Einer der Schwerpunkte internationaler Entwicklungszusammenarbeit ist die Sicherstellung einer nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung. Als zentrale Strategie für die Bekämpfung von Armut, die zukunftsfähige wirtschaftliche und soziale Entwicklung, die Eingliederung der Entwicklungsländer in die Weltwirtschaft, die Festigung der Demokratie und des Rechtsstaats sowie die Achtung der Menschenrechte gilt die Förderung von Wirtschaftswachstum, wobei die Einführung und Stabilisierung von Marktwirtschaften dabei unbestritten der Königsweg ist. Kontroverser stellt sich die Frage, inwiefern eine Marktwirtschaft sozial sein kann respektive muss und welche Rolle der Staat dabei einnimmt. Während z.B. im deutschsprachigen Kulturraum seit der Einführung der Stein-Hardenbergschen Reformen sowie der Prägung der sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig Erhardt nach dem 2.Weltkrieg der Staat eine wichtige und aktive Rolle spielt, wird ihm im angelsächsischen Raum eine eher zurückhaltende Funktion zugewiesen. In Europa ist der wirtschaftliche Erfolg das Resultat eines mehrere Jahrhunderte (an-)dauernden Entwicklungsprozesses, der maßgeblich durch die deutsche Kultur geprägt ist. Nicht zuletzt die Untersuchungen von Max Weber können dies belegen. Es wird gar gefragt, ob ein „rationaler, an Märkten orientierter Kapitalismus“ nur im Westen erdenklich sei. Dabei spielen kulturelle Aspekte der Wirtschaftsentwicklung als auch der Förderung von Unternehmertum und Privatwirtschaft in der entwicklungspolitischen Debatte immer noch eine formidabel geringe Rolle. Sie bleiben nahezu nebulös, obwohl Kultur überhaupt als das System zur Begründung und Beurteilung der Realität angesehen wird und die Kultur das Wirtschaften entscheidend prägt, was u.a. kulturwissenschaftliche Studien von Geert Hofstede verdeutlichen. Durch den Vertrag von Maastricht im Jahr 1993 konnte die historisch überwiegend auf Wirtschaft und Handel ausgerichtete Europäische Union nun auch kulturelle Maßnahmen zur Verbreitung und Entwicklung der Kultur in Europa in Angriff nehmen. Die Funktion der EU beschränkt sich dabei auf die Förderung der Zusammenarbeit zwischen den Kulturakteuren unterschiedlicher Mitgliedsländer, um einen Beitrag zur Entfaltung derer Kulturen unter Wahrung ihrer nationalen und regionalen Vielfalt zu leisten und das gemeinsame kulturelle Erbe hervorzuheben. Kulturelle Wertorientierungen als auch das Bewusstsein kultureller Unterschiede haben vielerorts den Platz im politischen Kräftespiel eingenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte
2. Kurzfassung des Untersuchungsvorhabens
3. Entwicklung eines Kausalmodells
4. Datenbasis
5. Operationalisierung relevanter Untersuchungsgrößen
6. Wahl des Analyseverfahrens
7. Ergebnisse der Analysen
8. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung eines typologischen Modells zur Klassifizierung marktwirtschaftlicher Kulturen in der Europäischen Union auf Basis der Daten des World Value Survey 2005-2008. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie sich die verschiedenen EU-Mitgliedsländer anhand wirtschaftskultureller Dimensionen in Clustermodellen gruppieren lassen und ob diese Modelle eine externe Validität in Bezug auf ökonomische Indikatoren aufweisen.
- Entwicklung eines Hauptkomponentenmodells zu zentralen Dimensionen der Wirtschaftskultur.
- Transformation und Rekodierung von Variablen für multivariate Analyseverfahren.
- Durchführung hierarchischer Clusteranalysen nach der Ward-Methode.
- Optimierung der Clusterlösungen mittels Clusterzentrenanalyse (k-means).
- Validierung der Modellergebnisse hinsichtlich Bruttoinlandsprodukt und Korruptionswahrnehmung.
