Chinas Engagement in Afrika ist in den letzten Jahren überdurchschnittlich gestiegen und wird von der westlichen Welt mit Argwohn betrachtet. In den geführten Diskussionen werden immer wieder die gleichen Fragen aufgeworfen. Was genau will China in Afrika? Betreibt China Entwicklungshilfe oder beutet es Afrika wirtschaftlich aus? Ist China eine Gefahr für die Entwicklungszusammenarbeit der alten Akteure? In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich das Engagement Chinas in Afrika näher untersuchen. Zuerst ist zuklären, ob man das Wirken Chinas überhaupt aus dem Blickwinkel der Entwicklungszusammenarbeit betrachten kann. Dazu wird kurz eine Definition der Entwicklungshilfe und deren Ziele gegeben und untersucht inwiefern Chinas Aktivitäten in diese Sparte hineinfallen.
Im Hauptteil der Arbeit möchte ich deutlich die Vor- und Nachteile der Aktivitäten Chinas im Bezug auf Afrika darlegen. Da noch immer kaum belastbare Daten und nur wenige empirische Untersuchungen vorliegen , werde ich den Schwerpunkt auf die Zusammenhänge legen und nicht spezifisch auf die einzelnen Details eingehen.
Das Ziel der Arbeit ist eine abschließende Bewertung der Aktivitäten Chinas in Bezug auf Afrika und dessen Entwicklung sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Entwicklungszusammenarbeit der alten Akteure.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Entwicklungshilfe
2.1. Entwicklungshilfe der alten Akteure
2.2. Entwicklungshilfe der neuen Akteure Beispiel Chinas
3. Chinas Interesse an Afrika
4. Chinas Engagement in Afrika und deren Auswirkungen auf die Entwicklung Afrikas
4.1. Wirtschaftliche Hilfe/Komponente
4.1.2. In der Rohstoffindustrie
4.1.3. In der Textilindustrie
4.1.4. In der Holzindustrie
4.2. Direktinvestitionen
4.3. Soziale Hilfe/Komponente
5. Folgen für die alten Akteure und die EZ
6. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das zunehmende wirtschaftliche Engagement Chinas in Afrika unter der Fragestellung, ob dieses Wirken als eine neue Form der Entwicklungshilfe interpretiert werden kann oder primär eigennützigen Interessen dient. Ziel ist eine abschließende Bewertung der Auswirkungen auf die afrikanische Entwicklung sowie der Konsequenzen für die etablierte westliche Entwicklungszusammenarbeit.
- Definition und Ziele klassischer Entwicklungshilfe im Vergleich zum chinesischen Vorgehen.
- Analyse des chinesischen Zugriffs auf afrikanische Rohstoffe und Märkte.
- Bewertung der ökonomischen Auswirkungen in den Sektoren Rohstoff-, Textil- und Holzindustrie.
- Untersuchung der Rolle von Direktinvestitionen und sozialer Hilfskomponenten.
- Bewertung der Konsequenzen für die traditionellen Geberländer und deren Strategien.
Auszug aus dem Buch
4.1.2. In der Rohstoffindustrie
Chinesische Baufirmen erhalten bevorzugt den Zuschlag für Bauprojekte in Afrika. Sie erhalten bereits bis zu 1/3 der öffentlichen ausgeschriebenen Projekte. Im Gegensatz zu den westlichen Baufirmen besitzen sie die besseren Konditionen. Sie arbeiten kostengünstiger und zügiger als ihre Konkurrenz bei gleicher Qualität12. Dies treibt die Entwicklung Afrikas schneller voran und ist daher positiv zu werten. Jedoch importieren die chinesischen Baufirmen ihre Arbeiter und die benötigten Baumaterialien aus dem eigenen Land, anstatt die Arbeitskräfte sowie das Materialvorkommen vor Ort zu nutzen. Somit wird die Möglichkeit Arbeitsplätze zu schaffen nicht wahrgenommen. Im Gegenteil werden sogar welche gefährdet.
Aufgrund der Knappheit von Rohstoffen in den Industrieländern werden die Weltmarktpreise für Rohstoffe langzeitlich gesehen steigen. Die Industriestaaten sind daher finanziell und aus Mangel an eigenen Rohstoffen genötigt billigere und andere Rohstoffvorkommen zu suchen. Daher kommt es zu einer erhöhten Nachfrage von Rohstoffen in den armen, aber an Rohstoff reichen Länder. Dieser Faktor erweitert erheblich den Handlungsspielraum für die Afrikanischen Regierung und sie könnten Quoten von lokal Beschäftigen bzw. lokalen Zulieferer von Materialien verlangen13. Dies würde sich positiv auf die Armutsbekämpfung auswirken. In einigen Bauprojekten wird dies schon berücksichtigt wie z. B. beim Bau des Autobahnringes um Deka und Addis Abeba, welcher zur Entlastung der Stadt beitragen soll.
