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Merkmale politischer Religion in Hitlerjugend und Freier Deutscher Jugend

Title: Merkmale politischer Religion in Hitlerjugend und Freier Deutscher Jugend

Diploma Thesis , 2007 , 101 Pages

Autor:in: Stephanie Walter (Author)

Politics - History of Political Systems

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Im 20. Jahrhundert haben zwei deutsche Diktaturen von sehr unterschiedlichem Wesen ihre Macht gemäß ihrer Zielvorstellungen ausgeübt. Die nationalsozialistische Diktatur vernichtete Millionen von Menschen und scheute auch nicht davor zurück, Kinder und Jugendliche zur Machterhaltung des Regimes in den Krieg zu schicken. Eine physische Vernichtung in dieser kaum fassbaren Größenordnung hat es in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) nicht gegeben. Doch auch hier wurden Menschen ermordet, eingesperrt, vor allem aber psychisch durch ein ausgefeiltes Bespitzelungssystem zersetzt.
Beide Systeme waren jedoch bemüht, dieses Vorgehen zu vertuschen, zu rechtfertigen und sich in einem möglichst positiven Licht darzustellen, um ihre Anhänger zu halten und neue zu gewinnen. Sie bedienten sich dabei verschiedener Instrumente, um die Gesellschaft in ihrem Sinne umzuformen. Zusammengefasst in verschiedene Organisationen sollten die Menschen unter ihre totale Kontrolle gelangen und mit einer Vielzahl von Mitteln beeinflusst werden.
Hierzu gehörten unter anderem Aufmärsche und Lieder, deren Einsatz eng mit der Vermittlung der weltanschaulichen Botschaften verknüpft war und an eine Religion erinnernde Züge trug, obwohl gleichzeitig die Eliminierung religiöser Tendenzen angestrebt wurde.
Dieser nur scheinbare Widerspruch kann mit der Theorie, der politischen Religion aufgelöst und erklärt werden. Auf dieser Grundlage können die Gemeinsamkeiten, die für beide Regimes trotz ihrer Verschiedenheit festzustellen sind, in verschiedenen Bereichen analysiert werden.
Im Rahmen dieser Arbeit soll das am Beispiel der Jugendorganisationen beider Systeme gezeigt werden, die in Hitlerjugend (HJ) und Freier Deutscher Jugend (FDJ) ihren Nachwuchs heranziehen wollten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problembeschreibung

2.1 Relevanz

2.2 Untersuchungsgegenstand

2.3 Literaturlage und Forschungsstand

3. Methodisches Vorgehen

3.1 Die HJ

3.1.1 Organisation

3.2 Die FDJ bis 1961

3.2.1 Organisation

3.3 Das Konzept der politischen Religion

4. Analyse

4.1 Die Fahne

4.1.1 Die Fahne in der HJ

4.1.2 Die Fahne in der FDJ

4.1.3 Vergleich der Fahnen

4.2 Die Grußrituale

4.2.1 Der Gruß in der HJ

4.2.2 Der Gruß in der FDJ

4.2.3 Vergleich der Grußrituale

4.3 Das Liedgut

4.3.1 Das Liedgut in der HJ

4.3.2 Das Liedgut in der FDJ

4.3.3 Vergleich des Liedguts

4.4 Die Gelöbnisfeiern

4.4.1 Die Gelöbnisfeier in der HJ

4.4.2 Die Gelöbnisfeier in der FDJ

4.4.3 Vergleich der Gelöbnisfeiern

4.5 Der Personenkult

4.5.1 Der Personenkult in der HJ

4.5.2 Der Personenkult in der FDJ

4.5.3 Vergleich der Personenkulte

4.6 Massenveranstaltungen und Aufmärsche

4.6.1 Massenveranstaltungen und Aufmärsche der HJ

4.6.2 Massenveranstaltungen und Aufmärsche der FDJ

4.6.3 Vergleich der Massenveranstaltungen und Aufmärsche

4.7 Ferienlager und Fahrten

4.7.1 Ferienlager und Fahrten der HJ

4.7.2 Ferienlager und Fahrten der FDJ

4.7.3 Vergleich der Ferienlager und Fahrten

5. Ergebnis

5.1 Ausblick

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines diachronen Vergleichs, inwieweit die Jugendorganisationen des Nationalsozialismus (Hitlerjugend, HJ) und der DDR (Freie Deutsche Jugend, FDJ) Merkmale politischer Religion aufwiesen. Ziel ist es, auf Basis der Theorie der politischen Religion Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Instrumentalisierung der Jugend zu identifizieren und zu analysieren, wie beide Systeme durch ritualisierte Abläufe und Symbole gesellschaftliche Kontrolle ausübten.

