsicheren Datenlage ist der Effekt auf den Bedarf der Landwirtschaft an Arbeitskräften allerdings keinesfalls quantifizierbar.
Zahl der Beschäftigten seit 1907 nach Hoffmann
Der von Hoffmann konstatierte Anstieg der Beschäftigtenzahlen in der Landwirtschaft müsste, um als plausibel zu gelten, einen Reflex in der landwirtschaftlichen Produktion haben. Zu erwarten wären Abweichungen von langfristigen Trends, die als Ursache für zunehmenden Personalbedarf gelten könnten:
Die gesamte Anbaufläche für Getreide stieg von 1907 bis 1903 von 13,869 Mill ha über 13,989 Mill ha 1910 auf schließlich 14,480 Mill ha 1913, also um ca. 4,5 %. Haupttreiber dieser Entwicklung war die Steigerung des Anbaues von Roggen, der sich auf Grund der Zollerhöhung aus dem Jahr 1906, insbesondere in Kombination mit der differenzierten Zollgesetzgebung von Brau- und Futtergerste, besonders gut rentierte. Auch der Trend zu steigenden ha-Erträge blieb erhalten, von 1907 stieg der ungewichtete ha-Ertrag der 4 Hauptgetreidearten von 1,94 t/ha (1907) über 1,82 t/ha (1910) auf 2,17 t/ha, also um ca. 9 %.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Aus diesen Entwicklungen ergibt sich ein ungebrochener Trend zur Steigerung der heimischen Produktion von Getreide. Im Zeitraum von 1907 bis 1913 beträgt er ca. 17 %, relativierend und muss festgehalten werden, dass dieser Wert nur wegen der überdurchschnittlichen Ernte des Jahres 1913 über dem langjährigen Durchschnitt liegt.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die Kartoffelproduktion stieg von 1871 – 1913, abhängig von den Witterungsbedingungen sehr volatil, um durchschnittlich 3,77 %. Ursache dafür war neben einer Erhöhung der Anbaufläche um ca. 900.000 ha im Zeitraum von 1871 – 1913 (1907 – 1913 ca. 115.000 ha) ein deutlicher Anstieg der Ernteerträge je ha um durchschnittlich 2,1 %. Im Zeitraum von 1907 bis 1913 liegen beide Entwicklungen eher unter der Trendlinie.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Ein anderes Bild bietet die Produktion von Zuckerrüben. Während die Anbaufläche von 1871 – 1913 von 89.000 ha auf 548.000 ha stieg (1907 447.000 ha), stagnieren die ha-Erträge auf Grund der Umstellung auf kleinere, mehr Zucker enthaltene Sorten, seit Anfang der 80ger Jahre. Daraus ergibt sich eine Stagnation der Zuckerrübenproduktion seit Mitte der 90ger Jahre.
Für den Zeitraum von 1907 bis 1913 begründen die Entwicklungen der Produktion von Feldfrüchten keine vom langfristigen Trend abweichende Entwicklung des Arbeitskräftebedarfs. Eher ist davon auszugehen, dass insbesondere die in diesem Zeitraum besonders deutlich zunehmende Mechanisierung der Feldarbeit zu einem insgesamt geringerem Arbeitskräftebedarf führte.
In Bezug auf die Viehwirtschaft führen die nur sporadischen Viehzählungen im Deutschen Reich zu erheblichen Unsicherheiten. Allerdings hat Baden schon seit 1871 jährlich Viehzählungen durchgeführt, Preußen, Sachsen und Bayern sind diesem Beispiel seit der Jahrhundertwende in vielen Jahren gefolgt. Daher können seit diesem Zeitpunkt verlässliche Angaben zur Entwicklung der Viehzucht auch im gesamten Deutschen Reich gemacht werden.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Die Produktion von Schweinen stieg von 1900 bis 1913 um durchschnittlich 3,2 % pro Jahr. Der schon seit den 70ger Jahren feststellbare, selbsttragende Schweinezyklus dominierte weiterhin den Markt, der durch außenhandelspolitische Maßnahmen nahezu vollständig vom Ausland abgeschnitten war. Wie schon oben erwähnt, wurden mindestens große Teile der Futtergrundlage dieser Produktion im Ausland beschafft, ein Prozess, der sich seit der Jahrhundertwende noch deutlich verschärfte.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Anders sieht die Situation in der Rinderzucht aus. Im Zeitraum von 1900 bis 1913 ist nur eine Steigerung der Bestandszahlen um durchschnittlich 0,8 % pro Jahr zu konstatieren. Auffällig sind die deutlich zurückgehenden Bestände nach 1900 und 1908. Ursache dafür waren zum einen die Seuchengänge der Maul- und Klauenseuche der Jahre 1899 und 1910/11, die in einzelnen Jahren deutlich gestiegenen regionalen Heupreise, die, wie am Beispiel Badens zu zeigen ist, eine unmittelbare Wirkung auf den Rindviehbestand hatten, und die problematische Rentabilitätskonkurrenz zwischen dem Pflanzenbau und der Viehzucht nach der Zollerhöhung des Jahres 1906.
