Mit welchen Mitteln ist es möglich Vorgänge, Entwicklungen oder verschiedene Meinungen und Perspektiven von Personen in unserer Gesellschaft zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten? Häufig lautet die Antwort hierauf: „Evaluation“. „Zur Erfassung und Beseitigung von Mängeln und Problemen, zur Optimierung von Organisationen und Projekten werden Evaluationen umfassend eingesetzt. Bei der Verwendung öffentlicher Gelder werden Evaluationen obligatorisch integriert, um sicherzustellen, dass systematisch erfasst werden kann, was geleistet und welche Wirkungen erzielt wurden“ (Wenzel, Ulrich 2003, S.9). Doch der Evaluation kommt heutzutage eine solche Vielzahl von Aufgaben und Einsatzgebieten zu, dass sie sich weiterentwickelt hat, und zu einem komplexen Verfahren mit unterschiedlichen Ansätzen geworden ist. Ich möchte in dieser Arbeit auf eben jene Entwicklung eingehen. Es soll v. a. herausgestellt werden, wie sich Evaluation in Richtung eines partizipativen und demokratischen Verfahrens weiterentwickelt hat, welches neue Perspektiven und Möglichkeiten für unsere Gesellschaft mit sich bringt. Als erstes soll geklärt werden, was Evaluation eigentlich ist, bzw. was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Anschließend möchte ich einen Überblick über die geschichtliche Ent-wicklung der Evaluation geben um schließlich auf das Thema der modernen, professionellen Evaluation zu sprechen zu kommen. Hierbei sind zunächst die Verände-rungen im Evaluationsverständnis zu betrachten, die auch mit dem Verständnis der Evaluation von politischer Bildung einhergehen. Schließlich möchte ich die Evaluationsstandards der „Deutschen Gesellschaft für Evaluation“ (DeGEval) vorstellen. Anhand dieser relativ aktuellen Standards soll deutlich werden wie das Verständnis einer professionellen und modernen Evaluation aussieht, wobei auch ersichtlich wird, wie Elemente der partizipativen und demokratischen Evaluation Einfluss in diese Standards gefunden haben. Im Anschluss soll, sozusagen als Mündung des Voran-gegangenen, auf die Ansätze der partizipativen und demokratischen Evaluation selbst eingegangen werden. Diesen Punkt möchte ich letztendlich möglichst eindeutig im Hinblick auf Zielsetzungen und Vorgehensweisen behandeln, um die oben angesprochenen neuen Perspektiven und Möglichkeiten sowie den Nutzen dieser Evaluationsformen für unsere Gesellschaft deutlich werden zu lassen. Abschließend ist es mir noch ein Anliegen, in Reflexion meine eigene Meinung zu diesem Thema darzustellen.
Gliederung
1. Einleitung
2. Das Verständnis von Evaluation
2.1 Was ist Evaluation?
2.2 Die geschichtliche Entwicklung
3. Die moderne Evaluation – Anforderung und Herausforderung!
3.1 Veränderungen im Evaluationsverständnis
3.2 Die Evaluationsstandards
3.3 Partizipative und Demokratische Evaluation
4. Schlussbemerkung
5. Reflektionsbericht des Miniprojektes „FCFS vs. Prioritätenwahlverfahren & Super Digicampus“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der geschichtlichen und wissenschaftlichen Weiterentwicklung der Evaluation, insbesondere im Bildungsbereich, und untersucht den Übergang von rein messtechnischen Verfahren hin zu partizipativen und demokratischen Evaluationsansätzen.
- Begriffsbestimmung und historische Entwicklung der Evaluation
- Veränderungen im Evaluationsverständnis in der demokratischen Gesellschaft
- Evaluationsstandards der Deutschen Gesellschaft für Evaluation (DeGEval)
- Theorie und Praxis partizipativer und demokratischer Evaluationsverfahren
- Praxisreflexion anhand eines Miniprojektes zur Seminaranmeldung
Auszug aus dem Buch
2.2 Die geschichtliche Entwicklung
„Begriffe wie Effektivitätskontrolle, Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement haben seit der Industrialisierung zunehmend an Bedeutung gewonnen“ (Wenzel, Ulrich 2003, S.16). Hierbei kam der Evaluation natürlich eine tragende Rolle zu, die der Überprüfung und Lenkung betriebswirtschaftlicher Prozesse galt. Bis heute hat sich Evaluation jedoch weiterentwickelt und diese geschichtliche Entwicklung fällt auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft noch vergleichsweise gering aus. Vor allem im Bildungsbereich kam es im Laufe der Zeit zu mehreren Ansätzen und Überlegungen, wie Evaluation am besten gestaltet und eingesetzt werden kann.
