Der Anteil von Steinkohle an der deutschen Stromerzeugung beträgt derzeit 18%, davon
wird ungefähr die Hälfte aus heimischer Steinkohle erzeugt. Deutsche Steinkohle ist gegenüber
Importkohle nur durch umfangreiche Subventionen wettbewerbsfähig. Im Jahr 2007
wurde in Deutschland mit dem Steinkohlefinanzierungsgesetz die sozialverträgliche Beendigung
des subventionierten Steinkohlenbergbaus bis 2018 beschlossen. Welche Auswirkungen
der Abbau der Steinkohlesubventionen auf die energiepolitischen Ziele Wirtschaftlichkeit,
Sicherung der Energieversorgung sowie Umweltverträglichkeit hat, ist umstritten
und wurde in der nachfolgenden Ausarbeitung untersucht. Die ökonomische Betrachtung
ergibt, dass die eingesparten Subventionen nicht vollständig für andere Bereiche eingesetzt
werden können, sondern zunächst zum Großteil für die Kosten verwendet werden müssen,
die durch die direkten und indirekten Arbeitsplatzverluste entstehen. Bei der Umweltverträglichkeit
der Förderung schneidet Steinkohle schlecht ab, da sie in Deutschland nur Untertage
abgebaut werden kann. Die dadurch verursachten Bergsenken stellen einen enormen Eingriff
in die Umwelt dar, die auch lange nach Beendigung des eigentlichen Abbaus negative
Umweltauswirkungen mit sich führen. Da die Steinkohlereserven über die ganze Welt verteilt
sind, ist eine Abhängigkeit von bestimmten Ländern eher unwahrscheinlich. Ebenso zeigen
die relativ gute politische Stabilität der Exportländer und die vielfältigen Substitutionsmöglichkeiten
von Steinkohle keine Gefahr für die Versorgungssicherheit auf. Aufgrund dieser Ergebnisse
kann einem sozialverträglichen Abbau der Steinkohlesubventionen zugestimmt
werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Methodik
2 Der deutsche Steinkohlemarkt im Überblick
2.1 Steinkohleförderung und -verwendung in Deutschland
2.2 Struktur des deutschen Steinkohlemarktes
2.3 Aktueller Stand der deutschen Kohlesubventionen
3 Auswirkungen auf Ökonomie, Ökologie und Versorgungssicherheit
3.1 Ökonomische Auswirkungen
3.1.1 Arbeitsplatzverluste durch den Subventionsabbau
3.1.2 Berechnung der fiskalischen Einsparungen/Mehraufwendungen
3.2 Ökologische Auswirkungen
3.2.1 Umweltschäden durch Steinkohleabbau
3.2.2 Folgeschäden nach Ende der Förderung
3.3 Versorgungssicherheit
3.3.1 Reserven und Ressourcen
3.3.2 Stabilität der Exportländer
3.3.3 Substitutionsmöglichkeiten
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des durch das Steinkohlefinanzierungsgesetz beschlossenen Auslaufs der deutschen Steinkohlesubventionen bis zum Jahr 2018. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse, ob der Abbau dieser Subventionen unter Berücksichtigung des energiepolitischen Zieldreiecks – bestehend aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit – ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist.
- Analyse der ökonomischen Effekte durch den Subventionsabbau und Arbeitsplatzverluste
- Untersuchung der ökologischen Folgen, insbesondere durch Bergsenkungen und Ewigkeitslasten
- Evaluierung der Versorgungssicherheit in Bezug auf Importabhängigkeit und Exportländerstabilität
- Betrachtung von Substitutionsmöglichkeiten im deutschen Elektrizitätsmarkt
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Umweltschäden durch Steinkohleabbau
Untertageabbau führt immer dazu, dass Naturräume und Strukturen durchbrochen werden. Die untertägige Gewinnung von Steinkohle führt zu Hohlräumen, die durch den auflastenden Gebirgsdruck geschlossen werden. Die Bewegung setzt sich vom Abbauniveau untertage bis zur Tagesoberfläche fort. An der Tagesoberfläche treten dadurch weit gespannte Senkungsmulden auf. Bergsenkungen können zur Veränderung der hydrologischen Verhältnisse, insbesondere der Grundwasserflurabstände, der Oberflächengewässer sowie der natürlichen Standortfaktoren führen. Sie wirken sich dadurch auf die an der Tagesoberfläche befindlichen Vegetationsformen und Nutzungen, wie beispielsweise Land- und Forstwirtschaft sowie Freizeit und Erholung aus. Durch Bergsenkungen können erhöhte Überschwemmungsrisiken und erhebliche Schäden an Gebäuden und Verkehrsanlagen entstehen.