Als Resultat dieser Entwicklung nahm die Rindfleischproduktion seit 1909 ab, die Milchproduktion stieg wahrscheinlich noch wegen der Steigerung der Milchmenge / Kuh, konnte allerdings der steigenden Nachfrage nicht entsprechen. Als Resultat stiegen denn auch die Butterimporte nach der Jahrhundertwende deutlich. (Importüberschuss 1900 ca. 13.200 t, 1913 53.900 t, also ca.12 % der Produktion).
Auch in der Viehwirtschaft sind insgesamt keine Entwicklungen zu konstatieren, die eine deutliche Steigerung des Arbeitskräftebedarfs von 1907 bis 1913 begründen könnten.
5 Resultat
Hinweise auf einen sprunghaft gestiegenen Arbeitskräftebedarf seit 1907 gibt es nicht. Vielmehr deuten die Ergebnisse eher darauf hin, dass etwa seit der Jahrhundertwende auf der Grundlage stärkerer Mechanisierung der landwirtschaftlichen Arbeit, stärkerer, arbeitssparender Marktverflechtung und Veränderungen der Arbeitsorganisation die Zahl der in der Landwirtschaft benötigten Arbeitskräfte absolut zu sinken begann – eine These ,die auch mit der deutlichen sinkenden Zahl der Berufszugehörigen in der Landwirtschaft korrespondiert. . In wie weit eine verstärkte Mitarbeit von weiblichen Arbeitskräften im bäuerlichen Familienverbund, gerade bei der Stallarbeit, zu einer Umkehr dieser Tendenz führte, bleibt unklar, zumal die, allerdings nur mutmaßlich, sinkende Erwerbsbeteiligung von Kindern und Jugendlichen in bäuerlichen Familienbetrieben quantitativ kaum einschätzbar bleibt.
Nach dem bisher ausgeführten ist klar, dass Vergleiche von Arbeitsproduktivität verschiedener Volkswirtschaften wegen der unklaren Datenlage wahrscheinlich nicht sinnvoll vorgenommen werden können. Das Statistische Reichsamt selbst hat 1882 und 1895 einen Vergleich der Beschäftigtenstatistik und 1895 einen Vergleich der Landwirtschaftsstatistik der „wesentlichen Kulturstaaten„ vorgenommen.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
Der Vergleich offenbart offensichtliche, mit der Realität kaum in Einklang zu bringende Differenzen zwischen den Staaten und entwertet so auch Ergebnisse, die als plausibel gelten könnten. So entspricht die höhere weibliche Erwerbsquote Englands im Vergleich zum Deutschen Reich durchaus den Erwartungen und auch der im Regelfall zu konstatierende Anstieg der Erwerbsquoten von 1882 bis 1895 erscheint plausibel. Aber die statistisch erfasste Erwerbsquote von Frauen in Österreich erscheint im Vergleich zu den deutschen Ergebnissen seltsam überhöht, während die gemessene Frauenerwerbstätigkeit in den USA absurd niedrig ist.
Abb. in Leseprobe nicht enthalten
In den Arbeiten selbst dokumentiert das Statistische Reichsamt, dass die teilweise erheblichen Unterschiede im Wesentlichen auf unterschiedliche Zählweisen der einzelnen statistischen Ämter zurückzuführen sind. So gibt es insbesondere bei der Zählung der Mithelfenden Angehörigen in der Landwirtschaft bedeutende Unterschiede. Einige Länder zählen die Mithelfenden Arbeitskräfte gar nicht (z. B. Frankreich, Dänemark, Schweden und auch Großbritannien, andere Staaten zählen alle „zugehörigen Ehefrauen“ als Erwerbstätige (Norwegen). Darüber hinaus existieren offensichtlich auch Unterschiede in der Frage, ab welcher Betriebsgröße die Existenz eines landwirtschaftlichen Betriebes konstatiert wird, was natürlicherweise Auswirkungen auf die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte hat. In den USA werden nur Betriebe ab 3 Acres, also 1,2 ha als landwirtschaftliche Betriebe wahrgenommen, im Vergleich mit dem Deutschen Reich würden also schon aus diesem Grund ca. 20 % der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte als solche gar nicht erfasst.
Die Unterschiede in den statistischen Methoden der einzelnen Staaten sind ex Post nicht mehr durch korrigierende Eingriffe in den Griff zu bekommen. Zwar kann man manche Vorurteile in Bezug auf Differenzen der nationalen Arbeitsmärkte, so zum Beispiel die deutlich geringeren Erwerbsquoten in der Landwirtschaft im Vergleich von England, Schottland und Wales mit dem Deutschen Reich, bestätigt finden, aber für weitere Berechnungen muss die Datenbasis als zu ungenau beschrieben werden.
Angesichts dieser statistischen Basis sollte von pauschalen, internationalen Arbeitsproduktivitätsvergleichen der Landwirtschaft abgesehen werden. Stattdessen ist es sinnvoll zur Beschreibung der Entwicklung verschiedener Landwirtschaften eine ganze Reihe von Indikatoren zu verwenden, wie es van Zanden schon 1988 vorgeschlagen hat. Neben den von ihm verwendeten Indikatoren zur Landwirtschaftsentwicklung wären aber auch vergleichende Darstellungen der Entwicklung des landwirtschaftlichen Außenhandels und der Struktur und Entwicklung der Viehzucht wünschenswert und notwendig.
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- Abel Bley (Autor:in), 2026, Landwirtschaftliche Beschäftigung im Deutschen Reich 1871-1913. Versuch einer Revision, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1691533