Deutschland geht seit dem Kriegsende 1945 durch mehrere Phasen der Vergangenheitsbewältigung, die von Vergessen über Verdrängen bis hin zur intensiven Auseinandersetzung mit den Kriegsverbrechen bzw. dem faschistischen Regime unter Hitler allgemein reichen. Schließlich startete man mit Hilfe verschiedener Medien, u.a. auch mit Hilfe des Mediums Film, den Versuch, die nationalsozialistische Geschichte aufzubereiten. Besonderen Aufruhr erregte Mitte der 90er Jahre Spielbergs "Schindlers Liste".
In der vorliegenden Arbeit wird möglichst genau auf "Schindlers Liste" eingegangen. Dabei ist zuerst dessen Inhalt zu klären, genauer gesagt, eine kurze Inhaltsangabe zu leisten und die wichtigsten Personen (Oskar Schindler, Amon Göth und Itzhak Stern) vorzustellen. Danach steht der Aspekt "Gegensatz zwischen historischer Wirklichkeit und filmischer Umsetzung" im Blickfeld der Argumentation, bevor auf Filmanalytisches hingewiesen wird, was den thematischen Schwerpunkt der Arbeit bildet. Hierbei sollen dann einige Gestaltungsmittel, die Spielberg deutlich zur Beeinflussung des Publikums einsetzt, erwähnt und an Beispielszenen nachvollzogen werden. Im Anschluss daran mündet die Arbeit in den letzten wichtigen Punkt, die Rezeption des Films. Dort werden verschiedene Positionen zu Wort kommen. Als Hauptquelle diente die DVD-Ausgabe von "Schindlers Liste", auf der im Bonusmaterial auch Informationen über Spielbergs "Shoa Foundation" enthalten sind.
Ziel der Arbeit ist eine Untersuchung der medialen Zugangsarten zur NS-Vergangenheit und ihre Rezeption in Deutschland am Beispiel von Spielbergs "Schindlers Liste".
Wichtig bei der Arbeit sind folgende Leitfragen: Inwiefern stellt "Schindlers Liste" ein Mittel zur NS-Vergangenheitsbewältigung dar? Auf welche Weise gelingt es Spielberg mit seinem Film die Menschen derart zu fesseln und für Aufregung zu sorgen? Gibt es bestimmte Gestaltungsmittel, die dazu verwendet werden? Wie legitim ist es, dass ein Amerikaner und nicht Deutsche das Thema Holocaust in Filmen verarbeiten? Wie reagierten die Menschen auf den Film?
Inhaltsverzeichnis
Gliederung und Ziel der Arbeit; Leitfragen
Mediale Zugangsarten zur NS-Vergangenheit und ihre Rezeption am Beispiel von Spielbergs „Schindlers Liste“
1. Inhalt
1.1 Inhaltliche Gliederung und kurze Inhaltsangabe
1.2 Einführung der Personen Schindler, Stern und Göth
1.3 Charakterisierung der drei Hauptpersonen
2. Gegensatz: Historische Wirklichkeit und filmische Umsetzung
2.1 Figur des Itzhak Stern
2.2 Liquidierung des Ghettos
2.3 Erstellung der rettenden Liste
2.4 Transport von Plaszów nach Brünnlitz
3. Filmanalytisches – Gestaltungsmittel und ihre Wirkung
3.1 Schwarzweiß und Farbe, Licht und Schatten
3.2 Inserts
3.3 Montage
3.4 Kamera
3.5 Humoristische Elemente
3.6 Musik
4. Stimmen zum Film
4.1 Steven Spielberg
4.2 Negative Kritik
4.3 Positive Kritik
Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht mediale Zugangsarten zur NS-Vergangenheit in Deutschland am Beispiel von Steven Spielbergs „Schindlers Liste“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der Film als Mittel zur Vergangenheitsbewältigung fungiert, welche ästhetischen Mittel zur Zuschauerbeeinflussung eingesetzt werden und wie die Rezeption des Films, insbesondere hinsichtlich seiner historischen Genauigkeit und Legitimität, bewertet wird.
- Analyse des Gegensatzes zwischen historischer Wirklichkeit und filmischer Umsetzung.
- Untersuchung filmanalytischer Gestaltungsmittel wie Kameraführung, Montage und Farbgebung.
- Diskussion der filmischen Darstellung des Holocaust durch einen US-Regisseur.
- Gegenüberstellung von positiver und negativer Kritik zur Rezeption des Films in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
3.1 Schwarzweiß und Farbe, Licht und Schatten
Das augenscheinlichste Stilmittel ist der Gebrauch von Schwarzweiß und im Kontrast dazu vereinzelt Farbe. „Schindlers Liste“ beginnt mit dem farbigen Prolog (DVD1 00:00:24-00:01:30). Zunächst ist das Bild schwarz, dann wird ein Streichholz entflammt und zwei Kerzen werden angezündet. Ein Rabbi singt, eine Familie feiert Sabbat. Darauf ist der Raum leer, die Kerzen brennen weiter. Die Kamera zielt immer näher auf die Kerzen, je weiter diese herunterbrennen, desto schwächer wird die Farbe. Schließlich steht eine der Kerzen in Großaufnahme im Bild, nur noch ihre Flamme ist farbig, der restliche Bildinhalt ist schwarzweiß. Die Kerze brennt vollständig ab und erlischt, ein letztes farbiges Glühen, bevor der Film gänzlich in Schwarzweiß übergeht. Der Rauch der Kerze leitet über zum Rauch einer Lokomotive und damit zum Hauptteil des Films.
