Die Messe als zentraler Bestandteile der Liturgie des Abendlandes ist zugleich eines der zentralen und ältesten Genres abendländischer Musik. Die Ausgestaltung dieses Genre hat bis in die heutige Zeit vielfache formale und inhaltliche Wandlung erfahren.
Gegenstand dieser Arbeit ist zunächst die Erläuterung wesentlicher Begriffe, die mit dem Ritus und der Musik verbunden sind. Sodann werden Aufbau und Inhalt der Messe, sowie Charakteristika der unterschiedlichen musikalischen Behandlung und Gestaltung der Messteile erläutert, wobei auf die rituell verschiedenen Messformen eingegangen wird. Ordinariums-Texte (lat./dt.) und Musikbeispiele aus dem 14., 16. und 20. Jh. bilden den Abschluss.
Inhaltsverzeichnis
1. GRUNDSÄTZLICHES, BEGRIFFE
1.1 Messe (kirchlich)
1.2 Messe (musikalisch)
1.3 Motette
1.4 Messordnung, Ordo Missae
1.5 Ordinarium missae (gleichbleibende Messteile)
1.6 Proprium missae (veränderliche Messteile)
1.7 Riten
1.8 Liturgiereform
1.9 Messkategorien
1.9.1 Deutsche Messe (evangelisch)
1.10 Weitere Begriffe
1.10.1 Tropus
1.10.2 Sequenz
1.10.3 Organum
1.10.4 Doxologie
1.10.5 Conductus
1.10.6 Responsorium
2. KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS
3. DIE MESSE
3.1 Aufbau der Messe, Inhalt der Teile, musikalische Gestalten (Tabelle)
3.2 Die wichtigsten Messgesänge
3.3 Schemata von Responsorien
3.4 Ordinarium-Texte und ihre musikalische Gestaltung
3.4.1 Kyrie
3.4.2 Gloria
3.4.3 Credo
3.4.4 Sanctus
3.4.5 Agnus Dei
3.5 Musikalische Messformen
3.5.1 inhaltlich
3.5.2 strukturell
3.6 Ténormessen
3.7 Zyklusbildung und Parodiemesse
3.8 Konzertierende Messe, messa concertata
3.9 Pastoralmessen
3.10 Symphonische Messe
3.11 Evangelisch-lutherische Messe (ab 1526)
3.12 Messen zu bestimmten (außerkirchlichen) Anlässen
3.13 Berühmte Messen
4. ANHANG
4.1 Ordinarium Missae Texte (vollständig, synoptisch)
4.2 Machaut, La Messe de Nostre Dame (1364)
4.3 Palestrina, Missa Papae Marcelli (1562/63?)
4.4 Strawinsky, Messe für gem. Chor und doppeltes Bläserquintett (1948)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Gattung der Messe in ihrer historischen Entwicklung und strukturellen Beschaffenheit. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie es möglich ist, die Messe als geschlossenes musikalisches Kunstwerk zu realisieren, ohne dabei die liturgischen Bedürfnisse des Gottesdienstes zu verletzen.
- Grundlagen der liturgischen Messordnung und Abgrenzung zwischen Ordinarium und Proprium.
- Historische Entwicklung der musikalischen Messkomposition vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert.
- Strukturelle Analyse der wichtigsten Messgesänge und ihrer Vertonungsformen.
- Die Entwicklung von speziellen Messformen wie der Parodiemesse, der Konzertierenden Messe und der Symphonischen Messe.
Auszug aus dem Buch
3.4 Ordinarium-Texte und ihre musikalische Gestaltung
Die musikalischen Abschnitte innerhalb der 5 Ordinariums-Teile folgen natürlicherweise textlichen Sinnabschnitten / -aussagen, die auch musikalisch in allem (Melodie, Form, Dynamik, Besetzung) formend wirken (vgl. Kap. 4.1).
Das Reihungsprinzip zeigt sich in der (unterbrochenen) Abfolge der Ordinarium-Teile genau so als Schema wie innerhalb jedes einzelnen Teils. Im wesentlichen nur dort, wo auch der Text wiederholt wird, also vor allem im Kyrie und Agnus Dei, wird auch musikalisch von der Reihung abgewichen.
Im Kleingliedrigeren allerdings macht sich die Komposition frei und formt nach musikimmanenten Gesetzten und Formen, flankiert durch Wort- und Textphrasenwiederholungen.
Wichtige Ausnahmen sind (z.T. groß angelegte) Fugen, die vor allem das Gloria, Credo und Hosanna betreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. GRUNDSÄTZLICHES, BEGRIFFE: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Begriffe der kirchlichen und musikalischen Messe, einschließlich der Messordnung, der Unterscheidung von Ordinarium und Proprium sowie verschiedener Liturgieformen.
2. KURZER GESCHICHTLICHER ABRISS: Ein Überblick über die historische Entwicklung der Messe von einer rein liturgischen Gattung hin zu einem eigenständigen musikalischen Kunstwerk mit besonderem Fokus auf der Zyklusbildung.
3. DIE MESSE: Dieser Hauptteil detailliert den Aufbau der Messe, analysiert die musikalische Gestaltung der einzelnen Messteile und beschreibt verschiedene musikalische Messformen sowie berühmte Werke der Gattungsgeschichte.
4. ANHANG: Enthält eine synoptische Gegenüberstellung der lateinischen und deutschen Ordinarium-Texte sowie Notenbeispiele bedeutender Messvertonungen von Machaut, Palestrina und Strawinsky.
Schlüsselwörter
Messe, Ordinarium missae, Proprium missae, Liturgie, Kirchenmusik, Komposition, Musikgeschichte, Zyklusbildung, Parodiemesse, Messgesänge, Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Messe als musikalische Gattung, ihrer liturgischen Verankerung und ihrer historischen Entwicklung als Kunstwerk.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Messordnung, die Struktur der Ordinarium-Gesänge, die Entwicklung von Messformen und die musikalische Interpretation liturgischer Texte.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie eine Messe als musikalisch geschlossenes Kunstwerk gestaltet werden kann, ohne dabei die liturgischen Notwendigkeiten zu missachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine musikwissenschaftliche Gattungsanalyse, die auf historischer Quellenarbeit, musikalischer Formlehre und dem Vergleich von Notenbeispielen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufschlüsselung der Messabschnitte, eine Analyse der wichtigsten Gesänge (Kyrie, Gloria etc.) und eine Systematik der musikalischen Messformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Messe, Ordinarium, Proprium, musikalische Form und Liturgie definieren.
Warum ist das "Lamm Gottes" theologisch bedeutsam für das Agnus Dei?
Der Begriff ist theologisch komplex, da er auf das Opferlamm der Juden, das geschlachtete Lamm der Offenbarung und die Erlösung von Sünden durch den Kreuzestod Christi verweist.
Wie unterscheidet sich die "Symphonische Messe" von früheren Typen?
In der symphonischen Messe (z.B. bei Beethoven oder Schubert) steht die individuelle Deutung des Textes und die motivische Vernetzung des gesamten Zyklus gegenüber der rein liturgischen Gebrauchsmusik stärker im Vordergrund.
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- Dipl. Ing. Karl Bellenberg (Author), 2007, Die Messe - Inhalt und Form, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168336