Der Gesundheitsfonds - von der großen Koalition ins Leben gerufen, von vielen Krankenkassen und Experten hart kritisiert. Was ist dran am Fonds? Ist dieser wirklich so ein Fehlgriff, wie in den Medien oft berichtet wird, oder gibt es auch positive Merkmale? In der vorliegenden Arbeit soll erläutert werden, aus welchen Ideen und Grundgedanken heraus der Gesundheitsfonds, welcher seit Januar 2009 Gültigkeit hat, entstanden ist.
Zuerst sollen notwendige Grundlagen erklärt werden: Die Problemlage der Finanzierung des Gesundheitswesens, sowie der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen. Anschließend sollen die beiden Konzepte Bürgerversicherung und Kopfpauschale erläutert werden, um im Anschluss daran zum Gesundheitsfonds selbst überzugehen: Was waren die Grundgedanken der Politik, was wollte sie bewirken? Was ist tatsächlich aus diesen Gedanken geworden? Gibt es überhaupt Grund zur Kritik am Gesundheitsfonds oder kommen die negativen Äußerungen lediglich von verschiedenen Lobbyisten-Gruppen, die ihre Interessen gefährdet sehen? Abschließend wird zusammenfassend diskutiert, welche Aspekte bei der Umsetzung des Fonds gut beziehungsweise negativ verlaufen. Die vorliegende Arbeit hat sich zur Aufgabe gemacht, die Zusammenhänge klar und einfach verständlich darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung
2.2 Kassenwettbewerb und Risikostrukturausgleich
2.3 Zwei Modelle der alternativen Finanzierung
2.3.1 Kopfpauschale
2.3.2 Bürgerversicherung
3 Der Gesundheitsfonds: Erwartungen, Vorwürfe und Realität
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Entstehungsgeschichte, die Funktionsweise sowie die kontroversen Debatten rund um den seit Januar 2009 geltenden Gesundheitsfonds transparent und verständlich darzustellen, um zu bewerten, ob die Kritik an diesem System gerechtfertigt ist oder auf einseitigen Interessen beruht.
- Grundlagen der Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung
- Analyse der Modelle Kopfpauschale und Bürgerversicherung
- Funktionsweise und Ziele des Gesundheitsfonds
- Kritische Auseinandersetzung mit den Vorwürfen gegen den Gesundheitsfonds
- Diskussion über Wettbewerbsbedingungen und Risikostrukturausgleich
Auszug aus dem Buch
2.2 Kassenwettbewerb und Risikostrukturausgleich
Bis Mitte der 90er Jahre war es üblich, dass jede Krankenkasse ihren mehr oder weniger „festen“ Mitgliederkreis hatte. Arbeitnehmer wurden anhand eines seit 125 Jahren geschichtlich gewachsenen (und somit zum Teil festgefahrenen) Systems der jeweiligen Kasse zugewiesen. Die Möglichkeit zum Kassenwechsel, wie sie heute bekannt ist, war nicht vorgesehen. Die Beiträge wurden von den Versicherten (und deren Arbeitgebern) an die jeweiligen Kassen entrichtet. Dies jedoch barg einige Probleme in sich: Kassen, welche relativ viele alte, kranke Menschen versicherten, hatten den Nachteil, dass deren Ausgaben im Vergleich zu Denen, der Kassen mit jungen, gesünderen Mitgliedern, höher ausfielen. Dies führte dazu, dass Kassen mit risikoreicherer Mitgliederstruktur einen erheblichen finanziellen Nachteil hatten und deshalb die Beitragssätze anheben mussten. Die Menschen fühlten sich sozial ungerecht behandelt, da jeder, abhängig von „zugeteilter“ Krankenkasse entsprechend hohe oder niedrige Beiträge zu zahlen hatte.
Zudem hatten die Krankenkassen keinen großen Anreiz, besonders effizient oder ökonomisch zu handeln, geschweige denn, sich z.B. durch Qualität der Leistungen um den „Kunden“ zu bemühen. Ihre Existenz war durch die „automatische“ Zuteilung ohnehin gesichert. Es gab keinen Konkurrenzdruck und keinen Wettbewerb mit den anderen Kassen. Um einen Wettbewerb zu ermöglichen, wurde im sog. Gesundheitsstrukturgesetz (GSG) von 1993 die freie Kassenwahl eingeführt. Man erhoffte sich damit, die Kassen zu mehr ökonomischen Handeln zu bewegen (vgl. Rosenbrock & Gerlinger 2009, 264).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar und skizziert die Fragestellung, ob der Gesundheitsfonds ein Fehlgriff ist oder sinnvolle Ansätze verfolgt.
2 Grundlagen: Das Kapitel erläutert die ökonomischen Herausforderungen der GKV-Finanzierung sowie die historische Entwicklung des Kassenwettbewerbs und stellt die Konzepte der Kopfpauschale und Bürgerversicherung gegenüber.
3 Der Gesundheitsfonds: Erwartungen, Vorwürfe und Realität: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Ausgestaltung des Gesundheitsfonds, setzt sich mit der Kritik der Medien und Opposition auseinander und hinterfragt die Mechanismen der Risikostrukturierung.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass der Gesundheitsfonds zwar Schwächen aufweist, aber auch notwendige Korrekturen im Wettbewerbsgefüge mit sich brachte, die oft falsch oder einseitig interpretiert werden.
Schlüsselwörter
Gesundheitsfonds, Gesetzliche Krankenversicherung, GKV, Risikostrukturausgleich, Morbi-RSA, Kopfpauschale, Bürgerversicherung, Kassenwettbewerb, Gesundheitsreform, Beitragssatz, Finanzierung, Krankenkassen, Solidarität, Kostenexplosion, Gesundheitspolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Einführung des Gesundheitsfonds im Jahr 2009 und bewertet dessen theoretische Grundlagen sowie die in der Öffentlichkeit und Politik geäußerte Kritik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Finanzierungsstruktur der gesetzlichen Krankenversicherung, den Wettbewerb zwischen den Kassen und die verschiedenen Finanzierungsmodelle wie die Kopfpauschale und die Bürgerversicherung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Zusammenhänge des Gesundheitsfonds klar und einfach darzustellen, um zu beurteilen, ob die gegen den Fonds erhobenen Vorwürfe sachlich fundiert sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender Reformmodelle sowie gesundheitspolitischer Fachdiskussionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Grundlagen der GKV-Finanzierung, die Konzepte der Kopfpauschale und Bürgerversicherung sowie die spezifischen Mechanismen und Probleme des Gesundheitsfonds (inklusive des Morbi-RSA) untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gesundheitsfonds, Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA), Krankenkassenwettbewerb, GKV-Finanzierung und Kopfpauschale.
Was unterscheidet den Morbi-RSA von einem reinen Ausgabenausgleich?
Der Morbi-RSA soll laut Autor als Benchmarksystem fungieren, das Versicherungsrisiken vergleichbar macht, während eine rein ausgabendeckende Sichtweise negative Anreize für ineffizientes Wirtschaften setzen würde.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien bei der Kritik am Gesundheitsfonds?
Die Arbeit kritisiert, dass Medien und Opposition häufig Stimmung gegen den Fonds machen, indem sie komplexe Mechanismen wie den Morbi-RSA missverstehen oder Halbwahrheiten verbreiten, um das emotionale Thema Gesundheit für politische Zwecke zu nutzen.
- Arbeit zitieren
- Christian Heinig (Autor:in), 2009, Gesundheitsfonds - Ist die Kritik berechtigt?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167756