Die beteiligten chinesischen Firmen arbeiten nur mit lokalem Personal und lokalen Subunternehmen zusammen.
Die Nachfrage nach Rohstoffen verstärkt das Wirtschaftswachstum Afrikas, wobei die Chinesische Rohstoffimporte einen wesentliche Einnahmefaktor für afrikanische Regierungen darstellen.14 Die Sekundäreffekte sind aber abhängig von der Vertragsgestaltung zwischen den afrikanischen Regierungen und den chinesischen Exportfirmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das gestiegene Engagement Chinas in Afrika vor und formuliert das Ziel der Arbeit, Chinas Wirken im Kontext der Entwicklungshilfe zu bewerten.
2. Allgemeine Entwicklungshilfe: Es werden die Definitionen und Ziele der westlichen Entwicklungshilfe erläutert und mit der chinesischen Herangehensweise, die oft auf gegenseitige Entwicklung und Nichteinmischung setzt, kontrastiert.
3. Chinas Interesse an Afrika: Dieses Kapitel beleuchtet, dass Chinas Hauptinteressen primär im Zugang zu Rohstoffen und der Erschließung neuer Absatzmärkte liegen, wobei die Hilfe ein Mittel zum strategischen Vorteil ist.
4. Chinas Engagement in Afrika und deren Auswirkungen auf die Entwicklung Afrikas: Eine detaillierte Analyse der chinesischen Aktivitäten in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Textilindustrie, Holzhandel sowie Direktinvestitionen und soziale Projekte.
5. Folgen für die alten Akteure und die EZ: Es wird analysiert, wie Chinas erfolgreiches, schnelles Vorgehen die westlichen Geberländer unter Druck setzt, ihre eigenen Strategien zu überdenken.
6. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass China kein klassischer Akteur der Entwicklungspolitik ist, aber sein Wirken als wirtschaftlich orientiertes Beiprodukt, das Integration fördert, eine Neubewertung der westlichen EZ notwendig macht.
Schlüsselwörter
China, Afrika, Entwicklungshilfe, Entwicklungszusammenarbeit, Wirtschaftswachstum, Rohstoffe, Direktinvestitionen, Nicht-Einmischungs-Politik, Textilindustrie, Holzindustrie, Infrastruktur, Armutsbekämpfung, Geberländer, Handelsbeziehungen, Wirtschaftliche Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das verstärkte wirtschaftliche Engagement Chinas in afrikanischen Ländern und prüft, inwiefern dieses als neue Form der Entwicklungshilfe einzuordnen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf dem chinesischen Rohstoffhunger, der Förderung afrikanischer Infrastruktur, der Wirkung auf lokale Industrien sowie den Auswirkungen auf die etablierte westliche Entwicklungspolitik.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine kritische Bewertung der Aktivitäten Chinas und die Ableitung von Konsequenzen für die Strategien der westlichen Entwicklungszusammenarbeit.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse sowie der Auswertung bestehender empirischer Daten und Fachberichte, um Zusammenhänge zwischen Chinas Investitionen und der Entwicklung Afrikas aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung spezifischer Sektoren wie der Rohstoff-, Textil- und Holzindustrie, analysiert Direktinvestitionen und betrachtet soziale sowie politisch relevante Hilfskomponenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den Kernbegriffen zählen Chinas Engagement, Entwicklungshilfe, Rohstoffsicherung, Wirtschaftswachstum, Nichteinmischung und die veränderten Rollenbilder traditioneller Geberländer.
Wie bewertet die Autorin die Rolle Chinas im Vergleich zum Westen?
Die Autorin stellt fest, dass China durch schnellere, kostengünstigere und sichtbare Erfolge attraktiv für afrikanische Eliten wirkt, während westliche Konzepte oft durch zu hohe bürokratische oder politische Auflagen an Dynamik verlieren.
Welche ökologischen Risiken werden im Kontext der Holzindustrie thematisiert?
Es wird aufgezeigt, dass Chinas hoher Bedarf an Tropenholz den Waldverlust in Afrika beschleunigt, da dort oft keine nachhaltige Forstwirtschaft betrieben wird, was zu einem Konflikt zwischen ökonomischem Interesse und ökologischer Verantwortung führt.
- Arbeit zitieren
- Nicole Lenz (Autor:in), 2010, Chinas Engagement in Afrika, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166210