1. Einleitung
Das Mädchen einer in der Landwirtschaft arbeitenden Familie muss alleine Zuhause bleiben, weil es noch zu klein ist. Mit ihrer Puppe spielend, die nur aus einem einfachen Stock besteht, sitzt das Mädchen täglich auf dem Fenstersims, wo ihre Nachbarin 'doña Clementina' auf sie und ihre unaufhörlichen Gespräche mit 'Pipa' aufmerksam wird und sie langsam in ihr Herz schließt. Als die 'niña' erkrankt und ihr Bruder ihr die geliebte Spielgefährtin wegnimmt, versucht die Nachbarin alles, um einen Ersatz für 'Pipa' zu finden. Einige Monate nach dem Tod des Mädchens entdeckt 'doña Clementina' zufällig die in ihrem Garten liegende 'Pipa' und schließt die Erzählung mit den Worten „¡Cuánta razón tenía la pequeña! ¡Qué cara tan hermosa y triste tiene esta muñeca!“. Die Erzählung La rama seca von Ana María Matute soll in der folgenden Seminararbeit zunächst nach dem Schema von Matias Martinez und Michael Scheffel in den Bereichen Zeit, Modus und Stimme analysiert werden und danach der Sekundärtext von Alicia Redondo Goicoechea auf seine Thesen untersucht und kritisch betrachtet werden. So wird unter anderem darauf eingegangen, ob Goicoecheas Betrachtung der Erzählung - als Bekämpfung der harten Realität mithilfe der Fantasie, die Wichtigkeit der Symbolik und die Unterteilung der Figuren in 'buenos' und 'malos' - als einzige Deutung gelten können oder ob der Text noch andere Deutungsansätze eröffnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse von La rama seca nach Martinez/ Scheffel
2.1 Die Zeit
2.2 Der Modus
2.3 Die Stimme
3. Wichtigste Thesen des Sekundärtexts von Goicoechea
4. Kritische Betrachtung des Sekundärtexts von Goicoechea
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählung "La rama seca" von Ana María Matute unter Anwendung narratologischer Analysekategorien nach Martinez und Scheffel. Dabei wird insbesondere geprüft, wie zeitliche, modale und erzähltheoretische Strukturen die Wirkung des Textes beeinflussen und wie diese Analyse in den Kontext der Interpretation von Alicia Redondo Goicoechea einzuordnen ist.
- Narratologische Analyse nach Martinez und Scheffel
- Untersuchung der Kategorien Zeit, Modus und Stimme
- Kritische Auseinandersetzung mit der Interpretation von Alicia Redondo Goicoechea
- Symbolik und soziale Aspekte in der Erzählung
- Die Rolle der Fantasie als Fluchtmöglichkeit aus der Realität
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Zeit
In Bezug auf den ersten Hauptbereich - der Zeit - ist festzustellen, dass die Geschichte chronologisch geordnet ist. In den Abschnitten eins bis einschließlich vier wird das Geschehen in der Erntezeit beschrieben, im Abschnitt fünf der darauf folgende Herbst und im sechsten und letzten Abschnitt wird der Frühling des nächsten Jahres als zeitlicher Rahmen genutzt. Der Erzähler springt dabei nicht in der Reihenfolge seiner Erzählung und nur an einer Stelle erfolgt eine zukunftsgewisse Prolepse, als er beschreibt „Pero nunca le ocurría nada.“ Durch die chronologische Ordnung ist die Erzählung einfach zu verfolgen und dem Leser wird die Möglichkeit gegeben, sich mehr auf Aspekte wie die Entschlüsselung der Symbolik zu konzentrieren.
Dadurch, dass die Erzählung überwiegend gerafft ist, gelingt es Matute die Handlung der Monate - von der nicht genauer eingeordneten heißen Erntezeit bis zum folgenden Frühling, die also circa ein halbes Jahr umfassen wird - auf nur sieben Seiten wiederzugeben. Die meist direkte wörtliche Rede ist zeitdeckend, es gibt etliche Ellipsen und die Erläuterungen des Erzählers sind Pausen.
Was die Frequenz betrifft, so ist die Geschichte überwiegend iterativ erzählt. Die wörtlich zitierten Gespräche und auch einige Beschreibungen der Handlung dagegen sind singulativ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Ausgangssituation der Erzählung vor und definiert den methodischen Rahmen sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Analyse von La rama seca nach Martinez/ Scheffel: In diesem Kapitel wird die Erzählung narratologisch hinsichtlich der Kategorien Zeit, Modus und Stimme untersucht.
3. Wichtigste Thesen des Sekundärtexts von Goicoechea: Dieser Teil fasst die zentralen Interpretationsansätze von Alicia Redondo Goicoechea zusammen, insbesondere hinsichtlich der symbolischen Bedeutung und der Fantasie als Fluchtmittel.
4. Kritische Betrachtung des Sekundärtexts von Goicoechea: Hier erfolgt eine kritische Reflexion und Validierung der Thesen Goicoecheas unter Berücksichtigung weiterer Aspekte der Erzählung.
5. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Symbolik und die gesellschaftliche Bedeutung des Textes.
Schlüsselwörter
Ana María Matute, La rama seca, Erzähltheorie, Martinez, Scheffel, Alicia Redondo Goicoechea, Zeit, Modus, Stimme, Fantasie, Symbolik, Literaturanalyse, spanische Literatur, Narratologie, soziale Realität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Erzählung "La rama seca" von Ana María Matute aus narratologischer Sicht und hinterfragt die Deutungsansätze der Sekundärliteratur.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der formalen Erzählstrukturanalyse sowie der inhaltlichen Untersuchung von Symbolik, Fantasie und gesellschaftlichen Faktoren innerhalb des Werkes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Erzählung strukturell zu erschließen und die Interpretation von Alicia Redondo Goicoechea auf ihre Stichhaltigkeit und Vollständigkeit zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt das Instrumentarium der Erzähltheorie nach Martinez und Scheffel, um Zeit, Modus und Stimme des Textes systematisch zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die formale narratologische Analyse des Primärtextes sowie die Zusammenfassung und kritische Würdigung der Analyse von Goicoechea.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Narratologie, Fantasie als Realitätsflucht, Symbolik der Namen und soziale Rollenbilder.
Wie bewertet die Autorin die Interpretation von Goicoechea?
Die Autorin erkennt die Nachvollziehbarkeit der Thesen von Goicoechea an, weist jedoch auf Schwachstellen hin, insbesondere bei der Interpretation einiger gesellschaftlicher Aspekte und der fehlenden textlichen Basis für manche Aussagen.
Welche Rolle spielt die Zeitstruktur in der Erzählung?
Die chronologische Ordnung und die bewusste Nutzung von Zeitverhältnissen wie Raffung und zeitdeckendem Erzählen dienen dazu, den Fokus des Lesers auf die symbolischen Ebenen des Textes zu lenken.
- Arbeit zitieren
- Shirin Dyanat (Autor:in), 2010, "La rama seca" von Ana Maria Matute: Eine Analyse nach Martinez/Scheffel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165758