Obwohl um 458 v. Chr. entstanden, ist das griechisch-antike Drama von Aischylos heute so aktuell wie noch nie. Es begegnet uns in der Oper sowie in der Literatur und in modifizierter Form besonders im Theater. Entweder als Neu-Inszenierung des ursprünglichen Dramas, als stoffliches Binnenkonzept in Co-Produktionen oder aber als motivische und thematische Aufnahme in den erst kürzlich publizierten Stückfassungen von außergewöhnlichen Dramatikern. Auffällig ist, wie häufig die Orestie von Aischylos in der Gegenwartsdramatik zitiert oder rezipiert wird. Dabei stellt sich die Frage, was das Besondere an dem ungefähr 2500 Jahre alten Drama ist und weshalb es für die Gegenwartsdramatik offensichtlich so interessant ist. Wieso ist folglich die Orestie im aktuellen Theatergeschehen so stark präsent?
Inhaltsverzeichnis
1. Die „Orestie“ von Aischylos – ein Nährboden der Gegenwartsdramatik
1.1 Häusliche Gewalt als Vorbote des Familienmords
1.2 Selbstaufgabe als Gegenwehr der Naturgewalten
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieses Essays ist es, die fortdauernde Relevanz der „Orestie“ von Aischylos im Kontext der zeitgenössischen Dramatik zu untersuchen und aufzuzeigen, wie antike Stoffe als Grundlage für die Bearbeitung aktueller gesellschaftlicher Probleme dienen.
- Rezeption griechischer Antike in modernen Theaterstücken
- Analyse von häuslicher Gewalt und familiären Konflikten
- Verarbeitung von Naturkatastrophen und menschlicher Hybris
- Gegenüberstellung von antiken Motiven und moderner Lebenswirklichkeit
- Interpretation der „Orestie“ als Impulsgeber für zeitgenössische Autoren
Auszug aus dem Buch
Häusliche Gewalt als Vorbote des Familienmords
Exemplarisch dafür steht das Theaterstück „Echtzeit“ (2010) vom katalanischen Autor und Regisseur Albert Mestres. In diesem Drama verarbeitet er das Thema der Gewalt in der Familie, seien sie physischer oder psychischer Natur. Jedenfalls sind sie stark in den Vordergrund gerückt und unterliegen dem Umgang innerhalb einer vom Leben sehr enttäuschten und unglücklichen Familie. Der Inhalt ist schnell erzählt. Nachdem der Ehemann Nonet nach jahrelanger Abwesenheit als Soldat im Krieg ins wohlbehütete Zuhause zurückkehrt, hat seine Frau Clita bereits einen Nebenbuhler. Als sie und ihr Geliebter Gisto die Situation als Patchwork-Familie nicht mehr ertragen können, töten sie Nonet. Die Kinder allerdings, welche den Vater abgöttisch lieben und die Ignoranz der Mutter und die körperliche Gewalt des Stiefvaters nicht mehr dulden wollen, töten erst Gisto und schließlich auch die Mutter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die „Orestie“ von Aischylos – ein Nährboden der Gegenwartsdramatik: Einführung in die zeitlose Relevanz des antiken Dramas und seine Bedeutung als Inspirationsquelle für moderne Inszenierungen und Stückfassungen.
1.1 Häusliche Gewalt als Vorbote des Familienmords: Untersuchung von Albert Mestres' Stück „Echtzeit“, das Motive der Orestie nutzt, um die psychologische Dynamik häuslicher Gewalt und familiärer Morde zu thematisieren.
1.2 Selbstaufgabe als Gegenwehr der Naturgewalten: Analyse von Elfriede Jelineks „Ein Sturz“, welches den Einsturz des Kölner Stadtarchivs durch antike Motive der „Orestie“ als Konflikt zwischen menschlicher Hybris und Naturgewalten deutet.
Schlüsselwörter
Orestie, Aischylos, Gegenwartsdramatik, Antikenrezeption, Albert Mestres, Echtzeit, Elfriede Jelinek, Ein Sturz, häusliche Gewalt, griechische Tragödie, Familienmord, Naturgewalten, Agamemnon, Hybris, Theater.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Essay primär?
Die Arbeit untersucht, warum antike Stoffe, speziell die „Orestie“ von Aischylos, auch nach 2500 Jahren noch als „Nährboden“ für moderne Theaterstücke dienen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören die Rezeption antiker Tragödien, das Problem häuslicher Gewalt sowie der Konflikt zwischen menschlichem Handeln und der Macht der Natur.
Was ist die Forschungsfrage des Autors?
Der Essay geht der Frage nach, was das Besondere an dem alten Drama ist und warum es für die zeitgenössische Dramatik so bedeutend bleibt, antike Themen immer wieder neu zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Vergleich zwischen antiken Vorlagen und zwei spezifischen modernen Theaterstücken vornimmt.
Was steht im inhaltlichen Fokus der Analysen?
Analysiert werden die Stücke „Echtzeit“ von Albert Mestres und „Ein Sturz“ von Elfriede Jelinek hinsichtlich ihrer inhaltlichen und motivischen Bezüge zur „Orestie“.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Antikenrezeption, Gegenwartsdramatik, häusliche Gewalt und die mythische Aufarbeitung moderner Krisen charakterisieren.
Wie interpretiert Mestres die Figur des Vaters in seinem Werk „Echtzeit“?
Mestres stellt den heimgekehrten Vater als fürsorglich, aber zugleich als alkoholkranken und gewalttätigen „Anti-Hausmann“ dar, was eine Facette ist, die im antiken Original so nicht vorhanden ist.
Welchen Bezug stellt Jelinek in „Ein Sturz“ zur Orestie her?
Jelinek nutzt Motive aus dem „Agamemnon“ von Aischylos, um den Einsturz des Kölner Stadtarchivs als eine Art Strafe für menschliches Eingreifen in die Natur zu deuten.
- Quote paper
- Nicole Hilbig (Author), 2011, Die "Orestie" von Aischylos - ein Nährboden der Gegenwartsdramatik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168963