Die Arbeit soll den Leser zunächst in die Hintergründe der Bereitschaftspflege von Säuglingen und Kleinkindern einführen. Dazu werde ich zuerst die Inobhutnahme und ihren rechtlichen Hintergrund erläutern. Anschließend werde ich die Gründe einer Inobhutnahme wie die Kindeswohlgefährdung im Bezug auf Vernachlässigung und Misshandlung bzw. Missbrauch näher beleuchten. Dazu möchte ich auch einen Einblick in das Erleben der Herkunftseltern und die Möglichkeiten zur Risikoeinschätzung von Seiten des Jugendamtes geben. Ebenso möchte ich kurz auf das Erleben der Kinder im Inobhutnahmegeschehen und deren Unterbringungsmöglichkeiten eingehen.
Anschließend werde ich die Bereitschaftspflege als sozialpädagogische Krisenintervention und deren rechtlichen Hintergrund näher erläutern und auf die vielseitigen Anforderungen und Aufgaben dieses Betreuungssystems eingehen. Dabei werde ich die fachliche Begleitung und Unterstützung thematisieren, ebenso wie die Auswirkungen auf das Familiengeschehen und deren Familienmitglieder. Einen besonderen Schwerpunkt möchte ich dabei auf die Auswirkungen von besonders langen Bereitschaftszeiten legen.
An weiterer Stelle möchte ich die Relevanz von Bindungen bei Fremdunterbringung von Säuglingen und Kleinkindern für die Arbeit der Bereitschaftspflege darstellen. Dazu möchte ich den Leser zunächst in bindungstheoretische Grundannahmen einführen und die Merkmale einer sicheren Bindung und dessen Bedeutung für eine gesunde Entwicklung erörtern. Anschließend werde ich mögliche Störungen der Bindungsentwicklung, die sich aus Trennungen zu den Bezugspersonen ergeben können, darstellen und Konsequenzen für die Bereitschaftspflege darlegen.
Schließen möchte ich die Arbeit mit den gemachten Schlussfolgerungen meinerseits und einem Appell, die bisher bestehenden Konzepte zur Bereitschaftspflege an die Bedingungen von sehr langen Bereitschaftszeiten anzupassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Inobhutnahmen von Säuglingen und Kleinkindern
2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen und Ausgestaltung der Inobhutnahme
2.2 Die Inobhutnahme bei dringender Gefahr für das Kindeswohl
2.3 Zur Vernachlässigung und Misshandlung von Säuglingen und Kleinkindern
2.4 Zur Situation der Herkunftseltern
2.5 Risikoeinschätzung von Seiten des Jugendamtes
2.6 Die Inobhutnahme im Erleben der Kinder
2.7 Inobhutnahmestellen
3. Die Bereitschaftspflege
3.1 Rechtlicher Hintergrund der Bereitschaftspflege
3.2 Die Bereitschaftspflege als sozialpädagogische Krisenintervention
3.3 Aufgaben und Anforderungen des familiären Betreuungssystems
3.4 Fachliche Begleitung und Unterstützung
3.5 Zur Situation der einzelnen Familienmitglieder
3.6 Besuchskontakte mit den Herkunftseltern
3.7 Problematik: Bereitschaftszeit
4. Die Relevanz von Bindungen bei Fremdunterbringung von Säuglingen und Kleinkindern für die Arbeit der Bereitschaftspflege
4.1 Exkurs : Grundannahmen der Bindungstheorie nach John Bowlby
4.2 Merkmale einer sicheren Bindung
4.3 Bedeutung einer sicheren Bindung für die psychische Entwicklung
4.4 Die frühe Trennung von Mutter und Kind
4.5 Traumatische Erfahrungen und Bewältigungsstrategien
4.6 Bindungsstörungen
4.7 Ersatzbindungen
4.8 Konsequenzen für die Arbeit der Bereitschaftspflege
5. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Inobhutnahme und Bereitschaftspflege von Säuglingen und Kleinkindern als eine Form der sozialpädagogischen Krisenintervention. Das primäre Ziel ist es, die komplexen Anforderungen dieses Betreuungssystems sowie die Auswirkungen von insbesondere sehr langen Bereitschaftszeiten auf die beteiligten Kinder, deren Herkunftseltern und die Bereitschaftspflegefamilien kritisch zu beleuchten und Handlungsempfehlungen für eine Anpassung der bestehenden Konzepte abzuleiten.
- Rechtliche Grundlagen und fachliche Standards der Inobhutnahme bei Kindeswohlgefährdung.
- Die Rolle der Bereitschaftspflege als sozialpädagogische Krisenintervention im familiären Kontext.
- Bindungstheoretische Aspekte und deren Relevanz bei Fremdunterbringung in der frühen Kindheit.
- Herausforderungen in der Zusammenarbeit zwischen Jugendamt, Bereitschaftspflegeeltern und Herkunftseltern.
