Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen diese Phänomene der „Exotismen“ in der deutschen Gegenwartssprache auf lexikalischer und morphologischer Ebene untersucht und der Versuch einer Systematisierung und gegebenenfalls Neudefinition unternommen werden.
Dafür wurden diverse Lexeme aufgrund ihrer Herkunftssprachen, die laut Aufgabenstellung nicht zu den romanischen, griechisch-lateinischen, englischen oder slawischen Sprachfamilien gehören sollten, selektiert. Die gefundenen Beispielwörter stellen die Basis des Wortkörpers dar, der sich auf die lexikographische Basis des Schülerduden-Fremdwörterbuches stützt .
Es stellt sich hier nicht die Frage, inwiefern diese Wörter als „fremd“ in der deutschen Standardsprache empfunden werden oder ob sie partiell oder vollkommen in das deutsche Kernsystem integriert sind, da sich der Prozess der Integration als fließender Vorgang mit problematischen Grenzen ausweist und die hier behandelten Lexeme ohnehin nicht als „heimisch“ empfunden werden . Die meisten werden sogar bewusst „zitierend“ verwendet, um eine aktuelle Weltgewandtheit und exotische Modernität zu vermitteln. Allerdings werden im Rahmen dieser Arbeit ausgewählte, lexikalisierte Wörter auf ihre „internationalen“ und „exotischen“ Charakteristika untersucht, die implizit eine fremde Herkunft konditionieren und so die Problematik um die Integration nicht vollkommen ausschließen.
Die Arbeit umfasst drei Haupteile. Im ersten Teil werden einige Arabismen vorgestellt, deren lexikalischer Einfluss der semitischen Sprachfamilie (z.B. arabisch, türkisch, persisch, hebräisch ) auf das Deutsche in kulturgeschichtlicher Hinsicht, exemplarisch betrachtet wird. Daran schließt sich ein kleiner Forschungsüberblick über Internationalismen an, in den sich die Definitionsproblematik und der Systematisierungsversuch der untersuchten Lexeme einbetten. Im letzten Teil wird anhand des Wortkörpers praktisch gearbeitet, wobei sich im Rahmen der Wortschatzerweiterung einigen ausgewählten Fragestellungen der Fremdwortbildung zugewandt wird.
Inhaltsverzeichnis
0. Gliederung
1. Einleitung
2. Arbeitsmethode
3. Der Wortkörper
4. Arabismen im Deutschen
4.1. Einführung
4.2. direkte arabisch-deutsche Transferenzen
4.2.1. Literatur und Reisebeschreibungen
4.2.2. lexikographisch-internationaler Teil
5. Internationalismen und Exotismen
5.1. Forschungsüberblick
5.2. Internationalismen und Exotismen – Definitionsansätze
5.2.1. Internationalismen und Exotismen – eine Problemsammlung
5.2.2. Interexotismen – ein Definitionsversuch
6. Betrachtungen am Wortkörper
6.1. Interexotismen als Fremdwortbildungselemente
6.2. flexionsmorphologische Probleme: Genus und Plural
6.3. Interexotismen nach thematisch-idiomatischen Wortgruppen
6.3.1. Japanisch
6.3.2. Arabisch/Türkisch/Persisch
6.3.3. Sanskrit/Hindi
6.3.4. Norwegisch/Schwedisch/Finnisch/Isländisch/Inuit
6.3.5. Malaiisch/ Polynesisch/Tamilisch/Indonesisch/Maorisch
6.3.6. Chinesisch/Koreanisch/Tibetanisch/Mongolisch/Nepalesisch
6.3.7. Afrikanisch
6.3.8.Indianische Sprachen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht Phänomene außereuropäischer Lehnwörter in der deutschen Gegenwartssprache, um diese systematisch zu erfassen und den neuen Begriff „Interexotismen“ als definitorische Ergänzung zu den bestehenden Kategorien der Internationalismen und Exotismen einzuführen.
- Analyse des Einflusses arabischer Lexeme auf das Deutsche im kulturgeschichtlichen Kontext.
- Erörterung der Definitionsproblematik zwischen Internationalismen und Bezeichnungsexotismen.
- Erarbeitung des Begriffs „Interexotismen“ für direkt übernommene, außereuropäische Substantive.
- Untersuchung der fremdwortbildenden Potenziale, wie Komposition und Derivation.
- Systematische Einordnung des Wortkörpers in thematisch-idiomatische Wortgruppen.