Eine weitere Umweltauswirkung wird durch das entweichende klimaschädliche Methan verursacht, das beim Abbau aus den Kohleflözen freigesetzt wird. Der Anteil an Emissionen entsprach im Jahre 2005 0,03% der gesamten deutschen CO2eq.-Emission in Deutschland. Vom Jahre 1990 bis 2005 konnten die Methan-Emissionen durch Grubengas von 0,963 Mio.t CO2eq. auf 0,274 Mio.t CO2eq. reduziert werden.
Eine Umweltgefahr geht außerdem durch saure Wässer aus. Diese fließen mit hohen Gehalten an gelösten Schwermetallen und Sulfaten aus Kohlelagerstätten aus, die Schwermetallsulfid-Minerale und insbesondere Pyrit enthalten. Die Wässer schädigen die Umwelt durch Kontamination mit Schwermetallen und durch Säuerung. Hauptquellen sind Abraumhalden, die durch Verwitterung immer wieder zu einer Nachsäuerung führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Problematik der Steinkohlesubventionen in Deutschland und definiert das Untersuchungsziel sowie die methodische Struktur der Arbeit.
2 Der deutsche Steinkohlemarkt im Überblick: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über die Bedeutung, die Struktur des Marktes sowie den historischen und rechtlichen Stand der deutschen Kohlesubventionen.
3 Auswirkungen auf Ökonomie, Ökologie und Versorgungssicherheit: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die Auswirkungen des Subventionsabbaus auf das energiepolitische Zieldreieck aus ökonomischer, ökologischer und sicherheitstechnischer Sicht.
4 Fazit: Das Fazit bewertet die Ergebnisse der Analyse und kommt zu dem Schluss, dass ein sozialverträglicher Abbau der Steinkohlesubventionen bis 2018 befürwortet werden kann.
Schlüsselwörter
Steinkohle, Subventionen, Steinkohlefinanzierungsgesetz, Elektrizitätsmarkt, Arbeitsplatzverluste, Bergsenkungen, Ewigkeitslasten, Versorgungssicherheit, Importkohle, Substitutionsmöglichkeiten, Energiewirtschaft, Ökonomie, Ökologie, Zieldreieck, Kohlepolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Auswirkungen der schrittweisen Beendigung staatlicher Subventionen für den deutschen Steinkohlenbergbau bis zum Jahr 2018.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf das energiepolitische Zieldreieck, bestehend aus wirtschaftlicher Rentabilität, ökologischer Verträglichkeit und der Sicherheit der Energieversorgung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu bewerten, ob der Ausstieg aus der Steinkohleförderung unter den gegebenen ökonomischen und ökologischen Rahmenbedingungen sinnvoll ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine modellbasierte Analyse von Beschäftigungseffekten und fiskalischen Auswirkungen sowie eine qualitative Bewertung ökologischer und versorgungstechnischer Risiken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine ökonomische Modellrechnung zu den Folgen des Subventionsabbaus, eine ökologische Bewertung der Bergbaufolgen sowie eine Prüfung der Versorgungssicherheit durch Importabhängigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Steinkohlesubventionen, Versorgungssicherheit, Ewigkeitslasten, Bergsenkungen und das energiepolitische Zieldreieck.
Wie beeinflussen die Ewigkeitslasten die Bilanz des Steinkohleabbaus?
Ewigkeitslasten wie die dauerhafte Grubenwasserhaltung verursachen auch nach Beendigung der Förderung langfristige Kosten, was die ökologische und ökonomische Last des Bergbaus über die aktive Förderzeit hinaus verlängert.
Warum ist die Versorgungssicherheit trotz sinkender heimischer Förderung nicht gefährdet?
Aufgrund global gestreuter Vorkommen, einer hohen Diversifizierung der Importländer und der Substituierbarkeit von Steinkohle durch andere Energieträger ist eine kritische Abhängigkeit unwahrscheinlich.
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- Mariana Klaudt (Author), 2010, Steinkohlesubventionen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/165390