Die Stadtgeographie ist eine der ältesten und wichtigsten Disziplinen in der Anthropogeographie. Ihr Ziel ist die raumbezogene Erforschung städtischer Strukturen, Funktionen, Prozesse und Probleme. Grundvoraussetzung dafür ist die Kenntnis der Stadtmorphologie, welche häufig auch „historische Stadtgeographie“ genannt wird. Diese beschäftigt sich damit, die Stadtgestalt zu analysieren. Dabei wird der Bezug des gegenwärtigen äußeren Erscheinungsbildes mit den Entstehungsbedingungen, die von politischen, sozialen, wirtschaftlichen und technischen Faktoren der jeweiligen Zeit bestimmt waren, hergestellt. Aufgrund der räumlich-zeitlichen Persistenz prägen diese historischen Phänomene der Stadtentstehung das Stadtbild bis heute. Deswegen besitzt jede Stadt eine individuelle Stadtgestalt. Trotzdem finden sich Gemeinsamkeiten zwischen Stadtvierteln verschiedener Städte, die zur selben Zeit unter ähnlichen Bedingungen entstanden sind. So besitzen viele Stadtkerne den Charakter oder wesentliche Merkmale mittelalterlicher Stadttypen; ihre umliegenden Viertel, die in einer anderen Epoche entstanden sind, sind wiederum durch die Merkmale ihrer Zeit geprägt worden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die römische Stadt (ab ca. 0 - Mitte 5. J.h.)
3. Mittelalterliche Stadtentwicklung und Stadttypen
3.1 Frühmittelalterliche Keimzellen (8./9.Jh)
3.2 Mutterstädte (bis ca. 1150)
3.3 Ältere Gründungsstädte des Hochadels (ab ca. 1120 bis 1250)
3.4 Territoriale Klein- und Zwergstädte (1200- 1300)
3.5 Minderstadt (1300-1450)
4. Frühneuzeitliche Stadtentwicklung und Stadttypen
4.1 Bergstädte (15. und 16. Jh.)
4.2 Exulantenstädte (16.-18. Jh.)
4.3 Fürstenstädte d.h. Residenz-, Festungs- und Garnisonsstädte der Renaissance (16.-17. Jh.) und des Barock (Ende 17.-18.Jh.)
5. Stadtentwicklungsprozesse im Industriezeitalter (1870- 1.Weltkrieg)
5.1 Mietskasernenbau
5.2 Villensiedlungen
5.3 Werkskolonien
6. Reformbewegungen
6.1 Gartenstadtbewegung
6.2 Charta von Athen
7. Stadtentwicklung in Deutschland im West- Ost – Vergleich
7.1 Wiederaufbauphase bis ca. 1960
8. Wandlungen im Städtebau seit ca. 1960 bis zur politischen Vereinigung
8.1 Ehemalige Deutsche Demokratische Republik
8.2 Frühere Bundesrepublik Deutschland
9. Ausgewählte Aspekte der Stadtentwicklung und -politik seit der Vereinigung
10. Metropolregionen
11. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit bietet einen chronologischen historischen Überblick über die Stadtentwicklung in Mitteleuropa, von der Römerzeit bis zur modernen Ära, wobei insbesondere die Auswirkungen der deutschen Teilung und das Konzept der Metropolregionen im Fokus stehen.
- Historische Evolution der Stadttypen und Stadtgrundrisse.
- Einfluss politischer und wirtschaftlicher Systeme auf den Städtebau.
- Vergleich der Stadtentwicklung zwischen der ehemaligen DDR und der früheren Bundesrepublik.
- Stadtplanung im Industriezeitalter und zentrale Reformbewegungen.
- Funktionsweise und Bedeutung moderner Metropolregionen.
Auszug aus dem Buch
3.3 Ältere Gründungsstädte des Hochadels (ab ca. 1120 bis 1250)
Die Städtegründungen dieser Epoche waren die ersten planmäßig aufgerichteten Städte, die an Fernhandelswegen als Machtinstrumente des Adels konstruiert wurden. Dafür dienten die selbstständig entstandenen Mutterstädte als Modell. 8
Bei den Planungen setzte sich das Konzept von Längs- und Querstraßen (Rückgrat- und Rippenstraßen) durch, die um den Markt herum angelegt wurden, welcher Mittelpunkt der Stadt war. Dieses Konzept ist gut am Stadtplan Lübecks zu erkennen.9 Weiterentwickelt wurde dieses Schema bei den Stadtgründungen östlich der Elbe während der Ostkolonisation. Dort wurde bei der Planung der Marktplatz quadratisch gestaltet. Besonders häufig tritt dies in Mecklenburg, Pommern und in Westpreußen auf. In Schlesien befindet sich häufig zusätzlich ein Baukomplex im Zentrum des Marktplatzes, in dem sich das Rathaus befindet.10
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Stadtgeographie und erläutert die Bedeutung der Stadtmorphologie für das Verständnis der städtischen Geschichte und Entwicklung.
