Mir soll es in meiner Hausarbeit nicht um die Fragen „Was ist Rhetorik?“ und „Welche Macht haben die Rhetoriker im Staate?“ an sich gehen, sondern eher um die Art und Weise, wie sich Gorgias und Polos im Verlaufe ihrer Dialoge in Widersprüche verwickeln und wie diese durch Sokrates aufgedeckt werden.
Auch hoffe ich beurteilen zu können, ob Sokrates einen Anteil daran hat, dass sich die besagten Personen in diese Ungereimtheiten ihrer Argumentationen verstricken. Außerdem werde ich versuchen eine Aussage darüber zu treffen, ob die Beweisführung des Sokrates noch Erfolg haben könnte, wenn die von Gorgias und Polos angesprochenen Fehler nicht begangen worden wären.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Vorüberlegungen
3. Widerlegung des Gorgias
3.1. Die Prämissen des Gorgias
3.2. Die Widersprüche des Gorgias
3.3. Kritik an Sokrates' Argumentation I
4. Widerlegung des Polos
4.1 Die Widersprüche des Polos
4.2 Kritik an Sokrates' Argumentation II
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das logische Vorgehen des Sokrates in Platons Dialog „Gorgias“. Ziel ist es, die dialektische Methode des Sokrates zu analysieren, mit der er seine Gesprächspartner Gorgias und Polos durch die Aufdeckung von Prämissenwidersprüchen in ihre Schranken weist und zu eigenen Konklusionen führt.
- Logische Analyse von Argumentationsstrukturen in Platons Dialogen
- Gegenüberstellung von rhetorischer Überredung und logischer Beweisführung
- Aufdeckung von Widersprüchen in den Prämissen von Gorgias und Polos
- Untersuchung der Rolle des Sokrates als dialektischer Gesprächsführer
- Kritische Reflexion über die Validität sokratischer Analogieschlüsse
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Widersprüche des Gorgias
Der erste Widerspruch, welcher sich in der Argumentation des Gorgias finden lässt ist schnell dargelegt. Ohne großes Suchen findet man zwei Prämissen die sich gegenseitig ausschließen. In 455a gibt Gorgias zu, dass die Redekunst diejenige Kunst ist, welche die Überredung aus dem Glauben bewirkt und nicht die, welche aus dem Wissen hervor geht. Im Abschnitt 459e jedoch sagt Gorgias, dass er als Redner weiß was gerecht ist und wenn jemand von ihm lernen wolle was Gerechtigkeit ist, so könne er es ihm ohne Weiteres mit Hilfe der Rhetorik beibringen. Da sich diese beiden Aussagen gegenseitig ausschließen, liegt hier der erste Widerspruch in Gorgias’ Argumentation vor.
Als Ausgangspunkt für den zweiten Widerspruch ist folgende Aussage von Wichtigkeit: „Sokrates: Und auch wer das Gerechte gelernt hat, der ist doch nach diesem Satze gerecht?“ (460b). Da Grogias vorher zugab als Rhetoriker zu wissen was Gerechtigkeit ist (459e), wird ihm das im Folgenden zum Verhängnis. Gorgias erkennt außerdem bedingungslos die Prämisse an, dass derjenige welcher gerecht ist, zwingend gerecht handeln muss. Da nun aber die Rhetoriker wissen was gerecht ist, müssen sie demnach gerecht sein und gerecht handeln. Also können die Redner niemals Unrecht tun und ihre Kunst somit nicht zu Unrecht anwenden. Dieser auch von Gorgias anerkannte Schluss steht aber im Widerspruch zu der Aussage, dass manche Rhetoriker ihre Kunst auch zu Unrecht anwenden können (457a). Nach den Regeln der Aussagenlogik kann also nur eine der geäußerten Schlüsse nicht stimmen. Da Gorgias den Schluss des Sokrates jedoch bedingungslos anerkannt, muss er seine Prämisse verwerfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Der Autor erläutert die Motivation, die logischen Schließvorgänge im „Gorgias“ aus mathematisch-philosophischer Sicht zu untersuchen und die Gesprächsführung des Sokrates kritisch zu hinterfragen.
2. Theoretische Vorüberlegungen: Es werden grundlegende Prinzipien der Aussagenlogik definiert, insbesondere das Zweiwertigkeitsprinzip und die formale Gültigkeit von Schlüssen.
3. Widerlegung des Gorgias: Dieses Kapitel führt die Ausgangsprämissen des Gorgias ein und zeigt auf, wie diese durch innere Widersprüche von Sokrates demontiert werden.
3.1. Die Prämissen des Gorgias: Darstellung der rhetorischen Selbstdefinition des Gorgias und seiner Annahmen über die Vermittelbarkeit von Gerechtigkeit.
3.2. Die Widersprüche des Gorgias: Analyse der logischen Unvereinbarkeiten zwischen den von Gorgias aufgestellten Thesen.
3.3. Kritik an Sokrates' Argumentation I: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Verwendung von Analogieschlüssen durch Sokrates im ersten Teil des Dialogs.
4. Widerlegung des Polos: Untersuchung der Auseinandersetzung mit Polos, wobei der Fokus auf den Begriffen Macht, Unrecht tun und Unrecht leiden liegt.
4.1 Die Widersprüche des Polos: Dekonstruktion der von Polos vertretenen Auffassungen zu Macht und zum moralischen Wert von Bestrafung.
4.2 Kritik an Sokrates' Argumentation II: Analyse der argumentativen „Tricks“ des Sokrates im Gespräch mit Polos und eine Bewertung der argumentativen Integrität.
Schlüsselwörter
Platon, Gorgias, Sokrates, Logik, Aussagenlogik, Dialektik, Rhetorik, Prämissen, Konklusion, Widerlegung, Gerechtigkeit, Analogieschlüsse, Argumentationsanalyse, Sophistik, Unrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den logischen Schließvorgängen innerhalb des platonischen Dialogs „Gorgias“, insbesondere mit der Art und Weise, wie Sokrates seine Gesprächspartner durch logische Argumentation widerlegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Aussagenlogik, die Kritik an der Rhetorik und die moralphilosophische Untersuchung von Gerechtigkeit, Bestrafung und menschlichem Handeln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Analyse der argumentativen Strategien des Sokrates, um zu beurteilen, ob dessen Schlussfolgerungen zwingend logisch sind oder ob sie auf rhetorischen Kniffen beruhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt Ansätze der formalen Logik und der Aussagenlogik, um die Dialoge zwischen Sokrates und seinen Gesprächspartnern auf ihre Validität hin zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Untersuchung der Widerlegungen des Gorgias und des Polos, inklusive einer kritischen Bewertung der von Sokrates verwendeten Analogieschlüsse und logischen Fallen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Dialektik, Prämissen, Widerspruch, Rhetorik und logisches Schließen.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Sokrates?
Der Autor erkennt die intellektuelle Schärfe des Sokrates an, merkt jedoch kritisch an, dass Sokrates mit geschickten Kniffen und teils problematischen Analogieschlüssen arbeitet, um seine Ziele zu erreichen.
Warum ist das Schlussbeispiel für das Verständnis wichtig?
Das Schlussbeispiel visualisiert die logische Kette des Sokrates zum Thema „Bestrafung“ und verdeutlicht, wie durch eine Aneinanderreihung von Prämissen eine für den Gesprächspartner überraschende Konklusion herbeigeführt wird.
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- Andreas Sommer (Author), 2005, Sokrates - Vertreter des logischen Schließens?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166257