Das Handy ist heute ein selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft. Fast jeder besitzt heute mindestens ein Mobiltelefon. Telefonieren ist dabei, besonders bei den jüngeren Nutzergruppen mehr und mehr durch andere Formen der Kommunikation verdrängt wurden. Am bekanntesten und meistgenutzten ist die SMS, also die Möglichkeit kurze Textnachrichten innerhalb des Mobilfunknetzes zu versenden. Doch wie ist ein gegenseitig Verständnis innerhalb dieser asynchronen, stark vereinfachten rein Textbasierenden Kommunikation möglich?
In der folgenden Hausarbeit werden sämtliche empfangenden und ausgehenden SMS innerhalb eines Jahres im Hinblick auf das Verstehen bzw. Missverstehen der Textbotschaften analysiert. Der Schwerpunkt wird dabei auf eine primär linguistische textinterne Analyse gelegt. Textexterne Schwerpunkte, wie die Beziehung der Kommunikanten, der Kontext der SMS- Kommunikation können im Rahmen dieser Hausarbeit leider nur marginal mit einbezogen werden.
Im Folgenden werden zunächst die Begriffe „Kommunikation“ und „SMS“ definiert. Des weiteren wird kurz auf die Nutzung des Mobiltelefons sowie der Kommunikation per SMS eingegangen. Die Nutzung der SMS unterliegt, wie jede Kommunikatform, bestimmten Regeln, folglich ist es unvermeidlich kurz auf die unterschiedlichen Motive und somit Funktion der SMS einzugehen. Im Anschluss wird der Untersuchungskorpus vorgestellt und anhand ausgewählter Beispiele werden sprachliche Mittel, die der Verständlichkeit der Textbotschaft dienen, definiert und an Beispielen des Untersuchungskorpus belegt. Trotz zahlreicher kommunikativer Mittle, die das Verstehen der Textbotschaften erleichtern sollen, ist ein Missverstehen der SMS nicht ausgeschlossen. An einem ausgewählten Beispiel wird eine solche fehlgeschlagene Kommunikation aufgeschlüsselt und analysiert. Ziel ist es dabei den Grund für die fehlende Verständlichkeit zu finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikation und SMS
2.1 Kommunikation
2.2 SMS
2.2.1 Nutzung von SMS
2.2.2 Funktionen der SMS-Kommunikation
3. Vorstellung des Untersuchungskorpus
3.1 Sprachliche Besonderheiten der SMS-Kommunikation innerhalb des Untersuchungskorpus
3.1.1 Wortwahl, Akronyme
3.1.2 Interpunktion, Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibung
3.1.3 Emoticons, Inflektive
3.1.4 Anglizismen, Mehrsprachigkeit, Code-Switching
4. Analyse eines Missverstandenen Kommunikationszyklus
5. Fazit
6. Untersuchungskorpus
7. Quellen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die Verständlichkeit der Kommunikation mittels SMS. Das primäre Ziel ist es, sprachliche Phänomene innerhalb von SMS-Texten zu identifizieren und zu untersuchen, wie Missverständnisse trotz verschiedener Kompensationsmechanismen entstehen können, wobei der Schwerpunkt auf einer linguistischen textinternen Analyse liegt.
- Definition und Funktionen von Kommunikation und SMS
- Analyse sprachlicher Besonderheiten (Akronyme, Interpunktion, Emoticons, Inflektive)
- Mehrsprachigkeit und Code-Switching in der SMS-Kommunikation
- Untersuchung eines konkreten Beispiels fehlgeschlagener Kommunikation
- Erkenntnisse zur Rolle des gemeinsamen Wissenshintergrunds für die Verständigung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Interpunktionen, Groß- und Kleinschreibung, Rechtschreibung
Schon in der Chat- Kommunikation und in E-Mails ist in den letzten Jahren zu beobachten, dass grammatische Strukturen aufgeweicht werden. Ein deutlichen Phänomen ist die im Chat und besonders in der SMS- Kommunikation oft marginale oder gänzlich fehlende Interpunktion. Auch im Untersuchungskorpus dieser Arbeit ist Interpunktion fast ausschließlich nur in Form von Fragzeichen und Punkten vorhanden.
Trotz der oft fehlenden Interpunktion werden die Textnachrichten verstanden. Oft werden die Sätze der SMS so geschrieben, dass es sich um einen oft grammatikalisch richtigen langen Satz handelt, der trotz der fehlenden Kommas gut verstanden werden kann. Nach Satzende folgt oft eine kurze Verabschiedung. Satzende und Verabschiedung sind oft nicht durch Interpunktionen getrennt. Ein Beispiel für ein Verstehen trotz fehlender Interpunktion bieten der folgende kurze SMS- Dialog „Sag mal hast du ne e mail adresse dann mail ich dir die prüfungstermine bin mir nicht sicher welche genau dann schick ich dir einfach alle vlg“24. Als Antwort wird die geforderte E-Mail Adresse gesandt. Folglich ist die Nachricht verstanden wurden.