Auszug aus dem Buch
3. Entwicklung eines Kausalmodells
In Abbildung 2 wird ein Kausalmodell dargelegt, welches die in Punkt 2 Kurzfassung des Untersuchungsvorhabens geforderten Arbeitsaufgaben abermals in einen bildhaften Zusammenhang bringt. Da es sich um ein sehr komplexes und vielschichtiges Arbeits- bzw. Forschungsgebiet handelt, soll die Abbildung einerseits einen präzisierten Überblick zur Vorgehensweise bei der Umsetzung der Arbeitsaufgaben geben und für Verständlichkeit sorgen und andererseits als Leitfaden und Orientierungshilfe dienlich werden. Im Modell werden alle aufgeführten Schwerpunkte in Reihenfolge der Arbeitsaufgaben eins bis sechs, oben links angefangen und im Uhrzeigersinn drehend, verarbeitet und je nach Forderung in Abhängigkeit gestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Worte: Einführung in die Bedeutung von Wirtschaftskulturen und die Rolle der Europäischen Union bei der Förderung kultureller Vielfalt und wirtschaftlicher Stabilität.
2. Kurzfassung des Untersuchungsvorhabens: Darstellung der methodischen Vorgehensweise und der sechs zentralen Arbeitsaufgaben zur Erstellung des typologischen Modells.
3. Entwicklung eines Kausalmodells: Präsentation eines Kausalmodells als Orientierungshilfe zur systematischen Umsetzung der Forschungsaufgaben.
4. Datenbasis: Erläuterung der Herkunft und Struktur des verwendeten World Value Survey Datensatzes.
5. Operationalisierung relevanter Untersuchungsgrößen: Beschreibung der Variablen und Dimensionen, die für die Analyse der marktwirtschaftlichen Kultur herangezogen werden.
6. Wahl des Analyseverfahrens: theoretische Begründung der eingesetzten Verfahren, insbesondere der Hauptkomponentenanalyse und der Clusteranalyse.
7. Ergebnisse der Analysen: Detaillierte Durchführung und Interpretation der Hauptkomponenten- und Clusteranalysen sowie deren externe Validierung.
8. Zusammenfassung und Fazit: Kritische Reflexion der Ergebnisse und methodenkritische Betrachtung der durchgeführten Clusteranalysen.
Schlüsselwörter
Wirtschaftskultur, Europäische Union, Hauptkomponentenanalyse, Clusteranalyse, Ward-Methode, k-means, Marktoffenheit, Rolle des Staates, Leistungsorientierung, Institutionenvertrauen, World Value Survey, Bruttoinlandsprodukt, Korruptionswahrnehmung, externe Validität, Typologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Forschungsarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Modells, das die verschiedenen Ausprägungen marktwirtschaftlicher Kulturen in den Ländern der Europäischen Union typologisch erfasst und gruppiert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themenfelder sind die Analyse von Wirtschaftskulturdimensionen wie Marktoffenheit, staatliche Rolle, Vertrauen in Institutionen sowie die Identifikation von länderspezifischen Clustern.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Ziel ist es, basierend auf Datensätzen des World Value Survey 2005-2008, ein statistisch fundiertes Modell zu erstellen, das zeigt, wie sich EU-Staaten kulturell im Hinblick auf ihr Wirtschaftsverständnis unterscheiden.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden multivariate Analysemethoden verwendet, namentlich die Hauptkomponentenanalyse (PCA) zur Dimensionsreduktion und die hierarchische sowie nicht-hierarchische (k-means) Clusteranalyse zur Gruppenbildung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die Operationalisierung der Indikatorvariablen, die Durchführung der statistischen Analysen nach einem definierten Kausalmodell sowie die Validierung der Ergebnisse anhand ökonomischer Kennzahlen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie multivariate Datenanalyse, Clusterbildung, Wirtschaftskultur, Validierung und europäische Integration charakterisieren.
Warum ist eine externe Validitätsprüfung für die Clusterlösungen notwendig?
Die Validierung ist notwendig, um empirisch zu belegen, dass die statistisch gebildeten Cluster inhaltlich sinnvoll sind und beispielsweise mit externen ökonomischen Indikatoren wie dem BIP oder dem Korruptionsindex korrelieren.
Welches ist laut Autor die optimale Clusterlösung für das Modell?
Nach Abwägung der statistischen Signifikanz und inhaltlicher Kriterien erweist sich die 5-Cluster-Lösung als die geeignetste für die Modellbildung.
- Quote paper
- Dipl.-Kffr. Romy Stefanie Becker (Author), 2010, Die Analyseverfahren Hauptkomponenten- und Clusteranalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167935