Auszug aus dem Buch
5.2.2. Interexotismen – ein Definitionsversuch
Grundsätzlich möchte ich mich Brauns Beobachtung anschließen, dass Bezeichnungen für außereuropäische Referenzen international sind. Mit Blick auf den Wortkörper lassen sich, in diesem Fall, Internationalismen und Bezeichnungsexotismen nicht rigoros voneinander trennen bzw. nehmen diese ausgewählten Wörter eine Sonderposition ein. Bei Internationalismen scheint in vielen Fällen die Herkunftsfrage unlösbar zu sein, da kaum nachvollziehbar ist, welche „verzweigten Entlehnungswege die Internationalismen gegangen sind“ (Braun 1990: 27). Die im Wortkörper aufgeführten Lexeme sind hauptsächlich „phonologisch auffällig“ (ibid.), da sie z.B. aus asiatischen, afrikanischen oder indianischen Gebersprachen stammen.
Das Bedeutungsspektrum formal kongruenter Ausdrücke ist im Allgemeinen in den verschiedenen Vergleichssprachen unterschiedlich entfaltet. Im Normalfall wird nur eine einzelne (oft sehr spezielle) Bedeutungsvariante (1 Semem) mit Kontaktsprachen ausgetauscht; nur hinsichtlich dieser Bedeutungsvariante können die einzelsprachlichen Ausdrücke als äquivalente Internationalismen bezeichnet werden. (Volmert 1992: 100)
Die Anzahl der Sememe ist in den verglichenen Nehmersprachen identisch, allerdings können aufgrund von mangelnder Sprachbeherrschung weitere Bedeutungsvarianten, in den außereuropäischen Ausgangssprachen, nicht ausgeschlossen werden. Ausgehend von den oben beschriebenen Kategorisierungsproblemen von Internationalismen und Bezeichnungsexotismen, schlage ich vor die Wörter dieses Wortkörpers unter der Bezeichnung „Interexotismen“ zusammenzufassen. Dieser Versuch schließt, als Bedingung die außereuropäische Herkunftssprache und einen erhöhten quantitativen Gebrauch in der Nehmersprache ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle des Sprachwandels und des Sprachkontakts bei der lexikalischen Erweiterung im Zeitalter der Globalisierung.
2. Arbeitsmethode: In diesem Kapitel wird die methodische Herangehensweise zur Selektion und Untersuchung von außereuropäischen Lexemen dargelegt.
3. Der Wortkörper: Es wird die Auswahlgrundlage für die betrachteten, nicht-europäischen Gebersprachen des Wortkörpers definiert.
4. Arabismen im Deutschen: Dieses Kapitel behandelt exemplarisch den semitischen Einfluss, insbesondere durch Reisebeschreibungen und Literatur.
5. Internationalismen und Exotismen: Hier wird der theoretische Forschungsstand zu Internationalismen und Exotismen kritisch diskutiert und der Begriff „Interexotismen“ motiviert.
6. Betrachtungen am Wortkörper: Im Hauptteil werden die morphologischen Eigenschaften, wie Komposition und Derivation, sowie die Genuszuweisung und Pluralbildung der Interexotismen analysiert.
Schlüsselwörter
Interexotismen, Internationalismen, Exotismen, Sprachkontakt, Fremdwortbildung, Arabismen, Lehnwörter, Wortschatzerweiterung, Sprachwandel, Morphologie, Komposition, Derivation, Lexikologie, außereuropäische Sprachen, Schülerduden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie außereuropäische Fremdwörter in die deutsche Sprache integriert werden und welche linguistischen Besonderheiten dabei auftreten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Arabistik, der theoretischen Forschung zu Internationalismen sowie der morphologischen Analyse der Fremdwortbildung im Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die systematische Erfassung von nicht-europäischen Lehnwörtern und die Etablierung des Begriffs „Interexotismen“ zur präziseren Klassifizierung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine lexikographische und morphologische Analyse auf Basis des Schülerduden-Fremdwörterbuchs durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich mit anderen europäischen Sprachen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der praktischen Arbeit am Wortkörper, wobei die Bildung von Komposita und Derivaten sowie die Genuszuweisung bei Fremdwörtern im Fokus stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Interexotismen, Sprachkontakt, Fremdwortbildung, Arabismen und Morphologie sind für die theoretische Einordnung zentral.
Warum wurde der Begriff "Interexotismen" neu eingeführt?
Der Begriff schließt die Lücke zwischen den bereits definierten Internationalismen und den isolierten, rein zitierenden Exotismen, da er spezifisch für direkt importierte, außereuropäische Substantive steht.
Wie gehen Interexotismen mit der Genuszuweisung um?
Die Genuszuweisung bei Interexotismen ist schwierig, da oft keine direkte deutsche Entsprechung existiert und die Wörter bei ihrer Übernahme häufig Schwankungen unterliegen, bis sich ein Genus stabilisiert.
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- Simone Rost (Author), 2007, Interexotismen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166174