Die aktuelle Finanzkrise hat längst ihre auf Banken, deren Kunden und Aktionäre begrenzten Auswirkungen auf die Realwirtschaft ausgeweitet. Besonders hart getroffen hat es dabei die
Automobilhersteller, die aufgrund bereits bestehender Probleme, nun in eine noch stärkere Schieflage geraten sind. So hat sich aus der Struktur- und der Finanzkrise eine Absatzkrise für die Autobauer entwickelt, wobei laut Berechnungen zufolge, der Weltautomarkt im
Gesamtjahr 2008 um vier bis fünf Prozent schrumpfen wird. Dies bedeutet für die Automobilproduzenten weniger Verkäufe von Autos, mit den Folgen, dass die Produktion zurückgeschraubt, Leiharbeiter abgebaut und Angestellte in Urlaub oder Kurzarbeit geschickt
werden. Doch trifft diese Krise hier nicht nur die Hersteller selbst, sie tangiert zudem deren Zulieferbetriebe, da die Beziehungen zwischen Hersteller und Lieferant in den letzten Jahren
immer enger geknüpft worden sind. Die Zulieferer erhielten ein Mehr an Verantwortung und erfuhren eine stetig wachsende Einbindung in Produktions- und Entwicklungsabläufe. So liefern sie nicht mehr nur einzelne Teile in ein Lager für die Automobilindustrie ab, sondern
fabrizieren bereits einbaufertige Produkte, mit denen es den Hersteller zur rechten Zeit zu versorgen gilt.
Das weltweit erfolgreiche und über viele Branchen hinweg auftretende Konzept, das hinter dieser engen Verzahnung von Herstellern und Zulieferern steht, ist das des Just-in-Time.
Mit diesem Konzept befasst sich die vorliegende Hausarbeit, welche sich im Besonderen mit den Herstellern und ihrer Rolle als Kunden von Vorprodukten auseinandersetzt. Im Speziellen wird dabei stets das Beispiel der Automobilindustrie aufgegriffen. Ziel ist es, das Just-in-Time-Konzept zu durchleuchten, die Entwicklung nachzuzeichnen, Einflüsse zu erläutern sowie die Bedeutung herauszustellen, um letztendlich ein in sich stimmiges Bild dieses Konzeptes zu skizzieren.
Dabei wird, nachdem in Kapitel 2 das Wesen von Just-in-Time dargelegt wurde, in Kapitel 3 der geschichtliche Fortschritt von der ersten Idee des Konzeptes bis hin zur Einführung in Deutschland beschrieben. In Kapitel 4 folgen die Einflussfaktoren, die für den allgemeinen Bedeutungszuwachs des Lieferservices verantwortlich sind und darauf aufbauend werden in Kapitel 5 die Vor- und Nachteile der Just-in-Time-Lieferung verdeutlicht. Im letzten Abschnitt erfolgt eine Schlussbetrachtung, die neben einem Fazit eine Prognose hinsichtlich der Entwicklung von Just-in-Time enthält.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Das Wesen des Just-in-Time-Konzeptes
3. Die geschichtliche Entwicklung des Just-in-Time-Konzeptes
3.1 Der Toyota – Weg
3.2 Klassische Massenproduktion versus schlanke JiT-Produktion
3.3. Einführung des Just-in-Time-Konzeptes in Deutschland
4. Die Einflussfaktoren für den allgemeinen Bedeutungszuwachs des Lieferservices
5. Vorteile und Nachteile von Just-in-Time aus Sicht des Abnehmers
5.1 Die Vorteile
5.2 Die Nachteile
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Hausarbeit untersucht das Just-in-Time (JiT)-Konzept, zeichnet dessen historische Entwicklung nach und analysiert die Einflussfaktoren auf den gestiegenen Stellenwert von Lieferservices. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Perspektive der Automobilindustrie sowie den Vor- und Nachteilen für den Abnehmer.
- Historische Herleitung des JiT-Konzepts (Toyota-Weg)
- Vergleich von klassischer Massenproduktion und schlanker JiT-Produktion
- Einfluss der Globalisierung und steigenden Wettbewerbs auf Beschaffungsstrategien
- Analyse der Lagerhaltungskosten und Kapitalbindung
- Herausforderungen bei der Implementierung und Abhängigkeiten von Zulieferern
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Toyota – Weg
Die Einführung der Fließbandproduktion durch Henry Ford ebnete den Weg für die Massenproduktion des Automobils und wurde weltweit übernommen. Allein Toyota aus Japan ging aufgrund Kapitalmangels und eines kleinen Absatzmarktes einen anderen Weg. Kiichiro Toyoda war für den Aufbau der Automobilsparte in Japan verantwortlich und nach intensiver Betrachtung des Produktionssystems von Ford führte auch er in Japan das Fließband ein. Allerdings war er aufgrund der oben genannten Gründe gezwungen seine Fabriken sehr flexibel und mit einem Minimum an Lager auszulegen. So kam Kiichiro 1937 erstmals auf den Gedanken der JiT-Produktion. Er wies seine Schichtleiter an, jeden Morgen Zettel an die Arbeiter zu verteilen, auf denen vermerkt war, wie viele Teile an diesem Tag zu bauen waren. Trotz allen konnte nicht gänzlich auf eine Lagerhaltung verzichtet werden.
