Die Relevanz des behandelten Themas ergibt sich einerseits aus dem großen Einfluss
Professor Herbsts bezüglich Gemeindeaufbau und Leiterschaft im deutschsprachigen Raum.
Andererseits ergibt sich die Relevanz aus der Frage, ob und wie die heranwachsende
Generation, die so genannte Generation X1, Leitung in den örtlichen Kirchengemeinden2
übernehmen wird.
Prof. Dr. Michael Herbst ist Direktor des in Deutschland einmaligen
Universitätsinstituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (Herbst
2008:4). Ein besonderes Forschungsinteresse liegt bei dem Professor für Praktische Theologie
an der Ernst-Moritz Arndt Universität Greifswald unter anderem am missionarischen
Gemeindeaufbau (Uni Greifswald 2009). Durch Veröffentlichungen und Vorträge, nimmt sein
Einfluss bezüglich Gemeindebau auf Pfarrer, Pastoren und Laien im landeskirchlichen wie im
freikirchlichen deutschsprachigen Raum zu (2009)3. Durch seine Professoren- und
Forschungstätigkeit, wie durch die Herausgabe der „Theologischen Beiträge“, von „Kerygma
und Dogma“ (Herbst 2001:369), nimmt er Einfluss auf das aktuelle theologische Denken, vor
allem in der Praktischen Theologie.
Bei zurückgehenden Kirchenmitgliedern, vor allem in Ostdeutschland, und der
aktuellen gesellschaftlichen Situation, gewinnt die missionarische Herausforderung neu an
Zustimmung (:378). Gerade in dieser Situation ist das Thema nach Leiterschaft, die Gemeinde
auf den Weg zum Wachstum bringt, äußerst relevant. Michael Herbst hat zu diesem Thema
einige Beiträge veröffentlicht.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 ZUR RELEVANZ DES THEMAS
1.2 FRAGESTELLUNG UND EINGRENZUNGEN
2 LEITERSCHAFT NACH MICHAEL HERBST
2.1 DER BEGRIFF KYBERNETIK
2.2 WESENTLICHE KENNZEICHEN KIRCHLICHER LEITERSCHAFT
2.2.1 Die Überwindung der Pfarrkirche
2.2.2 Leiterschaft im Team
2.2.3 Leiterschaft zum Wachstum
2.2.4 Leiterschaft durch Spirituelles Gemeindemanagement
2.2.5 Leiterschaft durch Lehren
3 RELEVANZ FÜR DIE GENERATION X
3.1 CHARAKTERISTIKA DER GENERATION X
3.2 RELEVANZ DER LEITERSCHAFTSKENNZEICHEN FÜR DIE GENERATION X
4 ABSCHLIESSENDES FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Leitungsmodell von Professor Michael Herbst auf die Bedürfnisse und Charakteristika der sogenannten Generation X übertragbar ist. Dabei wird analysiert, ob diese Generation die notwendige Motivation sowie die Fähigkeiten besitzt, die von Herbst definierten Leiterschaftskennzeichen in heutigen Kirchengemeinden produktiv umzusetzen.
- Analyse der kirchlichen Leiterschaftskonzepte von Michael Herbst
- Charakterisierung der Generation X (Werte, Erwartungen und Arbeitsweise)
- Kritische Reflexion der Übertragbarkeit von Leitungsmodellen auf jüngere Generationen
- Untersuchung von Spannungsfeldern zwischen traditionellen Strukturen und moderner Leiterschaft
- Rolle von spirituellem Gemeindemanagement im Kontext der heutigen Gemeindepraxis
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Überwindung der Pfarrkirche
Die erste kybernetische Grundentscheidung der Doktorarbeit von Herbst: Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche, bezieht sich auf ein verändertes Leiterschaftsmodell der Pfarrer in der Landeskirche. Die zweite Grundentscheidung betrifft die Laien und die praktische Umsetzung der Priesterschaft aller Gläubigen (Herbst 1993:15-16). An beiden Grundentscheidungen lässt sich der Schwerpunkt einer Überwindung der Pfarrkirche erkennen.