Dieser ist bis auf drei kurze Einschnitte farblos. Die Einschnitte sind das Mädchen im roten Mantel, einmal bei der Ghetto-Räumung zu sehen und danach bei der Leichenverbrennung, und das farbige Kerzenlicht, als Rabbi Levartov, von Schindler dazu aufgefordert, in Brünnlitz Sabbat feiert. Dem Hauptteil schließt sich der Epilog (DVD2 00:49:12-00:52:50) an. Darin sind zukünftige Ereignisse beschrieben: Göth wird gehängt und Schindlers erfolgloses Leben nach dem Krieg in Inserts geschildert. Die Juden laufen über eine Wiese, eine Überblendung folgt: Es sind jetzt die Schindler-Juden von heute zu sehen, wie eine Texteinblendung aussagt. Das Bild ist ab sofort wieder farbig. Die echten Schindler-Juden legen in Begleitung ihrer Filmdarsteller Steine auf Schindlers Grab. Mit einer Einstellung des Friedhofs endet der Film. Wie gesehen, beginnt der Film farbig, das letzte Licht erlischt und damit symbolhaft auch die Hoffnung der Juden auf Rettung im folgenden Geschehen. Das Schwarzweiß vermittelt Dokumentarcharakter, will deutlich machen, dass das Gezeigte der Wahrheit entspricht, dass es so geschah und abgefilmt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Inhalt: Dieses Kapitel liefert eine inhaltliche Übersicht des Films und stellt die zentralen Charaktere Oskar Schindler, Itzhak Stern und Amon Göth sowie deren Einführung in die Handlung vor.
2. Gegensatz: Historische Wirklichkeit und filmische Umsetzung: Hier werden Diskrepanzen zwischen historischen Fakten und der filmischen Inszenierung aufgezeigt, insbesondere bei der Figur des Itzhak Stern, der Ghetto-Räumung, der Listenerstellung und den Transporten.
3. Filmanalytisches – Gestaltungsmittel und ihre Wirkung: Das Kapitel analysiert die ästhetischen Mittel des Films, darunter Farbgebung, Inserts, Montage, Kameraführung, Humor und Musik, um deren Wirkung auf den Zuschauer zu untersuchen.
4. Stimmen zum Film: Dieses Kapitel dokumentiert ein Interview mit Steven Spielberg und fasst sowohl die negative als auch die positive Kritik zur Rezeption des Films zusammen.
Schlüsselwörter
Schindlers Liste, NS-Vergangenheit, Holocaust, Steven Spielberg, Filmanalyse, Zeitgeschichte, Rezeption, Auschwitz, Ghetto, Erinnerungskultur, Oskar Schindler, Spielfilm, Dokumentation, historische Wahrheit, Gestaltungsmittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Spielfilm „Schindlers Liste“ von Steven Spielberg als einem medialen Zugang zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Differenz zwischen historischer Realität und filmischer Fiktion, die Analyse filmästhetischer Gestaltungsmittel sowie die öffentliche Rezeption des Films.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu untersuchen, inwiefern der Film als Mittel der Vergangenheitsbewältigung dienen kann und mit welchen Mitteln der Regisseur sein Publikum fesselt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine filmwissenschaftliche Analyse, die den Film anhand von Sequenzprotokollen und vergleichender Literatur zu den historischen Ereignissen untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Einführung der Personen, einen Vergleich von Historie und Film, eine tiefgehende filmanalytische Untersuchung der Gestaltungsmittel sowie eine Darstellung der Filmkritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Schindlers Liste, NS-Vergangenheit, Filmanalyse, Erinnerungskultur und historische Wahrheit beschreiben.
Wie bewertet der Autor die Genauigkeit der Figur Itzhak Stern?
Der Autor stellt fest, dass die Filmfigur eine Zusammenführung drei realer Personen ist, was für das Drehbuch dramaturgisch sinnvoll, historisch jedoch ungenau war.
Welche Rolle spielt die Farbe Rot im Film laut der Analyse?
Das Mädchen im roten Mantel wird als Wendepunkt in Schindlers Wahrnehmung identifiziert und symbolisiert gleichzeitig die Zerstörung jeglicher Hoffnung.
Wie legitimiert Spielberg laut der Arbeit die Wahl eines deutschen Helden?
Spielberg rechtfertigt dies damit, dass das Publikum das Ausmaß des Bösen nicht ertragen würde, wenn kein Maßstab des Guten, verkörpert durch Schindler, gegenüberstünde.
- Quote paper
- Jacqueline Koller (Author), 2007, Mediale Zugangsarten zur NS-Vergangenheit und ihre Rezeption in Deutschland (am Beispiel "Schindlers Liste"), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/167394