Oft geht mit der geringen bzw. fehlenden Interpunktion auch ein lockerere Umgang mit der Groß- und Kleinschreibung einher. Wie schon in Chats beobachtet wurde, dominiert auch in der SMS- Kommunikation die Kleinschreibung. Dies liegt in der Handytastatur begründet, so ist es oft schwer einen großen Buchstaben zu schreiben. Allerdings haben viele Handys heute Software, die das erste Wort einer Textnachricht und Worte nach einem Satzzeichen automatisch groß schreibt, wie zum Beispiel „Sorry bin grad im bus wollte morgen zu dem englischen theater und dann können wir es übersetzen ok? Gabs noch ärger wegen neulich?“25. Moderne Handysoftware arbeitet mit intelligenten Wörterbüchern, die sich ein neues Wort, merken und es bei nächster Gelegenheit der gleichen Tastenkombination anbieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Handy und SMS als Kommunikationsmedium sowie Darlegung der Forschungsabsicht, Missverständnisse in der SMS-Kommunikation linguistisch zu analysieren.
2. Kommunikation und SMS: Theoretische Definition von Kommunikation und SMS sowie Betrachtung der Nutzungsgewohnheiten und vielfältigen Funktionen des Mobiltelefons im Alltag.
3. Vorstellung des Untersuchungskorpus: Präsentation des Datensatzes von 919 SMS und detaillierte Analyse der sprachlichen Besonderheiten wie Wortwahl, Rechtschreibung, Emoticons und Mehrsprachigkeit.
4. Analyse eines Missverstandenen Kommunikationszyklus: Detaillierte Untersuchung eines konkreten SMS-Dialogs, in dem aufgrund unterschiedlicher Interpretation von Textnachrichten eine Fehlkommunikation stattfindet.
5. Fazit: Zusammenfassende Erkenntnis, dass trotz technischer Kürze eine Verständigung primär möglich ist, Missverständnisse jedoch bei fehlendem gemeinsamen Erfahrungshintergrund auftreten können.
6. Untersuchungskorpus: Auflistung der im Rahmen der Arbeit analysierten SMS-Nachrichten inklusive Zeitstempel und Kontextinformationen.
7. Quellen: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur und Online-Ressourcen.
Schlüsselwörter
SMS, Kommunikation, Missverständnis, Linguistik, Textbotschaft, Mobiltelefon, Sprachbewertung, Interpunktion, Emoticons, Code-Switching, Mehrsprachigkeit, SMS-Kommunikation, Analyse, Verständnis, Untersuchungskorpus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Verständlichkeit der Kommunikation per SMS anhand eines empirischen Untersuchungskorpus und untersucht, wie und warum Missverständnisse innerhalb dieser asynchronen Textform entstehen können.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die medientheoretischen Grundlagen von Kommunikation und SMS, die sprachlichen Besonderheiten (z.B. Akronyme, Emoticons) sowie die Rolle von Mehrsprachigkeit und Kontext bei der Interpretation von Nachrichten.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, wie ein gegenseitiges Verständnis innerhalb der stark vereinfachten, rein textbasierten und asynchronen SMS-Kommunikation möglich ist und welche Faktoren zu einem Scheitern der Verständigung führen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine primär linguistische, textinterne Analyse einer Sammlung von 919 empfangenen und gesendeten SMS einer Testperson über den Zeitraum eines Jahres durchgeführt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte linguistische Untersuchung der sprachlichen Mittel (wie Groß- und Kleinschreibung, Einsatz von Emoticons oder Code-Switching) und die Fallstudie eines missverstandenen Kommunikationszyklus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie SMS-Kommunikation, Missverständnis, linguistische Analyse, Sprachbewertung, Textbotschaft und Kommunikationsmuster charakterisiert.
Warum ist das Thema Code-Switching in dieser Arbeit relevant?
Das Code-Switching, also der Wechsel zwischen verschiedenen Sprachen (Deutsch, Englisch, Türkisch) innerhalb der Kommunikation, wird als Strategie untersucht, um Missverständnisse durch Rückgriff auf bekannte Sprachen oder Kontexte zu vermeiden.
Welche Rolle spielen Emoticons für das Verständnis der untersuchten SMS?
Emoticons dienen als Kompensationsmittel für den fehlenden visuellen Kanal und helfen dem Empfänger, die Gefühlslage des Senders (z.B. Freude, Ironie, Erstaunen) zu erfassen, was maßgeblich zur Verständlichkeit beiträgt.
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- B.A. Liane Giese (Author), 2008, (Miss)verstehen per SMS, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166967