Neuemissionen am deutschen Aktienmarkt finden seit etwa Mitte der 1990er Jahre ein breites öffentliches Interesse. Auslöser dieses Interesses waren zum einen der Börsengang der Deutschen Telekom AG im Herbst 1996 so-wie die Eröffnung des Neuen Marktes als neues Handelssegment der Frank-furter Wertpapierbörse im Frühjahr 1997. Insbesondere die Emission der Deutschen Telekom AG stellte nach deutschen Maßstäben nicht nur ein Re-kordvolumen dar, sondern wurde in einem Ausmaß von Public-Relations be-gleitet, dass man in Deutschland bislang nicht kannte und in der breiten Öf-fentlichkeit das Interesse an dem Anlageinstrument Aktei weckte.
Die breite Öffentlichkeit diskutiert Neuemissionen zumeist aus der Sicht der Kapitalanleger, wobei die zeitweilig exorbitant hohen Zeichnungsrenditen („Underpricing“) besondere Aufmerksamkeit erlangten. Die Frage nach den Motiven des Börsengangs wird dagegen nur selten gestellt, obwohl eine Un-tersuchung der Entscheidungsgrundlagen der Unternehmen auch für die in-dividuellen Anlageentscheidungen von großer Bedeutung wäre. Ziel dieser Untersuchung ist es, die Entscheidung bzw. den Entscheidungsprozess für ein Going Public zu analysieren.
Hierzu wird zunächst im nachfolgenden Abschnitt 2 die Entscheidungssitua-tion von Unternehmen skizziert, die sich mit einem Börsengang auseinander-setzen. Nach der Ermittlung der für das Unternehmen zur Verfügung stehen-den Alternativen ist der Entscheidungsprozess gekennzeichnet durch die Analyse der Konsequenzen eines Börsengangs. Dieser Analyse, die in einer Beurteilung der Chancen und Risiken eines Börsengangs mündet, ist Ge-genstand des 3. Abschnitts. Damit folgt die Untersuchung dem Ansatz von Pagano, Panetta und Zingales, die feststellen, dass die Entscheidung des Börsengangs letztlich beeinflusst wird von den „ex ante characteristics of the companies that go public and the ex post consequences of this decision“ Um den bis dahin eher theoretischen Überlegungen auch die praktische Sichtweise gegenüberzustellen werden im 4. Abschnitt zwei empirische Un-tersuchungen zu den Motiven von Börsengängen kurz vorgestellt. Mit einer Zusammenfassung in Abschnitt 5 wird die Arbeit abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. ANALYSE DER ENTSCHEIDUNGSSITUATION
2.1. UNTERNEHMENSANALYSE
2.1. LAGEANALYSE
3. ANALYSE DER KONSEQUENZEN DES BÖRSENGANGS
3.1. CHANCEN DES BÖRSENGANGS
3.2. RISIKEN DES BÖRSENGANGS
3.3. BEURTEILUNG DER CHANCEN UND RISIKEN
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN ZU DEN MOTIVEN VON BÖRSENGÄNGEN
4.1. DIE UNTERSUCHUNG VON LANGEMANN (1999)
4.2. DIE UNTERSUCHUNG VON PAGANO/PANETTA/ZINGALES (1998)
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die strukturierte Analyse des Entscheidungsprozesses von Unternehmen im Kontext eines "Going Public". Dabei wird untersucht, welche unternehmensinternen Voraussetzungen und externen Rahmenbedingungen eine Börseneinführung beeinflussen sowie welche Chancen und Risiken mit diesem strategischen Schritt verbunden sind.
- Grundlagen der Unternehmens- und Lageanalyse als Entscheidungsvorbereitung.
- Gegenüberstellung von Chancen und Risiken eines Börsengangs.
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen Publizität und unternehmerischer Flexibilität.
- Empirische Evidenz zu Motiven und Auswirkungen von Börsengängen anhand bekannter Studien.
- Einfluss des Managements und der Eigentümerstruktur auf den Entscheidungsprozess.
Auszug aus dem Buch
3.1. Chancen des Börsengangs
Die Chancen und Vorteile eines Börsengangs sind vielfältig und werden in der Literatur auch unter der Überschrift „Motive eines Börsengangs“ diskutiert19 und stellen sich u.a. wie folgt dar:20
• Verbreiterung der Eigenkapital- und Liquiditätsbasis: Mit der Verbesserung der Eigenkapital- und Liquiditätsbasis eröffnen sich den Unternehmen neue Wachstumsmöglichkeiten (z.B. durch Akquisitionen oder Investitionen in neue Produkte). Zudem verbessern sich die weiteren Finanzierungsmöglichkeiten und Finanzierungsbedingungen.
• Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber den Banken: Der Status eines börsennotierten Unternehmens vergrößert die Finanzierungsoptionen und verringert durch die gewonnene Eigenständigkeit die Abhängigkeit von Banken als Kapitalquelle. Dies führt im Ergebnis zu einer Stärkung der Verhandlungsposition gegenüber den Banken.
• Steigerung des Bekanntheitsgrades und des Images: Die Börsennotierung kann als eine Art Gütezeichen angesehen werden, das verbunden mit einer höheren Medienpräsenz zu einer Steigerung des Bekanntheitsgrades und des Images führt.
• Disziplinierung des Managements: Managerentscheidungen führen zu Reaktionen an der Börse, die sich im Aktienkurs niederschlagen. Ein Kursverfall würde dem Management schaden, so dass die Börsennotierung zu einer Disziplinierung des Managements beiträgt.
• Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung: Mit der Ausgabe von sog. Belegschaftsaktien können die Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt werden, was eine zusätzliche Motivation auslösen kann.
• Verbesserung der Risikodiversifikation: Typisches Motiv einer Publikumsöffnung ist die Absicht der Altaktionäre durch Veräußerung von Teilen ihrer Beteiligung ein Privatvermögen zu schaffen, das nicht mehr durch die Unternehmensrisiken tangiert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet das Interesse an Neuemissionen am deutschen Aktienmarkt und definiert das Ziel der Arbeit, den Entscheidungsprozess für ein Going Public zu analysieren.
2. ANALYSE DER ENTSCHEIDUNGSSITUATION: Dieses Kapitel behandelt die notwendige Unternehmens- und Lageanalyse, einschließlich des Kapitalbedarfs, der Kapitalmarktfähigkeit sowie externer Einflussfaktoren wie der Börsensituation.
3. ANALYSE DER KONSEQUENZEN DES BÖRSENGANGS: Hier werden die Chancen und Risiken eines Börsengangs in einem Spannungsfeld gegenübergestellt, um die Auswirkungen auf das Unternehmen und seine Eigentümer zu verdeutlichen.
4. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNGEN ZU DEN MOTIVEN VON BÖRSENGÄNGEN: Basierend auf den Studien von Langemann sowie Pagano, Panetta und Zingales werden ökonomische Motive und die Auswirkungen des Börsengangs auf Rentabilität und Investitionsverhalten untersucht.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Das abschließende Kapitel resümiert, dass der Börsengang ein komplexer Prozess ist, der stark vom individuellen Zielsystem des Unternehmens abhängt.
Schlüsselwörter
Going Public, Börsengang, Neuemission, Kapitalbedarf, Börsenreife, Unternehmensanalyse, Lageanalyse, Risikodiversifikation, Publizität, Kapitalmarkt, Aktienmarkt, Eigentümerstruktur, Unternehmenssteuerung, Emissionsbanken, Investitionsvolumen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der unternehmerischen Entscheidung für einen Börsengang (Going Public) und analysiert die dabei relevanten Faktoren und Konsequenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Vorbereitung durch Situationsanalysen, die Vor- und Nachteile einer Börseneinführung sowie empirische Erkenntnisse aus existierenden Studien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Entscheidungsprozess zu durchleuchten, der zu einem Börsengang führt, und aufzuzeigen, wie Unternehmen ihre Erfolgspotenziale in diesem Rahmen bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Herleitung der Entscheidungssituation sowie der Auswertung und Zusammenfassung bestehender empirischer Studien zum Thema Börsengang.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Entscheidungssituation, die Untersuchung der Konsequenzen (Chancen/Risiken) und eine Betrachtung empirischer Ergebnisse von Langemann sowie Pagano et al.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Going Public, Kapitalmarktfähigkeit, Unternehmensanalyse, Disziplinierung des Managements und Risikodiversifikation.
Welche Rolle spielt die "Kapitalmarktfähigkeit" für den Börsengang?
Sie ist eine essenzielle Voraussetzung, bei der ein Unternehmen nicht nur börsenrechtliche Kriterien erfüllt, sondern auch ein überzeugendes Konzept für Investoren präsentieren muss.
Welche Bedeutung haben Familiengesellschaften in der Analyse?
Die Analyse zeigt, dass Familiengesellschaften beim Börsengang einen besonderen Wert auf die Wahrung ihres Einflusses auf das Unternehmen legen.
- Arbeit zitieren
- Natela Kakhabrishvili (Autor:in), 2009, The Decision To Go Public, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168385