  • Analyse politisch-religiöser Instrumente (Symbole, Rituale, Mythen) in HJ und FDJ
  • Vergleichende Untersuchung der nationalsozialistischen und marxistisch-leninistischen Weltanschauung
  • Untersuchung von Personenkult und Führungsverherrlichung
  • Evaluierung von Massenveranstaltungen und Ferienlagern als Mittel der Indoktrination
  • Gegenüberstellung von Verhaltensnormen und erzieherischen Methoden in totalitären Systemen

Auszug aus dem Buch

3.3 Das Konzept der politischen Religion

Politische Religionen sind eng mit dem Begriff des Totalitarismus verknüpft. Aktuelle Beiträge finden sich hierzu bei Emilio Gentile und Juan J. Linz. Gentile definiert die von Hannah Arendt als bisher unbekannt bezeichnete „Staatsform“ des Totalitarismus als „Experiment politischer Herrschaft, initiiert von einer revolutionären Bewegung mit einem vereinnahmenden Politikkonzept, die nach dem Monopol der politischen Macht strebt und, nachdem sie dieses auf legalem oder nichtlegalem Weg erobert hat, das vorgefundene politische System entweder zerstört oder transformiert und so einen neuen Staat schafft, der auf einem Einparteiensystem basiert und als Hauptziel die Eroberung der Gesellschaft hat, d.h. die Unterdrückung, Integration und Gleichschaltung der Regierten auf Grundlage der vereinnahmenden Politisierung der individuellen und kollektiven Existenz, welche nach den Kategorien, Mythen und Werten einer Erneuerungsideologie interpretiert wird, institutionalisiert als politische Religion, die das Individuum und die Massen durch eine anthropologische Revolution formen, um einen neuen Menschen zu schaffen, der Körper und Seele den revolutionären und imperialistischen Zielen der totalitären Partei widmet, um am Ende eine neue supranationale Zivilisation zu schaffen.“

Linz findet eine dynamische Definition, nach der sich totalitäre von autoritären Diktaturen v.a. durch den Grad des politischen Pluralismus, der ideologischen Ausrichtung, der gelenkten politischen Mobilisation sowie der politischen Repression unterscheiden. Ein totales System zeichnet sich demnach durch Machtzentrum aus und macht sich eine exklusive und ausgearbeitete Ideologie zu eigen. Es forciert die Mobilisierung der Massen und wird durch systematische, willkürliche Verletzung der Menschenrechte bestimmt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der politischen Religion in totalitären deutschen Diktaturen ein und begründet die Wahl der Jugendorganisationen als Untersuchungsobjekt.

2. Problembeschreibung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Untersuchung, den Untersuchungsgegenstand sowie den aktuellen Forschungsstand zum Thema der politischen Indoktrination von Jugendlichen.

3. Methodisches Vorgehen: Hier werden das theoretische Konzept der politischen Religion sowie die methodischen Grundlagen für den diachronen Vergleich zwischen HJ und FDJ festgelegt.

4. Analyse: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die verschiedenen Instrumente wie Fahnen, Grußrituale, Liedgut, Gelöbnisfeiern, Personenkult, Massenveranstaltungen und Ferienlager in beiden Organisationen.

5. Ergebnis: Das abschließende Kapitel fasst die Analyseschritte zusammen und bewertet die Rolle politisch-religiöser Merkmale innerhalb der untersuchten Jugendorganisationen.

Schlüsselwörter

Politische Religion, Nationalsozialismus, DDR, Hitlerjugend, HJ, Freie Deutsche Jugend, FDJ, Totalitarismus, Indoktrination, Personenkult, Massenveranstaltung, Politische Erziehung, Ideologie, Ritual, Jugendorganisation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Jugendorganisationen von Nationalsozialismus (HJ) und DDR (FDJ) unter dem Aspekt der Theorie der politischen Religion.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?

Im Zentrum stehen die Instrumentalisierung von Jugendlichen durch Symbole, Rituale, Lieder, Massenaufmärsche und Personenkult zur Sicherung der totalitären Herrschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass beide Organisationen Elemente politischer Religion nutzten, um ihre Mitglieder ideologisch zu formen und emotional an das jeweilige System zu binden.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird ein diachroner Vergleich auf Basis des Konzepts der „politischen Religion“ durchgeführt, ergänzt durch eine qualitative Quellenanalyse von Primärliteratur, Liedern und Dokumenten der Organisationen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Indikatoren wie Fahnenkulte, Grußrituale, das Liedgut, Gelöbnisfeiern, den Personenkult (Hitler/Stalin) sowie Massenveranstaltungen und Ferienlager im Vergleich.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind politische Religion, Indoktrination, Totalitarismus, Jugendorganisation, Ideologie, Rituale und die vergleichende Analyse zwischen HJ und FDJ.

Wie unterscheiden sich die Ansätze von HJ und FDJ beim Personenkult?

Während der HJ-Personenkult stark auf eine gottgleiche Verehrung Hitlers als Heilsbringer fokussierte, basierte der FDJ-Personenkult (besonders bei Stalin) zwar auf ähnlichen religiös anmutenden Strukturen, jedoch innerhalb eines explizit atheistischen marxistisch-leninistischen Rahmens.

Welche Bedeutung hatten die „Gelöbnisfeiern“ für die Jugendlichen?

Diese Feiern sollten analog zu religiösen Riten wie der Konfirmation fungieren und die Jugendlichen verbindlich an die Ideologie und Gemeinschaft binden, indem sie durch Sprechchöre und Liturgie eine kollektive Identität erfuhren.

Excerpt out of 101 pages  - scroll top

Details

Title
Merkmale politischer Religion in Hitlerjugend und Freier Deutscher Jugend
College
Free University of Berlin
Author
Stephanie Walter (Author)
Publication Year
2007
Pages
101
Catalog Number
V166443
ISBN (eBook)
9783640825394
ISBN (Book)
9783640825639
Language
German
Tags
Politische Religion Eric Voegelin FDJ HJ Nationalsozialismus Jugend Jugendorganisationen Diktatur DDR
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stephanie Walter (Author), 2007, Merkmale politischer Religion in Hitlerjugend und Freier Deutscher Jugend, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166443
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