Die Entwicklung in der Konsumgüterwirtschaft mit rückläufigen Wachstumsraten
zwingt die Marktteilnehmer sich zu verändern. Negative Konjunkturaussichten, stagnierende
Konsumausgaben und die anhaltende Internationalisierung sind nur einige
Gründe, die strategische Anpassungen und Veränderungen auf Seiten des Handels
und der Hersteller zur Notwendigkeit werden lassen. Um eine Erhöhung der Marktanteile
zu generieren sind Marktteilnehmer gezwungen ihre Kernkompetenzen neu zu
ordnen und über strategische Kooperationen nachzudenken.
Efficient Consumer Response (ECR) ist ein Kooperationskonzept mit einer kundenorientierten
Ausrichtung der gesamten Wertschöpfungskette. ECR stellt eine Kombination
aus logistik- (Supply Side) und marketingorientierten (Demand Side) Ansätzen
dar und setzt sich aus den vier Basisstrategien Efficient Assortment, Efficient Promotion,
Efficient Produkt Introduction und Efficient Replenishment zusammen. Durch
die Implementierung von ECR sollen die Kundenorientierung verbessert, Out-of-
Stock-Situationen vermieden, Bestände entlang der Wertschöpfungskette abgebaut,
der Bullwhip-Effekt beseitigt und Umsatzgewinn gesteigert werden.
Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) kombiniert die im
ECR-Konzept genannten Strategien zu einem Gesamtkonzept, indem die Supply
Side und Demand Side miteinander verknüpft werden. Ziel ist es die Prognose-, Planungs-,
und Bevorratungsprozesse gemeinsam zu steuern. CPFR setzt dabei auf
eine intensive Kooperation und einen transparenten Informationsaustausch zwischen
den Kooperationspartner. Die Kundenzufriedenheit soll durch die Verknüpfung aller
operativen, strategischen und taktischen Teilprozesse erhöht werden.
Das CPFR-Konzept wurde von der Voluntary Interindustry Commerce Standards
Association (VICS) entwickelt. Das neunstufige CPFR-Prozessmodell beschreibt den
strukturiert die relevanten Planungsschritte, die für eine Implementierung zu beachten
sind. Die Implementierung ist in drei Phasen Planning, Forecasting and Replenishment
untergliedert.
Das neunstufige Modell der VICS wurde von der Centrale für Coorganisation mbH
um zwei Schritte erweitert, um den fortlaufenden Prozess besser zu kennzeichnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Das Efficient Consumer Response Konzept
2.1 Die Entstehungsgeschichte von ECR
2.2 Ansätze für die Gestaltung
2.2.1 Konsumentenorientierung
2.2.2 Wertschöpfungsorientierung
2.2.3 Kooperationsorientierung
2.3 Basisstrategien des ECR
2.3.1 Demand-Side / Marketing
2.3.1.1 Efficient Store Assortment
2.3.1.2 Efficient Promotion
2.3.1.3 Efficient Product Introduction
2.3.2 Supply Side / Logistik
2.3.2.1 Supply Chain Management
2.4 Enabling Technologies
2.4.1 Electronic Data Interchange
2.4.2 Identifikationssysteme
2.4.3 Scanning Technologie
2.4.4 Radiofrequenz-Identifikation (RFID)
3 Efficient Replenishment
3.1 Beschaffungs- und Vertriebsstrategien
3.1.1 Computer Assisted Ordering
3.1.2 Integrated Supplier
3.1.3 Nachfragesynchrone Produktion
3.2 Bestands- und Lagerhaltungsstrategien
3.2.1 Vendor-Managed-Inventory
3.2.2 Co-Managed-Inventory
3.2.3 Buyer-Managed-Inventory
3.3 Distributions- und Transportstrategien
3.3.1 Cross Docking
3.3.2 Direct Store Delivery
3.3.3 Transport Pooling
3.3.4 Efficient Unit Loads
3.3.5 Integrated Forwarders
3.3.6 Roll Cage Sequencing
3.4 Einordnung und kritische Anmerkung zu den ERP-Strategien
4 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment
