Im ersten Teil der Arbeit wird zunächst gezeigt, weshalb eine analytische Sichtweise, die das Zusammenwirken der Konstrukte Gender und Diversity in den Blick nimmt, gewinnbringender ist als eine getrennte Analyse. Nach dem „Ob“ der Verbindung von Gender und Diversity soll im zweiten Teil das „Wie“ im Mittelpunkt stehen: Es wird der Frage nachgegangen, welche Varianten der Verbindung beider Konstrukte möglich sind. Dabei orientiert sich der Beitrag an den Überlegungen von Gertraude Krell, die drei mögliche Varianten der Kombination mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen vorschlägt: Diversity unter dem Dach Gender , Gender unter dem Dach Diversity sowie Gender & Diversity. Zur Beantwortung der Frage, wie die Verbindung innerhalb dieser Kombinationen aussehen kann, sollen die Handlungsfelder Forschung und Lehre (Gender Studies und Diversity Studies) einerseits, Gleichstellungspraxis (Gender Mainstreaming und Diversity Management) andererseits durchgespielt werden. Befürchtungen und Hoffnungen, die in der derzeitigen Debatte geäußert werden, sollen dabei systematisiert und aus kritischer Perspektive dargestellt werden. Hieran anschließend wird im letzten Teil begründet, weshalb es keinen „one best way“ der Verbindung gibt und diese je nach Kontext entschieden werden muss. Die Arbeit schließt mit Implikationen für Praxis, Forschung und Lehre.
Inhaltsverzeichnis
1 Relevanz der Diskussion
2 Gender und Diversity – eine integrative Verhältnisbestimmung
3 Plädoyer für eine vielseitige Verbindung von Gender und Diversity
3.1 Diversity unter dem Dach Gender
3.2 Gender unter dem Dach Diversity
3.3 Gender & Diversity
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der Konstrukte Gender und Diversity und plädiert für eine pragmatisch-integrative Verbindung beider Forschungsrichtungen und Strategien, anstatt sie als konkurrierende oder isolierte Konzepte zu betrachten.
- Analytische Zusammenführung von Gender Studies und Diversity Studies
- Kritische Auseinandersetzung mit der Integration von Gender Mainstreaming und Diversity Management
- Anwendung des Konzepts der Intersektionalität zur Analyse sozialer Ungleichheit
- Diskussion von drei spezifischen Modellen der Verbindung: "Diversity unter dem Dach Gender", "Gender unter dem Dach Diversity" und "Gender & Diversity"
- Implikationen für die akademische Forschung, Lehre und die praktische Gleichstellungspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Diversity unter dem Dach von Gender
Eine Orientierung von Lehre und Forschung an der Variante Diversity unter dem Dach Gender bedeutet zunächst, dass nicht mehr von einer essenziellen Differenz von Frauen und Männern beziehungsweise von einer grundsätzlichen Gleichheit innerhalb der Geschlechtergruppen ausgegangen wird. Realitätsferne Pauschalaussagen über „die Männer“ und „die Frauen“ werden in dieser analytischen Sicht zugunsten einer differenzierten Analyse der Vielfalt innerhalb der Geschlechtergruppen sowie der Gemeinsamkeiten zwischen den Geschlechtergruppen aufgegeben.
Für die Variante Diversity unter dem Dach Gender sprechen theoretische Analysen, die auf Unterschiede innerhalb der Geschlechtergruppen fokussieren und damit die Vielfalt der Geschlechter markieren. Insbesondere konstruktivistische und dekonstruktivistische Ansätze stellen die vermeintliche Gewissheit über Frauen, Männer und Zweigeschlechtlichkeit in Frage. Aus einer konstruktivistischen Perspektive spricht zum Beispiel Connell von einer „Vielfalt an Männlichkeit“ beziehungsweise einem „Geschlechterverhältnis unter Männern“, etwa unter heterosexuellen oder homosexuellen (Connell 2000:97).
