Diese Ausarbeitung soll einerseits die Gedanken um die Kuhnsche Paradigmentheorie aufzeigen und andererseits prüfen, inwiefern dieses Konzept, dem ein zyklischer Moment, gekennzeichnet durch das Wechselspiel zwischen Normalwissenschaft und außerordentlicher Wissenschaft, inne wohnt, anwendbar ist auf eine der Sozialwissenschaften, die Volkswirtschaftslehre. Kuhns Konzept fand originär Anwendung auf die Naturwissenschaften, mit Fokussierung auf die Geschichte der Physik. Zu den Sozialwissenschaften sagt Kuhn in seiner SSR, dass sich jene noch in einer vorparadigmatischen Zeit befinden. Inwiefern dies auf die Volkswirtschaftslehre zutrifft, die eine Sozialwissenschaft ist, soll durch die Suche nach etwas, das als volkswirtschaftliches Paradigma verstanden werden kann, geklärt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Kuhnsche Paradigma
3. Zur vorparadigmatischen Zeit einer Wissenschaft
a. Kuhns Auffassung einer vorparadigmatischen Zeit
b. Zur vorparadigmatischen Zeit der Volkswirtschaftslehre
4. Die Phase der Normalwissenschaft
a. Kuhns Auffassung der normalwissenschaftlichen Phase
b. Die normalwissenschaftliche Phase und die Volkswirtschaftslehre
5. Die wissenschaftliche Revolution
a. Kuhns Auffassung von wissenschaftlicher Revolution
b. Wissenschaftliche Revolution in der Volkswirtschaftslehre?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Thomas S. Kuhns Theorie wissenschaftlicher Revolutionen und Paradigmen auf die Disziplin der Volkswirtschaftslehre übertragen werden kann und ob die Ökonomie als Wissenschaft bereits ein etabliertes Paradigma besitzt.
- Analyse der zentralen Begriffe Paradigma, Normalwissenschaft und wissenschaftliche Revolution bei Thomas S. Kuhn.
- Untersuchung der Volkswirtschaftslehre hinsichtlich vorparadigmatischer Entwicklungsstadien (Antike, Scholastik).
- Bewertung der ökonomischen Klassik und Neoklassik auf ihre paradigmatische Beschaffenheit.
- Diskussion über das Auftreten von Anomalien in aktuellen ökonomischen Modellen.
Auszug aus dem Buch
3. Zur vorparadigmatischen Zeit einer Wissenschaft
Um eine übersichtliche Struktur zu gewährleisten, gliedert sich dieses Kapitel in zwei Abschnitte. Zunächst soll das Kuhnsche Verständnis einer vorparadigmatischen Zeit offengelegt werden, um dann im zweiten Abschnitt eine Anwendung für die Volkswirtschaftslehre zu ermöglichen.
a. Kuhns Auffassung einer vorparadigmatischen Zeit
Um aufzuzeigen, was Kuhn unter einer vorparadigmatischen Zeit versteht, sei ein Vorgriff auf das Verständnis der „normalen Wissenschaft“ gemacht. Normale Wissenschaft bedeutet für Kuhn, dass “research firmly based upon one or more past scientific achievements, achievements that some particular scientific community acknowledges for a time as supplying the foundation for its further practice.” Sofern innerhalb einer Wissenschaft eine solche Basis noch nicht vorherrscht, die die wissenschaftliche Forschung anleitet, spricht Kuhn von einer vorparadigmatischen Zeit. Diese Phase, charakterisiert durch die Nicht-Existenz eines Paradigmas, ist für Kuhn jedoch kein Anlass dafür, dass jene Disziplin das Prädikat „wissenschaftlich“ nicht erhalten sollte. Kuhn will mit diesem Gedanken vielmehr deutlich machen, dass durch das Fehlen eines fehlenden anerkanntes Paradigmas innerhalb der Disziplin, der Freiraum, in dem der Wissenschaftler beispielsweise seine Experimente wählt, um seine Theorie zu begründen, zu groß ist und so mit den Theorieansätzen anderer Wissenschaftler konfligieren kann. In dieser Phase werden vielmehr wahllos Fakten gesammelt und es findet lediglich ein herumexperimentieren statt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Kuhns Werk „The Structure of Scientific Revolutions“ und die Problemstellung der Anwendbarkeit auf die Volkswirtschaftslehre.
2. Das Kuhnsche Paradigma: Theoretische Herleitung der Kuhnschen Begriffe „disziplinäre Matrix“ und „Musterbeispiel“ sowie deren Bedeutung für das wissenschaftliche Forschen.
3. Zur vorparadigmatischen Zeit einer Wissenschaft: Definition der vorparadigmatischen Phase nach Kuhn und Anwendung auf ökonomische Denkweisen der Antike und des Mittelalters.
4. Die Phase der Normalwissenschaft: Erläuterung des Rätsellösens innerhalb eines Paradigmas und Analyse, ob Klassik oder Neoklassik diesen Status in der Ökonomie einnehmen.
5. Die wissenschaftliche Revolution: Untersuchung der Mechanismen eines Paradigmenwechsels und Diskussion über aktuelle Anomalien in der ökonomischen Theorie.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Anwendbarkeit von Kuhns Modell auf die Volkswirtschaftslehre.
Schlüsselwörter
Kuhnsche Paradigmatheorie, Wissenschaftstheorie, Volkswirtschaftslehre, Normalwissenschaft, Paradigmenwechsel, Inkommensurabilität, Klassik, Neoklassik, ökonomische Theorie, wissenschaftliche Revolution, Musterbeispiel, disziplinäre Matrix, vorparadigmatische Zeit, Anomalie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der wissenschaftstheoretischen Paradigmentheorie von Thomas S. Kuhn auf die Volkswirtschaftslehre.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Geschichte des ökonomischen Denkens, die Wissenschaftstheorie und die Analyse ökonomischer Denkschulen anhand kuhnscher Kriterien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob die Volkswirtschaftslehre als Wissenschaft ein Paradigma im Sinne Kuhns besitzt oder ob sie sich in einem anderen Entwicklungsstadium befindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte, wissenschaftstheoretische Analyse vorgenommen, die historische ökonomische Denkweisen anhand der Kuhnschen Phasenlehre evaluiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der vorparadigmatischen Zeit (Antike/Scholastik), die Phase der Normalwissenschaft (Klassik/Neoklassik) und das Potenzial für wissenschaftliche Revolutionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kuhnsche Paradigmatheorie, Normalwissenschaft, wissenschaftliche Revolution, Paradigmenwechsel und ökonomische Klassik/Neoklassik.
Wie bewertet der Autor die ökonomische Klassik nach Kuhn?
Der Autor ordnet die Klassik eher der vorparadigmatischen Phase zu, da es an einer einheitlichen, regelgebenden Basis mangelte, auch wenn sie den Weg zur Etablierung als eigenständige Disziplin ebnete.
Was stellt laut Arbeit derzeit eine mögliche Anomalie in der Neoklassik dar?
Die Unfähigkeit oder Erklärungsnot des neoklassischen Modells, adäquat auf moderne ökologische Probleme zu reagieren, wird als eine solche Anomalie angeführt.
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- Sebastian Schneider (Author), 2010, Kuhns Struktur einer wissenschaftlichen Revolution im Rahmen der Volkswirtschaftslehre, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165679