2. Die römische Stadt (ab ca. 0 - Mitte 5. J.h.): Beschreibt den Aufbau römischer Städte nach dem Modell der griechischen Polis mit schachbrettartigem Grundriss und zentralem Forum.
3. Mittelalterliche Stadtentwicklung und Stadttypen: Analysiert verschiedene Phasen der mittelalterlichen Stadtentstehung, von den frühzeitlichen Keimzellen bis hin zu planmäßigen Gründungsstädten des Hochadels.
4. Frühneuzeitliche Stadtentwicklung und Stadttypen: Erläutert den Rückgang der Städtegründungen nach dem Mittelalter und das Aufkommen spezifischer Typen wie Berg-, Exulanten- und Fürstenstädte.
5. Stadtentwicklungsprozesse im Industriezeitalter (1870- 1.Weltkrieg): Thematisiert die Folgen der Industrialisierung wie extreme Wohnungsnot und die Entstehung neuer städtischer Wohnformen wie Mietskasernen und Villensiedlungen.
6. Reformbewegungen: Stellt Konzepte wie die Gartenstadtbewegung und die Charta von Athen vor, die auf die Missstände des Industriezeitalters reagierten.
7. Stadtentwicklung in Deutschland im West- Ost – Vergleich: Beleuchtet die unterschiedliche städtebauliche Entwicklung und Wiederaufbaustrategien nach der Teilung Deutschlands.
8. Wandlungen im Städtebau seit ca. 1960 bis zur politischen Vereinigung: Vergleicht die Plattenbauweise in der DDR mit der westdeutschen Cityentwicklung und der Rückbesinnung auf den Denkmalschutz.
9. Ausgewählte Aspekte der Stadtentwicklung und -politik seit der Vereinigung: Beschreibt die Herausforderungen bei der Modernisierung und Sanierung ostdeutscher Innenstädte nach der Wende.
10. Metropolregionen: Führt das Konzept der Metropolregion als wettbewerbsfähigen Raum mit Entscheidungs- und Innovationsfunktionen ein.
11. Schluss: Zieht ein Fazit über die historischen Wandlungsprozesse der Stadtgestalt und betont deren gemeinsame Rolle als Zentren von Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft.
Schlüsselwörter
Stadtgeographie, Stadtmorphologie, Stadtentwicklung, Stadtplanung, Mittelalter, Industrialisierung, Plattenbau, DDR, Bundesrepublik, Wiedervereinigung, Metropolregion, Stadttypen, Stadtgründung, Stadtumbau, Urbanisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung der städtischen Strukturen und Leitbilder in Mitteleuropa von der römischen Zeit bis in die Gegenwart.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die Entwicklung von Stadttypen, die Einflüsse politischer Systeme auf den Städtebau sowie die Sanierung und Transformation von Städten, insbesondere im deutsch-deutschen Vergleich.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist ein chronologischer historischer Überblick, der die Dynamik der Stadtentwicklung und die Entstehung stadtplanerischer Konzepte verständlich macht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-geographische Analyse, die stadtmorphologische Grundlagen mit der historischen Entwicklung von Stadtgrundrissen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Stadtepochen, angefangen bei römischen Gründungen, über die mittelalterliche Stadt, das Industriezeitalter und die Ära der Teilung, bis hin zur modernen Entwicklung von Metropolregionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Stadtgeographie, Stadtmorphologie, Urbanisierung, Plattenbauweise, Stadtumbau und Metropolregion.
Warum wurde der Begriff "Metropolregion" gewählt und nicht "Metropole"?
Der Begriff wurde gewählt, weil eine Metropolregion über die Kernstadt hinaus auch ländliche Gebiete sowie wirtschaftliche Verflechtungen und Pendlerströme einschließt.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen politischen Systeme für den Städtebau?
Die DDR forcierte durch staatliche Bodenverstaatlichung und Plattenbauweise eine sozialistisch geprägte Struktur, während die BRD vermehrt auf Denkmalschutz, Sanierung und marktwirtschaftliche Cityentwicklung setzte.
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- Alona Gordeew (Author), 2008, Historische Stadtentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166814