Aus einer dekonstruktivistischen Sicht kritisiert insbesondere Butler die Annahme, Frauen hätten einheitliche und kohärente Identitäten und Interessen, weil diese Annahme kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt hinsichtlich Privilegien und Identitäten –bedingt etwa durch race oder class – ausblendet (Butler 1991). Und schließlich wird der Geschlechterdualismus selbst problematisiert: So interpretieren und kritisieren VertreterInnen des dekonstruktivistischen Ansatzes die binären Geschlechterkategorien als Stützen der Geschlechterhierarchie interpretiert (ebda 1991).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Relevanz der Diskussion: Das Kapitel beschreibt den historischen Kontext der Gleichstellungspolitik und diskutiert die Spannungen, die durch das Aufkommen von Diversity Management neben dem etablierten Gender Mainstreaming entstanden sind.
2 Gender und Diversity – eine integrative Verhältnisbestimmung: Hier wird anhand des Konzepts der Intersektionalität und empirischer Studien aufgezeigt, dass eine integrative Betrachtung beider Konstrukte realitätsnäher und gewinnbringender ist.
3 Plädoyer für eine vielseitige Verbindung von Gender und Diversity: Dieser Abschnitt analysiert drei spezifische Kombinationsvarianten und deren Chancen sowie Risiken für Forschung, Lehre und Praxis.
3.1 Diversity unter dem Dach Gender: Fokus auf die interne Vielfalt innerhalb von Geschlechtergruppen unter Aufgabe essentialistischer Differenzannahmen.
3.2 Gender unter dem Dach Diversity: Betrachtung von Gender als eine von mehreren gleichberechtigten Diversitäts-Dimensionen zur Erzielung von Synergieeffekten.
3.3 Gender & Diversity: Vorstellung einer Doppelstrategie, welche die Kategorie Gender explizit neben Diversity stellt, um deren Tradition und Stellenwert zu wahren.
4 Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit unterstreicht, dass es keine allgemeingültige beste Verbindung gibt, sondern kontextabhängige, pragmatisch-integrative Ansätze für eine erfolgreiche Gleichstellungspolitik und Forschung erforderlich sind.
Schlüsselwörter
Gender Mainstreaming, Diversity Management, Intersektionalität, Geschlechterforschung, Diversitäts-Dimensionen, Gleichstellungspolitik, Diversity Studies, Gender Studies, Mehrfachdiskriminierung, soziale Konstruktion, Geschlechterhierarchie, Integration, pragmatisch-integrative Verbindung, akademische Lehre, Organisationskultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen den Konzepten Gender und Diversity und plädiert dafür, diese nicht länger als getrennte, sondern als miteinander verwobene Konstrukte zu begreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Zusammenführung von Gleichstellungspolitik und Diversity Management sowie der theoretischen Fundierung durch Intersektionalitätsansätze.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die konkurrierende Sichtweise auf Gender und Diversity zu überwinden und eine pragmatisch-integrative Verbindung für Praxis, Forschung und Lehre aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine konzeptionelle Analyse, die theoretische Ansätze (insb. Intersektionalität) mit einer kritischen Reflexion aktueller Gleichstellungsstrategien verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden drei spezifische Modelle zur Kombination von Gender und Diversity detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Gender Mainstreaming, Diversity Management, Intersektionalität, Geschlechterforschung und integrative Strategien.
Wie bewertet die Arbeit das Konzept der Intersektionalität?
Die Autorin nutzt Intersektionalität als theoretisches Werkzeug, um zu belegen, dass Geschlecht nicht das einzige diskriminierungsrelevante Merkmal ist und andere Faktoren oft eng mit diesem verwoben sind.
Warum warnt die Autorin vor einer zu starken Reduktion der Komplexität?
Eine zu starke Komplexitätsreduktion birgt die Gefahr, dass Gender als "Sektion" innerhalb von Diversity marginalisiert wird oder die spezifischen emanzipatorischen Ziele beider Konzepte verloren gehen.
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- Anne-Marie Geisthardt (Author), 2010, Konzeptionelle Überlegungen zum Verhältnis von Gender und Diversity, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167824