Unternehmensnetzwerke beeinflussten und beeinflussen die Managementlehre in den letzten 20 Jahren wesentlich und sind aus der heutigen Praxis der Unter-nehmen nicht mehr wegzudenken. Begriffe wie strategische Allianzen, Koopera-tionen, Partnerschaften, Bündnisse, Joint Ventures u.v.m. prägen die Unterneh-menswelt und sind allgemein bekannt. Die Netzwerkorganisation wird dabei als hybride Organisationsform zwischen Markt und Hierarchie betrachtet und soll die Vorteile beider Organisationsalternativen in sich vereinen (vgl. Sydow 2010). Bei der Wahl und Bildung eines Unternehmensnetzwerkes als geeignete Organi-sationsform müssen das Netzwerk an sich, aber auch die Form der Steuerung definiert und ausgestaltet werden. Unternehmensnetzwerke als Zusammenschluss von rechtlich und wirtschaftlich eigenständigen Unternehmen stellen eine besondere Form der Organisation dar. Der Steuerung und Stabilität von Unter-nehmensnetzwerken muss daher eine besondere Bedeutung beigemessen wer-den. Dabei müssen die Interessen aller am Netzwerk beteiligten Unternehmungen berücksichtigt und die Ziele des Netzwerks erreicht werden (vgl. Sydow / Möllering 2009).
Zu den Zielen eines Unternehmensnetzwerkes zählt auch der effiziente Betrieb der Kooperation. Im Rahmen des institutionenökonomischen Ansatzes werden die Auswirkungen von Institutionen auf das menschliche Handeln z.B. in Unter-nehmen, mit dem Ziel der Effizienzsteigerung untersucht. Ziel dieser Arbeit ist die Darstellung und Analyse der Faktoren des institutionenökonomischen Ansatzes, die wesentlichen Einfluss auf die Steuerung von Unternehmensnetzwerken haben. Dabei soll insbesondere der Einfluss von impliziten Mechanismen wie Reziprozität, Vertrauen, Loyalität und Reputation auf die Effizienz der Steuerung von Unternehmensnetzwerken anhand des institutionenökonomischen Ansatzes herausgearbeitet werden. Vor diesem Hintergrund werden im zweiten Kapitel Unternehmensnetzwerke, die Steuerungsmöglichkeiten eines Unternehmens-netzwerks und der institutionenökonomische Ansatz dargestellt. Im dritten Kapitel werden die Implikationen der einzelnen Theorien des institutionen-ökonomischen Ansatzes auf die Steuerung von Unternehmensnetzwerken herausgearbeitet und anschließend die einzelnen Faktoren bewertet. Im vierten Kapitel erfolgt eine Zusammenfassung und ein kurzer Ausblick, welche Aspekte noch zu untersuchen wären.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Unternehmensnetzwerke
2.2 Steuerung von Unternehmensnetzwerken
2.3 Der Institutionenökonomische Ansatz
3 Analyse der neuen Institutionenökonomie zur Steuerung von Unternehmensnetzwerken
3.1 Implikationen aus der Transaktionskosten-Theorie
3.2 Implikationen aus der Property-Rights-Theorie
3.3 Implikationen aus der Principal-Agent-Theorie
3.4 Bewertung der einzelnen Faktoren
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser Seminararbeit ist die Darstellung und Analyse zentraler Faktoren der neuen Institutionenökonomie (NIÖ), die einen wesentlichen Einfluss auf die effiziente Steuerung von Unternehmensnetzwerken ausüben, unter besonderer Berücksichtigung impliziter Mechanismen wie Vertrauen und Reputation.
- Grundlagen der Netzwerkorganisation und Steuerungsmöglichkeiten
- Anwendung der Transaktionskosten-Theorie auf Netzwerkstrukturen
- Property-Rights-Theorie zur Effizienzoptimierung
- Principal-Agent-Theorie im Kontext von Informationsasymmetrie
- Rolle impliziter Verhaltensmechanismen zur Kostensenkung
Auszug aus dem Buch
3.3 Implikationen aus der Principal-Agent-Theorie
Bei einem Unternehmensnetzwerk handelt es sich um ein Gefüge aus mehreren Akteuren, die jeder für sich, unterschiedliche Interessen vertreten, sich aber mit einem gemeinsamen Ziel zusammengeschlossen haben. Aufgrund der verschiedenen Kernkompetenzen der Beteiligten, die u.a. ein Grund für die Schaffung des Unternehmensnetzwerkes waren, kommt es zwischen den Akteuren zu einer Informationsasymmetrie. Das Gefüge des Unternehmensnetzwerkes kann somit grundsätzlich anhand der Prinzipal-Agent-Theorie analysiert werden, wobei es häufig zu einer wechselseitigen Prinzipal Agent Beziehung kommt (vgl. Güllner 2000).
