Als Grundlage für die Auseinandersetzung mit den Empfindsamkeitsvorstellungen betrachte ich zum einen Diderots Definition des wahren Schauspielers im Vergleich mit den anderen im Paradox dargestellten Schauspielertypen und zum anderen sein Verständnis von Kunst und Natur sowie deren Wechselbeziehung auf der Bühne. Der zentrale Themenpunkt "Zeitkrankheit der sensibilité" behandelt Diderots Kritikpunkte an der Empfindsamkeit sowohl künstlerische als auch körperliche Aspekte betreffend. Darauf folgend gilt es zu beweisen, dass die Empfindsamkeit im Paradox nicht bloß negativ gewertet wird, sondern als ein notwendiges Übel betrachtet werden könnte. So konträr, wie meine bisherigen Themenpunkte waren, scheint auch Diderots "Paradox über den Schauspieler" zu sein, was am Ende der Arbeit genauer beleuchtet wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der „wahre“ Schauspielertypus
2. Die „Un-Natur“ der Kunst
3. Die „Zeitkrankheit der sensibilité“
4. Empfindsamkeit – (k)ein rein negatives Attribut
5. Das Paradoxe am Paradox
Resümee
Bibliographie
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht Diderots Werk „Das Paradox über den Schauspieler“ im Hinblick auf den Begriff der „sensibilité“ (Empfindsamkeit). Das primäre Ziel ist es, den Bedeutungswandel und die differierende Wertung dieses Attributs in Diderots Schauspieltheorie zu analysieren, wobei insbesondere die Spannung zwischen emotionaler Unmittelbarkeit und rationaler schauspielerischer Kontrolle beleuchtet wird.
- Analyse des Begriffs „sensibilité“ im 18. Jahrhundert
- Gegenüberstellung von Gefühlsschauspielern und dem Idealtypus des „erhabenen“ Schauspielers
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Natur und Kunst auf der Bühne
- Betrachtung der psychophysischen Auswirkungen schauspielerischer Tätigkeit
- Hinterfragung des Paradox-Begriffs im Werk Diderots
Auszug aus dem Buch
Die „Un-Natur“ der Kunst
Der frühe Diderot (bis ca. 1760) war ein Naturenthusiast. Er war der Ansicht, dass der Künstler nicht über die Schönheit der Natur richten dürfe und seine Schöpfung der Natur wahrheitsgetreu und unbeschönigt angleichen sollte. Doch wie in so vielen Bereichen wandelte sich seine Position.
Der Diderot des Paradoxes geht nicht mehr davon aus, dass die Natur Gutes und Vollkommenes hervorbringen kann. Sondern für ihn ist die Natur, so wie sie ist, fehlerhaft und verdorben. Sie gibt dem Menschen zwar bestimmte Eigenschaften, „wie Gestalt, Stimme, Urteilskraft und Scharfsinn“, doch diese allein reichen nicht aus, um ein großartiges Genie, einen vollkommenen Schauspieler zu bilden. Deshalb müssen diese „Gaben der Natur [...] durch das Studium der großen Vorbilder, die Kenntnis des menschlichen Herzens, durch Erwerb der rechten Lebensart, durch unermüdliche Arbeit und Erfahrung und durch Gewöhnung an das Theater vervollkommnet werden.“ Das heißt die Fehler und Unschönheiten der Natur können und sollen durch den Menschen, genauer gesagt durch den Künstler verbessert und verschönert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Problemstellung und Begründung der Fokussetzung auf Diderots Werk „Das Paradox über den Schauspieler“ im Kontext des Empfindsamkeitsbegriffs.
1. Der „wahre“ Schauspielertypus: Differenzierung der verschiedenen Schauspielertypen bei Diderot, wobei der „erhabene“, verstandesgesteuerte Schauspieler als Ideal hervorgehoben wird.
2. Die „Un-Natur“ der Kunst: Analyse von Diderots Abkehr vom Naturenthusiasmus hin zur Überzeugung, dass Kunst eine idealisierte, „konstruktive Mimesis“ erfordert.
3. Die „Zeitkrankheit der sensibilité“: Untersuchung der medizinisch beeinflussten Kritik Diderots an der Empfindsamkeit, die er nun zunehmend mit körperlicher Schwäche und Kontrollverlust assoziiert.
4. Empfindsamkeit – (k)ein rein negatives Attribut: Aufzeigung der Ambivalenz in Diderots Sichtweise, wobei Empfindsamkeit in bestimmten Kontexten und Schaffensphasen weiterhin als menschliche Tugend anerkannt bleibt.
5. Das Paradoxe am Paradox: Diskussion der internen Widersprüche und Paradoxien in Diderots Schauspieltheorie sowie der Rolle seiner bevorzugten Beispiele.
Resümee: Zusammenfassende Bewertung von Diderots Wandel vom Befürworter des Gefühls zum Verfechter des rationalen Verstandesschauspielers als Spiegel seiner Zeit.
Schlüsselwörter
Diderot, Das Paradox über den Schauspieler, Empfindsamkeit, sensibilité, Schauspielkunst, Verstandesschauspieler, Natur, Kunst, Mimesis, Bühnenideal, Gefühlsschauspieler, Rolle, Körperlichkeit, Aufklärung, Theaterwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer theoretischen Analyse von Denis Diderots Werk „Das Paradox über den Schauspieler“ und dessen Verständnis des Begriffs der Empfindsamkeit (sensibilité).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Schauspieltheorie des 18. Jahrhunderts, die Wandlung von Diderots ästhetischer Position sowie die Verbindung zwischen Natur, Kunst und dem menschlichen Körper.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Wandel in Diderots Beurteilung der Empfindsamkeit nachzuweisen und zu klären, warum er den verstandesgesteuerten „erhabenen“ Schauspieler über den gefühlsbetonten Akteur stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse und Interpretation von Diderots Schriften sowie der Einordnung in den zeitgenössischen geistes- und medizingeschichtlichen Kontext des 18. Jahrhunderts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Schauspielertypen, das Verhältnis von Natur und Kunst, die Kritik an der Empfindsamkeit als „Zeitkrankheit“ und die differenzierte Betrachtung des Attributs Empfindsamkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Diderot, Schauspielkunst, sensibilité, Verstandesschauspieler und Mimesis charakterisiert.
Warum betrachtet Diderot das Zwerchfell als so wichtig?
Diderot sah im Zwerchfell ein autonomes Nervenzentrum, das die Unmittelbarkeit emotionaler Reaktionen steuert und somit der Kontrolle durch den rationalen Verstand (das Gehirn) entgegensteht.
Inwiefern ist Diderots Sicht auf Mademoiselle Clairon paradox?
Diderot nutzt sie als Idealbeispiel für die erhabene Schauspielerin, betont jedoch an anderer Stelle ihre Weiblichkeit und Empfindsamkeit, was in seiner Theorie zur „Unempfindsamkeit des Genies“ eine Unstimmigkeit erzeugt.
Bedeutet Diderots Theorie die vollständige Ablehnung von Emotionen auf der Bühne?
Nein, Diderot unterscheidet zwischen der Inspirationsphase (in der Gefühle legitim sind) und der eigentlichen Realisationsphase auf der Bühne, in der eine perfekte, rationale Kontrolle der Ausdrucksmittel verlangt wird.
- Arbeit zitieren
- Mag. Sandra Jenko (Autor:in), 2002, Das Paradox über die Empfindsamkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/166129