Herbst ist sich zu dem damaligen Zeitpunkt sicher: „Die Volkskirche ist Pfarrerskirche“ (:311). Die Liste der Erwartungen an den Pfarrer ließe sich beliebig fortsetzen (:312). Herbst ist es ein Anliegen, dass die Pfarrerzentrierung „als Krankheitssymptom der Volkskirche zuerst wahr- und dann auch angenommen werden, bevor sie wirksam bekämpft werden kann“ (:313). Diese Veränderung ist wiederum ohne Pfarrer nicht möglich. Veränderung und missionarischer Gemeindeaufbau wird in der Regel mit einer Initiative des Pfarrers beginnen (:314-315). Der Pfarrer sollte sowohl als ein Laie, d. h. als ein Glied des Gottesvolkes, als auch als ein Gegenüber der Gemeinde gestellt sein (:333). Für den Dienst der Leitung bedeutet dies, dass der Pfarrer a) in dem Kreis der Ältesten eingebunden ist (:334), b) durch die Verkündigung leitet (:334-335), c) Charismen der Heiligen entdeckt, stimuliert und koordiniert und so zum Ausbilder der Mitarbeiter wird (:335), d) durch Konfliktfähigkeit an der Einheit dient (:336-337), e) ein Spiritueller ist, der die Gemeindeglieder zum geistlichen Leben anleitet und schließlich (:337-338) f) Zeuge ist und im Alltag in Begegnung mit Menschen persönlich auf Christus hinweist (:338).
Zur Überwindung der Pfarrkirche gehört bei Herbst die Leiterschaft in einem Team. Dieses Kennzeichen wird nun betrachtet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die Relevanz des Leiterschaftsmodells von Michael Herbst ein und beleuchtet die Herausforderung der Übernahme kirchlicher Leitung durch die Generation X.
2 LEITERSCHAFT NACH MICHAEL HERBST: Hier werden die zentralen Säulen des Leiterschaftskonzepts von Herbst, wie die Überwindung der Pfarrerskirche, Teamleitung, Wachstumsorientierung, Managementansätze und lehrende Leiterschaft, theoretisch fundiert dargelegt.
3 RELEVANZ FÜR DIE GENERATION X: Dieses Kapitel setzt die theoretischen Konzepte in Bezug zu den spezifischen Verhaltensweisen und Werten der Generation X und reflektiert deren Umsetzbarkeit in der kirchlichen Realität.
4 ABSCHLIESSENDES FAZIT: Das Fazit resümiert, dass das Modell von Herbst trotz hoher Anforderungen durch eine motivierende Art Potenzial für die Generation X bietet, sofern Unvollkommenheit und moderne Arbeitsweisen stärker integriert werden.
Schlüsselwörter
Michael Herbst, Praktische Theologie, Gemeindeaufbau, Generation X, Kirchliche Leiterschaft, Kybernetik, Spirituelles Gemeindemanagement, Missionarischer Gemeindeaufbau, Teamleitung, Priesterschaft aller Gläubigen, Volkskirche, Gemeindeleitung, Führungskompetenz, Ehrenamt, Innovation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Leiterschaftsmodell von Michael Herbst im Hinblick auf dessen Relevanz und Anwendbarkeit für die nachwachsende Generation X in christlichen Kirchengemeinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die missionarische Gemeindeentwicklung, die Definition kirchlicher Leiterschaft, die Theorie des spirituellen Gemeindemanagements sowie die soziologische Charakterisierung der Generation X.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit das Modell von Herbst auf die Generation X übertragbar ist und ob diese Generation die notwendige Motivation und Fähigkeit mitbringt, diese Leitungsansätze erfolgreich zu übernehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse der Schriften und Veröffentlichungen von Michael Herbst sowie der Auswertung soziologischer und theologischer Literatur zur Charakterisierung von Generationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der fünf Kennzeichen kirchlicher Leiterschaft nach Herbst (Überwindung der Pfarrkirche, Teamarbeit, Wachstum, Management, Lehren) und deren kritische Analyse im Kontext der Generation X.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Gemeindeaufbau, Generation X, Leiterschaft, Kybernetik, spirituelles Gemeindemanagement und missionarische Herausforderung.
Wie unterscheidet Michael Herbst zwischen "Leiten" und "Führen"?
Herbst ordnet "Leitung" der Richtigkeit des Tuns und der Effizienz zu, während "Führung" das strategische Ziel verfolgt, die richtigen Dinge zu tun, um Effektivität zu erreichen.
Welche Kritik äußert die Arbeit bezüglich des Konzepts von Herbst?
Die Arbeit merkt kritisch an, dass der Umgang mit Scheitern, Unvollkommenheit und die persönlichen Belastungen für Leiter in den Modellen von Herbst zu wenig Raum einnehmen, was bei der Generation X zu Frustration führen kann.
Warum ist das "Spirituelle Gemeindemanagement" für die Generation X eine Herausforderung?
Es verlangt eine Kombination aus theologischer, missionarischer und hoher unternehmerischer Kompetenz, was für Einzelpersonen als ein sehr hohes Ideal wahrgenommen werden kann, das im Widerspruch zum Wunsch nach ausgewogener Lebensqualität steht.
- Quote paper
- Rouven Hönes (Author), 2010, Der heutige Leiter als Schlüsselperson für Gemeindewachstum?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166452