4.1 Definition von CPFR
4.2 Die Entstehung und Hintergründe von CPFR
4.3 Kooperation - Das Kernstück des CPFR-Konzepts
4.4 Das CPFR-Prozessmodell
4.4.1 Die Planungsphase (Planning)
4.4.1.1 Schritt 1: Entwicklung einer grundsätzlichen Rahmenvereinbarung
4.4.1.2 Schritt 2: Entwicklung eines gemeinsamen Geschäftsplans
4.4.2 Die Prognosephase (Forecasting)
4.4.2.1 Schritt 3: Entwicklung einer Abverkaufsprognose
4.4.2.2 Schritt 4: Erkennen von kritischen Abweichungen
4.4.2.3 Schritt 5: Bearbeitung der Abweichungen und Aktualisierung der Abverkaufsprognose
4.4.2.4 Schritt 6: Entwicklung einer Bestellprognose
4.4.2.5 Schritt 7: Erkennen von kritischen Abweichungen in der Bestellprognose
4.4.2.6 Schritt 8: Aktualisierung der gemeinsamen Bestellprognose
4.4.3 Die Belieferungsphase (Replenishment)
4.4.3.1 Schritt 9: Auftragsgenerierung / Auslösung einer Bestellung
4.5 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment in Europa
5 Ziele und Faktoren für die Realisierung von CPFR
5.1 Effizienzvorteile von CPFR
5.1.1 Erhöhte Genauigkeit von Verkaufsprognosen
5.1.2 Bestandsreduzierung
5.1.3 Umsatzsteigerung
5.1.4 Kostensenkung
5.1.5 Weitere Potenziale von CPFR
5.2 Das Umfeld für eine erfolgreiche Implementierung von CPFR
5.2.1 Vertrauen
5.2.2 Technologie
5.3 Erfolgsfaktoren für CPFR
5.4 Hindernisse für CPFR
5.4.1 Hindernisse auf der Handelsseite
5.4.2 Hindernisse auf der Herstellerseite
6 Umsetzung von ECR / CPFR
6.1 CPFR Implementierungsleitfaden
6.1.1 Das CPFR-Basismodell
6.1.2 Das CPFR-Partialmodell
6.1.3 Das CPFR-Komplettmodell
6.2 CPFR-Praxisbeispiel
6.3 Aktueller Stand von ECR / CPFR
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Efficient Consumer Response (ECR) Konzept als Grundlage für die Weiterentwicklung zu Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR). Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe beider Konzepte zu erläutern, deren Effizienzvorteile und Hindernisse aufzuzeigen sowie den aktuellen Umsetzungsstatus in der Konsumgüterbranche anhand von Praxisbeispielen darzustellen.
- Grundlagen und Basisstrategien des Efficient Consumer Response (ECR) Konzepts
- Supply Chain Optimierung durch Efficient Replenishment (ERP)
- Einführung in das CPFR-Prozessmodell und seine neun Phasen
- Analyse von Erfolgsfaktoren und Hindernissen bei der Implementierung von CPFR
- Empirische Einblicke in den aktuellen Umsetzungsstand in Deutschland
Auszug aus dem Buch
2.4.2 Identifikationssysteme
Die Grundlage für alle zwischenbetrieblichen Waren- und Datenflüsse sind eindeutige und offene Identifikationssysteme. Sie sollen die Kommunikation zwischen den Unternehmen erleichtern und die Rationalisierung von internen und externen Abläufen ermöglichen.
Im Wesentlichen werden die Internationale Lokationsnummer (ILN), die Europäische Artikelnummer (EAN) und die Nummern der Versandeinheit (NVE) zur Kennzeichnung genutzt. Diese drei Identifikationssysteme werden in diesem Abschnitt kurz erklärt.
Internationale Lokationsnummer
Die ILN ist die Grundvoraussetzung für den rationellen, zwischenbetrieblichen Informationsaustausch. Für jeden ILN-Code ist in einer zentralen Datenbank ein kompletter Stammdatensatz hinterlegt. Der ILN-Code kann überall dort zum Einsatz kommen wo mittels Stammdaten Waren papiergebundene Informationen oder elektronische Daten an spezifische Orte geliefert werden müssen. Dies ersetzt die bilaterale Pflege und Kontrolle von Kunden- und Lieferantendaten.
