Wie reagierte das Abendland auf große Meilensteine im Kampf gegen die Muslime?
Mithilfe verschiedener Quellendokumente wie z.B. des Briefes des Papstes Paschalis II. 28. April 1100 an die Kreuzfahrer in Jerusalem oder der Chronik „De Rebus Hispaniae“ des Erzbischofs von Toledo, Rodrigo Jiménez de Rada, versucht diese Arbeit, ein tieferes Verständnis der zeitgenössischen Auffassung des Kampfes gegen den Islam zu gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Jerusalem und Las Navas de Tolosa: Eckpunkte in der Geschichte des Kampfes gegen die Heiden
2. Reaktionen und Perspektiven im Vergleich
2.1. Stimmen zur Eroberung Jerusalems
2.1.1. Glückwunsch zu einem blutigen Ereignis
2.1.2. Alttestamentarische Traditionen
2.1.3. Gottgefälliges Werk, gerechter Krieg
2.1.4. Der Sündenablaß als Belohnung für fromme Taten
2.1.5. Verankerung der Kirche im Heiligen Land
2.2. Las Navas de Tolosa: Vorgeschichte und Ergebnisse
2.2.1. Ist die Reconquista mit den Kreuzzügen ins Heilige Land vergleichbar?
2.2.1.1. Innere Faktoren
2.2.1.2. Äußere Faktoren
2.2.2. Warum ist 1212 als Wendepunkt zu sehen?
2.2.2.1. Erstarken der Muslime - Stocken der Reconquista
2.2.2.2. Erneute Initiative Kastiliens mit der Unterstützung des Papstes
2.2.3. Der Sieg bei Las Navas de Tolosa: Chronik und päpstliche Reaktion im Vergleich
2.2.3.1. Die Chronik des Rodrigo Jiménez de Rada
2.2.3.2. Äußerungen des Papstes
2.2.3.2.1. Die Meldung erreicht Rom
2.2.3.2.2. Beendigung des Kreuzzuges
2.2.3.2.3. Bibeltraditionen
2.2.3.2.4. Gott ist und bleibt der oberste Herr
3. Nachlese der großen Schlachten
4. Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die zeitgenössischen Reaktionen auf zwei zentrale militärische Ereignisse des hohen Mittelalters: die Eroberung Jerusalems im Jahr 1099 und den Sieg christlicher Armeen bei Las Navas de Tolosa im Jahr 1212. Dabei soll analysiert werden, wie das Papsttum und zeitgenössische Chronisten diese Siege religiös deuteten und in den Kontext des Kreuzzugsgedankens einordneten.
- Religiöse Deutungsmuster und biblische Bezüge bei kriegerischen Ereignissen
- Die Rolle des Papsttums als Schirmherr der Kreuzzugsbewegung
- Vergleich der Rezeption im Nahen Osten und auf der Iberischen Halbinsel
- Die Entwicklung der Reconquista-Ideologie unter päpstlichem Einfluss
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Glückwunsch zu einem blutigen Ereignis
Der Glückwunschbrief an die Männer im Heiligen Land vom 28. Mai des Jahres 1100 von Papst Paschalis II. fielen, in den Augen eines heutigen Lesers, recht blumig aus. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn er schreibt: Quantas super his redemptori nostro gratias debeamus,, nec humanus animus opinari nec lingua preualet enerrare, oder indem er das für heutige Rezipienten recht hochfahrende Bibelzitat aus Lukas 2, Gloria in altissimis Deo et in terra pax hominibus bone uoluntatis, einbringt. Andererseits muß die überschwengliche Art auch vor dem Hintergrund dessen gesehen werden, daß der Kampf für die Befreiung der Heiligen Stätten einen ungeheuren Stellenwert einnahm. Sieht man sich die Beschreibungen der Jubelfeiern der siegreichen Kreuzzügler vor Ort an, findet man bei allen Chronisten denselben enthusiastischen Ton wieder. Laut Wilhelm von Tyrus beipsielsweise seien sie in glühender Andacht versunken, bei Fulcher von Chartres heißt es, Laien und Kleriker seien singend und freudig betend zum Tempel gezogen.