Eine Möglichkeit der Vermeidung der in Abschnitt 2.3 dargestellten Problemfelder (adverse selection, moral hazard und hold up) ergibt sich auch in Unternehmensnetzwerken durch Planungs-, Informations- und Kontrollsysteme (vgl. Hess 1999 (2)). So ist es vor Beginn einer Kooperation wichtig, die potentiellen Netzwerkpartner zu kennen und ggf. weitere Informationen einzuholen, um die falsche Auswahl zu vermeiden. Diesem Punkt kann insbesondere bei langfristig angelegten Unternehmensnetzwerken eine besondere Bedeutung im Rahmen der Selektion beigemessen werden. Zwar entstehen durch die Deckung des bestehenden Informationsbedarfs zusätzliche Kosten, die unwiderruflich verloren sind, auf der anderen Seite kann eine falsche Selektion zum Netzwerkversagen oder zu einer neuen Selektion führen, die im späteren Zeitraum mit deutlich höheren Kosten verbunden ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Relevanz von Unternehmensnetzwerken als hybride Organisationsform und definiert das Ziel der Arbeit, institutionenökonomische Faktoren zur Effizienzsteigerung der Steuerung zu analysieren.
2 Grundlagen: Das Kapitel bietet eine Einführung in die Definition und Klassifizierung von Unternehmensnetzwerken sowie in die zentralen Managementfunktionen Selektion, Allokation, Regulation und Evaluation.
3 Analyse der neuen Institutionenökonomie zur Steuerung von Unternehmensnetzwerken: Dieser Hauptteil untersucht detailliert, wie die Transaktionskosten-, Property-Rights- und Principal-Agent-Theorie zur Lösung von Koordinations- und Motivationsproblemen in Netzwerken beitragen können.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert, dass ein effizientes Netzwerkmanagement auf einer Kombination aus Kontrollsystemen und einer gelebten Netzwerkkultur basieren muss, und regt weiterführende Forschung zu Führungsmodellen in Netzwerken an.
Schlüsselwörter
Unternehmensnetzwerke, Neue Institutionenökonomie, Steuerung, Transaktionskosten-Theorie, Property-Rights-Theorie, Principal-Agent-Theorie, Netzwerkkultur, Kooperation, Effizienz, Informationsasymmetrie, Vertrauen, Reputation, Reziprozität, Managementfunktionen, Netzwerkversagen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die Theorien der neuen Institutionenökonomie dazu beitragen können, die Steuerung von Unternehmensnetzwerken effizienter zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Organisation von Kooperationen, die Reduktion von Transaktionskosten, der Schutz von Verfügungsrechten und die Bewältigung von Informationsasymmetrien zwischen Netzwerkakteuren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Identifikation von Faktoren, die eine effiziente Steuerung ermöglichen, um so Netzwerkversagen zu vermeiden und Wettbewerbsvorteile zu generieren.
Welche wissenschaftlichen Theorien finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Transaktionskosten-Theorie, die Property-Rights-Theorie sowie die Principal-Agent-Theorie.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden die Managementfunktionen Selektion, Allokation, Regulation und Evaluation unter der Perspektive der drei genannten ökonomischen Theorien analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wesentliche Begriffe sind Unternehmensnetzwerke, Institutionenökonomie, Steuerung, Effizienzsteigerung sowie soziale Mechanismen wie Vertrauen und Reputation.
Warum ist Vertrauen für Unternehmensnetzwerke laut der Arbeit so wichtig?
Vertrauen fungiert als impliziter Steuerungsmechanismus, der den Einsatz kostenintensiver formaler Kontrollsysteme reduzieren kann und somit die variablen Transaktionskosten senkt.
Wie beeinflusst die Selektion von Partnern den Netzwerkerfolg?
Eine sorgfältige Selektion legt den Grundstein für alle weiteren Steuerungsfunktionen; eine falsche Wahl kann im späteren Verlauf zu erheblichen Mehrkosten oder zum Scheitern der Kooperation führen.
- Quote paper
- Mario Haim (Author), 2010, Institutionenökonomische Auswirkungen auf die Steuerung von Unternehmensnetzwerken, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167807