Die Vorteile von ILN sind:
die Vereinfachung von DV-Prozessen,
höhere Effizienz beim Versand und Sortierung von Gütern,
Beseitigung inkompatibler Schnittstellen,
schnellere und genauere Prozessverarbeitung,
Vereinfachung der Stammdatenpflege.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Marktsituation der Konsumgüterbranche und definiert die Zielsetzung der Arbeit, das ECR- und CPFR-Konzept zu analysieren.
2 Das Efficient Consumer Response Konzept: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung, die Gestaltungsansätze sowie die vier Basisstrategien des ECR und stellt die für die Umsetzung notwendigen Enabling Technologies vor.
3 Efficient Replenishment: Hier werden die logistischen Strategien des Efficient Replenishment, einschließlich Bestandsmanagement und Transportmethoden, detailliert erläutert.
4 Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment: Das Kapitel definiert CPFR, erläutert dessen Prozessmodell basierend auf dem VICS-Standard und analysiert die Bedeutung der Kooperation als Kernstück.
5 Ziele und Faktoren für die Realisierung von CPFR: Es werden die Effizienzvorteile, notwendige Rahmenbedingungen wie Vertrauen sowie Erfolgsfaktoren und Hindernisse bei der Implementierung von CPFR dargestellt.
6 Umsetzung von ECR / CPFR: Dieses Kapitel präsentiert Implementierungsleitfäden, ein konkretes Praxisbeispiel für CPFR und beleuchtet den aktuellen Umsetzungsstand in der deutschen Wirtschaft.
7 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zur weiteren Optimierung der Kooperation in der Supply Chain.
Schlüsselwörter
Efficient Consumer Response, ECR, Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment, CPFR, Supply Chain Management, Logistik, Kategorie Management, Bestandsmanagement, EDI, Identifikationssysteme, RFID, Kooperation, Wertschöpfungskette, Konsumgüterwirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert das ECR-Konzept und seine Weiterentwicklung zu CPFR als Strategien zur Effizienzsteigerung in der Konsumgüterwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die kooperative Planung zwischen Handel und Hersteller, der Einsatz moderner Informationstechnologien sowie die logistische Optimierung der Wertschöpfungskette.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die theoretischen Konzepte von ECR und CPFR zu erläutern und deren Zusammenhänge, Potenziale sowie Hürden bei der praktischen Anwendung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, dem Studium von Marktstudien sowie der Auswertung konkreter Praxisbeispiele, wie dem CPFR-Projekt zwischen Delhaize und Masterfoods.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der ECR-Grundlagen, die spezifischen logistischen Strategien (Efficient Replenishment) sowie das neunstufige Prozessmodell von CPFR und dessen Implementierungsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
ECR, CPFR, Supply Chain Management, Kooperation, Warenversorgung, Bestandsmanagement und Prozessmodellierung.
Welche Rolle spielt die Informationstechnologie bei ECR und CPFR?
IT ist als „Enabler“ unverzichtbar, insbesondere durch EDI, Identifikationssysteme wie EAN und NVE sowie RFID, um Daten zwischen Partnern in Echtzeit auszutauschen.
Warum ist Vertrauen ein zentraler Erfolgsfaktor?
Da Kooperation den Austausch sensibler Unternehmensdaten erfordert, bildet Vertrauen die Basis, um die Hemmschwelle zur gemeinsamen Datenverwaltung und strategischen Planung zu überwinden.
Was ist der Unterschied zwischen Push- und Pull-Prinzip im Kontext der Arbeit?
Beim Push-Prinzip wird Ware ungeachtet der Nachfrage durch die Pipeline gedrückt, während das Pull-Prinzip die Produktion direkt durch die tatsächlichen Abverkäufe am Point of Sale steuert.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur praktischen Umsetzung?
Trotz theoretisch klarer Vorteile und Potenziale bestehen in der Praxis erhebliche Probleme bei der Umsetzung, die vor allem auf fehlendes Vertrauen, kulturelle Widerstände und hohe Investitionskosten zurückzuführen sind.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Dauksch (Autor:in), 2010, Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment als Weiterentwicklung des Efficient Consumer Response Konzepts - Status Quo der aktuellen Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167493