Diese Arbeit erläutert die Gründe für das anfängliche Scheitern der Einführung des Mehrwertsteuersystems in den Entwicklungsländern. Anhand bestimmter Charakteristika dieser Länder hat ein einfaches "Kopieren und Anwenden" des nach dem Vorbild der hochentwickleten europäsichen Ländern vom IMF propagierten Programms zu massiven Problemen geführt - bis hin zu Erodierung der Steuerbasis in manchen Ländern. Mit dieser Arbeit wird aufgezeigt, welche Probleme das genau sind, welche Lösungsansätze es gibt und schliesslich wird die Mehrwertsteuer mit alternativen Steuerarten für die Entwicklungsländer verglichen. Dabei wird die Rolle des IMF kritisch verfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakteristika der Entwicklungsländer
3 Probleme der Entwicklungsländer
4 Lösungsansätze
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einführung und Auswirkungen von Mehrwertsteuersystemen in Entwicklungsländern, wobei ein besonderer Fokus auf der Rolle der Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie den daraus resultierenden ökonomischen und administrativen Herausforderungen liegt.
- Analyse der strukturellen Merkmale von Entwicklungsländern im Kontext der Steuergesetzgebung.
- Kritische Beleuchtung der IWF-Standardprogramme zur Mehrwertsteuereinführung.
- Identifikation von Gründen für das Scheitern oder die Ineffizienz der Mehrwertsteuer in Entwicklungsregionen.
- Diskussion von Lösungsansätzen und notwendigen Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Implementierung.
Auszug aus dem Buch
3 Probleme der Entwicklungsländer
Richard M. Bird stellt fest, dass die Mehrwertsteuer die erstbeste Alternative ist, wenn es darum geht verlorene Einnahmen aus Handelszöllen zu kompensieren und eine generelle Konsumsteuer einzuführen, die einen gewissen Betrag an nationalem Einkommen auf ökonomisch und administrativ effektive Weise hervorbringt. – wenn sie richtig verwaltet wird.3 Dies war und ist leider nicht der Fall in den Entwicklungsländern.
Zunächst einmal gilt es hervorzuheben, dass das Mehrwertsteuersystem kein statisches System ist, dass einmal eingeführt und angewendet hervorragend funktioniert, sondern einem Prozess des sogenannten „Self-Assessment“ unterliegt. Das bedeutet konkret, dass die eingebunden Wirtschaftssubjekte selbständig Steuererklärungen ausfüllen können und zeitnah durch die Verwaltungsinstitutionen entsprechende Gelder zurückerstattet bekommen. Zudem gilt es, hervorgerufene Unstimmigkeiten durch neue steuerpolitische Maßnahmen zu erkennen und zu korrigieren, d.h. dass der Prozess auch einem gewissen „Audit“ unterliegen muss, um die Entwicklung der Steuer vorantreiben oder anpassen zu können. Auch die individuellen Anreize der an dem System beteiligten Parteien spielt eine wesentliche Rolle für dessen Erfolg.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung der Mehrwertsteuer ein und erläutert die zentrale Fragestellung bezüglich der Problematik ihrer Implementierung in Entwicklungsländern unter Einfluss des IWF.
2 Charakteristika der Entwicklungsländer: Hier werden die ökonomischen und institutionellen Rahmenbedingungen von Entwicklungsländern dargelegt, die sich maßgeblich von Industrienationen unterscheiden und die Wirksamkeit von Standardsteuerreformen beeinflussen.
3 Probleme der Entwicklungsländer: Dieses Kapitel analysiert detailliert, warum das „Self-Assessment“-Prinzip der Mehrwertsteuer in Entwicklungsländern oft versagt und zu Ineffizienzen sowie Umverteilungsproblemen führt.
4 Lösungsansätze: Hier werden theoretische und praktische Lösungswege diskutiert, um die Mehrwertsteuer unter Berücksichtigung lokaler Voraussetzungen effektiver und gerechter zu gestalten.
Schlüsselwörter
Mehrwertsteuer, Entwicklungsländer, IWF, Steuersystem, Self-Assessment, Steuerverwaltung, informeller Sektor, Steuervermeidung, Steuerbasis, Wohlfahrt, Konsumsteuer, Steuerreform, ökonomische Entwicklung, Steuerfreigrenze, Steuergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Übertragung des europäischen Mehrwertsteuersystems auf Entwicklungsländer und dem Scheitern dieses Konzepts unter den dortigen ökonomischen und institutionellen Bedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Rolle des IWF bei Steuerberatungen, die strukturellen Defizite in Entwicklungsländern, die Auswirkungen auf den informellen Sektor sowie die Regressivität der Steuer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der theoretischen Effektivität der Mehrwertsteuer und ihrer praktischen Umsetzung in Entwicklungsländern zu verdeutlichen und Ansätze für eine verbesserte Steuergestaltung zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf bestehender Fachliteratur und empirischen Beobachtungen (wie dem Fallbeispiel Ukraine oder Ghana) basiert, um steuerpolitische Zusammenhänge zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Ländercharakteristika, die Analyse der administrativen Probleme bei der Steuererhebung und die Erörterung von Lösungsansätzen wie dem „Entscheidungsbaum“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlagworten gehören Mehrwertsteuer, IWF, informeller Sektor, Steuerbasis-Erosion, Self-Assessment und Steuerverwaltung.
Welche Rolle spielt die Ukraine in der Analyse?
Die Ukraine dient als negatives Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie trotz wachsender Wirtschaft die Steuereinnahmen durch Steuervermeidung und Korruption erodieren können.
Was schlägt der Autor als Lösung für die Steuerproblematik vor?
Der Autor schlägt unter anderem eine hohe Steuerfreigrenze, spezifische Trainingmaßnahmen für Behörden und eine an die lokale Wirtschaftsstruktur angepasste Implementierung statt eines „Einheitskonzepts“ vor.
- Arbeit zitieren
- Matthias Engelberth (Autor:in), 2011, Die Mehrwertsteuer in Entwicklungsländern und die Verwicklung des IWF, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/168118