- Problematik verlängerter Bereitschaftszeiten und deren Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Inobhutnahme bei dringender Gefahr für das Kindeswohl
Trenczek nennt zwei Tatbestände, aus denen sich eine Inobhutnahme bei Kindeswohlgefährdung ergeben:
„Eine Befugnis und Verpflichtung des Jugendamts zur Inobhutnahme ergibt sich, wenn es eine dringende Gefahr für das Wohl des Minderjährigen erfordert, die Personensorgeberechtigten nicht widersprechen ( §§ 8a Abs. 3 Satz 2, 42 Abs. 1 Nr.2 SGBVIII) oder weil die Gefährdung nicht anders abgewendet werden kann.“ (Trenczek 2008, 199).
Gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung können laut Jordan sein:
- Die äußere Erscheinung des Kindes (z.B. massive Verletzungen ohne erklärbare Ursache, starke Unterernährung)
- Das Verhalten des Kindes (z.B. Übergriffe gegen andere Personen, apathisches, verängstigtes Handeln Äußerungen des Kindes, Straftaten)
- Das Verhalten der Eltern oder andere Erziehungspersonen (z.B. unzureichende Ernährung, Gewalt gegenüber dem Kind Unterlassung von Krankenbehandlung, Isolierung des Kindes)
- Die Familiäre Situation (z.B. Obdachlosigkeit, Einsatz des Kindes zum Betteln)
- Die persönliche Situation der Eltern oder sonstigen Erziehungsberechtigten(z.B. häufig unter Alkoholeinfluss, Drogen, verwirrtes Erscheinungsbild)
- Die Wohnsituation (z.B. „vermüllte“ oder verdreckte Wohnung) (Jordan 2007, 29)
Dabei wird meist zwischen körperlicher und seelischer Misshandlung, sexuellem Missbrauch sowie der extremen Vernachlässigung unterschieden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, in die Hintergründe der Bereitschaftspflege von Säuglingen und Kleinkindern einzuführen und die rechtlichen und pädagogischen Herausforderungen zu beleuchten.
2. Inobhutnahmen von Säuglingen und Kleinkindern: Dieses Kapitel behandelt die rechtlichen Rahmenbedingungen der Inobhutnahme sowie die Indikatoren und Verfahrensweisen bei akuter Kindeswohlgefährdung.
3. Die Bereitschaftspflege: Hier wird die Bereitschaftspflege als sozialpädagogische Krisenintervention definiert, inklusive der Aufgaben der Bereitschaftspflegeeltern und der Zusammenarbeit mit den Herkunftseltern.
4. Die Relevanz von Bindungen bei Fremdunterbringung von Säuglingen und Kleinkindern für die Arbeit der Bereitschaftspflege: Das Kapitel verknüpft bindungstheoretische Grundannahmen mit der Praxis der Fremdunterbringung und zeigt Konsequenzen für die Arbeit der Bereitschaftspflege auf.
5. Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und appelliert daran, bestehende Konzepte der Bereitschaftspflege an die Realität langer Bereitschaftszeiten anzupassen.
Schlüsselwörter
Bereitschaftspflege, Inobhutnahme, Kindeswohlgefährdung, Krisenintervention, Bindungstheorie, frühe Kindheit, Vernachlässigung, Fremdunterbringung, Pflegefamilien, Jugendamt, Beziehungsabbruch, Sozialpädagogik, Traumabewältigung, Ersatzbindung, Perspektivenklärung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialpädagogischen Krisenintervention in Form von Inobhutnahme und Bereitschaftspflege für Säuglinge und Kleinkinder.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Voraussetzungen bei Kindeswohlgefährdung, die psychologischen Grundlagen der Bindungstheorie und die praktischen Anforderungen an Bereitschaftspflegeeltern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf die Diskrepanz zwischen dem Konzept der kurzfristigen Krisenintervention und der Realität oft sehr langer Bereitschaftszeiten hinzuweisen und notwendige konzeptionelle Anpassungen zu fordern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung fachwissenschaftlicher Literatur und wird durch empirische Interviews mit Bereitschaftsmüttern gestützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Inobhutnahme, die Ausgestaltung der Bereitschaftspflege, die Relevanz von Bindungsentwicklungen bei Fremdunterbringung sowie die Problematiken durch lange Bereitschaftszeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bereitschaftspflege, Kindeswohlgefährdung, Bindungstheorie, Krisenintervention und Fremdunterbringung charakterisiert.
Warum ist das Alter der Kinder bei der Inobhutnahme von besonderer Relevanz?
Säuglinge und Kleinkinder befinden sich in einer besonders sensiblen Bindungsphase. Trennungen und instabile Betreuungsverhältnisse können hier gravierende, lebenslange psychische Schäden verursachen.
Was fordert die Autorin als Konsequenz aus ihrer Recherche?
Sie fordert eine bessere Schulung der Bereitschaftspflegeeltern, eine engmaschige Supervision sowie schnellere Perspektivenklärungen durch die Jugendämter, um die Belastungen für die Kinder zu minimieren.
- Quote paper
- Nele Geister (Author), 2010, Inobhutnahme und Unterbringung von Säuglingen und Kleinkindern in Bereitschaftspflege als sozialpädagogische Krisenintervention, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168283