Noch zu Zeiten seines eigenen Konsulats 59 v. Chr. sicherte Caesar sich ein fünfjähriges Prokonsulat in den Provinzen Gallia cisalpina, Gallia Narbonensis und Illyricum. Dort, so hoffte er, würde er die Gelegenheit haben, sich Feldherrenruhm zu erkämpfen und als Triumphator nach Rom zurückzukehren. Eine erste Gelegenheit, Krieg zu führen, ergab sich in der Provinz Gallia Narbonensis, als Helvetier, anscheinend verdrängt durch Germanenstämme, das Gebiet der mit Rom verbündeten Häduer durchquerten. Viele weitere Kriege folgten, nicht alle Schlachten waren erfolgreich, nicht alle Kriege aus römischer Sicht „gerecht“. Um sich vor dem römischen Senat zu rechtfertigen, verfasste Caesar die Commentarii de bello Gallico, Feldherrenberichte, deren einziger Zweck es ist, den Verfasser und sein Handeln im günstigsten Licht erscheinen zu lassen. Und natürlich erstrahlt der Feldherr umso heller, je düsterer er seine Feinde – die Feinde Roms – erscheinen lässt.
Besonders gut für den Entwurf eines furchterregenden, stereotypen Barbarenbildes eigneten sich die Germanen, deren Beschreibung sich Caesar an drei umfassenderen Stellen widmet. Anhand dieser drei Textpassagen, dem Bericht über den Krieg gegen Ariovist (58 v. Chr.), dem über die Vernichtung der Usipeter und Tenkterer (56/55 v. Chr.) und einem ethnologischen Vergleich zwischen Galliern und Germanen werde ich versuchen darzustellen, auf welche Weise Caesar das Bild der Germanen zeichnet und wie dieses Bild, je nachdem, welches Ziel er im jeweiligen Fall erreichen möchte, variiert.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das Germanenbild Caesars in seinen Commentarii de bello Gallico
1. Der Krieg gegen Ariovist
a) Die Klagen des Diviciacus und Caesars Entscheidung für den Krieg
b) Caesars Rede an die Soldaten
c) Das Aufeinandertreffen von Caesar und Ariovist
2. Die Usipeter und Tenkterer
a) Beschreibung der Lebensweise der Sueben
b) Der Kampf gegen die Usipeter und Tenkterer
3. Vergleich von Galliern und Germanen
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie Gaius Julius Caesar in seinen Commentarii de bello Gallico das Bild der Germanen konstruiert, um sein politisches und militärisches Handeln in Gallien vor dem römischen Senat zu rechtfertigen und zu legitimieren. Dabei wird analysiert, wie die Darstellung der „Barbaren“ je nach rhetorischem Ziel variiert und als Instrument der Selbstdarstellung eingesetzt wird.
- Analyse der rhetorischen Darstellung von Germanen als Bedrohung für Rom.
- Untersuchung des Berichts über den Krieg gegen Ariovist als Rechtfertigungsgrundlage.
- Betrachtung der ethnographischen Beschreibungen der Sueben.
- Kontrastierung von Galliern und Germanen zur Festlegung von Völkergrenzen.
- Vergleich der unterschiedlichen Darstellungsmotive in offiziellen Berichten und Ansprachen an die Truppen.
Auszug aus dem Buch
1. Der Krieg gegen Ariovist
Die Darstellung der Begegnung Caesars mit dem Germanenkönig Ariovist nimmt etwa die zweite Hälfte des ersten Buchs der Commentarii ein und kann grob in drei Teile gegliedert werden. Zuerst werden der Charakter des Ariovist und die Unterdrückung der Gallier durch die Germanen aus der Perspektive des mit Rom verbündeten Hädueranführers Diviciacus geschildert. Als die daraufhin von Caesar angestrebten Verhandlungen mit Ariovist scheitern, da dieser sich weigert, die römischen Forderungen zu erfüllen, entschließt sich Caesar zum Krieg gegen die Germanen. Um seine Soldaten, die aus Furcht vor den wilden, barbarischen Germanen den Befehl verweigern wollen, zu ermutigen, führt er ihnen in einer Rede, die den zweiten Teil dieser Darstellung ausmacht, die Erfolge Roms und seiner Verbündeten in ähnlichen Kämpfen vor Augen. Im dritten Teil der Darstellung werden schließlich die persönlichen Verhandlungen Caesars mit Ariovist und der darauffolgende Krieg beschrieben.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung erläutert den Zweck von Caesars Feldherrenberichten als Mittel zur Rechtfertigung vor dem Senat und führt in die Thematik der stereotypen Barbarenbeschreibung ein.