Einen nächsten Schritt dahingehend unternahm Taiichi Ohno, damaliger Produktionsmanager Toyotas, indem er versuchte das System der amerikanischen Supermärkte auf die Automobilindustrie zu übertragen. Hierbei konnte ein Kunde in einem Supermarkt zu dem von ihm gewünschten Zeitpunkt das kaufen, was er gerade brauchte und in der Menge, in der er es brauchte. Für die Automobilindustrie bedeutete dies, dass eine Arbeitsstation ihre benötigten Teile in der von ihr benötigten Menge aus dem vorgelagerten Arbeitsgang zu dem von ihr bestimmten Zeitpunkt entnimmt. Die abgebende Stelle produzierte folglich exakt die Menge, die nachgefragt wurde. Im Jahr 1960 war die JiT-Produktion bei den Toyota Fabriken endgültig umgesetzt und wurde nun auf alle Zulieferer des Unternehmens ausgeweitet, um die Produktivität Toyotas weiter zu erhöhen. So wurde das Toyota Produktionssystem eine feste Größe in der Wertschöpfungskette des Unternehmens und das Konzept von Just-in-Time war entstanden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Die Einleitung beleuchtet die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Automobilindustrie und führt das Just-in-Time-Konzept als Strategie zur Effizienzsteigerung ein.
2. Das Wesen des Just-in-Time-Konzeptes: Dieses Kapitel definiert Just-in-Time als flussorientierte Produktions- und Logistikstrategie, die auf die Vermeidung von Lagerbeständen abzielt.
3. Die geschichtliche Entwicklung des Just-in-Time-Konzeptes: Hier wird der Ursprung des Konzepts bei Toyota beschrieben, der Vergleich zur Massenproduktion gezogen und die Adaption in Deutschland erläutert.
4. Die Einflussfaktoren für den allgemeinen Bedeutungszuwachs des Lieferservices: Es werden externe Treiber wie Globalisierung, sinkende Fertigungstiefe und steigende Kundenanforderungen als Katalysatoren für JiT identifiziert.
5. Vorteile und Nachteile von Just-in-Time aus Sicht des Abnehmers: Das Kapitel wägt Kosteneinsparungen und Qualitätsvorteile gegen Implementierungsaufwand und die Abhängigkeit von Zulieferern ab.
6. Schlussbetrachtung: Die Arbeit resümiert, dass das JiT-Konzept trotz komplexer Herausforderungen aufgrund seiner Vorteile künftig eine dominierende Rolle in der Wirtschaft spielen wird.
Schlüsselwörter
Just-in-Time, JiT, Logistik, Automobilindustrie, Toyota Produktionssystem, Lagerhaltung, Kapitalbindung, Fertigungstiefe, Global Sourcing, Kundenorientierung, Prozessoptimierung, Qualitätskontrolle, Wertschöpfungskette, Lean Production.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Strategie des Just-in-Time (JiT) und analysiert deren theoretische Grundlagen sowie praktische Relevanz in der Automobilindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Entstehung, der Vergleich zwischen Massen- und Schlanker Produktion, die Rolle der Zulieferer und die ökonomischen Vor- und Nachteile der Lieferstrategie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das JiT-Konzept umfassend zu durchleuchten, die treibenden Faktoren hinter seiner Bedeutung zu erläutern und eine fundierte Einschätzung aus Abnehmersicht zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte und Studien, ergänzt durch Fallbeispiele und Datenanalysen zur Automobilbranche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Analyse externer Einflussfaktoren (wie Globalisierung) sowie eine detaillierte Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Just-in-Time, Fertigungstiefe, Lagerhaltungskosten und Lean Production definiert.
Welchen Einfluss hat die aktuelle Finanzkrise auf das behandelte Thema?
Die Krise dient als Aufhänger, da sie verdeutlicht, wie Überkapazitäten und Lagerbestände bei Nachfrageeinbrüchen zu finanziellen Belastungen führen, was die Relevanz von Just-in-Time unterstreicht.
Inwiefern beeinflusst das JiT-Konzept die Beziehung zum Zulieferer?
JiT führt zu einer engeren Kooperation und Abhängigkeit, da der Zulieferer Qualitätsverantwortung übernimmt und Prozesse exakt mit dem Abnehmer abgestimmt werden müssen.
- Quote paper
- Anne Wittig (Author), 2009, Das Just-in-Time-Prinzip, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167718