Das Spanische auf den Kanaren erhielt seit der Eroberung der Kanaren im 15. Jahrhundert prägende Einflüsse über die Zeit hinweg. So bildete diese spanische Inselgruppe im Atlantik, bestehend aus den Inseln Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, La Palma, Lanzarote, La Gomera und El Hierro, auf lange Sicht eine Brücke zwischen der Alten und der Neuen Welt, infolgedessen viele verschiedene europäische, aber auch transatlantische Wellen in die zunächst isolierte Kultur der Ureinwohner und in ihre Sprache, das Guanche, hineinströmten.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Frage nachzugehen inwiefern und ob überhaupt das Spanische gesprochen auf den Kanaren als ein Dialekt des Kastilischen betrachtet werden kann.
Die Hausarbeit gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil wird der Begriff des Dialektes aus der Sicht der Sprachwissenschaft definiert und der Unterschied zwischen die Bezeichnungen „dialecto“ und „habla“ erläutert.
Der zweite Teilabschnitt bietet einen Überblick über das kanarische Spanisch. In diesem Kapitel wird eine Übersicht insbesondere über die wesentlichen Aspekte und Besonderheiten des Spanischen auf den Kanarischen Inseln in der Phonetik, Morphologie und Syntax behandelt. Es wird auch kurz die Historie des Archipels berücksichtigt und aus dieser die Konsequenzen für das heutige español canario abgeleitet, denn die historischen Hintergründe sind von besonderer Wichtigkeit der Entwicklung der Sprache überhaupt. Desweiteren wird auf das kanarische Wortfeld und die zahlreichen Einflusswellen in dieses eingegangen. Das Konzept des español atlántico wird auch kurz vorgestellt.
Abschließend wird im dritten Teil der Hausarbeit aus dem Gesichtspunkt verschiedener Sprachwissenschaftler der Frage nachgegangen, ob das Kanarische als Dialekt des Kastilischen betrachtet werden kann. Berücksichtigt werden jedoch auch die Eigenschaften, die den Dialekt als solcher ausmachen. Eine andere diskutierte Frage wird schließlich noch behandelt und zwar, ob kanarisches Spanisch ein „castellano mal hablado“ ist oder doch vielleicht als „evolución del castellano“ angesehen werden darf.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Der Begriff des Dialektes
2. Das Kanarische Spanisch
2.1 Ursprünge des kanarischen Spanisch – geschichtlicher Hintergrund
2.2 Das Konzept des español atlántico und das Kanarische Spanisch
2.3 Sprachgeschichtliche Einflüsse auf das kanarische Spanisch
2.4 Merkmale des kanarischen Spanisch
2.4.1 Phonetik
2.4.2 Grammatik / Morphologie
3. ¿El habla canaria – un dialecto?
4. ¿El habla canaria - mal hablado castellano o evolución del castellano?
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern das auf den Kanarischen Inseln gesprochene Spanisch als eigenständiger Dialekt des Kastilischen klassifiziert werden kann oder ob es sich eher um eine sprachliche Variation handelt, die aus historischen, sozialen und kulturellen Einflüssen entstanden ist.
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Dialekt und Mundart
- Historische Entwicklung und Einflüsse auf das kanarische Spanisch
- Phonetische und grammatikalische Besonderheiten des kanarischen Sprachraums
- Diskussion der soziolinguistischen Einordnung (español atlántico)
- Wissenschaftliche Kontroverse zur Bewertung als "Dialekt" oder "Evolution"
Auszug aus dem Buch
2.4 Merkmale des kanarischen Spanisch
Wie bereits erwähnt gehört das kanarische Spanisch zu der Gruppe der dialectos del español atlántico, die gemeinsame phonetische, morphologische und syntaktische Besonderheiten aufweisen. Im diesen Unterkapitel wird eine Übersicht über die wesentlichen Aspekte des Spanischen auf den Kanarischen Inseln gerade in der Phonetik, der Morphologie und der Syntax dargelegt. Die Darstellung der besonderen Merkmale wird durch Beispiele unterstützt. In diesem Kapitel diente mir das Buch „El español. Orígenes de su diversidad“ von Diego Catalán (1989) als Hauptquelle.