II. Das Germanenbild Caesars in seinen Commentarii de bello Gallico: Dieses Kapitel analysiert anhand der Feldzüge gegen Ariovist sowie die Usipeter und Tenkterer, wie Caesar durch gezielte Beschreibungen die Germanen als notwendige Feindbilder aufbaut.
1. Der Krieg gegen Ariovist: Das Kapitel untersucht die diplomatischen Spannungen, die Kriegsbegründungen durch Diviciacus und die rhetorischen Strategien in Caesars Ansprache an die Soldaten zur Motivationssteigerung.
a) Die Klagen des Diviciacus und Caesars Entscheidung für den Krieg: Hier wird beleuchtet, wie der Hilferuf des Häduers zur Rechtfertigung eines bellum iniustum vor dem Senat instrumentalisiert wird.
b) Caesars Rede an die Soldaten: Der Fokus liegt auf der psychologischen Wirkung von Caesars Ansprache, in der er das Bedrohungsbild der Germanen relativiert, um die Kampfmoral zu stärken.
c) Das Aufeinandertreffen von Caesar und Ariovist: Das Kapitel thematisiert die Verhandlungen und Caesars Inszenierung seiner eigenen Rechtschaffenheit gegenüber einem als hinterlistig dargestellten Gegner.
2. Die Usipeter und Tenkterer: Dieser Abschnitt behandelt den Konflikt mit den heimatlosen Germanenstämmen und die Funktion von Caesars Rheinüberquerung.
a) Beschreibung der Lebensweise der Sueben: Caesar nutzt den Exkurs, um die Sueben als naturnahe, aber primitive Barbaren zu charakterisieren und sie von den zivilisierteren Galliern abzugrenzen.
b) Der Kampf gegen die Usipeter und Tenkterer: Hier wird der Völkerrechtsbruch Caesars und dessen geschickte rhetorische Verschleierung durch die Vorwürfe von Treulosigkeit gegenüber den Germanen analysiert.
3. Vergleich von Galliern und Germanen: Das Kapitel arbeitet heraus, wie der absolute Gegensatz zwischen Galliern und Germanen konstruiert wird, um den Rhein als natürliche und politische Grenze zu definieren.
III. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Caesars Bild der Germanen ein wandelbares Instrument ist, das den Verfasser stets als moralisch überlegenen Feldherrn präsentiert.
Schlüsselwörter
Caesar, Commentarii de bello Gallico, Germanen, Gallier, Ariovist, Barbarenbild, Römische Geschichte, Feldherrenbericht, Rhetorik, Kriegführung, Völkerrecht, Rechtfertigung, Identitätsbildung, Antike, Sueben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Darstellung der Germanen in Caesars „Commentarii de bello Gallico“ und untersucht, wie diese Beschreibungen als rhetorische Mittel zur politischen Selbstrechtfertigung genutzt wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Konstruktion des „Barbaren“-Stereotyps, die Rechtfertigung römischer Kriegführung (bellum iustum vs. bellum iniustum) und die ethnographische Abgrenzung von Völkern zur Grenzdefinition.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es darzulegen, wie Caesar das Bild der Germanen gezielt variiert, um sein Handeln vor dem Senat zu rechtfertigen und sich selbst als fähigen Feldherrn darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die spezifische Textpassagen aus den „Commentarii“ auf ihre rhetorische Absicht und ihre Funktion im historischen Kontext hin interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Krieg gegen Ariovist, den Konflikt mit den Usipetern und Tenkterern sowie den ethnographischen Vergleich zwischen Galliern und Germanen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind neben Caesar und den Germanen vor allem Rhetorik, Kriegsbegründung, Barbarenbild und Selbstdarstellung.
Wie nutzt Caesar das Bild der Germanen, um den Senat zu beeinflussen?
Er beschreibt die Germanen als grausame, unberechenbare „Barbaren“, die eine direkte Bedrohung für Gallien und Rom darstellen, um so sein militärisches Eingreifen als schützende Notwendigkeit zu verkaufen.
Warum betont Caesar den Unterschied zwischen Galliern und Germanen?
Durch die scharfe Abgrenzung der beiden Völker und ihre entgegengesetzten Eigenschaften legitimiert Caesar den Rhein als Völkergrenze, was ihm wiederum hilft, seine Eroberungszüge an dieser geografischen Linie enden zu lassen.
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- Laura Geyer (Author), 2009, Das Germanenbild Caesars in seinen "Commentarii de Bello Gallico", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168441