Grund für den Ausdruck der Erlösung und Befreiung war die feste Überzeugung der Teilnehmer, daß sie zu einem von Gott gewollten Werk beigetragen hatten. Dieser gewährte ihnen nun den Lohn für ihre Mühen und Entbehrungen. Konform damit erhält man auch bei Paschalis' Brief den unbedingten Eindruck, daß der Sieg allein Gott geschuldet sei. Schließlich konnten die Feinde des Herrn nur durch diesen selbst besiegt werden. Weil die Kreuzfahrer sich also gottgefällig verhalten hatten, belohnte der Herr ihre Anstrengungen mit einem für sie positiven Ausgang. Und tatsächlich scheint es ein regelrechtes Wunder, daß das bereits unterwegs ziemlich dezimierte Kreuzfahrerheer, das schlußendlich überhaupt vor den Toren Jerusalems angekommen war, es geschafft hatte, die Stadt einzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Jerusalem und Las Navas de Tolosa: Eckpunkte in der Geschichte des Kampfes gegen die Heiden: Einleitung in die Thematik, die die beiden Schlachten als historisch bedeutsame Eckpunkte der Kreuzzugsideologie verortet.
2. Reaktionen und Perspektiven im Vergleich: Hauptteil, der detailliert die zeitgenössischen Stimmen, päpstliche Briefe und chronikalische Berichte zu beiden Ereignissen gegenüberstellt.
3. Nachlese der großen Schlachten: Reflexion über die langfristige Bedeutung der Schlachten und die unterschiedliche Wahrnehmung der Ereignisse in der historischen Rückschau.
4. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Kreuzzug, Eroberung Jerusalems, Las Navas de Tolosa, Reconquista, Papsttum, Innozenz III., Paschalis II., Rodrigo Jiménez de Rada, Ideologie, Mittelalter, Heiliger Krieg, Religionsgeschichte, Christentum, Islam, Mentalitätsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich der Rezeption zweier bedeutender militärischer Siege im hohen Mittelalter aus christlicher Sicht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Es geht um die religiöse Aufladung von kriegerischen Ereignissen, die Rolle des Papsttums und die Entwicklung des Kreuzzugsgedankens in verschiedenen geografischen Räumen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszuarbeiten, inwiefern sich die zeitgenössischen Stellungnahmen und päpstlichen Reaktionen auf die Siege von 1099 und 1212 ähneln oder unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine vergleichende Quellenanalyse, bei der primär päpstliche Briefe und chronikalische Darstellungen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Stimmen zur Eroberung Jerusalems, die Vorgeschichte der Reconquista sowie die spezifischen Reaktionen auf den Sieg bei Las Navas de Tolosa.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Kernbegriffe sind Kreuzzug, Reconquista, päpstliche Ideologie und die religiöse Deutung historischer Schlachten.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Papsttums in Bezug auf Las Navas de Tolosa?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Papst zwar zum Kampf aufrief, das Engagement für Spanien jedoch im Vergleich zum Heiligen Land als zweitrangig betrachtete.
Welchen Stellenwert nimmt die Chronik des Rodrigo Jiménez de Rada in der Untersuchung ein?
Sie dient als zentrale Quelle für die Mentalitätsgeschichte und die Darstellung des Sieges aus der Sicht eines Klerikers, der eng mit dem Königshof verbunden war.
- Arbeit zitieren
- Dagmar Köhnlein (Autor:in), 2009, Reaktionen auf die Eroberung Jerusalems 1099 durch die Kreuzfahrer und den Sieg der Armeen der christlichen Könige der Iberischen Halbinsel bei Las Navas de Tolosa 1212 im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166916