2.4.1 Phonetik
- Seseo
Die Phoneme /s/ und /θ/ sind zusammen gefallen in /s/. Fast überall hat sich auf den Kanaren der Seseo durchgesetzt, wobei das kanarische „s“ ähnlich wie das andalusische als prädorsodentaler Reibelaut artikuliert wird. Dieses Merkmal ist so fest auf den Inseln verwurzelt, dass es sogar die sonst konservativen unter ihnen wie El Hierro und La Palma fast gänzlich erfasst. (Bergerfurth 1993, S. 144)
Bsp.: corazón [korason], azúcar [asukar], precioso [presioso]
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Kanaren ein und umreißt die zentrale Forschungsfrage, ob das Spanische der Kanaren einen eigenständigen Dialekt darstellt.
1. Der Begriff des Dialektes: Dieses Kapitel definiert den linguistischen Dialektbegriff sowie die Unterscheidung zwischen Dialekt und Mundart (habla) im Kontext der Sprachwissenschaft.
2. Das Kanarische Spanisch: Das Kapitel bietet einen Überblick über die historischen Ursprünge, die verschiedenen fremdsprachlichen Einflusswellen sowie die phonetischen und grammatikalischen Charakteristika.
3. ¿El habla canaria – un dialecto?: Hier werden die Thesen bekannter Sprachwissenschaftler gegenübergestellt, die diskutieren, ob das Kanarische tatsächlich die Kriterien eines Dialekts erfüllt.
4. ¿El habla canaria - mal hablado castellano o evolución del castellano?: Das Kapitel beleuchtet die Debatte, ob das kanarische Spanisch eine "schlechte" Sprechweise oder eine innovative Evolution des Kastilischen darstellt.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das kanarische Spanisch keine homogene Einheit bildet, sondern durch soziale und regionale Schichtung geprägt ist und als innovative Sprachvariante zu sehen ist.
Schlüsselwörter
Kanarisches Spanisch, Dialekt, Kastilisch, Hispanisierung, Seseo, Phonetik, Morphologie, Sprachgeschichte, Guanchen, Andalusismen, Soziolinguistik, Sprachvariation, español atlántico, Mundart, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachliche Identität und Einordnung des auf den Kanarischen Inseln gesprochenen Spanisch.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die Geschichte der Inselbesiedlung, sprachgeschichtliche Einflüsse, phonetische und grammatikalische Besonderheiten sowie soziolinguistische Theorien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob das kanarische Spanisch als Dialekt des Kastilischen betrachtet werden kann oder eine eigenständige Variation darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse verschiedener sprachwissenschaftlicher Quellen und Theorien zum spanischen Sprachraum.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Dialekten, eine detaillierte Analyse der kanarischen Sprachmerkmale und die wissenschaftliche Debatte um deren Einordnung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kanarisches Spanisch, Dialekt, Kastilisch, Seseo und Sprachvariation.
Warum wird das Kanarische oft als "schlechtes Spanisch" bezeichnet?
Diese Volksmeinung basiert auf einer Fehlinterpretation sprachlicher Innovationen und Vereinfachungen, die von der normativen Standardsprache abweichen.
Gibt es einen Unterschied zwischen den Sprachformen auf den einzelnen Inseln?
Ja, die Arbeit stellt fest, dass es keine homogene kanarische Sprache gibt, da sich die Dialekte je nach Insel, sozialer Schicht und Generation unterscheiden.
- Quote paper
- Zornitsa Boneva (Author), 2010, Das kanarische Spanisch in der Untersuchung: El habla canaria – un dialecto, castellano mal hablado o evolución del castellano?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165587