Kreditklemme, Liquiditätsengpass und Insolvenzgefahr sind einige Schlagworte, die die Wirtschaftsnachrichten angeheizt durch die Finanzkrise füllen. Die restriktivere Kreditpolitik der Banken – spätestens seit den Kreditvergaberichtlinien nach Basel II – verschärft zusätzlich die Kapitalbeschaffung für Unternehmen durch Bankkredite. So liegt es nahe, dass viele kleine und mittelständische Unternehmen den Forderungen der Banken mangels Kreditsicherheiten nicht gerecht werden können.
Die Sale-and-lease-back-Transaktionen stellen eine alternative Finanzierungsform dar, die die Liquidität der Unternehmen erhöht und ihre Handlungsspielräume vergrößert. Auch bei expandierenden Unternehmen gehören Sale-and-lease-Geschäfte zur gängigen Praxis, denn Wachstum geht stets mit einem verstärkten Bedarf an liquiden Mitteln einher. Diese Finanzierungsart findet ferner bei solide aufgestellten Unternehmen aus steuerlichen oder bilanzpolitischen Motiven Einsatz.
Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, das Sale-and-lease-back als Sonderform des Leasings mit Fokus auf die bilanzielle Abbildung nach HGB vorzustellen.
Nach einer kurzen Einführung in das Thema werden die Motive angesprochen, die einen Leasingnehmer dazu bewegt, sich für Sale-and-lease-back-Gestaltung zu entscheiden. Im Hauptteil wird vertieft auf die Bilanzierung im Jahresabschluss nach HGB eingegangen. In einem Fallbeispiel wird der Verfasser die Auswirkung einer Sale-and-lease-back-Transaktion auf die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung exemplarisch mit den dazugehörigen Buchungen aufzeigen. Im letzten Kapitel werden die Besonderheiten zwischen den Rechnungslegungsvorschriften nach HGB und IFRS hervorgehoben.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung und Aufbau
B. Grundlagen
1. Was ist Sale-and-lease-back?
2. Welche Motive hat ein Leasingnehmer?
C. Bilanzierung im Jahresabschluss nach HGB
1. Wer hat zu das Leasinggut zu bilanzieren?
a) Operating Leasing
b) Finanzierungsleasing
2. Fallbeispiel
a) Buchungen beim Leasingnehmer
b) Buchungen beim Leasinggeber
c) Auswirkung auf die Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung
D. Unterschiede zwischen HGB und IFRS
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das Sale-and-lease-back-Verfahren als alternative Finanzierungsform für Unternehmen. Das primäre Ziel ist die Darstellung der bilanziellen Abbildung dieser Sonderform des Leasings nach den geltenden HGB-Vorschriften, ergänzt durch eine Gegenüberstellung zu den IFRS-Regelungen.
- Grundlagen und Definition des Sale-and-lease-back-Modells
- Wirtschaftliche und bilanzielle Motive für Leasingnehmer
- Bilanzielle Zurechnung bei Operating- und Finanzierungsleasing
- Praktische Umsetzung anhand eines Fallbeispiels
- Vergleichende Analyse der Rechnungslegung nach HGB und IFRS
Auszug aus dem Buch
1. Was ist Sale-and-lease-back?
Unter Leasing versteht man die „vertraglich festgelegte, entgeltliche Nutzungsüberlassung eines Wirtschaftsgutes durch einen Leasinggeber an einen Leasingnehmer“. Bereits ca. 350 v. Chr. hat Aristoteles festgestellt: „Der Reichtum besteht vielmehr im Gebrauch als im Eigentum“.
Sale-and-lease-back stellt eine Sonderform des Leasings dar und ist eine in der Unternehmenspraxis häufig zu beobachtende Vertragsgestaltung zur Freisetzung von gebundenem Kapital. Anders als bei einem konventionellen Leasing befindet sich das zukünftige Leasinggut bereits im Eigentum des zukünftigen Leasingnehmers. Dieser veräußert nun das Leasinggut an eine Leasinggesellschaft, um es danach gleich wieder zurück zu mieten.