Es lassen sich hierbei vier Phasen der Evaluation erkennen, in welchen der Evaluator (die Person, die die Evaluation durchführt) jeweils eine andere Position einnimmt. Im 19. Jahrhundert ging es vor allem um die Messbarkeit von Abläufen und Kennzahlen, wobei im schulischen Bereich das Stichwort „Leistungsüberprüfung“ lautete (vgl. ebd., S.16). Dem Evaluator kommt dabei die Rolle eines externen Datensammlers zu. Doch es wurde festgestellt, dass sich mit der Methode des Messens allein nicht alles erfassen lässt und vor allem im Bildungsbereich die angestrebten Zielvorstellungen nicht mit der Praxis vereinbar waren. Es ging nun um die Beschreibung der Praxisphänomene und Evaluation wurde in dieser zweiten Phase zur Praxisbeschreibung mit Optimierungsfunktion (vgl. ebd., S.16). Der Evaluator fungiert hier als neutraler Beobachter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Evaluation ein und umreißt das Ziel, die Entwicklung hin zu partizipativen und demokratischen Verfahren aufzuzeigen.
2. Das Verständnis von Evaluation: Das Kapitel definiert den Begriff der Evaluation, ihre Ziele und Funktionen sowie ihre geschichtliche Entwicklung in vier Phasen.
3. Die moderne Evaluation – Anforderung und Herausforderung!: Hier werden die neuen Anforderungen an Evaluation in einer demokratischen Gesellschaft, die Rolle der DeGEval-Standards und die Ansätze partizipativer sowie demokratischer Evaluation diskutiert.
4. Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert seine persönliche Einschätzung zur Entwicklung der Evaluation und unterstreicht den hohen Wert partizipativer Ansätze für soziale Bereiche.
5. Reflektionsbericht des Miniprojektes „FCFS vs. Prioritätenwahlverfahren & Super Digicampus“: Ein Bericht über die praktische Durchführung einer partizipativen Evaluation zur Seminaranmeldung an der Universität Augsburg.
Schlüsselwörter
Evaluation, Partizipative Evaluation, Demokratische Evaluation, DeGEval-Standards, Bildungsbereich, Stakeholder, Qualitätssicherung, Demokratie-Lernen, Evaluationsverständnis, Deliberative Democratic Evaluation, Ressourcenorientierung, Seminaranmeldung, Digicampus, Evaluationsforschung, Praxisreflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Evaluation von einem reinen Mess- und Kontrollinstrument hin zu einem partizipativen und demokratischen Prozess, der gesellschaftliche Lernprozesse fördern kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die historische Genese der Evaluation, die Etablierung moderner Standards (DeGEval) sowie die Abgrenzung und Anwendung partizipativer und demokratischer Evaluationsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich moderne Evaluationsformen in Richtung Partizipation weiterentwickelt haben und welchen Nutzen diese für eine demokratische Gesellschaft sowie den Bildungsbereich bieten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung der Literatur sowie einem praktischen Reflexionsbericht über eine selbst durchgeführte Evaluation im Rahmen eines Seminars.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Evaluationsbegriffs, die Analyse von Anforderungen an moderne Evaluation sowie die Vorstellung von Standards und praktischen Ansätzen der demokratischen Evaluation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird primär durch die Begriffe Partizipative Evaluation, Demokratische Evaluation, Stakeholder-Einbezug und gesellschaftliche Bildungswirkung definiert.
Wie unterscheidet sich die "demokratische Evaluation" von der "partizipativen Evaluation"?
Während bei der partizipativen Evaluation die Evaluatoren meist die Kontrolle behalten, übernehmen bei der demokratischen Evaluation die Stakeholder selbst aktiv die Kontrolle über den Evaluationsprozess.
Welche Rolle spielt das "Digicampus"-Projekt im Kontext dieser Arbeit?
Das Digicampus-Projekt dient als praktisches Fallbeispiel, anhand dessen der Autor konkret demonstriert, wie die Einbeziehung verschiedener Stakeholder den Evaluationsgegenstand dynamisch verändern und erweitern kann.
- Quote paper
- Alexander Schwalm (Author), 2010, Die geschichtliche und wissenschaftliche Entwicklung der modernen Evaluation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/169110