Zum Ende des 18. Jahrhunderts betraten 1,5 Millionen Juden das Russische Reich, die versuchten rechtlich, religiös und kulturell ihre Autonomie zu erhalten, für ihre Unabhängigkeit zu kämpfen, oder sich teilweise oder gänzlich in der Majoritätsgesellschaft zu assimilieren (Rubin 2020: 344). Zur Lebenszeit des nicht-jüdischen Philosophen und Theologen Vladimir S. Soloviev (1853-1900) war Russland das Zuhause der größten jüdischen Gemeinschaft weltweit. Die russischen Juden genossen immenses intellektuelles und soziales Prestige, das nur mit der deutschsprachigen jüdischen Gemeinschaft zu vergleichen ist. Solovievs kurzes Leben, in dem er nur 46 Jahre alt wurde, widmete er der Entwicklung und Vermittlung seiner Idee der "freien Theokratie"; eine Vision, die er bis zu seinem Tod polarisierte.
Im Rahmen dieser Arbeit werden vor allem drei Werke herangezogen: "Lesung über die Gottmenschheit" (1878-1881), "Die Juden und die Christliche Frage" (1884) und "Die Rechtfertigung des Guten" (1897), wobei die Wechselbeziehung des philosophischen und theologischen Denkens von Soloviev mit der Auffassung zum Judentum und seinen Ansätzen zur "Jüdischen Frage" analysiert wird.
Folgende Forschungsfrage wird dabei fokussiert: Wie reflektiert Vladimir Soloviev in seiner philosophischen und theologischen Auseinandersetzung die christliche Beziehung zum Judentum und welche Bedeutung hat sein Beitrag für den interreligiösen Dialog und die religiöse Toleranz in Russland?
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- Anonymous,, 2024, Das philosophische und theologische Denken von Vladimir S. Soloviev im Kontext des Judentums. Zwischen Einheit und Vielfalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/1672986