Der Sale-and-lease-back-Vertrag besteht also aus zwei separaten Verträgen. Der erste Vertrag ist ein klassischer Kaufvertrag nach § 433 BGB, bei dem das rechtliche Eigentum an einem Vermögenwert an den Käufer und zukünftigen Leasinggeber übergeht. Der zweite Vertrag ist ein Leasingvertrag, der die weitere wirtschaftliche Nutzung desselben Vermögenswerts regelt. Der ursprüngliche Eigentümer wird dadurch zum Leasingnehmer.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung und Aufbau: Diese Einführung beleuchtet die aktuelle Relevanz von Sale-and-lease-back vor dem Hintergrund der Kreditklemme und definiert das Ziel der Arbeit.
B. Grundlagen: Hier erfolgt eine Begriffsbestimmung sowie die Darstellung der Motive und Risiken, die Unternehmen bei der Entscheidung für eine Sale-and-lease-back-Gestaltung abwägen müssen.
C. Bilanzierung im Jahresabschluss nach HGB: Dieser Hauptteil analysiert die bilanzielle Zurechnung des Leasingguts und veranschaulicht mittels eines konkreten Fallbeispiels die buchhalterische Behandlung bei Leasinggeber und Leasingnehmer.
D. Unterschiede zwischen HGB und IFRS: Das Abschlusskapitel stellt die divergenten Ansätze der Rechnungslegungsstandards dar, insbesondere im Hinblick auf die Zurechnung und die Gewinnrealisierung.
Schlüsselwörter
Sale-and-lease-back, Leasing, Jahresabschluss, HGB, IFRS, Bilanzierung, Finanzierung, Liquidität, Wirtschaftliches Eigentum, Investitionsrisiko, Leasingnehmer, Leasinggeber, Gewinnrealisierung, Anlagevermögen, Grundmietzeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Verfahren des Sale-and-lease-back, bei dem ein Unternehmen ein Wirtschaftsgut an eine Leasinggesellschaft verkauft und es gleichzeitig zurückmietet.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf die bilanzielle Behandlung nach HGB, die ökonomischen Motive der Unternehmen sowie den Vergleich zwischen den Rechnungslegungsstandards HGB und IFRS.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Auswirkungen einer Sale-and-lease-back-Transaktion auf die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlustrechnung eines Unternehmens zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Verfasser nutzt eine deskriptive Analyse sowie ein strukturiertes Fallbeispiel, um die bilanztechnischen Auswirkungen und Buchungsvorgänge zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Frage der bilanziellen Zurechnung bei Operating- und Finanzierungsleasing sowie der praktischen Anwendung durch Buchungssätze für beide Vertragspartner.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Leasing, Bilanzierung, Liquiditätsgenerierung, HGB, IFRS und wirtschaftliches Eigentum.
Warum wählen Unternehmen das Sale-and-lease-back-Modell?
Unternehmen nutzen dieses Modell primär zur Freisetzung von gebundenem Kapital, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken oder die Bilanzstruktur zu optimieren.
Welchen Einfluss hat das HGB auf die Bilanzierung von Leasinggeschäften?
Nach HGB ist die steuerliche Rechtssprechung für die bilanzielle Zurechnung maßgebend, wobei insbesondere die wirtschaftliche Betrachtungsweise im Vordergrund steht.
Wie unterscheiden sich HGB und IFRS in diesem Kontext?
Der wesentliche Unterschied liegt in der Behandlung von Buchgewinnen und der expliziten Regelung durch IAS 17 bei den IFRS im Vergleich zu den lückenhafteren Vorschriften des HGB.
Was passiert bei einem Zahlungsverzug des Leasingnehmers?
Im Falle eines Zahlungsverzugs kann der Leasinggeber den Leasingvertrag fristlos kündigen und unter Umständen Schadensersatzansprüche geltend machen.
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- Ramazan Topal (Author), 2010, Die Abbildung des Sale-and-lease-back im Jahresabschluss, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167577